Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 9 (1.5.1931)
- Article
- Jüdischer Jugendverein München
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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138 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 nismerkblatt", sowie alle gewünschten Auskünfte beim Leiter der Tennisgruppe: Ing. Ernst Naschitz, München 13, Krumbacher Straße 9. : IV. Wanderungen. 3. Mai: Weßling — Steineb ach — Herrsching. S. F. K. Weßling. Treffpunkt: Starnberger Bahnhof. Äußere Uhr. 8 Uhr. (Etwa NM. 2.50.) — 10. Mai: Olching — Lauterbach — Maisach. S. F. K. Maisach. (Etwa RM. 2.—.) Treffpunkt: Starnberger Bahnhof, äußere Uhr. 7 Uhr.— 14. Mai (Himmelfahrt) : Schliersee — Baumgarterspitzc — Niederstein — Tegernsee. (Etwa RM. 3.—.) S. F. K. Fischhausen-Neuhaus. Treffpunkt: Holzkirchner Bahnhof. Uhr. 6.10 Uhr. Alle W a n - derungenProviantmitnehmen! Jüdischer Lehrerverein für Bayern, Bezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am 10. Mai statt. Blumenthal Jüdisches Jugendheim.München Der nächste Jugendheim-Abend findet am Montag, den 4. Mai 1931, abends 8Vq. Uhr, im Jüdischen Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße 1/1, statt. Einer Rundschau über aktuelle Ereignisse soll die Besprechung eines anregenden Zeitungsartikels folgen. Alle, die sich für diese Veranstaltung interessieren, find willkommen. Jüdischer Gesangverein München. Die Proben haben wieder begonnen und finden Dienstag 8% Uhr im Lessingsaal statt. Sangesfreudige Damen und Herren werden fteundlichst eingeladen. Mitte Mai ist eine kleine Abendunterhaltung mit Solls und Chören beabsichtigt. Freie Vereinigung Israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz Die Jahresversammlung 193 1 findet statt am Donnerstag, den 14. Mai (Himmelfahrtstag) im Parkhotel zu Bad Dürkheim. Beginn um 11 Uhr 15 Minuten. Tagesordnung: I. Begrüßung; 2. Breicht des Vorsitzenden; 3. Neuwahl; 4. Referat (methodisches Thema — Bernstein, Zweibrücken); 5.- Vereinsangelegenheiten und Standesfragen; 6. Wünsche und Anttäge. Die Kollegen werden um vollzähliges Erscheinen gebeten. Die Einladung erfolgt nur auf diesem Wege. H. Schottland, Vorsitzender vücderschau „Die Münchener Iudenschaft 1750—1861." Eine bevölkerungs- und wirtschaftsgeschichtliche Studie von Prof. Dr. Arthur Cohen (München). Zeitschrift für die Geschichte der Juden, Bd. II, Heft 4, Seite 262—283 (Philo-Verlag, Berlin 1931). Diese wichtige Studie ist enthalten im letzten Heft der neuen historischen Zeitschrift; ihre beiden . ersten Jahrgänge, die jetzt vollständig vorliegen, erfüllen in hohem Maße die Ermattungen, die man in sie bei Gründung gesetzt hatte, sowohl nach der Stoffülle wie nach dem im Rahmen des Möglichen eingehaltenem wissenschaftlichen Niveau. Professor Cohen geht in seiner Arbeit besonders den Schicksalen der Münchener jüdischen Familien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach. Die angesehenste Familie waren damals die Wertheimers, die aus Wien stammten. Der Oberfaktor Wolf Wertheimer kam 1722'zum ersten Male in Geschäftsbeziehungen zu dem bayerischen Hof durch Darlehensvertrag und Juwelenlieferung zur Hochzeit von Karl Albert, des späteren Kaiser Albrecht VII. Da ihn dieser sein Hauptschuldner in Stich ließ, so mußte er 1733 seine Zahlungen einstellen. Noch schlechter als die Familie Wertheimer hat die Familie Mändl bei ihren Finanzgeschäften mit dem bayerischen Hof abgeschnitten. In diese Zeit fallen auch die Anfänge des Hauses Seligmann, von dem der Hoffaktor Aron Elias, später Baron von Eichthal, der bedeutendste ist. Erst im 19. Jahrhundert tteten stärker hervor die Famllien Pappenheimer aus Fürth, Marx von Treuchtlingen und Kaulla von Pappenheim. Besonders interessiert der Gemeindevorstand Abraham Uhlfelder; er war 1748 geboren und hat ausweislich eines Aktenvermerks von 1798 „dem Staat durch verschiedene Unternehmungen große Dienste geleistet". In seinem streng gesetzestreuen Haus wuchs sein Enkel, der nachmalige berühmte konservative Staatsmann, der Berater Friedrich Wilhelms IV., Ernst Friedrich Stahl auf, über dessen bayerischen Werdegang und Übertritt zum Protestantismus wir jetzt durch den ersten Band der ausgezeichneten Biographie von Masur (Berlin 1930) unterrichtet sind. Der rechtliche Zustand der Münchener Juden um die Wende des Jahrhunderts ist schon wiederholt eingehend