Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 12 (15.6.1931)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1931-06-15
- Page
- Seite 177 (sequence 1)
- Language
- German
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Nachrichtenblatt öer Israelitischen KultuSgemeinÖen in München/ Augsburg/ Hamberg unö ÖeS Verbanües Hagerischer Israelitischer Gemeinden Darserilche Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am 1. unö 15. jeöen Monats. — Herlag: H. Heller/ München/ Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für öas plinganserstraße 64, Kernruf 7J66$ unö 7J66<), Postscheck München 5?S7/ Aahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspfenntg Bchristleitung: Sr. LuÖwig Keuchtwanger/ München/ Grillparzerstraße ZS Kamilienanzeigen/ Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Reichspfenntg VH- Jahrgang München, 15. Juni Llr.iL Inhalt: Die Pfingsttagungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Soncino-Gcsellschaft — Moderne Synagogenbaukunst — Hochschulstudium der Juden in Deutschland — Uber den Maler Zygmunt Menkes und sein Thorabild — Die Zahl der europäischen Juden 1931 — Aus der Gemeinde München — Aus den bayerischen Genreindcn — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Vereine — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger — Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Bekanntgabe von Jubiläen und sonstigen Gedenktagen von Gemeindemitgliedern — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Geflügelschächtungen — Personalia. Die pfingsttagungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Soncino-SeseNschatt 1. Die Jahresversammlung der Akademie. Die Jahresversammlung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums im Berliner Logenhause gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, die Gemeinde Berlin, die Gemeinde Barmen, eine große Zahl jüdischer Organisationen, die allgemeine und die jüdische Presse waren durch Delegierte vertreten. Den Vorsitz führte Herr Direktor Oskar Wassermann. Dem Eintritt in die Tagesordnung ging ein Nachruf des Vorsitzenden auf den im Berichtsjahr verstorbenen ersten Schriftführer der Akadedemie Professor Carl Lewin voraus. Der Lücken, die der Tod auch im wissenschaftlichen Vorstande der Akademie und ihren Kommissionen gerissen hatte, gedachte Herr Professor Julius Guttmann, der Leiter des Forschungsinstituts. In Professor Hermann Dessau hatte das Forschungsinstitut seinen verdienstvollen Vorsitzenden, in Professor Eduard Baneth seinen talmudischen, in Profeffor Josef Horovitz seinen semitistischen Referenten verloren; außerdem waren Profeffor Schwarz in Wien, Mitglied der talmudischen Kommission, und Geheimer Archivrat Warschauer, Mitglied der historischen Sektion, hingeschieden. Die wissenschaftliche Arbeit der Akademie, über die Herr Professor Guttmann alsdann berichtete, ist von der Not der Zeit nicht unberührt geblieben. Neue Mitarbeiter konnten diesmal nicht eingestellt, neue Arbeiten nicht unternommen werden. Eine Ausnahme bildete die „Philosophie der jüdischen Geschichte" von Professor David Koigen, für deren Durchführung der Akademie von besonderer Seite Mittel zur Verfügung gestellt worden waren. Mehrere Akademie-Arbeiten konnten hingegen beendet und veröffentlicht werden. So der erste, Preußen behandelnde Band von Professor Heinrich Silbergleits Standard-Werk „Die Lebens¬ und Berufsverhältnisse der Juden im deutschen Reich", dem ein zweiter Teil „Die nichtpreußischen Länder" folgen soll; ferner der zweite Band der Edition der klassischen Grammatik des Ionah ibn Ganach, Sefer ha- Rikma von Dr. Michael Wilensky. Außerdem ist ein vierter Band der großen Mendelssohn.Iubiläumsausgabe (Band II, Philosophisches), bearbeitet von Dr. Fritz Bamberger und Dr. Leo Strauß, erschienen. Im Druck eben abgeschlossen ist der erste Ergänzungsband zu Dr. CH. Albecks „Midrasch Bereschit Rabba", die allgemeine Einleitung enthaltend; der Registerband wird als letzter folgen. Der Druck anderer wertvoller, fertig vorliegender Manuskripte mußte für einige Zeit zurückgestellt werden. Cs sind die Fortseßungsbände von Profeffor Fritz Baers „Die Juden in Spanien" und von Dr. Selma Sterns „Der preußische Staat und die Juden", die Edition „Das Propheten-Targum" von Professor Landauer (Augsburg) und Privatdozent Dr. Sperber (Bonn), der soeben auch die Ausgabe des „Targum Onkelos" im Manuskript vollendete, Dr. Fritz Bambergers philosophische Studie „Die Gottesidee des Maimonides" und die von dem Heimgegangenen Professor Josef Horovitz angeregte und geförderte, aber erst kurz nach seinem Tode abgeschlossene Arbeit von Dr. Wilhelm Speyer (Breslau) „Die biblischen Erzählungen im Koran". Herr Profeffor Guttmann schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die zwangsläufigen Beschränkungen im Druck der Veröffentlichungen von kurzer Dauer sein mögen, damit die reiche Produktion der Akademie der wissenschaftlichen Welt für ihre Weiterarbeit schnellstens zugänglich gemacht werden könne. Den Geschäftsbericht des Verwaltungsvorstandes erstattete der Generalsekretär Dr. Israel Auerbach. Das Berichtsjahr war durch die Wirtschaftskrise gezeichnet. Gegenüber dem Jubiläums- und Rekordjahr 1929 mußte der Ausgaben-Etat um ein ganzes Viertel, auf RM. 145 000, herabgesetzt werden, da auch die Einnahmen erhebliche Rückgänge erfuhren. Für 1931 ist ein Übergangsetat mit nur RM. 111 000 in Einnahmen und Ausgaben vorgesehen, zu dessen Deckung auf kräftige Mithilfe durch die jüdische Öffentlichkeit gerechnet wird. Die Akademie, so schloß der Berichterstatter, ist nicht Besitz ihrer Gründer und Führer, sondern des ganzen Judentums. Die deutsche Iudenheit hat sich den Ruhm zu wahren, in der Weltjudenheit geistig führend zu sein. Sie darf nicht wie hypnotisiert nur auf die materiellen Nöte starren und die geistigen vernachlässigen, wenn sie fortbestehen will. Auf Grund des Berichts der Rechnungsprüfer wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt; zu Revisoren für das laufende Jahr wurden wiederum die Herren R.-A. Paul Brasch und Moritz Rosenthal gewählt. Der Voranschlag für 1951 wurde gutgeheißen. „Athen, Rom, Jerusalem." — Der Akademie-Vortrag von Professor Heinemann Dem geschäftlichen Teil der Veranstaltung folgte ein Vorttag von Professor Dr. I. Heinemann (Breslau) „Die griechische Weltanschauungslehre bei Römern und Juden". Professor Heinemann gab einen geschichtsphilosophischen Überblick über den Einfluß, den die griechische Kultur auf Römer und Juden ausübte. In historischer Folge fanden drei Berührungen Athens mit Rom wie mit Jerusalem statt: Zunächst eine rein äußerliche ohne kulturelle Wirkung; sodann eine tiefergehende, aber zerstörende; endlich eine befruchtende und aufbauende.