Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 12 (15.6.1931)
- Article
- Nach welchem Lehrbuch lernt man neuhebräisch? [Rezension]
- Date
- 1931-06-15
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 2. Die Sprache, mit Ausnahme der ersten dreizehn Lektionen, ist bei weitem nicht die des alltäglichen Lebens, sondern die der Psalmen und der Poesie, so daß sich der Schüler normalerweise keineswegs ihrer bedienen kann. 5. Das Buch hat kein Wörterverzeichnis und fordert noch Anschaffung eines hebräisch-deutschen und deutsch-hebräischen Wörterbuches. Diese Mängel können jedoch von einem Schüler mit mehr als durchschnittlichen Fleiß und Intelligenz überwunden werden. Für solche Schüler ist dieses Buch wegen seines schönen Hebräisch geeignet. Es kommt also mehr für Einzelunterricht, auch für Selbstunterricht, in Frage. Für Schulunterricht und für Kurse ist das nachfolgende Buch zu cmp- ■ fehlen: „Laschon Waarez", d. h. „Sprache und Land" von Dr. Scharororodska, Berlin 1950, Verlag Rubin Maß. Der Name „Laschon Waarez" zeigt den Inhalt des Buches an: Der Stoff ist inhaltlich wie jeder moderne Sprache aus dem Leben des Landes, dessen Sprache erlernt werden soll, zusammengesetzt. Liest man das Buch, so gewinnt man dadurch auch eine gute Vorstellung von der Entwicklung und den gegenwärtigen Verhältnissen im jüdischen Palästina. Durch die Lebendigkeit der Sprache und des Stoffes und in Verbindung damit durch die Wahl der Vokabeln ist dieses Lehrbuch, mehr als die vorhcrgcnanntcn, für Lehrzwecke, vor allem in Kursen, geeignet. Die schöne Ausgabe und die zahlreichen Bilder regen das Interesse der Schüler am Hebräischen an. Zu diesem Buch gehört auch ein Schlüssel, der bis jetzt jedoch noch nicht erschienen ist; deshalb kann es vorläufig noch nicht für den Selbstunterricht benützt werden. Außer den bereits erwähnten Vorzügen besitzt „Laschon Waarez" noch einen bedeutenden Vorteil: Es versucht den Schüler allmählich an den unpunktierten Text zu gewöhnen, dadurch, daß es schon durch Wiederholung bekannte Wörter unpunktiert enthält. Eine hebräische Grammatik enthält das Buch nicht; die Grammatik wird voraussichtlich in dem demnächst erscheinenden Schlüssel zu finden sein. Außer den drei oben erwähnten Lehrbüchern, die nur für Anfänger, vor allem für erwachsene Anfänger, berechnet sind, gibt es noch eine ganze Reihe von Lehrbüchern des berühmten Dichters und Pädagogen Jakob Fichmann unter dem Titel „Laschon Wasefer", die, nach Lehrjahren geteilt, für Schüler jeder Altersstufe mit verschiedenen Kenntnissen geeignet sind. Diese Serie enthält sieben Lehrbücher und ist im jüdischen Osten und in Palästina das verbreitetste Lehrbuch. Der erste Teil, „Alef- Beth", und der zweite, „Perosedor", illustriert, sind nur für Kinder berechnet. Die anderen fünf Teile sind Chrestomathien und enthalten auserwählte Erzählungen und Lieder aus der neuen' hebräischen und zum Teil aus der weltlichen Literatur. Im 4. und 5. Band sind auch Abschnitte aus wissenschaftlichen Werken moderner jüdischer Denker und Literaturkritiker wie auch aus der hebräisch-spanischen Poesie vorhanden. Talmud- und Midrasch-Literatur kann man im Auszug nach dem „Sefer-Haagada" von Bjalik-Rawnizky und nach „Ozar Lafrut Iisrael" von Dr. I. L. Baruch (Eschkol-Derlag Berlin) kennen lernen. Die Lehrbücher „Laschon Wasefer" haben das Verdienst, einen Überblick über die gesamte neuhebräische Literatur zu geben. A. Percikowitsch Karl Lieblich, Wir jungen Juden. Stuttgart 195! (Jonen-Verlag). Im Nahmen des Auerbachvereins zu Stuttgart hielt der Dichter Karl Lieblich in den Jahren 1929, 1950 und 1951 drei Vorträge über Sinn und Wesen des Judentums. Als ein Schauender, dessen Gesichtskreis von keinerlei parteilichen Bindungen gettübt wird, geht er an die Grundprobleme des modernen Judentums heran. Im ersten der drei Vorttäge, die nun durch ein Nachwort ergänzt als Buch vorliegen, zeigt Lieblich mit schärfster Logik alle Konflikte unserer