beschrieben worden. Den Verhälmissen unter dem Iudenedikt von 1813 und unter der Beschränkung des Matrikelschutzes widmet Professor Cohen eine sehr instruktive Behandlung, namentlich ihren „kulturellen", d. h. außerjüdischen Fortschritten und ihrer Berufszusammensetzung. Erst der Landtagsabschicd vom 10. November 1861 hob die Iudenmattikel auf. Die letzten vierzig Jahre des Jahrhunderts zeigen den bekannten materiellen Aufschwung. Der reiche Inhalt der Cohenschen Studie kann hier nur angedeutet werden, über die Geschichte der Münchener Juden besitzen wir heute keine bessere und zuverlässigere Übersicht. F. Ernst v. Salomon, „Die Geachteten" (Ernst Rowohlt Verlag). Arnolt Bronnen, Ernst Jünger, Franz Schauwecker, Ernst von Salomon, Friedrich Wilhelm Heinz, Friedrich Hielscher repräsentieren den Nationalsozialismus in der neuesten deutschen Literatur. Ernst von Salomon ist der Verfasser des Buches „Die Geächteten"; er wurde wegen seiner Teilnahme am Rathenaumord zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und erzählt in den „Geächteten" lebendig und spannend sein Leben, während des Krieges, bei den Freikorps, beim Selbstschutz, in den vaterländischen Bünden, wie er zu der Teilnahme an dem Mord kam. Das Buch, das in Fortsetzungen in der Münchener Telegramm-Zeitung veröffentlicht war, ist als Zeitdokument von großer Bedeutung. Diese ganz Jungen, die von sich aus die Vorgänge 1918 nicht begreifen konnten, denen man sie nicht genügend erleuchten und erklären konnte, wenn nicht, wie im Proletariat Erfassungsmöglichkeiten aus eigener Bedingtheit sich boten; diese Jungen mußten ja ratlos sein, und es ist gut, wenn sie es dokumentieren können, daß sie es waren. Aber welche Verkennung der geistigen Gesamtlage, welche verbrecherische Naivität, mit einer Katastrophe sich auseinanderzusetzen! Wenn man aus einem wahnsinnigen Geschehen das Recht herleiten will, den Wahnsinn zu verlängern — aus irgendeinem unbewußten Stilgefühl; denn offenbar liegt diesen Einstellungen die aufgeregte und entsetzte Frage zugrunde: warum soll ein katastrophales Geschehen, das mich halb zerschmettert zurückläßt, eben in dem Moment zu Ende sein und in einen schweren Alltag ohne den Schein der Explosionen, ohne die erhabene Kraßheit des Mordens klanglos übergehen, da ich eben halbzerschmettert bin? Die Verlängerung des Unheils sollte dann den Dimensionen des Anfangs besser entsprechen! Das aber geht über die Kraft der Zeit und am meisten dieser Menschen, und darum wird aus der geplanten Katastrophe ein unruhiges Landsknechttum. Aus der Not der Ratlosigkeit wird eine Tugend gemacht, und .diese Tugend kann sich in ihren ratlos aufgeregten Auswirkungen nur gegen die richten, die bewußt die Überleitung der Katastrophe in den Alltag fördern. Der Alltag besiegelt, er schließt das eine Geschehen ab, das Deutschland als den Unterlegenen unwiderruflich zurückläßt. Dagegen wehren sich die Ratlosen. Die Aufgabe des neuen Alltags, die allein versöhnen könnte, kann sich ihnen nicht ohne weiteres erschließen. Fertig steht die Aufgabe vor denen da, deren CrkennMis immer auf die kommenden Dinge gerichtet war. Aber Salomon verschweigt doch sehr zu Unrecht, warum sich die Aufgeregten gerade Rathenau als Exponenten ausgesucht haben. Er will die Tat auf die Höhe des Ermordeten heben, und das ist ein Taschenspielerstück, das nicht zu dulden ist. Wir vergessen nicht, daß diese Tat, dieser Mord nicht der symbolische und damit vielleicht erhabene Abschluß einer großen und großartigen Auseinandersetzung zwischen gleich Hohen war, wir vergessen nicht die niedrige Hetze, die dieser Tat voranging: „Stecht ab den Walther Rathenau, die gottverfluchte Iudensau," das haben die Baltikumer gesungen, die Kameraden eben dieses Salomon, der in den „Geächteten" ein Gleich und Gleich aufstellen möchte. Stufen wollen errungen sein, und wenn wir einverstanden sind, dieses Buch als ein Dokument zu nehmen, es mit dem Verständnis zu würdigen, das eben alle Lebensäußerungen der Zeit Verkaufsstellen J Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 3 70 6 46 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96 9 44 -Thierschstraße 19 Fernsprecher 22 0 62 Schleißheimer Straße 100 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur BoschhofsVorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkqufszentrale Schleißheimer Stiaße 100 / Tel. 370326