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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-07-01 · 13 (1.7.1931) · p. Seite 203

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
13 (1.7.1931)
Article
Der XVII. Zionistenkongreß in Basel
Date
1931-07-01
Page
Seite 203 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 203 gierte), die allgemeinen Zionisten 7 Prozent (3 Mandate), Misrachi erhält I Mandat und Hapoel Hamisrachi 2 Mandate. Bemerkenswert sind die letzten Ausführungen des bedeutendsten europäischen jüdischen Blattes, der Jewish Chronicle. Sie befassen sich mit dev Frage der künftigen Leitung der Zionistischen Organisation. Der Aufsatz bedeutet eine Abkehr von der Weizmann-gegnerischen Politik, die das Blatt während der letzten Jahre befolgt hat. Cs wird anerkannt, daß Weizmann die hervorragendste Persönlichkeit im Zionismus ist und daß cs unvorteilhaft wäre, einen Wechsel in der Führung eintreten zu lassen. Allerdings müsse an das Verbleiben Weizmanns die Bedingung geknüpft werden, daß er eine Reihe von in letzter Zeit gemachten Erklärungen über die Ziele des Zionismus und seine Haltung bezüglich deÄ gemischten Jewish Agency einer Revision unterziehe. Die Übernahme der Führung durch Jabotinsky kommt nach der Meinung der Jewish Chronicle in keiner Weise in Betracht, weil Jabotinsky nicht das mindeste Vertrauen der Mandatarmacht genieße und unter dem Bannfluch der Amben stehe. Von besonderer Bedeutung ist ferner das Programm, das die amerikanischen Zionisten dem Kongresse vorlegen wollen. Die Amerikaner wünschen vor allem eine tatkräftige Förderung der privaten, geschäftlichen Initiative für Palästina. Ein besonderer Fachausschuß für wirtschaftliche Entwicklung soll dieser Förderung dienen. Rein ideologisch scheinen die Amerikaner den Gedanken des Brith Schalom, also die Idee eines binationalen Staates abzulehnen; sie wenden sich damit vor allem gegen die letzte Erklärung Weizmanns, dicj besagt, Palästina könne kein jüdischer Staat, sondern nur ein Gemeinwesen zweier gleichberechtigter Völker sein. Über die verschiedenen Parteien innerhalb des Zionismus haben wir schon früher kurz berichtet. Nachum Goldmann, der Führer der radikalen Zionisten führt über die innere Lage der Bewegung in einer der letzten Nummern der „Jüdischen Rundschau" folgendes aus: „Bei aller nüchterner Einschätzung der politischen und finanziellen Situation glaube ich doch, daß kein Grund zum Pessimismus vorhanden ist. Der zionistische Wille des jüdischen Volkes hat sich gerade in diesem Jahr in seiner ganzen Stärke und Vehemenz manifestiert. Bei aller Schwierigkeit ist die Möglichkeit außenpolitischer. und finanzpolitischer Erfolge gegeben, wenn die neue Leitung systematische, nüchterne und zielbewußte Arbeit leisten wird? Aber es gibt eine Voraussetzung für alle Crfolgsmöglichkeiten, ohne die eine fruchtbare politische und kolonisatorische Arbeit in den nächsten Jahren unmöglich sein wird: die innere Bereinigung der Organisation. Die Verhälmisse innerhalb der Bewegung sind heute unhaltbar geworden. Eine innerzionistische Verhetzung und Zersetzung, wie sie das letzte Jahr gezeigt hat, ist untragbar. Ein innerpolitischer Kampf, der sich nicht damit begnügt, den Gegner in seiner Politik zu diskreditieren, sondern ihn menschlich diffamiert, für den Begriffe wie Verrat, Korruption, Käuflichkeit usw. alltägliche Vorstellungen geworden sind, muß eine freiwillige Bewegung vom Charakter des Zionismus in sehr kurzer Zeit zerstören, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird." Von praktischer Bedeutung ist vor allem die gegenwärtige wirtschaftliche und finanzpolitische Situation. „Wir befinden uns", sagt Goldmann, „seit Jahren in Palästina in einem Zustand kolonisatorischer Stagnation. Die entscheidende Aufgabe in der gegenwärtigen Situation ist die Beschaffung neuer Mittel zur Einleitung einer Epoche kolonisatorischer Expansion in Palästina. Wir glauben nicht, daß wir lediglich mit den Mitteln der nationalen Fonds dazu in der Lage sein werden, und es scheint uns notwendig zu sein, daß die kommende Leitung sich mit zwei neuen Möglichkeiten ernsthaft beschäftigt: Die erste ist die Mobilisierung jüdischen Privatkapitals für Palästina, wofür auch gerade infolge der Wirtschaftskrise überall, besonders in Amerika, große Möglichkeiten bestehen. Eine andere große Möglichkeit neuer kolonisatorischer Expansion ist der Versuch zur Durchführung einer internationalen Anleihe. Er scheint mir vielleicht die bedcuendste