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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-03-15 · 6 (15.3.1931) · p. Seite 89

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
6 (15.3.1931)
Article
Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe München
Date
1931-03-15
Page
Seite 89 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 89 Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe München. Am Donnerstag, den 26. März, spricht Frau Henny Siegel in der Konkordia, Prannerstraße 4, abends 8 Uhr, über „Geschwi st erprobtem e". Pädagogisch interessierte Mitglieder und Freunde des Frauenbundes sind dazu eingeladen. Verein zur Abwehr des Antisemitismus e. V., Ortsgruppe München Die nächste Mitgliederversammlung findet Donnerstag, den 26. März, ubends halb 9 Uhr im Kleinen Saale des Hotel Union, statt. Das Referat des Abends, „Kultur und Erziehung unter dem Hakenkreuz", hält Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig Hofmann. Zutritt haben nur Mitglieder gegen Vorweis der Einladungskarte. Jüdischer Jugendverein München I. Donnerstagabende. Lessingsaal. Beginn: 20.30 Uhr. 19. März (Josephitag) 10.30 Uhr vormittag: Führung durch das Deutsche Museum, Abteilung Fernsehen und Verwandtes. (Leitung: Herrn Ing. Naschitz.) Treffpunkt vor dem Museum. 15 Uhr: Fahrt nach Grünwald. Treffpunkt:: Ostfriedhof, Trambahnkarte nach Grünwald. 26. März. Vortragsabend: Lion Feuchtwangers Roman „Erfolg". Referent: Herr Rechtsanwalt Dr. Wallerstein (mit Rezitationen). II. Freitagabende. Jugendheim. Beginn: 20.30 Uhr. Alle jungen Juden Münchens, denen die Weihe einer häuslichen Freitagabendfeier versagt ist, sind herzlichst willkommen. kadimah, Bund jüdischer Pfadfinder, München Sämtliche Ortsbünde waren bisher unter dem Namen „Kadimah. Bund jüdischer Jugend" zusammengeschlossen. Er „ist ein unabhängiger Erziehungsbund mit reinen Erziehungsaufgaben und lehnt es ab, die Nachwuchsbewegung irgendeiner politischen Organisation zu sein" (Königsseer Resolution). Im Gegensatz hierzu will die jetzige Bundesleitung aus dem Kadimah, Bund jüdischer Jugend einen linksgerichteten zionistischen Tendenzbund machen (siehe dasÄlterenblatt des Kadimah, „Haschomer", herausgegeben von der Bundesleitung, Jahrgang 2, Heft 1 bis 3). Um an dem bewährten Programm festhalten zu können, hat sich eine Anzahl von gleichgesinnten Ortsbünden — darunter auch München —zur Pfadfinderschaft des Kadimah unter folgenden Richtlinien zusammengeschlossen: Erziehung im Sinne der Pfadfinderidee, Ablehnung jedes Parteigeistes, Einsetzung für das jüdische Volk. Da nun die Bundesleitung das Bestehen dieser Pfadfinderschaft nicht anerkannt, die Forderungen derselben abgelehnt hat, ist der Kadimah, Bund Mischer Pfadfinder, geschlossen aus dem Verband des Kadimah, Bund jüdischer Jugend, ausgetreten. An der Arbeit des Münchener Bundes wird sich nichts ändern; denn die Führerschaft war schon immer bestrebt, ohne Bindung an Parteibestrebungen, die Jugend zu aktiven Menschen zu erziehen, die sich auf Grund ihres Pfadfindertums ihrer Verantwortung dem jüdischen Volk gegenüber bewußt sind. Für die Führerschaft gez.: Walter Koschland. Ein Gang durch die Geschichte der jüdischen Musik Im Rahmen der Veranstaltungen der Jefaia-Loge spricht Frau Alice I a c o b - L o e w e n s o n, die Berliner Musikkritikerin der „Jüd. Rundschau", am Dienstag, dem 24. März, abends halb 9 Uhr: „Ein Gang durch die jüdische Musik von den Anfängen bis zur Gegenwart", unter Vorführung von Schallplatten und mit Illustrationen auf dem Klavier. Lokal der Concordia, Prannerstraße 4/0. Angehörige und Freunde der Jesaia- Loge sind herzlich willkommen. vückerschau Henri Uathansen, Jude oder Europäer, Porträt von Georg Brandes. Rütten und Löning Verlag, Frankfurt a. M. Auch für den, der Georg Brandes ferne steht, ist dieses Buch feines uns alle angehenden Hintergrundes wegen von Bedeutung. Es ist keine Lebensbeschreibung, sondern ein Bild, die einzelnen Daten werden nur unvollständig, flüchtig und