jüdischen Existenz. Erst im letzten, im Hauptvortrag, der den Titel „Wir jungen Juden" trägt, bemüht er sich um einen Weg, der fernab von allen bestehenden Richtungen im Judentum, in eine hellere, freiere jüdische Zukunft führen soll. Ausgehend von der Tatsache eines jüdischen Volkes folgert der Verfasser nicht, wie es die Zionisten tun, den Anspruch auf ein eigenes Territorium (Palästina), sondern er ist der Meinung, daß die Mission des jüdischen Volkes nur in der Diaspora erfüllt werden kann; darin begegnet er der Grundidee des Centtalvereins. Die jüdische Religion erklärt er kurzerhand für abgetan und predigt eine neue Form jüdischer Religiosität „ohne Tallis und Tephillin". An Stelle der Thora (im weitesten Sinne) setzt er ein blutleeres philosophisches System von der Mittelbarkeit alles kosmischen und animalischen Geschehens, das wie er glaubt an ewigen Kampf Aller gegen Alle gebunden ist. Gott entrückt er, wohl als unbewußter Schüler Spinozas, in imaginäre Sphären und weist jedes direkte Anreden Gottes, also die unmittelbare Beziehung zum IHM als verkleinernde, entwürdigende Blasphemie zurück. Das jüdische Volk aber, in dem er die Gürtelnation, die die Menschheit umspannen und vereinigen soll, erblickt, will er zum Träger dieser zutiefst unjüdischen Lehre machen. So logisch Lieblichs Buch auch dem Unbefangenen zunächst erscheinen mag, es ist doch eine große Lücke in diesem ganzen philosophischen Bau. Lieblich vergaß nämlich an die Juden. Er rechnet nicht mit der Realität des jüdischen Menschen und mit dem einfachen Sosein unserer jüdischen Existenz. Darum ist sein ganzes Werk nicht lebensfähig, sondern nur ein Diskussionsobjekt für literarisch-intellektuelle Kreise, nicht aber, wie uns der Waschzettel so vielsagend verheißt, ein umformendes, wegweisendes Buch, den nur Herzls „Iudenstaat" an die Seite zu stellen sei. Fritz Rosenthal. Seschättsnachrichten Heilquellen am Kleinhesseloher See Der Pächter des Restaurants Kleinhesseloher See, Ludwig Schmitt, hat dankenswerter Weise in seinen Betrieb eine Heil-Brunnenkurstätte geschaffen. Täglich von 6 bis 9 Uhr bis zum August werden die Heilquellen, wenigstens in Original-Flaschenabfüllungen, am Kleinhesseloher See fließen. Es gibt: Lauchstädter, Kissinger Rakoczy, Friedrichshaller, Franz-Ioses-Bitterwasser, Salzschlirfer Bonifacius, Brükkenauer Wernarz, Fachinger, Dietenbronner, Wildungcr Helencnquelle, Marienbader Kreuzbrunnen, Emser, Mergentheimer, Karlsbader Mühlbrunnen, Karlsbader Sprudel, Silvana, Krankenheiler Adelheid, Darkauer Jod, Wiesbadener, Göppinger in Originalgläsern mit Grammeinteilung, wie es die Kurvorschriften erfordern. Mühelos kann man sich so auf dem billigsten Wege am Kleinhesseloher See allmorgendlich einer Kur unterziehen. Das jüdische Krankenhaus in Gailingen Erholungsbedürftigen kann das jüdische Kranken- und Erholungsheim in Gailingen auf das beste empfohlen werden. Im Juli dieses Jahres wird ein neuer Anbau fertig sein, der einen großen Speisesaal, einige Zimmer, einen Aufenthaltsraum und einen Balkon, den man bei gutem Wetter für Licht- und Sonnenbäder benützen kann, umfaßt. Die günstige Lage des Heims, mitten in einem schönen, mit Bäumen beschatteten Garten, ringsum Felder und Wiesen, abseits der Ortshäuser, ruhig und staubfrei mit herrlicher Aussicht auf die nahe Schweiz, bürgt für gute Erholung. Die Verpflegung ist erstklassig, gut bürgerlich, vor allem aber streng rituell und sauber. Der Pensionspreis inkl. Arzt bettägt je nach Zimmer von RM. 6 an. Man wende sich an die Verwaltung des israelitischen Krankenhauses in Gäilingen, Baden. Verkaufsstellen J Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 370646 Glückst aße 10 Fernsprecher 2 96 944 Thierschstraße 19 Fernsprecher 22082 Franz-Jo ef-Straße 29 Fernsprecher 30452 SchleißheimerStraßelOO Fernsprecher 370 3 26 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof^Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100 / Tel. 370326