Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 7 (1.4.1931)
- Article
- Jüdischer Kindergarten, Herzog-Rudolf-Straße 1
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 104 (sequence 2)
- Language
- German
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104 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 anspruchslose und doch so wohlgelungene Purimfeier machte die besondere Aufgabe des jüdischen Kindergartens wieder besonders deutlich. Der Verband jüdischer Frauen für Palästmaarbell hat eine Vortragsreihe begonnen, die in einer Folge von vier Referaten die Stellung der jüdischen Frau im Wandel der Zeiten darstellen will. Mit einfühlendem Verständnis gelang es der ersten Referentin, Frau Bertha Fränkel-Ehrentreu, die jüdische Frau vor' der Emanzipation, verkörpert durch Glücke! von Hameln, lebendig zu machen. Man hätte diesem Vortrag einen noch viel größeren Kreis von Hörerinnen gewünscht. Einige Hauptgedanken daraus seien hier wiedergegeben: Glückel von Hameln steht am Ausgang des jüdischen Mittelalters. Erschließen läßt sich das Wesen dieser Jüdin des Hamburger Ghettos nur aus den Wesenszügen des mittelalterlichen Menschen; dieser war — ob Jude oder Christ — eingefügt in ein geschlossenes religiöses Weltbild, in der nicht der Einzelne, sondern nur die Gesamtheit galt. Das ausbauende Grundelement der jüdischen Welt war das Thoragesetz, das jede Äußerung des Lebens regelte und weihte. Die eigentlichen Persönlichkeiten des Mittelalters waren nicht die Individuen, sondern die großen überindioiduellen Verbände, wie sie auf der anderen Seite der Feudalismus in Ständen und Zünften geschaffen hat. Das jüdische Mittelalter, das die natürlichen Bindungen von Volk und Land entbehrte, erhob als Ersatz dafür die Familie zu ausschlaggebender Bedeutung. Das Wesen der Glückel und ihre Memoiren sind nur zu erfassen aus dem Einfluß der Familie auf die Menschen jener Zeit. Aus ihm erklären sich die Ehen, die „Partien", die bei Glückel eine so überragende Rolle spielen, aus ihm die Wertung des Besitzes, die Erziehung der Kinder, die in einer standesgemäßen Versorgung durch die Heirat gipfelte. — Wie sich Glückel diesem selbstgefügten Bau des Ghettojudentums vorbehaltlos einfügt und, wiewohl sie nichts sein will als Glied in der ewigen Kette der Generationen, doch als Gattin, Mutter und Jüdin sich ihre starke Persönlichkeit überall zeigte, versuchte das Referat an Hand der Memoiren zu zeichnen. Die Vortragsreihe wird fortgesetzt mit einem Vortrag über den Eintritt der jüdischen Frau in die soziale Arbeit am Donnerstag, dem 16. April; Referentin: Frau Dr. Grete Weihl. Ferner: Die jüdische Arbeiterin am Donnerstag, dem 3 0. April; Referentin: Frau Dr. Rahel Straus. Endlich: Rosa Luxemburg als politische Kämpferin am Donnerstag, dem 14. Mai; Reserentin: Frau Gertrude Weil. Sämtliche Vorträge finden Herzog-Max-Straße 3/1, nachmittags 4 Uhr, statt. vückrerjchau Der Staat seid Ihr! Eine neue politische Wochenschrift unter diesem Titel erscheint seit 1. März im Verlag Hermann Reckendorf, Berlin. (Preis 30 Rpf.) Der ersten Nummer ist keinerlei programmatische Erklärung oorausgeschickt, wie das sonst so üblich ist. Aber statt der Versprechungen scheint die neue Zeitschrift Erfüllungen zu bringen, die unsere Leser in stärkstem Maße interessieren dürften. Es ist hier der Versuch gemacht durch Gegenüberstellung der Äußerungen prominenter Politiker der entgegengesetzten Lager zu einem Thema politische Klärungsarbeit zu leisten und damit zur Verbesserung