Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 14 (15.7.1931)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1931-07-15
- Page
- Seite 213 (sequence 1)
- Language
- German
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Kachrichtenblatt öer Israelitischen KultuSgemeinöen in München, Augsburg, Bamberg unö ÜeS VerbanüeS Bayerischer Israeiitislkier Gemeinüen IsraelAsche GememöezeLtung Erscheint am i. unö 15. jeöen Monats. — Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für Üa< plinganserstraße <54/ Kernruf 75 <5 <54 unö 75 <5 <55, Postscheck München 3987/ Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspfeaotg vchristleitung: Sr. Luöwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße ZS Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Reichspfenntg VII. Jahrgang München, ff. Juli Nr 14 Inhalt: Das Jugendamt der Israelitischen Kultusgemeinde München — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Mitteilungen des Das russische Judentum im bolschewistischen Rußland — Der Faschis- Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Vereine — Bücherschau — Amtmus und die Juden in Italien — England und Palästina — Shylock — -licher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer.Isr. Gemeinden: Bericht über die Verhandlungen des bayerisch-pfälzischen Fleischertages Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachung der Isr. Kultusin Neustadt an der Haardt vom 7. Juni I9ZI zum Punkte Schächtsrage— gemeinde München: Erhöhung der Gemeindeumlagen — Personalia Das Jugendamt der Israelitischen Kultusgemeinde München Entstehung, Entwicklung und Organisation Wir entnehmen den folgenden Aufsatz dem eben erschienenen Juli-Heft der ausgezeichenten Zeitschrift „ Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpoltik". Die ständige Lektüre dieser Zeitschrift (Verlag: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. E. V. Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158), die immer mehr das führende repräsentative Organ über alle das Judentum berührenden Fragen von ,,Wirtschaft und Gesellschaft" wird, sei allen bayerischen Gemeindeverwaltungen aufs angelegentlichste empfohlen. Im Jahre 1904 wurde in München der Verein Israelitische Iugendhilse E. V. gegründet, der zunächst einen Kindergarten, bald darauf einen Hort ins Leben rief. Ärztliche Beratung, regelmäßige zahnärztliche Behandlung, gründliche Körperpflege in Kindergarten und Hort, Hausbesuche, Mütterabende, dies alles wurde von den meist ehrenamtlich arbeitenden Damen eingesührt. Im Laufe der Jahre ergab sich die Notwendigkeit, die Arbeit zu teilen. Ein Ausschuß übernahm die Leitung von Kindergarten, Hort und Kinderspeisung. Ein zweiter Ausschuß übernahm die offene Jugendfürsorge. Das war im Jahre 1916. War es auch ehrenamtliche Arbeit, die hier geleistet wurde, an Umfang und Intensität glich sie beruflicher Tätigkeit. Bald ergab sich daraus die Notwendigkeit für ein Kinderheim, das denn auch im Jahre 1918 im kleinsten Umfange gegründet wurde. So waren die drei Arbeitsgebiete: halboffene, offene und geschlossene Jugendfürsorge nach und nach entstanden. Man arbeitete Hand in Hand und kam schließlich zu der Überzeugung, daß eine enge Verschmelzung für die Arbeiter vorteilhafter sein würde. 1921 wurden daher die beiden Ausschüsse in einen Arbeitsausschuß vereinigt, der die Verantwortung und die Arbeit der gesamten jüdischen Jugendfürsorge in München übernommen hat. Um noch intensiver arbeiten zu können, entschloß man sich, eine Iugendfürsorgerin anzuftellen. Die Folge der intensiven Arbeit war wiederum, daß die bis dahin nur aus privaten Beiträgen und Spenden aufgebrachten Mittel nicht mehr ausreichten, und so trat man im März 1922 zum ersten Male an die jüdische Gemeinde mit'der Bitte um Zuschuß heran. Das war die Zeit der Inflation, und die Bitte blieb unerfüllt.Durch Mittel, die durch Vermittlung der Zentralwohlfahrtsftelle der deutschen Juden aus der Ioint- Spende zur Verfügung gestellt wurden, konnte man den notwendigsten Anforderungen gerecht werden. Die Verhältnisse zwangen aber bald dazu, die offene Jugendfürsorge in den Rahmen der gemeindlichen Tätigkeit einzugliedern, und so wurde es sehr begrüßt, als im Jahre 1923 die Sprechstunden in die gemeindlichen Räume verlegt werden konnten und die gemeindliche Sozialbeamtin in engster Fühlung mit dem Verein, einen Teil der Arbeit übernehmen durfte. Die Mittel für die offene Jugendfürsorge wurden immer noch allein vom Verein aufgebracht. Im Jahre 1924 hat die Gemeinde den ersten Zuschuß gegeben, und erst 1928 hat sie die gesamten Kosten übernommen. Schließlich wurde die offene Jugendfürsorge dem gemeindlichen Wohlfahrtsamt als Jugendamt angegliedert. Seit 1929 besteht das Jugendamt der Israelitischen Kultusgemeinde München. Der Arbeitsausschuß des Vereins Israelitische Iugendhilse E. V. ist nunmehr ein gegemeindlicher Ausschuß und trägt gemeinsam mit dem Jugendamt die Verantwortung für die gesamte jüdische Jugendfürsorge. Es werden in den regelmäßig stattfindenden Sitzungen sämtliche Fälle der offenen, halboffenen und geschloffenen Jugendfürsorge besprochen. Selbstverständlich ist auch ein Vertreter der Gemeinde in diesem Ausschuß. Seit Januar 1931 wird im Wohlfahrts- und Jugendamt nach den Grundsätzen der Familienfürsorge gearbeitet. Wirtschaftsnud Jugendfürsorge werden von den Sozialbeamtinnen durchgeführt, nur die rein pflegerische Betreuung ist der Gemeindeschwester übertragen. Sie sieht sich regelmäßig nach Säuglingen und Kleinkindern um, sorgt für die richtige Pflege der kranken Kinder, überwacht die Ausführung der in den ärztlichen Beratungen getroffenen Anordnungen. Zur ärztlichen Beratung werden sämtliche Kinder regelmäsig vorgeladen.