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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1931-06-15 · 7 (15.6.1931) · p. Seite 17

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1931
Issue
7 (15.6.1931)
Article
Erziehungsgrundsätze und Jugenderziehung in Bibel und Talmud
Date
1931-06-15
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 17 V. B. Die beiden Crziehungsfaktoren Haus und Schule bedürfen zur Unterstützung ihrer Tätigkeit, wenn diese sich segensreich gestalten soll, auch der entsprechenden Erziehungsmittel. Diese sind auch nach dem Talmud: Gewöhnung und Belehrung, Beispiel und Überwachung, Lohn und Strafe. Gewohnheit wird zur zweiten Natur. Dieses Wort wird auch im Talmud anerkannt und kommt in verschiedenen talmudischen Aussprüchen zum Ausdruck. Wenn wir lesen: rvru *6 mixo 'in!? nxppn 'ir „Wenn der Bauer König wird, so kommt ihm doch der Futterkorb nicht vom Halse", so will das nichts anderes sagen, als die Macht der Gewohnheit hervorheben. Die Arbeit, welcher sich der Mensch von Jugend an widmet, wird ihm so zur zweiten Natur, daß er sich auch in anderen Verhältnissen nicht davon losreißen kann. Darum erfolgt auch die Mahnung durch Rabbi Akiba, stets nur aus einem fehlerfreien Buche zu unterrichten; denn Fehler, die sich in der Jugend einprägen, sind später nicht mehr auszumerzen. tSH tsm }V2 hy by~ yro KnttOB? sind geflügelte Talmudworte, welche die Macht der Gewohnheit bekunden. Auch König Salomo hat in seiner Weisheit die Bedeutung der Gewöhnung für die Erziehung erkannt und richtet daher an alle Erzieher die eindringliche Mahnung: „Gewöhne den Knaben in seiner Weise; auch im Alter wird er nicht davon ablassen!" Denn der günstigste Zeitpunkt zur Gewöhnung ist die frühe Jugendzeit, wo Geist und Herz lenksam und gefügig sind, wo der kindliche Sinn die gewonnenen Eindrücke unauslöschlich festhält. Nur das zarte, junge Bäumchen kann des GärMers kundige Hand zwingen, gerade und schlank zu wachsen. Der harte, feste Stamm jedoch ist ungefügig und unbiegsam. Daraus ergibt sich für die Erziehung die wichtige Folgerung, die Macht der Gewohnheit frühzeitig in den Dienst der Religion und Sittlichkeit zu stellen. Jedenfalls sollen lange vor Eintritt in die Schule tiefe religiöse Eindrücke auf das Kind wirken. v"pi min V2x I2~b yivn p? „Wenn das Kind zu reden versteht, lehre es sein Vater die ersten Bibelworte." Ist das Verständnis für Ausübung religiöser Pflichten vorhanden, soll cs auch hierzu angehalten werden. Eine bestimmte Altersgrenze haben unsere Weisen hierfür nicht festgesetzt und überlassen dies der Einsicht und dem Urteil der Erzieher. Dagegen verlangen sie mit aller Entschiedenheit die Abgewöhnung verkehrter Neigungen und die Verhütung religionswidriger Handlungen, indem sie ausrufcn: □’Jüpn D^n.; .-imnV moxi ncs „Warnet und mahnet wiederholt Ihr Großen stets die Kleinen!" Gewöhnung und Belehrung stehen in inniger Wechselbeziehung; beide unterstützen und ergänzen sich gegenseitig und ermöglichen in Verbindung mit den übrigen Erziehungsmitteln die Erreichung des Erhabenen jüdischen Erziehungszieles. Gewöhnung und Belehrung bedürfen der Ergänzung durch das lebendige Beispiel, durch das gute Vorbild. Sein Einfluß wurzelt in dem Nachahmungstrieb, in dem starken Streben, das Beispiel anderer nachzuahmen und namentlich das Kind ist gerne geneigt, dem Vorbild anderer zu folgen. Das vorbildliche Tun und Leben der Eltern prägt sich tief und nachhaltig dem kindlichen Gemüte und Herzen ein und bleibt meist maßgebend für das ganze Leben. Der in der Familie herrschende Geist, die Luft, die in des Hauses Mauern geatmet wird, gibt dem darin aufwachsenden Geschlechte das sittlich-religiöse Gepräge. Darum lesen wir im Talmud den Ausspruch: '17! üb SBO 'DO nyöltSH IS*1’ ’N „Wenn sie nicht dieses im Vaterhause gehört oder gesehen hätten, würden sie es nicht k un d." Oder: „D e r Sohn wandelt in den Fußtapfen des Vaters." „Die Taten der Tochter gleichen den Taten der Mutter." Selbst aus dem Gespräch der Kinder schließen die Talmudweisen auf die Gesinnung der Eltern. „Das Gespräch des Kindes auf der Straße rührt vom Vater oder von der Mutter her!" urteilt der Talmud. So sehen wir, wie wichtig den Weisen das gute Beispiel im Clternhause erscheint. Und mit Recht! Geben die Eltern das Vorbild wahrer Gottesfurcht, treuer Rechtschaffenheit und Arbeitsfreudigkeit, edler Menschenliebe und Wahrhaftigkeit, so werden diese Charakterzüge sich auch bei den Kindern zeigen. Bietet aber das Elternhaus das Beispiel religiöser Gleichgültigkeit, des Unfriedens, der Lieblosigkeit, der sittlichen Verwahrlosung, müssen sich sicher auch die Folgen bei den Kindern bemerkbar machen. Fortsetzung folgt Gaukönigshofen. 