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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1931-04-01 · 4 (1.4.1931) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1931
Issue
4 (1.4.1931)
Article
Abraham Strauß
Date
1931-04-01
Page
Seite 8 (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen Des MWen Leheernereins für Vapern Schriftleitung: Max Adler, München 1931 München, 1. April Nr. 4 J Abraham Strauß b"\ J Als in den ersten Tagen des Februar die Nachricht von dem Hinscheiden unseres lieben Strauß ~"y durch die bayerischen Lande ging, da ergriff tiefe Trauer nicht nur die Mitglieder seiner Gemeinde und die Angehörigen unseres Vereines, sondern auch darüber hinaus, weite Kreise der jüdischen Gemeinschaft unseres Vaterlandes. Abraham Strauß war ja durch jahrzehntelange öffentliche Tätigkeit für das Gesamtjudentum als markante Führerpersönlichkeit bekannt. Wenn es auch unmöglich ist ein umfassendes Bild von seiner Tätigkeit als jüdischer Führer zu zeichnen, so muß doch sein energisches, zielbewußtes Eintreten für die Zusammenfassung der jüdischen Gemeinden Bayerns zu einem lebenskräftigen Gesamtverbande hier besonders erwähnt werden. Aber so lebhaft er sich auch für alle jüdischen Angelegenheiten mit ungewöhnlichem Interesse einsetzte, seine ganze Liebe gehörte feinen Berufsgenossen, denen er Berater, Freund und Führer war. In seltener Treue und aufopfernder Hingabe widmete er sich den Aufgaben unseres Vereines, dessen Verwaltung er seit 1903 als Mitglied und feit 1928 als Ehrenmitglied ununterbrochen angehörte. Wie wenige hatte Strauß die Tragik des jüdischen Religionslehrers, feine materielle und soziale Notlage und die damit verbundene unwürdige Abhängigkeit schon in früher Zeit empfunden. Das Bewußtsein geschehenen Unrechts rief ihn auf den Plan und machte ihn zu einem Kämpfer für das Recht. So wurde er zu einem anerkannten Lehrerführer. Wenn man die Namen der Treuen nennt, die unter Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit für die Hebung des Lehrerftandes eintraten, so wird man auch den Namen Strauß nicht vergessen. Einen besonderen Einfluß übte Strauß auf die jungen Kollegen aus, die in seinem Bezirke amtierten, die er mit Begeisterung für die Ideale des Lehrerberufes zu erfüllen verstand. Sie werden dem väterlichen Freunde ein ganz besonderes Andenken bewahren. Von der außerordentlichen Verehrung und Hochachtung, deren sich der Heimgegangene erfreute, legte die Beerdigungsfeier beredtes Zeugnis ab. Im Namen des Vereins sprach Seminardirektor Stoll (Würzburg) dem Heimgegangenen Worte des Dankes und warmer Anerkennung. Im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde Uffenheim dankte Kollege Frank für all das, was der Entschlafene in seiner 50jährigen Tätigkeit als Mitbegründer, Führer und Förderer der Gemeinde geleistet hat. Vrückheimer entbot den Dank der Nachbargemeinde Marktbreit. Namens des Bezirkslehrervereins Uffenheim, des Bayerischen und Deutschen Lehrervereines nahm Hauptlehrer Schmidt (Welbhausen) Abschied von dem hochverehrten Freunde. Bezirksrabbiner Dr. Munck und der Vorstand des Bezirksamtes würdigten in eindrucksvoller Weife die Verdienste des Dahingeschiedenen. Ein Gedicht, das Kollege Frank seinem Amtsvorgänger widmete, werden wir in einer der nächsten Nummern zum Abdruck bringen. Liebe und Treue hat Strauß in reichem Maße gesät; wir werden seiner in Liebe, Treue und dankbarer Verehrung stets gedenken. M. Rosenfeld M. Adler | Haupllehrer Ascher Eschwege | Von einem unserer Mitglieder aus Frankfurt wird uns geschrieben: Ascher Eschwege, der vor einigen Monaten anläßlich seines 80. Geburtstages in unseren Mitteilungen gefeiert worden war, ist am 2. Adar von hinnen gegangen. Wie er gelebt, so wollte er sterben und beerdigt sein. In seiner Bescheidenheit hat er sich jeglichen Nachruf verbeten. Diesem letzten Wunsche des Heimgegangenen müssen wir Rechnung tragen. Beim Jubiläum unseres Vereins im August vorigen Jahres war Eschwege zu unserem Ehrenmitgliede ernannt worden. Es war eine Ehre für uns, daß er unser Mitglied war; denn mit seinem Tode ist ein Lehrerleben zu Ende gegangen, wie es idealer nicht gedacht werden kann. Er war ein Vater der Bedrückten und Armen, ein Mensch, ein Jehudi. Alles für andere, für sich nichts. “,2t Freunde und Bekannte hat er in einer letztwilligen Verfügung gebeten, ihn in ihre Schiurim einzuschließen na1? 