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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-05-01 · 9 (1.5.1931) · p. Seite 134

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
9 (1.5.1931)
Article
Wolfratshausen
Date
1931-05-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nt. 9 gruppe München des Jüdischen Frauenbundes sie hinausverlegt in diese schöne Gegend. Und in unserem Hause und im Garten herrschen Freude und Fröhlichkeit, aber es ist keine Frage, daß auch tüchtig gearbeitet wird. Und es ist wohl nötig in dem schweren wirtschaftlichen Kampf, den wir alle zu bestehen haben, daß unsere Töchter lernen, wie sie den Haushalt praktisch zu führen haben nach theoretischen und wirtschaftlichen Grundsätzen. Mir ist es am Schluß des Jahres immer eine Freude, den Prüfungen beizuwohnen und Zeuge zu sein, was die jungen Mädchen alles können. Sie wären imstande, das Festmahl zu ihrer eigenen Hochzeit zu kochen, aber sie lernen auch Dinge für den einfachsten Haushalt, und sie wissen einzuteilen und zu berechnen. Und sie können den Garten umgraben, einen kleinen Geflügelhof versorgen, ihre Wäsche waschen, und wenn später die Umstände es ergeben, daß sie die Arbeit nicht selbst zu leisten haben, so können sie die Hausangestellte anleiten und sich in allen Verhältnissen zurechtfinden. Die Arbeit in der wirtschaftlichen Frauenschule ist beste Grundlage für jede weibliche Berufsausbildung, denn das Wissen und die Erfahrung in den verschiedenen Gebieten der Hauswirtschaft werden stets das unentbehrliche Rüstzeug einer tüchtigen Frau sein. Erziehung zur Arbeit und innigste Verbindung mit der Natur sind die Vorzüge unserer wirtschaftlichen Frauenschule in Wolfratshausen. Elise Neumeyer. 2. Schlußfeier der Schülerinnen der wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande in Wolftatshausen Am Sonntag, dem 29. März, fand in der wirtschaftlichen Frauenschule die diesjährige Abschiedsfeier der Schülerinnen statt. Aus diesem Anlaß hatten sich zahlreiche Gäste bei uns eingefunden. An langen, festlich gedectten Tischen saßen die Gäste, die von der ersten Vorsitzenden des Schulkuratoriums, Frau Recha Stark, begrüßt wurden. Frau Stark dankte allen für ihr Erscheinen, insbesondere den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, den Verttetern des Rabbinats und den Angehörigen der Logen. Es sei fast schon ein kleines Jubiläum, das wir an diesem Tage feiern könnten, nämlich das erste Jahrfünftdes Bestehens unserer Schule sei nun verflossen. Für die Schülerinnen allerdings sei heute kein Anlaß zu einem Jubiläum, denn unseren jungen Mädchen bedeutet der Besuch der Schule etwas Einmaliges in ihrem Leben, etwas Einmaliges, aus dem sie für ihr ganzes Leben reichen Nutzen nehmen möchten. BayerischßV ereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Sicherheit und hohen Zins gewährleisten unsere Gold-Pfandbriefe und Bank-Sparbücher Die nach dem 2. Januar 1931 fälligen Zinsscheine sind kapilalertragsteuerfrei Dann sprach Herr Oberstlandesgerichtsrat Neumeyer in warmen Worten zur Jugend. Frau Erna Feuchtwanger-Kronenberger erfreute durch frische, reizende gesangliche Darbietungen; ganz besonders freuten sich die jungen Mädchen wieder über die netten Verse, die Frau Clem. Kraemcr über das Tätigkeitsfeld der Schülerinnen gedichtet hatte und die von Frau Feuchtwanger nach der lustigen Melodie des Max- und Moritz-Liedes vorgettagen wurden. Nun fühlten sich auch die jungen Mädchen ihrerseits berechtigt, ihren Gästen neben Kaffee und Kuchen kleine Darbietungen zu geben, und so klang der Nachmittag mit Musik, Tanz und Geplauder gemütlich aus. Trotz aller Lustigkeit haben die Schülerinnen durch die warmen Worte und