des politischen Denkens in Deutschland, die wir ach so nötig haben, beizutragen. Es beginnt mit dem Aufsatz von Thomas Mann „Die Wiedergeburt der Anständigkeit". In dem 1. Heft sprechen Heinrich von Gleichen und Otto Landsberg über „Diktatur oder Demokratie", Staatssekretär Dr. Weismann über „Frankreich und Deutschland". Dr. von Loesch: „Die Genfer Polen-Verhandlungen", Theodor Heuß und Gottfried Feder: „Von den Nationalfozialen zu den Nationalsozialisten". In dem 2. Heft ist die Fortsetzung der Arbeit von Thomas Mann, dann folgt von Ernst Jäckh und Graf Reventlow „Revisionspolitik", von Walter Dirks und Paul Friedländer: „Jugend, bist du ohne Hoffnung?" Ferner die Aussätze „Die englischfranzösisch-italienische Flottenverständigung" und „Kaiserbrief des Fürsten Bülow". Ständige Rubriken tragen die Überschrift: „Was wissen Sie vom Staat?" „Wer kennt den Versailler Vertrag?" Es ist der neuen Zeitschrift zu wünschen, daß sie recht weite Verbreitung und stärkste Beachtung findet. Neuerwerbungen der cotzmann-Merner-vidttolhek der Ijraelitijj)en Rultusgemeinöe München 891 (755) Das wahre Gesicht des Nationalsozialismus. 2511 Maimonide M.: Ee Ouicke des Egares page traduites de l’arabe par Salomon Munk publiee par Edm. Eieg, Paris. 547 II Altmann Ad.: Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg, 2. Teil. 2512 Cohn Gust.: Der jüdische Friedhof. 891 (756) Adler: Offener Brief an die Herren Landtagsabgeordneten Ruland, Sepp, Allioli und Konsorten. 1313 XVI Protokoll der Verhandlungen des XVI. Zionistenkongrehes und der konstituierenden Tagung des Council der Jewish Agency für Palästina. 2513 Ehrenpreis Marc.: Propheten und Gottesmänner. 2514 Brunner C.: Von den Pflichten der Juden und von den Pflichten des Staates. 2515 Wiegand Frdr.: Agobard von Lyon und die Judensrage. 2516 Cohen Lester: Die Pardways. 891 (785) Schlund Erh.: Der Jungdeutsche Orden. (Jungdo) 2551 Bry Carl Ehr.: Verkappte Religionen. 2552 Coudenhove-Kalergi Heinr. Grs.: Das Wesen des Antisemitismus. 2553 Fiebig: Der Talmud, seine Entstehung, sein Wesen, sein Inhalt. 2554 Steiger Alfons: Der neudeutsche Heide im Kampf gegen Christen und Juden. 2555 Noth, Marttn: Das System der zwölf Stämme Israels. 2556 Kühl Curl: Die drei Männer im Feuer. 2557 Pribram A. F.: Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien. 2126 Höxter, Jul.: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte, und Literatur. I. Teil. 2558 Nathansen Henri.: Jude oder Europäer. Portrait von Georg Brandes. 2559 Zola Emil: Der Fall Dreyfus und andere Kämpfe in Briefen. 2560 Bloch Chajim: Das iüdische Volk in seiner Anekdote. 2561 Escheldacher Jos.: Michael Sachs. Hebr. 977 Aruch haschulchan. Hebr. 982 Jbn Gebirol: Schire schelomah ed. Bialik. Hebr. 983 Jbn Gebirol: Mekor cha'im ed. Bluwstein. Hebr. 985 Klatzkin: Ozar hamunachim hapilosophiim Bd. III. Hebr. 986' Sifre ed. Horovitz. Hebr. 987 Toldot schemuel. Hebr. 992 Chafez chajim. Hebr. 993 Josef omez. Hebr. 994 Hoffmann: Mlamed l'hoil. (Die Bibliothek ist geöffnet am Sonntag in der Zeit von 9 bis 11 Uhr, Montag, Dienstag und Donnerstag von 5 bis 7 Uhr und Freitag von 2 bis 4 Uhr.) Verkaufsstellen I Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 3 70 6 46 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96 9 44 Thierschstraße 19 Fernsprecher 22 0 82 Sdileißheimer Straße 100 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof*Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-VerkaufszentraleSchleißheimer Straße 100 / Tel. 370326