'jD'in “ityx Die jüdische Schule im Dienste der Abwehr Von Leopold Weil, Hof a. d. Saale Fortsetzung und Schluß Im vorexilischen Judäa waren die Juden als die Kulturjüngeren die Bauern, während die Kananiter als die Kulturälteren Städter und Kaufleute waren. Diese Entwicklung machten auch die Europäer durch, die die organische Wirtschaftsform verlassen und sich kaufmännischen und industriellen Gewerben zugewendet haben. (Verbot im Mittelalter Boden zu erwerben!) Beim Bibellesen werden die Kinder erkennen, daß das Judentum der Welt dieses Buch der Bücher geschenkt hat, dessen Lehren erfüllt sind von hohem ethischem, sittlichem und sozialem Gehalt; der Gott aber, der dieselben befohlen, muß ein Gott der Alliebe und Allgüte sein. Im „jüdischen Heimatkundeunterricht wird beim Besuche von jüdischen Kultstätten, unterstützt durch das Entziffern alter Urkunden (Chroniken, Memorbüchern), der Jugend plastisch vor Augen geführt, daß die Juden seit mehr als einem Jahrtausend verwurzelt sind mit dem Boden des Landes, also bereits bodenständig waren, als gewisse Teile der Bevölkerung noch nicht einmal germanisiert waren. Unschwer wird dann, wenn alles Material zusammengetragen worden ist, der Nachweis zu führen sein (wie Dr. Eckstein in seinem trefflichen Buche: Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht?, das tut), daß die Juden in Deutschland als Angehörige: die Schicksals-, Sprach-, Kultur- und Willensgemeinschaft das Heimatrecht für ewige Zeiten erworben haben. Bei Besichtigung von Ehrenmalen, die selbst in der kleinsten Dorfgemeinde errichtet wurden, muß über Beteiligung und Anteil der Juden am Weltkrieg in instruktiver Weise, unter Gegenüberstellung der Lügenmärchen unserer Feinde, gesprochen und hingewiesen werden, wie schmählich und ungerecht es ist, das Andenken unserer toten Helden zu verunglimpfen. Daneben bietet sich immer Gelegenheit, lügenhafte Behauptungen, die von unseren Gegnern täglich aufgestellt werden, organisch in den Kreis der unterrichtlichen Behandlung einzufügen. Wenn es so der jüdischen Schule und dem jüdischen Religionsunterrichte gelingt, jüdische Menschen zu formen, die ihr Judentum aus den Quellen kennen und nicht nur schablonenhaft aus Flug- und Streitschriften, dann werden wir auch die Gewißheit haben, daß diese Juden, eben weil sie ihr Judentum kennen, mit Liebe und Hochachtung von ihm sprechen, daß sie von Stolz und gesundem Selbstbewußtsein erfüllt, ihre staatsbürgerlichen Pflichten und die, welche die Glaubensgemeinschaft von ihnen verlangen darf, erfüllen werden. Solche Juden aber werden auch zu jeder Zeit treue, mutige und vor allem erfolgreiche Kämpfer bei unserer Abwehrarbeit sein. Die jüdischen Lehrer sind gewiß bereit, soweit es in ihrer Kraft und Möglichkeit liegt, die Erfüllung dieses hohen und heiligen Zieles zu erreichen helfen. Möchten aber auch die jüdischen Eltern diesem Werke ihre hilfreiche Hand leihen, indem sie dem Religionsunterrichte als Unterrichtsfach die Bedeutung und den hohen Erziehungswert beimessen, die ihm zukommt. Es handelt sich um die Zukunft unserer Kinder und zugleich um Zukunft und Heil des Judentums. Der jüdii^e Lehrer von heute Eine ethisch-psychologische Studie von Dr Ernst Frankel (Augsburg) Wenn wir die Aufgaben und die Stellung des jüdischen Lehrers von heute einer näheren Betrachtung unterziehen, werden wir ohne weiteres sagen dürfen, daß sich seine allgemeine Berussaufgabe vollständig mit jener des Lehrers überhaupt deckt. Ich hatte deshalb für den Festvortrag das Thema in. drei Teile gegliedert, und zwar: 1. Frage: Welche „psychologische Struktur" ist grundlegend notwendig für die richtige Erziehernatur, um in der doppelten Eigenschaft als Erzieher an sich und sodann als Lehrer der Klasse erfolgreich wirken zu können? 2. Frage: Welche ethischen Qualitäten müssen zu der psychologischen Struktur des Erziehers im allgemeinen bei dem jüdischen Lehrer speziell hinzukommen, um über die verschiedenen Klippen und Strömungen seines Berufes hinwegzukommen und als I s ch I i s r o ä l, d. h. als Kämpfer für die Verwirklichung des Guten in der Welt, den Endzweck Mer Menschheitserziehung, ein hochbedeutsamer Kulturträger, besser gesagt Kulturpionier, in dem Rahmen der Verwirklichung des Sein-Sollenden

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