gelegentlich erwähnt. Der Verfasser, der mit Brandes fteundschaftlich verbunden war, zeichnet mit liebender Objektivität: — „nichts von dem was feine Persönlichkeit erniedrigen zu können scheint, soll verhehlt, nichts von dem, was seine Menschlichkeit erhöhen kann, verschleiert werden". Wir sehen Brandes jung, siegesgewiß einer großen Zukunft, in exponierter Stellung, gehaßt, geschmäht und gefeiert. Wir sehen ihn stiller und resignierter werden, und zuletzt als einen wenn auch von einer phantastischen Arbeitslust besessenen doch skeptischen und innerlich einsamen Menschen. Einen tragischen Menschen. Eine Tragik, die zum Teil bedingt ist durch jene allgemeine, die wir kennen. Die Tragik des Judentums, das, gehalten von einer hohen Gottesidee, ursprünglich einen „durch die feste Form, das hohe Ethos und die strenge Moral der Gesetze" sublimierten Geiste verhaftet, von einem revolutionären Idealismus vorwärts getrieben, nach dem Verlust des ihm angeborenen und des formenden Landes in eine ftemde Welt gestellt ist, die es gerade auf Grund jener Eigenschaften nur Widerwillig duldet und zu einem steten Konflikt zwischen Selbstachtung und Geltungsbedürfnis zwingt. Eine Tragik, die, von dem Verfasser ganz ausgezeichnet geschildert, Georg Brandes wie dem kleinen Propheten Cdmond Flegs, wie uns schließlich allen, in dem Moment seines geisttgen und menschlichen Erwachens nahe kommt. Sucht nun der Einzelne diese Tragik zu überwinden, in dem er sich entweder „assimiliert" oder sich auf seine geisttge jüdische Wesenheit zurückzieht, so tut Brandes keines von beiden. Wohl von Natur und Vitalität aus, nicht aber mit Willen und Kultus, Jude, aber auch nie ganz Däne, mit einem weder in einem religiösen noch nationalen Boden verwurzelten Gefühl, bleibt er geistig und seelisch heimatlos, bewegt er sich ewig zwischen den beiden Polen: „Hellas und Judäa", eine Polarität, aus der sich zuletzt fein gutes Curopäertum herausentwickelt, das sein Sein und seine Leistung, aber auch seine, von dem Verfasser nach meiner Ansicht etwas zu negativ gesehene Grenze bedeutet. Er rückt so in die Stufe Lassalles, Gambettas, Disraelis, vor allem aber Heines, in dem er sich selbst charakterisiert, wenn er von ihm schreibt: „Er gibt-das Ringen wieder, in dem die Eigenchaften seiner Rasse sprühen, als die moderne Kultur über sie hereinbrach und sie traf, wie der Stahl den Feuerstein." Über aller Zwiespältigkeit und Problematik aber steht, von dem Verfasser eigens betont, das Posittve: Eine vornehme, wahrhafte, bewiesene Persönlichkeit. Das Buch liest sich geradezu spannend. Und man legt es hinweg wie man ein Lied von einem tragischen Schicksal zu Ende gehört hat. Das Schicksal eines suchenden Geistes, eines nicht heimgefundenen Menschen. — Dr. Elise Dosenheimer. Margaret Goldsmith. Ein Fremder in Paris. P. List Verl. Leipzig. Das Schönste in diesem Frauenbuche: die Gestalt einer Frau, die immer hinter dem Vorhänge bleibt und die wir doch sehen — die Mutter des Sohnes, des schönen jungen Malers Anatvl, den das ungeheure, ersehnte Paris widerwillig aufnimmt, endlich mit Kunst und Liebe beglückt und ... zermalmt. Das Durcheinander der amerikanischen Kolonie in Paris-Protzen, up to date-Girls, Einsame — wird treffend beobachtet und klar der fast heidnischen, amoralischen Unschuld des jungen Fremden gegenüber gestellt. — Ist dies ein Erstlingsbuch? Manche Unbehilflichkeiten der Anfangsdarstellung lassen es vermuten. Aber die ttefe Einsicht in die Zusammenhänge von Leben, Liebe, Kunst spricht von einem Auge, das schon vieles sah und einem Herzen, das schon manches litt. Auf jeden Fall: eine Hoffnung. B. B. St. Verkaufsstellen J Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 3 70 6 46 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96 9 44 Thierschstraße 19 Fernsprecher 22 0 82 Schleißheimer Straße 100 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof^Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100 / Tel. 370326

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