rege Anteilnahme der Münchener Gäste doch den ernsten Moment empfunden, den der Abschied nach einer abgeschlossenen Tätigkeit mit sich bringt. Wir hoffen, daß alle unsere Schülerinnen, die uns nun verlaßen haben, das schöne in der Natur, in jugendlicher Fröhlichkeit und in tüchtiger' Arbeit verbrachte Lehrjahr noch lange und immer mehr im Herzen ttagen. Hanna Bodenheimer. Bus dem Verbände Jüdisches Museumswesen Verein für jüdische Museen in Bayern. E. V. Die erste ordentliche Mitgliederversammlung am 22. April in München zeigte, daß zur Begründung dieses wichtigen Vereins vorzügliche und erfolgreiche Arbeit geleistet wurde. Für den Vorstand erstattete Herr Rabbiner Dr. Baerwald Bericht über die Vorarbeiten, die Gründung, die Werbetätigkeit und die besonderen Aufgaben des Vereins. Wie aus den Mitteilungen des Schatzmeisters, Herrn Bernhard Lustig, und aus der Vorlegung der bisherigen Erwerbungen hervorging, sind die Anfänge vielversprechend. Die Namen des gewählten Vorstandes, des Beirates und Ehrenausschusies werden in der nächsten Nummer genannt werden. Die Sitzung schloß mit einem Vortrag von Herrn Theodor Harburger über „Jüdisches Museumswesen". Der Vorttagende führte unter Begleitung von etwa fünfzig guten Lichtbildern durch die sämtlichen jüdischen Museen Europas. Cr zeigte zunächst am Beispiel des Germanischen Nationalmuseums, wie eine aus der Jnitiattve von Wenigen hervorgegangene Gründung aus kleinsten Anfängen und trotz der besonderen wirtschaftlichen Ungunst der Cntstehungszeit zu einem Museum von führender Bedeutung werden konnte. Eine nach ihren Aufgaben und auch geographisch eng umgrenzte Sammlung wie eine Schaustätte jüdischer Altertümer ist im besonderen Maße auf Verständnis und tätige Förderung der Juden angewiesen. Im Rahmen der allgemeinen öffentlichen Sammlungen haben die jüdischen Kunst- und Kultgegenstände bisher, wie der Redner im einzelnen nachweist, nicht genügende Pflege gefunden. Der Aufgabe nahmen sich dann seit Ende des vorigen Jahrhunderts im steigenden Maße jüdische Gesellschaften, Gemeinden und Verbände an. Herr Harburger gab ein anschauliches, durch viele gute Photos unterstütztes Blld von den teilweise sehr reichen jüdischen Sammlungen, namentlich in Berlin, Wien, Breslau, Frankfurt, in den großen Gemeinden des Ostens, aber auch in kleineren Gemeinden wie Mainz, Worms, Sttaßbürg usw. Der Redner kam auch auf die ausgezeichnete Wirkung der vorjährigen jüdischen Ausstellung in München zurück und gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß die Werbung in allen Kreisen der bayerischen Judenheit ein kulturpolitisches Werk schaffen möge, das dem jüdischen Namen Ehre macht. Beitrittserklärungen zum „Verein für jüdische Museen in Bayern e. V." sind an die Geschäftsleitung des Vereins in München, Augustenstraße 53/11, zu richten; jährlicher 'Mindestbeitrag für Cinzelpersönlichkeiten 10 RM., für Körperschaften 50 RM. Bus der Semelnde München Vortragsabend Bernhard Renka. Wir machen auf diese am Samstag, den 9. Mai abends 8% Uhr im Museum, Porziasaal (Prannerstraße) stattfindende Veranstaltung besonders aufmerksam. Die „LustigenAbende" Renkas haben bisher bei Publikum und Preste ungeteiltes Lob gefunden. Die Münchener Neuesten Nachrichten nannten Renka „Meister des humoristischen Vorttages". Das Programm des Abends vom 9. Mai verspricht jedenfalls Genuß und Belehrung. Cs werden hauptsächlich folgende, jüdische Dichter zu Worte kommen: Beer-Hofmann (Szene aus Jaakobs Traum), Bialik, Martin Buber, Manfred Sturmann (unveröffentlichte Dichtungen), Schalom Asch, Scholem Aleichem, M. Rosenfeld u. a. Näheres im Anzeigenteil dieser Nummer.

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