Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.5.1931)
- Article
- Michael Gold, Juden ohne Geld [Rezension]
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 155 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 155 BiOX-ULTRA ZAHNPASTA Michael Gold, Juden ohne Geld. Berlin 1931 (Verlag Deutscher Verlag). , Michael Gold hat in seinem Buch „Juden ohne Geld" einen Tatsachenbericht gegeben, der erschütternder wirkt als viele Romane mit einer kunstvollen Fabel. Das Buch führt uns mitten hinein in die Hochburg des Elends, in die engen Gasten der Cast-Side, in das Ghetto von Neuyork. In diesem Wirrwarr von Mietkasernen, Niggern, polnischen Juden und billigen Freudenmädchen spielt sich die freudlose Jugend eines jüdischen Proletaricrkindes ab. Wir erleben die ewigen kleinen Freuden, die etwa den, Einzug des neuen Rabbi der chastidischen Gemeinde und die vielfältigen Leiden der Cast-Side mit. Über aller chaotischen Verwirrung aber erhebt sich rein und leuchtend das Bild der jüdischen Mutter. Sie sorgt für den Mann, der vom Baugerüst stürzte, sie kocht, wäscht und näht für die Kinder, sie geht Tellerwaschen, um das Nötigste für den täglichen Gebrauch der Familie herbeizuschaffen, aber sic vergißt darüber nicht am Freitagabend segnend ihre Hände vor die' Sabbatlichter zu halten und dieGesänge des heiligen Tages zu sprechen. — Da bringt man ihr einesTages Esther, ihr liebstes Kind, von der Pferdebahn überfahren, tot ins Haus. Die Mutter läßt die inüdcn Hände in den Schoß sinken. Ihre Arbeitskraft ist für immer gebrochen. — Draußen aber, vor dem Fenster, wälzt sich der ewige Strom der Cast-Side vorüber, der Hoffende und Zerbrochene, Liebende und Haßende, mit sich treibt. — . Fritz Rosenthal. bringt KIllSCII in denkbar größter Auswahl Paul Hensel, Kleine Schriften und Vorträge. Zürn 70. Geburtstag des Verfassers, herausgegeben von Ernst Hoffmann und Heinrich Rickert. Tübingen (I. C. B. Mohr) 1930. Am 8. November ist der Erlanger Philosoph Paul Hensel, der Nachkoinine von Moses Mendelssohn, gestorben. Seine kleinen gehaltvollen Schriften dürfen in dem Hochbetrieb unserer wissenschaftlichen Literatur nicht vergessen werden. Hensel hat sonst kaum viel mehr als zwei nicht allzu mnfangreiche Bücher über Carlyle und Rousseau geschrieben. Er war ein echter Philosoph, in die großen Überlieferungen des deutschen Geistesleben hineingeboren; solche humanistische Naturen, sorglos um äußere Wirkung, die nur ein herzlichen Lachen über die heutigen viel schreibenden Modephilosophen haben, sind nicht mehr zeitgemäß und sterben in dem heutigen Klima aus. Seine Freunde haben den vorliegenden tvertvollen Band gesammelt. Von Paul de Lagarde und Herbert Spencer, von Herder und Ludwig Fcucrbach, von Swift und Schiller, von Fichte und Leibniz, von Wilhelm und Humboldt und Novalis, von Goethe und Alois Riehl, von E.Th. A. Hoffmann und Montaigne wie schließlich von Friedrich Schlegel ist die Rede, und ausführlich werden wir nicht nur über die englische Philosophie im 19. Jahrhundert, sondern auch über die englischen sozialen Zustände im Anfang des 18. Jahrhunderts unterrichtet. Dazu kommen Abhandlungen über Naturwissenschaft und Naturphilosophie, über die Lehre vom großen Weltjahr, über die Macht der Wissenschaft, über den Neu-Humanismus und noch manches andere. Der lachende Philosoph, der die feierlichen Führer der neukantianischen Schule, Cohen und Natorp in Marburg als „cohensaures Natorp" zusammenfaßte, gehört zu den letzten deutschen Vertretern des nachhegelschen „Idealismus". Ob es in Zukunft noch einige Menschen geben wird, denen sie etwas bedeuten? „Sie leisteten," sagte jüngst der Berliner Historiker Meinecke von den Persönlichkeiten vom Schlage Henscls, „nicht bloß Cpigoncnkunst, sondern halfen die letzten großen Möglichkeiten des deutschen Idealismus und Historismus zu verwirklichen". F. Cafe-Restaurant Fahrig INHABER: HANS KECKEISEN TELEFON NR. 90 7 76 Erstklassige Küche, gepflegte Weine und Biere Die deutsche Kapelle Erich Olschewski spielt nachmittags und abends Stühle für jeden Bedarf Siuhl>Kadeder München * Färbergraben 7/1 RICHARD GÜLDENSTEIN Vertreter der BUCHDRUCKEREI B. HELLER Plinganserstraße 64 / Tel. 73 6 64/65 Privat: SchubertstraBe 3/II Telephon 54062 Heinrich Rothschild »Münchens größtes Spezialhaus für Damenhüte«