Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (15.5.1931)
- Article
- Staatsrat Teitel in München - Ortsausschuss für russisch-jüdische Flüchtingshilfe
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 152 (sequence 2)
- Language
- German
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152 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 Unterstützung des von Staatsrat Teitel geleiteten,, seit elf Jahren bestehenden Hilfswerkes für -re jüdischen Flüchtlinge aus Rußland wärmstens befürworten. Die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland, für die der Verband russische Juden in Deutschland ein weit verzweigtes Hilfswer! organisiert hat, gehören zu den besten Vertretern des russischen Judentums, die nach der Revolution ihr Land verlassen und sich nun, Heimat- und staatslos geworden, in großer Zahl in Deutschland, vornehmlich in Berlin, niederlassen mußten. Ihre Lage ist katastrophal und ohne weitgehende Hilfe sind sie dem Hunger preisgegeben. Trotz der schweren wirtschaftlichen Not, an der wir selbst leiden, wollen auch wir das unsrige für diese wichtige Aufgabe beitragen. Geldspenden sind zu richten an das Wohlfahrtsamt der Israelitischen Kultusgemeinde, München, Hcrzog-Max-Straße 5 (Postscheckkonto München 2701!) oder an denVerband russischer Juden in Deutschland e.V., Berlin W.55, Steglitzer Straße 9 (Postscheckkonto Berlin 0 I 5!). Der Ortsausschuß: Vorsitzender: Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfted Neumeyer Rabbiner Dr. L. Baerwald, Justizrat Dr. K. Oestreich, Rabbiner Dr. E. Ehrentreu, Justizrat Dr. E. Straus, Justizrat Dr. M. Feuchtwanger, Kommerzienrat L. Wassermann, Studienprof. Dr. Klugmann, Dr. A. Werner, Dr. E. Wilmersdörffer. Vortrag des Direktors der hebräischen Realschule in Haifa, Dr. Biram, am 19. Mai Im Rahmen der Veranstaltungen der Jesaia-Loge wird der bekannte palästinensische Schulmann Dr. Biram, der Leiter der Realschule in Haifa, am Dienstag, den 19. Mai, im Lokal der „Concordia", Prannerstraße 4/0, abends pünktlich 8% Uhr einen Vortrag halten: „D i c pädagogischen Probleme unserer Zeit und das Schulwesen in Palästina." Angehörige und Freunde der Mitglieder der Jesaia-Loge haben zu dem Vortrag freien Eintritt. Der Dortrag Jabotinskys in München, am 25. April, im Bayerischen Hof, war ungewöhnlich stark besucht; die Beteiligung zeigte ein über die zionistischen Kreise weit hinausgehendes Interesse an dem jüdisch-arabischenglischen Problem und an der Persönlichkeit des Redners. Die Gedankengänge des extrem nationalen Führers der sog. „Revisionisten" sind bekannt: Forderung der jüdischen Mehrheit auf beiden Seiten des Jordan, radikale Änderung der bisherigen zionistischen Methoden, jüdische Massenkolonisation und stärkste wirtschaftlich-finanzielle Durchdringung Palästinas. Die Mittel zur Durchsetzung dieser Ziele sieht Jabotinsky in einer radikalen Agrarreform, in der freien Einwanderung, in hohen Schutzzöllen und in einem starken militärischen Schutz durch eine englische Garnison oder in Form des jüdischen Selbstschutzes. Ein dauernder moralischer Druck auf England und unermüdliche Beeinflussung der öffentlichen Meinung der Welt führen nach Jabotinsky zur Verwirklichung dieses Programms; die Araber würden sich, wie die Erfahrung in der Kolonisationsgeschichte aller Länder und Zeiten lehre, nur der Macht, die es zu erringen gelte, fügen; mit Zustimmung der Eingeborenen sei noch nie auf der Welt eine Kolonisation durchgeführt worden. Die Annäherung an die Araber im gegenwärtigen Augenblick gehöre zu den typischen verfehlten Methoden des offiziellen Zionismus, den der Redner scharf angriff. Jabotinsky sprach sehr eindrucksvoll. Starke nationale Töne ohne die Verantwortung für den Ausgang verfehlen nirgends ihre rhetorische Wirkung. Das zeigte sich auch hier. Billige Vergleiche liegen zu nahe; die jüdische Sache, von welcher Seite sie auch ernst und hingebungsvoll behandelt werden will, erfordert trotz des schärfsten sachlichen Widerspruchs unsere Tellnahme, jenseits der Parteirichmng und der sonstigen weltanschaulichen Stellung. Vereine 125 