4Ojähriges Amtsjubiläum und Abschiedsfeier. Am l. Juni waren 40 Jahre vergangen seitdem der Lehrer, Herr Jul. Bravmann, sein Amt hier angetreten hatte. Eine Generation hat er gehen sehen. Eine ganze Generation aber hat er auch ins Leben entsandt, wohl versehen mit hebräischen Kenntnissen, wie sie eben nur ein fleißiger und pflichtbewußter Beamter vermitteln kann. Die israelitische Kultusgemeinde hatte cs sich nicht nehmen lassen, diesen Tag festlich zu begehen. In der stilvoll geschmückten Synagoge versammelten sich gegen 15 Uhr alle anwesenden Mitglieder und auswärtigen Gäste. Dazu gesellten sich auch viele christliche Bürger, so daß die Anwesenden noch den Raum vor dem Gotteshaus füllten. Erschienen war auch der vollständige Gemeinderat mit dem Bürgermeister und der katholische Geistliche. Die Feier wurde durch einen Psalm eröffnet, mit klangvoller Stimme vorgetragen von Oberkantor Eschwege-Würzburg. — Den Reigen der Ansprachen eröffneten die derzeitigen Schüler, die — auch später zwischen den einzelnen Rednern — in ansprechenden Versen ihrem Lehrer ihre Wünsche darbrachten und Blumen überreichten. Kultusvorstand Mainzer begrüßte die Erschienenen, dankte bewegten Herzens dem Lehrer für die Hingabe an seine Pflichten und sprach sein tiefstes Bedauern aus, daß Lehrer Bravmann, der bereits die Altersgrenze überschritten hat, die Gemeinde verlasse um in den Ruhestand zu tteten. Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemut feierte Bravmann als einen erfolgreichen Pädagogen, einen die Andacht erzwingenden Vorbeter und einen gottessürchtigcn Menschen. Der katholische Geistliche sagte von ihm, daß er ihn „schätzen und achten gelernt". Der Bürgermeister stellte fest, daß es Bravmanns Verdienst sei, wenn die beiden Konfessionen in Eintracht mit einander leben und überreichte ihm . die Urkunde des Ehrenbürgerrechtes. Studienrat Direktor Stoll gratulierte names des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und des Seminars, Hauptlehrer Brückheimer im Aufträge des jüdischen Lehrervereins, Herr Weikersheimer als ehemaliger Schüler, Lehrer Kannemacher als Beaufttagter seiner Gemeinde Aub und Herr Pfeuffer für die Filialgemeinde Giebelstadt, die Bravmann 25 Jahre witversehen hat. Als Letzter zeichnete derSchwiegersohn des Jubilars, Herr Mittelschullehrer Bick, Michelstadt, in warmen Farben ein Bild seines Schwiegervaters, indem er gerade jene Seiten aufzeigte, die im allgemeinen der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Dann nahm der Jubilar selbst das Wort. Es waren weihevolle Minuten, in denen er zuerst seinem Gott den Dank erstattete, daß er ihn bis heute mit solcher Vatergüte geführt habe. Er dankte den einzelnen Rednern, überschaute nochmals seine ganze Lebensarbeit in der Gemeinde und schloß mit dem Segenswunsche, daß Gottes Huld auch weiterhin über ihr walten möge. Mit dem stimmungsvoll vorgettagenen Psalm 118 schloß die erhebende Feier. Brückheimer. Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz Am Donnerstag, den 14. Mai (Himmelfahrtstag), fand im Parkhotel in Bad Dürkheim die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Ihr Besuch war zufriedenstellend, ihr äußerer Rahmen durch das lie, benswürdige Bemühen des Herrn Stadttat Sttauß sehr stimmungsvoll, ihr Verlauf harmonisch. Dem Schatten der heutigen krisen- und nötereichen Zeit kann kein Kreis — auch der kleinste nicht — sich entziehen. So waren denn unsere Besprechungen erfüllt von dem Bewußtsein der Schwere und Opferforderung der Gegenwart, aber auch derNotwendigkeit der Anspannung aller Berufsenergien und Wachhaltung des Vertrauens in eine bessere Zukunft, Pflichten, auf die der Vorsitzende in seinem Willkommengruß eindringlich hinwies. Herzliche Worte der Begrüßung sprach der Vorsitzende des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz, Herr Kommerzienrat Joseph, der in seinen sachlichen Ausführungen die Notwendigkeit der Kürzung der Aufwandsentschädigung bei Erteilung des auswärtigen Religionsunterrichts begründete. Ferner Herr Stadttat Strauß namens der Gemeinde Bad Dürkheim, der sich über die Bedeutung des Religionslehrers für die Erhaltung des Judentums verbreitete, und Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher, der einige aktuelle Probleme der Pädagogik streifte. Nach Erstattung des Jahresberichtes durch den Unterzeichneten hielt Kollege Bernstein-Zweibrücken das methodische Referat: Die Zweckmäßigkeit und die praktische Anwendung des Arbeits- und Spielprinzips im Religionsunterricht". Der Referent hatte sich die Arbeit nicht leicht gemacht. Nach ausführlicher theoretischer Grundlegung zeigte er an Hand von in seinem Unterrichte angefertigten Schreib-, Druck-, Mal- und Spielarbeiten die schönen und raschen Erfolge dieser Methode. Es

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