Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 5 (1.3.1931)
- Article
- Hebräische Sprachkurse München
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 73 5.30—7 Uhr, KJV-Kürs; 7.30—9 Uhr, Kurs V; 9—10 Uhr, Kurs I. Mittwoch, 2.30—4 Uhr, Kinderkurs III; 5.15—6.15 Uhr, Kinderkurs II; 6.45—8.30 Uhr, Kurs 3/4. Donnerstag, 7.15—8.15 Uhr, Kurs II; 8.15—9 Uhr, Grammatikkurs: 9—10.15 Uhr, Bibelarbeitsgemeinschaft. Samstag, 5.30—7.30 Uhr, Anfängerkurs: 8—10 Uhr, Lehrlingsheim. Leiter der Kurse: Dr. A. P e r c i k o wi t s ch. Die hebräischen Sprachkurse nehmen für unbemittelte Schüler neue oder gebrauchte Lehrbücher, leihweise oder als Geschenk entgegen. Gegenwärtig werden gesucht: 22 Lehrbücher von Moses Rath, eine Anzahl Bibel. Aus dem Münchener jüdischen Jugendheim. Um das Jugendheim noch mehr als bisher zu einem Mittel- und Sammelpunkt der Münchener jüdischen Jugend werden zu lassen, sollen nunmehr neben den einem bestimmten Thema gewidmeten Arbeitsgemeinschaften Abende mit wechselndem Programm veranstaltet werden. Am Montag, dem 2. März, 20.30 pünktlich, findet unter der Leitung von Herrn Dr. Manfred Saalheimer ein Zeitungsabend statt, der der Besprechung aktueller Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften dienen soll. Zugleich wird sich Gelegenheit bieten, über den weiteren Ausbau der neuen Einrichtung zu sprechen. Reger Besuch wird gerade von den Kreisen der jüdischen Jugend erwartet, die bisher noch nicht oder nur in geringem Maße an der Tätigkeit des Jüdischen Jugendheims teilgenommen haben. Anfragen und Anregungen erbeten an Max Schwarz, Frauenplatz 2/II, 2. Aufg., Fernruf 92 6 31. Auch an den laufenden Arbeitsgemeinschaften von Herrn D r. Curt Rosens^al über Wirtschaft — nächster Abend Dienstag, 10. März, 20.30 Uhr, und von Herrn Dr. Werner Cahnmann über Probleme der Emanzipation und der jüdischen Gegenwart in Deutschland — nächster Abend Dienstag, 3. März, 20.30 Uhr, — ist Neubeteiligung noch möglich. Alle Veranstaltungen finden im Jüdischen Jugendverein, Herzog-Rudolf-Straße 1, statt und sind kostenlos. Der Münchener Dichter Manfred Sturmann. unser Mitarbeiter, las am 13. Februar mit vollem Erfolg (vgl. ausführlichen Bericht aus Zürich in den „M. N. N." vom 18. Februar 1931) im Literarischen Klub, Zürich, neue Lyrik und Prosa; am 14. Februar im Züricher Rundfunk seine Erzählung „Ljuba soll den Hund erschießen". — Das in der letzten Nummer vom 1. Februar wiedergegebene Lichtbild stammt aus dem Münchener Atelier Lilly Heymann, Krumb acher Straße 5. Schmarja Levin in Deutschland In einigen Tagen wird Dr. Schmana Levin in Berlin und in den größeren Städten Deutschlands Vorträge halten. Schmarja Levin hat viele Jahre in Deutschland vor und nach dem Kriege gelebt, er hat hier studiert und kennt das deutsche Judentum genau, ebenso wie die meisten deutschen Juden Schmarja Levin kennen, der nach vielen Jahren wieder als ein Mahner und Lehrer vor der deutschen Judenheit erscheinen wird. Merkwürdig wie der menschliche und geistige Charme dieses Mannes, ist auch sein Lebenslauf. Er ist in einem russisch-jüdischen Ghetto aufgewachsen: ungewöhnlicher Scharfsinn, eine hinreißende Rednergabe. ein prachtvolles Temperament, kennzeichneten ihn schon in den frühesten Anfängen seiner öffentlichen Tätigkeit als den geborenen Führer. Tatsächlich gelangte er in sehr jungen Jahren an die Spitze des russischen jüdischen Lebens. Gemeinsam mit 11 anderen Juden wurde er in die erste russische Duma gewählt, wo er bei seinem ersten Auftreten durch den Schwung seiner Gedanken und durch das Pathos seiner Rede auffiel. Nach der Auseinanderjagung der ersten Duma gehörte er zu jenen Duma-Deputierten, die in der finnischen Stadt Wiborg das historische Manifest zur Steuerverweigerung an die Völker Rußlands erließen. Das Schicksal der „Wiborger Deputierten" ist allgemein bekannt. Ein Teil von ihnen wanderte in die Gefängnisse und in die Verbannung, ein anderer Teil wurde.unstet. Schmarja Levin wählte den Weg eines Mahners und Rufers im jüdischen Leben und seit Jahrzehnten ist er in der ganzen Welt unterwegs, um die Juden aufzurütteln. sie über ihre Lage aufzuklären und ihnen den