Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 11 (1.6.1931)
- Article
- Die hebräische Kulturbewegung in Deutschland
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
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166 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 jüdischen Kulturwerte, die im Hebräischen aufgespeichcrt sind. Man geht später viel weiter: man postuliert — und versucht auch dieses Resultat in die Wirklichkeit umzusetzen — nicht nur Renaissance des Hebräischen als Literatursprache, was sie nahezu zweitausend Jahre wirklich war. He: bräisch soll eine lebendige Umgangssprache werden, soll auch im Leben Fuß fassen. Kreise der jüdischen Jugend und der Studentenschaft in Deutschland greifen die Idee von der Renaissance des Hebräischen auf — des Hebräischen als Sprache und Schatz von Kulturgütern. So wird im Jahre 1909 in Deutschland die bekannte Weltorganisation „Histadrut lassofe welatarbut haivrit" — Organisation für hebräische Sprache und Kultur — gegründet, die neben der Berliner Zentrale^ Zwcigabtcilungcn u. a. in Rußland, Polen, Litauen, Österreich, Palästina gründet. Dem Berliner Vorbereitungskomitee gehörten u. a. an: Professor Martin Bub er, Professor Eugen Mittwoch, Professor Heinrich L o e w e, der kürzlich verstorbene Professor B a n e t h , aber auch Achad-Haam und S. H u r w i tz. 1909 tagte in Berlin die erste hebräische Kulturkonferenz dieser Organisation, deren Wirker: später dem Weltkrieg ein Ende bereitete. Auch die neuhebräische Literatur fand vor dem Kriege in Deutschland ihre Stätte. Abgesehen von Achad-Haams „Haschiloach", der mehr aus äußeren Gründen in Berlin gedruckt wurde, ist etwas später von dem in Berlin lebenden hebräischen Publizisten S. H u r w i tz die ideologisch auf totem Niveau stehende hebräische Zeitschrift „Heatid" (Die Zukunft) ins Leben gerufen worden; diese Zeitschrift hatte es als ihr Hauptziel betrachtet, das Problem und die Probleme des Judentums von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu klären. Die Publikattonen auf dem Gebiet der hebräischen Literatur und Wissenschaft haben in Deutschland unmittelbar nach dem Weltkriege gewaltig zugenommen. Die zukünftige hebräische Literaturgeschichte wird sicher von einer deutschen Blütepcriode des neuhebräischen Schrifttums um diese Zeit sprechen. Berlin, Hamburg, Leipzig, und andere deutsche Städte wurden auf einmal zu Zenttalen des hebräischen Verlagswesens. Der Sttom der Emigration aus Rußland nach dem Westen Europas hat auch die hebräische Literatur aus Sowjettußland, wo ihr mit Gewalt auf einmal der Boden entzogen ward, mitgcrissen, um sie für mehrere Jahre nach Deutschland zu verpflanzen. Diese Zeitspanne war die Periode intensivsten hebräischen Schaffens und Publizierens, das auch durch die besonderen wirtschaftlichen Bedingungen des damaligen Deutschland begünstigt wurde. Die überwiegende Mehrzahl aller lebenden, hebräisch schreibenden Dichter, Denker und Gelehrten hielten sich damals in Deutschland aus. Dieser „deutschen Blüteperiode" hat die neuehebräische Literatur eine Reihe von bleibenden Neuerungen zu verdanken. Hier wirkte zu jener Zeit litcrarisch-vcrlegerisch der Dichter Ch. N. B i a l i k, der an der Spitze des Verlags „Dewir" stand. Hier erschien eine hebräische wissenschaftliche Zeitschrift „Dewir", herausgegeben von Professor Elb o gen, Professor Epstein, Dozent Torczyner. Der Verlag „Omanut" (Kunst), geleitet von Frau P e r s i tz, enffaltete eine reiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Kinderliteratur und Pädagogik. Dr. K l a H k i n legte den Grundstein für die hebräische Enzyklopädie. Der von Dr. S.R aw i d o w i c z ins Leben gerufene Verlag „Ajanot" (Quellen) stellte sich zur Aufgabe, ältere hebräische Quellen in moderner-wissenschaftlicher Form zu edieren. Professor Simon D u b n o w publizierte bei „Ajanot" den äußerst interessanten litauischen „Pinkas", Dr. Horodetzky mehrere Quellen des Chassidismus, Dr. R a w i d o w i c z eine Schulausgabe des Maimonididcn „Sefer tam-modda" und die erste vollständige kritische Ausgabe der Werke Nachman Krochmals. Dr. WischniHer gab eine illustrierte Zeitschrift „Rimon" heraus, ein