Aufgabe der künftigen zionistischen Leitung zu sein." In den verschiedenen Parteiprogrammen des Zionismus ist am wenigsten von den eigentlichen jüdischen, kulmrellen und religiösen Problemen die Rede. Die Gruppe der „Misrachi", die sich dieser Fragen am meisten annimmt, ist, wie die Wahlen gezeigt haben, nicht sehr stark. Die Tagessorge des Zionismus ist heute hauptsächlich eine wirtschaftliche und die Frage der besten Regierungs- und Vertretungsform. Darüber läßt sich ein Vertreter des offiziellen Zionismus, Dr. Siegfried Moses, in einem leitenden Aufsatz der „Jüdischen Rundschau" wie folgt vernehmen: „Ich weiß nicht, ob der Druck einer nie gekannten Notlage es zuwege bringen wird, daß die zionistische Weltorganisation ihre Arbeit und ihr organisatorisches Gewand konsequent und uneingeschränkt ihren Möglichkeiten und ihren Notwendigkeiten anpaßt. Sollte es gelingen, so würde damit — fast möchte ich sagen: kampflos — auch die Grundursache der scheinbar so mannigfachen Mängel beseitigt, die heute in der Organisation die Arbeitsmöglichkeiten stören und verringern: das überwuchern des Parlamentarismus, der gleichzeitig und in gleichem Maße die Aufbauarbeit in Palästina und die zionistische Arbeit im Galuth schädigt. Nur so verwickelte, die wirklichen Größen- und Machtverhältnisse ignorierende Organisationsformen, wie wir sie jetzt haben, geben den Nährboden für den Scheinparlamentarismus ab, der der Prototyp der Unwirklichkeit und doch von verhängnisvollen realen Auswirkungen ist. Ihn auszuschalten, bedeutet keinen Verzicht auf Demokratie; wir glauben zu wissen, daß Demokratie trotz aller Mängel die beste Form für eine Regelung sozialer Beziehungen ist, die der Menschengeist bisher gefunden hat. Unsere Aufgabe ist es, unter den verschiedenen Formen der Demokratie die zu finden und zu adaptieren, die unserer besonderen Situation gemäß sind. Was wir auftecht erhalten müssen und was uns auftecht erhäll, ist der Glaube an die innere Kraft der zionistischen Idee und die Hoffnung, daß in unseren Reihen die Menschen sind, die unsere Bewegung zum Erfolge führen werden, sobald sie sich fähig erweist, die Organisation zu konsolidieren und sich auf das wirkliche Ziel zu konzentrieren. Werden jetzt endlich die Voraussetzungen für eine sachliche Arbeit von Menschen mit Führerqualität und Führerautorität und damit für das Gelingen des Palästinaaufbaues geschaffen werden?" Das Studium des Sebräiscken Sein Bildungs- und Kulturwert Ein Gutachten von Professor Dr. Johannes Hehn ord. Professor der alttestamentlichen Exegese und der biblisch-orientalischen Sprachen an der Universität Würzburg. Nachtrag zu unserem Sonderheft „Die hebräische Sprache" Die Schulleitung der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg hat mich unter Hinweis auf die bevorstehende Neuordnung der Lehrerbildung ersucht, über den Bildungs- und Kulturwert der hebräischen Sprache ein Gutachten zu erstatten. Ich komme diesem Ersuchen um so lieber nach, als sich damit Gelegenheit bietet, mich über ein außerhalb der Fachwelt wenig bekanntes Gebiet zu äußern. I. Das Hebräische ist eine semitische Sprache, die in Formenlehre und Satzbau ganz anders geartet ist als die indogermanischen Sprachen. Das ist der Grund, warum das Hebräische so schwer zu erlernen ist. Aber der Studierende, der hier eine ganz andere Schrift, eine eigenartige Lautlehre und ganz neue Ausdrucksformen kennen lernt, gewinnt damit einen viel tieferen Einblick in das Wesen der Sprache überhaupt, als wenn er sich nur mit indogermanischen Sprachen beschäftigt. Das Studium der hebräischen Sprache wäre für alle Schüler sehr werwoll, um an ihrem ganz anderen Sprachgeiste zwischen Form und Inhalt der Gedanken schärfer unterscheiden zu lernen, aber das Hindernis blldet für die meisten die Schwierigkeit der Erlernung dieser Sprache. Aber fraglos gewinnt der Studierende an grammatisch-formaler Schulung mehr durch die Erlernung dieser ganz eigenartig gebauten Formen und L-ätze, als wenn er nur seiner Muttersprache engstverwandte Sprachen studiert. Es kann gar kein Zweifel an der Gleichwertigkeit des Bildungswertes des Hebräischen mit dem Lateinischen oder Englischen bestehen. 2. Desgleichen steht das Hebräische an Kulturwert den beiden eben genannten Sprachen nicht nach. Das hebräische Alte Testament enthält die klassischen Quellen unserer religiösen Literatur in den mannigfachsten Formen: historische Quellen und Darstellungen, in den prophetischen

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