Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1931
- Issue
- 8 (15.7.1931)
- Article
- Einladung zu der am Sonntag, dem 30. und Montag, den 31. August 1931, in Ansbach, im Hotel Zirkel stattfindenden 50. Mitgliederversammlung des jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Date
- 1931-07-15
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- Seite 20 (sequence 1)
- Language
- German
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Meilungrn Oes IüOischen feljretoerems kür Vspern Schriftleitung: Max Adler, München 1931 München, 15. 3uli Nr. 8 Einladung zu der am Sonutag, dem 3Ü. und Montag, den 31. August 1931, in Ansbach, im Hotel Zirbel ftattfindenden 50. Mitgliederversammlung des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Programm: I. Sonntag, den 30. August, vormittags halb I! Uhr: Sitzung der Verwaltung. Tagungsraum: Sitzungszimmer der Israelitischen Kultusgemeinde. Hierzu sind außer den Mitgliedern und Ehrenmitgliedern der Verwaltung auch die Referenten und die Antragsteller eingeladen. II. Sonntag, den 30. August, a) nachmittags 5 Uhr: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Begrüßung. 2. Geschäftsbericht des Vorstandes. 3. Referat: Zur rechtlichen Stellung des jüdischen Lehrers, der jüdischen Schule und des jüdischen Religionsunterrichtes. Referent: M. Adler, München. b) abends 8 Uhr: Gemütliches Beisammensein (Lokal wird noch bekanntgegeben). III. Montag, den 31. August 1931, vormittags halb 9 Uhr: Fortsetzung j der Mitgliederversammlung. | Tagesordnung: | 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Kastenrevisoren und Entlastung der Verwaltung. 3. Wahl der Kastenrevisoren für das Geschäftsjahr 1931. 4. Sterbefallschutz. Referent: L. Uhlfelder, Nürnberg. > 5. Festsetzung des Jahresbeitrages.! Die erziehliche vedeulung des sseligionsunlerrichles Leitsätze zum Referat von Julius Kissinger 1. Die Stellung des Religionsunterrichtes im Rahmen des gesamten Erziehungsplanes ist in der Geschichte der Pädagogik, motiviert durch den Wandel im Kultur- und Geistesleben, eine sehr wechselvolle, heute noch stark umstrittene, auch innerhalb unseres deutschen Vaterlandes ' durchaus nicht einheitliche. In richtiger Erkenntnis des hohen Bildungswertes der Religion stellt die Bayerische Lehrordnung das religiöse Bildungsgut an erste Stelle. 2. Die hohe und ewige Aufgabe unserer jüdischen Glaubensgemeinschaft, als Träger und Verkünder des religiösen Gedankens in der Welt, zwingt uns in Zeiten scharfer Religionskritik zur Besinnung über die Bedeutung der Religion im menschlichen Dasein. a) Religion ist der bedeutsamste Hebel sittlicher Erziehung, da sie den sittlichen Motiven stärkere Kraft und höhere Sanktion verleiht. b) Religion verleiht dem Menschen Vertrauen in die sittliche Weltordnung und gibt ihm den inneren Frieden. o) Religion erzieht den Menschen zu opferwilliger Hingabe, überhaupt zu sozialer und staatsbürgerlicher Gesinnung. d) Religion ist ein wesentliches Bedürfnis des Menschen, ohne dessen Erfüllung er seine natürliche und übernatürliche Vollkommenheit nicht erreichen kann. e) Religion ist der Grundpfeiler für eine in sich harmonisch geschlossene Persönlichkeit und zugleich festestes Fundament des Gemeinschaftslebens. 3. Die angeführten erziehlichen Momente gelten für den Religionsunterricht aller Konfessionen. Die zenttale Stellung des Religiösen im Leben des Cinzlnen wie in der Gemeinschaft im Judentum weist dem jüdischen Religionsunterricht besondere erziehliche Bedeutung zu. 6. Vortrag: Die erziehliche Bedeutung des Religionsunterrichtes. Referenten: Julius Kissinger, München, und Liffgens, Memmingen. 7. Anträge. 8. Sonstiges. Bei der Wichtigkeit der Beratungsgegenstände und im Hinblick auf die außerordentlichen Schwierigkeiten dieser Zeit erwarten wir mit aller i Bestimmtheit ein vollzähliges Erscheinen der Mitglieder. Lasten wir uns i von den schwierigen Verhältnissen der Gegenwart nicht Niederdrücken,! sondern zeigen wir durch eine geschlossene Versammlung, daß der alte i Wille und die Begeisterung für unsere Ideale in uns allen lebendig ist.! Für gute und billige Unterkunft ist Sorge getragen. (Zimmer in der i Preislage von etwa 2.50 RM.) Auf Wunsch stehen Privatquartiere bei j Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde zur Verfügung. Meldungen unter Angabe, ob Privatquartier oder Hotelzimmer gewünscht wird, sind bis spätestens 15. A u g u st an den Vorsitzenden der Bezirkskonserenz Ansbach, Herrn Hauptlehrer Levite, Gunzenhausen, zu richten. Gemeinschaftliches Mittageffen zu mäßigem Preise ist vorgesehen. München, den 15. Juli 1931. Die Verwaltung: M. Rosenfeld, M. Adler, 1. Vorsitzender. I. Schriftführer. a) Jüdisches Erziehungsideal ist ein gottbezogenes und findet seine letzte Erfüllung in der Beobachtung des göttlichen Gesetzes, das durch den Religionsunterricht vermittelt wird. b) Die hebräische Sprache, deren Erlernung zum Eindringen in den Geist der Bibel und des Gebetbuches eine unabweisbare Notwendigkeit ist, birgt eine Fülle von hohen Bildungswerten in sich. e) Glauben und Wissen, der innere Widerstreit in der Seele des reifenden Menschen, findet im Religionsunterricht Gelegenheit zum Ausgleich. d) Durch Ausrüstung mit Kennmis des jüdischen Wesens und der jüdischen Lehre gibt der Religionsunterricht dem Heranwachsenden Jugendlichen die stärksten Waffen zur Hand gegen Anfeindungen, die das Judentum und seine Lehre erleidet. e) Zu dem rein materiellen Wert des Religionsunterrichts gesellt sich die ungeheure Bereicherung der Gefühls-Erkennmis und des Willenslebens mit der damit verbundenen Steigerung der in der menschlichen Psyche vorhandenen, der stufenmäßig der Entfalttmg und Entwicklung harrenden Geisteskräfte. 4. Die hohen erziehlichen Aufgaben des Religionsunterrichtes und die mannigfachen im und außer dem Zögling liegenden Hemmungen stellen die höchsten Anforderungen an seine Organisation: a) Verantwortungsgefühl und Opferfreudigkeit der für die religiöse Erziehung der Jugend sorgenden Gemeinschaften: Staat, Verband, Gemeinde, Familie. b) Restlose Ausschöpfung der im Rahmen der Lehrordnung gegebenen Möglichkeiten zur Erreichung des religiösen Erziehungsideals: Vermehrung und zweckmäßige Anordnung der Religionsstunden, Gründung jüdischer Volksschulen, Schaffen jüdischer Lehrbücher, methodisch aufgebauter Lehrplan. e) Unbedingtes Zusammenwirken von Elternhaus und Schule, deren Geist bestimmt ist durch eine tiefgläubige, innig fromme, überzeugungstteue, mit dem Rüstzeug modernster pädagogisch und psychologischer Hilfsmittel ausgestattete, in die Kindesnatur tief sich hineinversenkende, verstehende und vom pädagogischen Eros erfüllte Lehrerpersönlichkeit.