novum in der hebräischen Literatur. Dr. F r i c d m a n n und Dr. Woyslawski publizierte eine bibliographische Zeitschrift „En ha-Kore". Ab 1927 erschienen in Berlin mehrere Bände der bekannten literarisch-wissenschaftlichen Zeitschrift „Hatekufa", unter der Redaktion von Dr. S. Tschern i ch ovski, B. K a H und Dr. R a w i d o w i c z. Cs ist hier allgemein gesagt, ein großes Beginnen, gettagcn von Schwung und hohem Können, zu verzeichnen. Aus Deutschland ging damals das hebräische Wort nach Palästina und nach allen Diasporaländern. Die sich immer mehr zuspitzende, zur Katastrophe Heranwachsende Wirtschaftskrise des östlichen Judentums und die starke Wirtschaftsdepression der letzten Jahre in Deutschland haben vielen in Deutschland wirkenden Pflanzstätten des hebräischen Schrifttums die Existenzmöglichkeit entzogen. Cs ist aber zu hoffen, daß Belebungsversuche auf diesem Gebiet von Erfolg gekrönt sein werden, damit das jüdische Deutschland — das Mutterland der neuhebräischen Literatur — aktiv an der in ihm entstandenen Kulturbewegung weiter mitarbeitet. Hand in Hand mit der hebräisch literarisch-wissenschaftlichen Blüteperiode ging in Deutschland die allgemeine hebräische Bewegung, vor allem auf, pädagogischem Gebiete. In einer Reihe von jüdischen Gemeinden in Deutschland existieren gutbesuchte hebräische Sprachschulen, besonders hebräische Klubs usw. Eine hebräische Jugendbewegung ist hier im Entstehen. In Jugendbünden verschiedenster Richtung wird eifrig Hebräisch als lebendige Sprache und hebräische Literatur getrieben. Es lohnt sich zu vermerken, daß die Träger der gegenwärtigen hebräischen Bewegung in Deutschland sich nicht ausschließlich aus ostjüdischen Kreisen rekrutieren. Eine positivere Einstellung zur Renaissance des Hebräischen scheint sich in den letzten Jahren auch in solchen jüdischen Kreisen Deutschlands anzubahnen, die früher diesem Phänomen im Judentum skeptisch oder ablehnend gegenüber standen. Hinzugefügt sei noch, daß die sich eines Weltrufs erfreuende „H a b i - m a", die die Lebendigkeit und die Klassizität. vor der Öffentlichkeit der jüdischen und nichtjüdischen Welt dokumentiert, seit Jahren ihre Existenz und erfolgreiche Tätigkeit fast ausschließlich den Bemühungen jüdischer Kreise zu verdanken hat. Nicht unerwähnt darf die Tatsache bleiben, daß hebräische Kreise in Deutschland in jüngster Zeit die Initiative ergriffen haben, einen j ü - dischen Weltbund zur Förderung der hebräischen Sprache und des hebräischen Schrifttums ins Leben zu rufen. Eine solche jüdische Weltorganisation, die vollkommen unparteiisch sein, die den jüdischen Parteikämpfcrn in allen Ländern absolut fern stehen soll, darf wohl auch auf Unterstützung großer Kreise des deutschen Judentums, des Judentums Mendelssohns, Vesselys, hoffen, das der Renaissance des Hebräischen, der hebräischen Literatur und Wissenschaft, auch weiter nicht unbeteiligt gegenüberstehen wird. Von der Eignung der hebräischen Sprache zum Philosophieren Tbesaurus kbilosopbious lingiiae Hebraicae et veteris et recentioris. Von Jacob Klaßkin Von Ernst Jacob (Augsburg) Die hebräische Sprache ist als Sprache des jüdischen Volkes vom sechdie Sprache des Landes, in dein es unter Nichtjuden verstreut wohnte, sten Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung an bis zur Gegenwart Kann dies tote Hebräisch wieder belebt werden? Der Zionismus macht tot gewesen. Sie wurde in den Lehrhäusern und im Gottesdienst gezur Zeit im heiligen Lande den Versuch dazu und viele Urteilsfähige braucht. Gelehrte und Poeten schrieben in ihr Gesetzbücher und Hymnen, halten ihn bereits für gelungen. Die Schwierigkeit scheint darin zu gelegentlich auch weltliche Abhandlungen oder Dichtungen. Das Volk liegen, daß ein lebendiges Hebräisch in unserer Zeit von vielem sprechen verstand sie vor allem durch den Gottesdienst und die als Gebotserfülmuß, das der biblischen Zeit unbekannt war, für das ihr Hebräisch deslung tteu und hingebend geübte Lektüre der Bibel; es sprach aber überall halb keine Ausdrucksmöglichkeiten kannte. Aber für neue Dinge kann I GROSSE AUSWAHL VON BESTEM KUNSTGEWERBE | «2 KUNST- GEW ERBE-HAUS | ANERKANNTE QUALITÄT UND BILLIGSTE PREISEI