Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 9 (1.5.1931)
- Article
- Staatsrat Dr. Teitel in München
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 135 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 135 Staatsrat Dr. Teilet in München Dieser Tage ist der Vorsitzende des Verbandes Russischer Juden in Deutschland, der wirkliche Staatsrat Jakob Teitel, in Begleitung von Dr. A. Goldenweiser und Dr. S. Spiegel in München eingettoffcn. Anläßlich der Anwesenheit dieses hochverdienten Mannes findet am Samstag, dem 2. Mai 1931, abends 9 Uhr, im Saale der Concordia, Prannerstraße 4, ein Ehrenabend statt. Dem Komitee hiefür haben sich angeschlossen: Oberstlandesgerichtsrat Dr. A. Neumeyer, Justizrat Dr. Clias Sttaus, Justizrat Dr. Carl Oestreich, Rabbiner Dr. Bacrwald, Rabbiner Dr. Ernst Ehrentteu, Studienprofessor Dr. Klugmann, Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner, Rechtsanwalt Dr. Ernst Wilmersdoerffer, Kommerzienrat Dr. Ludwig Wassermann, Justizrat Dr. Max Feuchtwanger. Staatsrat Dr. Teitel war der einzige jüdische Richter im zaristischen Rußland. Sein ganzes Leben hat er der Fürsorge für jüdische Notleidende gewidmet. Vor kurzer Zeit wurde in Berlin sein achtzigjähriger Geburtstag unter großer Anteilnahme des deutschen un'd russischen Judentums gefeiert. | Justizrat Alfred Beer gestorben j Am 18. April verstarb nach langem, mit großer Geduld getragenen Leiden Herr Justizrat Eugen Beer, eine im öffentlichen Leben wie im Leben der Israelitischen Kultusgemeinde München weitbekannte und hochgeschätzte Persönlichkeit. Justizrat Beer war schon in den Jahren 1919—1921 Mitglied der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde München und ist auch nach der Änderung der Gemeindeverfassung durch das Verttaucn seiner Glaubensgenossen in die Gemeindeverttetung gewählt worden, in welcher er vom April 1921 bis zu seinem Ableben den stellvertretenden Vorsitz inne hatte. Auch der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischen Gemeinden gehörte er nach dem Ableben des Herrn Justizrat Dr. Dreifuß als dessen Nachfolger an. Justizrat Beer, der als Anwalt allseitige Achtung genoß, hat sich für alle die jüdische Allgemeinheit bewegenden Fragen stets lebhaft interessiert. Seine Güte und Hilfsbereitschaft machten ihn auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege und der fürsorgerischen Tätigkeit zu einem wertvollen Mitarbeiter sowohl der gemeindlichen Wohlfahrtspflege wie auch der Fürsorgetätigkeit der Wohlfahrtsvereine. Die München-Loge hat ihn schon vor Jahren zu ihrem Präsidenten gewählt. Als ihr Cxpräsident hat er sie bei auswärtigen Veranstaltungen vielfach würdig vertteten. Auch in der Gesellschaft Concordia war er mit seltenem Eifer tätig. Sein Wirken für die Gesellschaft ist von dieser durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft dankend anerkannt worden. In dem Aussteuerverein war er viele Jahre Vorsitzender und hat dessen Geschäfte mit Umsicht und Verständnis geleitet. Innerhalb der gemeindlichen Kollegien war er in einer Reihe von Ausschüssen tätig. Seine besondere Arbeit galt dem Synagogenausschuß, dessen Vorsitzender er bis zuletzt war. Ein großer Kreis von Leidttagenden gab dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite. Rabbiner Dr. Baerwald zeichnete ein treffliches Bild des Verewigten, dessen Rechtlichkeit, Güte und Hllfsbereitschaft er rühmte. Für die Jsraelittsche Kultusgemeinde München und den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden sprach der stellverttetende Vorsitzende der Gemeindevertretung, Herr Justizrat Dr. Feuchtwanger, der auch für die gerneindlichen Wohltätigkeitsvereine Worte des Dankes zum Ausdruck brachte. In weiteren Nachrufen ehrten Herr Cahnmann für die München-Loge, Herr Justizrat Dr. Fränkel für die Großloge für Deutschland, der Anwaltsverein München und der Akademische Gesangverein Würzburg ihr von allen hochgeschätztes Mitglied. Der Verewigte, der in weitesten Kreisen sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, wird im Andenken seiner Gemeinde fortleben. Todesfälle . Die israelitische Kultusgemeinde hat im abgelaufenen Monat drei ausgezeichnete Mitglieder verloren. In dem am 18. April entschlafenen Justizrat Dr. Eugen Beer beklagt sie den Heimgang des früheren stellverttetenden Vorsitzenden der Gemeindeverttetung. Der in den Pessachtagen verstorbene Inhaber des bekannten Silberwarengeschäftes Markus Levinger gehörte zu den tteuesten und angesehensten Mitgliedern von Ohel-Jakob sowie zu den tätigsten Helfern der Chewra-Kadischa. Mit Kommerzienrat Martin Rosent h a l verliert die Kultusgemeinde eine weit über ihre Grenzen hinaus angesehene Persönlichkeit; allen kulturellen Aufgaben aufgeschlossen war Kommerzienrat Rosenthal zu jeder Zeit ein hilfsbereiter Förderer der charitativen und kulturellen Einrichtungen der Gemeinde. Das Andenken der drei vorzüglichen Männer wird tteu bewahrt werden. „Misrach" von Siegfried Ziegler Der bekannte Münchner Maler Siegfried Ziegler hat in jüngster Zeit eine Gravüre „Misrach" geschaffen, die sein Können wieder in bestes Licht setzt. Die starke Natürlichkeit der Erscheinung des langbärtigen, in seinen Tallis gehüllten Mannes vermählt sich einer tiefen Verinnerlichung, die das Erlebnis des Betenden zu unserem eigenen Empfinden werden läßt. Dieses „Gerichtetsein der Seele", wie Martin Buber das Wort „Kawwonoh" in wort- und sinngctteuer Übersetzung wiedergibt, läßt das Werk über den Wert des Genrebildes hinauswachsen zu einer jüdischen Kundgebung, wert die Misrachwand zu schmücken und ins Heim frommen Sinn und Kunstfreude zu pflanzen. Theodor Harburger. rrn©