Jahre Chewra Kadischa in München Die in der vorigen Nummer angekündigten Chewra-Feiern verliefen würdig und stimmungsvoll. Wir geben hier zunächst den Bericht der „Münchener Neuesten Nachtrichten" wieder: Der Israelitische Verein für Krankenpflege, Bestattungswesen und religiöse Belehrung in München, der älteste israelitische Wohltätigkeitsverein Münchens, beging in diesen Tagen in aller Stille sein I25jähriges Bestehen. Auf dem alten israelitischen Friedhof fand die religiöse Gedenkfeier für die verstorbenen Gründer, Leiter und Mitglieder des Vereins statt. Gesang von Psalmen und Gebete der Kantoren Professor Kirschner, Müller und Davidovic verbanden die inhaltsvollen Ansprachen des Vorsitzenden, Rechtsanwalts Justizrat Leo Oppenheimer, und der Rabbiner Dr. Baerwald und Dr. Ehrentreu. In eindrucksvoller Weise wurde u. a. darauf hingewiesen, daß der jüdischen Religion Einfachheit und Prunklosigkeit der Totenbestattung entspreche. In allen Ansprachen kam der Wunsch zum Ausdruck, daß sich auch künftig selbstlose Frauen und Männer finden möchten, die in der Art der verstorbenen und lebenden tätigen Mitglieder opferfreudige Werke wahrer Menschen- und Nächstenliebe leisten würden. Ein -Rundgang durch den Friedhof, bei dem die Gräber der Gemeindevorsteher, darunter des ersten Vorstehers Pappenheimer, der Rabbiner Hessel, Aub und Perles und aller für den Verein tätigen Frauen und Männer, darunter viele über 100 Jahre bestehende Grabstätten, besucht wurden, beschloß die Feier. Der Gründungstag selbst vereinigte die Vereinsmitglieder mit Abordnungen der Kultusgemeinde des Gemeindeverbandes und der mit dem Verein zusammenarbeitenden Vereine zu einem der Zeit entsprechenden einfachen Abendessen. Der Vorstand der Kultusgemeinde, Oberstlandesgerichtsrat Dr. A. Neumeyer, brachte in seiner bedeutungsvollen Ansprache geschichtliche Ausführungen über die Entstehung der Vereinigungen gleicher Art und ihre Bedeutung für die Gemeinden und die Allgemeinheit. Der Vorsitzende rechtfertigte die seit der 100jährigen Gründungsfeier nicht mehr vorgenommene Zusammenkunft, die noch durch Ansprachen, musikalische Vorträge ernsten und heiteren Inhalts umrahmt wurde. Auszüge aus den in dem Bericht der M. N. N. erwähnten Ansprachen sollen in einer der späteren Nummern der Gemeindezeitung folgen. vückerschau Hans Kohn, Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orient. 455 Seiten. Frankfurt a. M. 1951 (Societäts-Verlag). Hier vorläufig nur eine Vorankündigung dieses äußerst wichtigen Buches, das des gleichen Verfassers „Geschichte der nationalen Bewegung im Orient" aus dem Jahr 1928 ergänzt und weiterführt. Inhalt: Vom Okzident zum Orient. Alt-Neue Sttaße des Weltverkehrs. Vom Mittelalter zur Neuzeit. Stände und Klassen. Imperialismus und Nationalismus. — Ägypten: Die Eroberung der Unabhängigkeit. Die Mandate. — Palästina: Juden und Araber: — Transjordanien: Das alte Grenzland. — Syrien: Die Staatsprobleme des Nationalismus. — Irak: Ein Beispiel für Mandatspolitik. — Die arabische Halbinsel: Der Stern Jbn Sauds. Brücken zwischen Orient und Okzident. — Hans Kohn ist der berufene Kenner dieser Ländergruppe und gibt, aus langjähriger Tätigkeit als Korrespondent der Franffurter Zeitung mit allen Verhältnissen dieser Gebiete wie nur wenige vertraut, in seinem Buch Antwort auf die Hauptfragen, die der vordere Orient stält. Kohn klärt in seinem Buch die Probleme des arabischen Nationalismus, des Islam und des Zionismus. Die Entwicklung in Ägypten, Arabien, Palästina, Transjordanien, Irak wird fesselnd dargestellt. Der.überlegenen und unparteilichen Erörterung des Palästinaproblems (Juden und Araber) auf den mittleren 50 Seiten des Kohnschen Werkes gehört zu den grundlegenden Informationen über diese Frage. Verkaufsstellen $ Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 3 70 6 46 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96 9 44 Thierschstraße 19 Fernsprecher 22 0 82 Schleißheimer Straße 100 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur BoschhofssVorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100 / Tel. 370326