einzigen Weg zur Sicherung ihres Volksbestandes zu zeigen, die Beteiligung an dem Aufbarl eines nationalen Zentrums in Palästina. Als einer der ersten von den zionistischen Führern nahm Schmarja Levin feinen dauernden Wohnsitz in Tel-Awiw, wo sein Haus ein geistiger Mittelpunkt im jüdischen Palästina ist. Die Lage des Aufbauwerkes, die Situation im Mischen Volke verhindern Leoin, in Tel-Awiw ruhig zu leben und sich seinen wissenschaftlichen und - literarischen Arbeiten zu widmen. Immer wieder braust er, einem Sturmvogel gleich, von Erez Israel durch die Diaspora. Er ist jahrelang nach dem amerikanischen Konttnent gereist. Erst vor kurzem besuchte er alle größeren Orte Rumäniens, dann führte ihn sein Weg wieder nach England und da er einer Einladung der tschechoslowakischen Zionisten Folge leistete und versprochen hatte in der Tschechoslowakei einige Wochen zu verbringen, nahmen Freunde aus Deutschland die Gelegenheit wahr, um ihn zu einem Abstecher nach Deutschland zu bewegen. Schmarja Levin folgte seiner alten Liebe zu den deutschen Juden und nahm die Einladung an. So werden denn die Juden in Berlin, Breslau, Beuchen, Dessau, Leipzig, Bamberg und auch in München Gelegenheit haben, Schmarja Levin zu hören. Diesen nüchtern-poetischen Apostel des Zionsgedankens, nüchtern weil er wie kaum einer alle Einzelheiten des großen Werkes in Palästina kennt und die Situation so schildert, wie sie ist, poetisch, weil jedes seiner Worte beseelt ist von starkem Glauben und unverwüstlicher Tatkraft. Schmarja Levin hat in der letzten Zeit eine Autobiographie in englischer Sprache in Amerika erscheinen lassen. Dieses Werk ist nach der Kritik der Londoner „Times", nur mit den größten Biographien aller Zeiten vergleichbar. Die deutschen Juden begrüßen Schmarja Levin anläßlich seines Besuches, ihn, den wandernden Juden, der wie kaum einer, repräsentativ für die besten Eigenschaften jüdischen Volkstums und jüdischer Freiheitsbewegung ist- Dr. Schmarja Levin wird am Donnerstag, 5. März, im »Bayerischen Hof" in einem von der Zionistischen Ortsgruppe veranstalteten Vortragsabend über das Thema: »Zu welchem Zweck studieren wir Geschichte? Psychoanalyse eine 71 atio n" sprechen. ttus bayerischen Semeinden Alemorbücher in den unterfränkischen Kultusgemeinden Vezirksrabbiner Dr. Ist. Weinberg in Tleumarkt (Oberpfalz) ersucht die Vorstände aller unterjränkischen kultusgemeinden. die im Besitz eines Alemorbüches sind, soweit dies bisher noch nicht geschehen, ihm diese Alemorbücher, in ihrem eigenen Interesse, auf kurze Zeit zu überlassen. Es handelt sich nur noch um wenige Gemeinden. Dieselbe Bitte richtet sich auch an Privatleute, die im Be- Besitz von Alemorbüchern alter, aufgelöster unterfränkischer Kultusgemeinden sind. Die Zusendung müßte aber in aller Kürze geschehen. Die Rücksendung würde so bald als irgend möglich erfolgen. Dr. 711. Weinberg, Bezirksrabbinsr. Affenheim. Einen schweren Verlust hat die hiesige Kultusgemeinde durch das Hinscheiden ihres langjährigen allverehrten Hauptlehrers Abraham Strauß erlitten. Die Beerdigung fand am Freitag, den 6. Februar, statt. Am Grab dankte Herr Distriktsrabbiner Dr. Munk dem Entschlafenen für seine segensreiche Tätigkeit. Wir verweisen auf den ausführlichen Nachruf in der nächsten Nummer der „Mitteilungen" des Jüdischen Lehrervereins. Zum Andenken an Dr. Jsaac Loewi, Oberrabbiner in Fürth Am 21. März 1931 sind 100 Jahre verflossen, seitdem der erste Gemeinderabbiner Dr. Loewi in Fürth in sein Amt eingeführt wurde. Dieser kluge, hochgebildete, von Geist modernen Wissens und Strebens erfüllte Mann hat auch die Nürnberger Gemeinde, die von 1857—1872 seinem Rabbinat zugehörte, auf würdigste Weise vertreten. Er vertrat tatkräftig die liberale Richtung und wurde von der Fürther Orthodoxie in langjährigen Kämpfen heftig angegriffen. Als im Jahre 1864 König Ludwig II. sich in Nürnberg aufhielt und ohne vorherige Ansage in Fürth einritt, führte Loewi den König in die Synagoge und erhielt den Michaelsorden I. Kl. Loewi starb hochbetagt im Jahre 1873. Er liegt auf dem alten Fürther Friedhof begraben. Seine zahlreichen Nachkommen sind über alle Erdteile verstreut.