Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 4 (15.2.1931)
- Article
- Frau Rabbiner Judith Adler
- Date
- 1931-02-15
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Ihr Vater, der Würzburger Raw, dem sie bis zum letzten Atemzuge in nicht zu übertreffender Kindesverehrung anhing, war in Übereinstimmung mit allen Großen in Israel ein Gegner solcher Frauenausbildung gewesen. Aber durch Schimmusch Chachomim, durch den lebendigen Verkehr mit dem großen Vater — wie stolz erzählte die sonst so Bescheidene, daß sie ihm die Bücher reichen durfte, die er zum Lernen benötigte —> hatte sie sich angeeignet, was für ihr Lernen bestimmend war. Sie beherrschte auswendig ihr Thillim, auswendig die Gebete, und manch feines Thorawort überlieferte sie mit ihrer bis ins hohe Alter bewahrten geistigen Klarheit dem gespannt lauschenden Zuhörer. Limmud Thora ging ihr über alles, und so wurde jede Woche bei ihr nach altem Brauche von einer Chewra gelernt, und der Tisch, um den sich die Lernenden versammelt hatten, sollte nach ihrem letzten Wunsche die sechs Bretter für ihre endgültige Behausung abgeben. Eine mustergebende Rebbizin, die als die wichtigsten Grundlagen der jüdischen Gemeinschaft jene geistig-sittlichen Werte erachtete, die der Begriff des Hauses, der Ehe, der Familie umfaßte, hatte sie im Geiste des Amiroh l'bes Jaakaum ihren hochverehrten Gatten in seiner Rabbinatstätigkeit besonders in der Weise ergänzt, daß sie die Frauen des Amtskreises mit den Grundsätzen der Zenius bekannt machte. Darin erblickte sie, die „Noblesse oblige" mit minutiösester Genauigkeit die Erfordernisse des Gesetzes erfüllte — sie sastetete jeden Taanis aus — ihre Awaudoh. Und bei alledem verurteilte sie niemals die Abwegigen, sie hatte für sie nur ein wehmuterfülltes Mitleidsgefühl. Mit ihrer weitumfassenden Gemillus chesed — sie betreute die Armen und Bedürftigen der engeren und weiteren Heimat, des Auslandes und nicht zuletzt des heiligen Landes — baute sie an dem dritten, dem welterhaltenden Pfeiler. Gar oft war ihr die Sonne des Lebens untergegangen — der einzige vielgeliebte Sohn starb im besten Mannesalter —; aber wenn auch die Wolken an ihrem Lebenshorizonte noch so schwarz sich zusammenballten, nie verlor sie ihr unerschütterliches Gottvertrauen. Liebe erzeugt Gegenliebe. Das erfuhr sie an der Hochschätzung und Verehrung aller Kreise, an der geradezu rühmenden Art, wie ihre nächsten Familienangehörigen bis zu den kleinen Urenkelkindern herab sie umsorgten und umhegten, das zeigte die imposante Beteiligung bei ihrer letzten Fahrt nach dem Friedhofe in Höchberg. Wie ein noch einsam ragender Felsen aus alter Zeit erschien uns diese Esches chail, nun ist auch er gefallen. n'S'Ä'J'n K. D. Ffm. Vereine Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe München Für Donnerstag, den 19. Februar, nachm. 4 Uhr, lädt der Jüdische Frauenbund seine Mitglieder zu einem Tee ni der Bonboniere (Neuturmstraße 5) ein: Rezitationen aus jüdischer Dichtung. 1 i*: Karten bei Heinrich Rosenthal, Promenadeplatz 11 (Tel. 93 023) oder an der Kasse zu RM. 1.60 einschließlich Tee, Kuchen und Trinkgeld. Tischbestellung nur in der Bonbonniere. Leerung der roten Büchsen des Israelitischen Frauenvereins von 1830 Vielfachen Wünschen entsprechend werden nochmals in der Zeit vom 16. bis 26. Februar jeweils Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 10—12 und Mittwoch von 3—5 Uhr (bitte genau die Zeiten zu beachten) zur Leerung der Büchsen Damen unseres Vorstands im Vereinslokal, Herzog-Max-Straße 5/1, Rückgebäude, anwesend sein. Es sei nochmals darauf hingewiesen, wieviel Arbeit und Mühe dem Verein durch persönliche Ablieferung der Büchsen oder deren Inhalt erspart wird. Für die bereits erfolgte Ablieferung einer großen Anzahl von Büchsen spricht der Verein nochmals auf diesem Wege seinen besten Dank aus. Zahlungen können auch durch Postscheck unter Nr. 8689 (Frau Heinrich Fraenkel) erfolgen. Jenny Baerwald, Vors. Cornelie Fraenkel, Schriftf. Augsburg. Auf Veranlassung der Vereinigung für das Liberale Judentum e. V., Ortsgruppe Augsburg, und des Israelitischen Frauenoereins Augsburg spricht am Dienstag, den 24. Februar, abends 8/4 Uhr, im Trausaal der Augsburger Synagoge Herr Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann (Frankfurt a. M.) über das Thema: „Die Zukunft des Judentums." Zu diesem Vortragsabend sind alle Mitglieder der Augsburger Gemeinde herzlich eingeladen. Brennstoffe aller Reviere in erster Güte Aufträge für Augsburg an Frau Dr. Lehrburger, Augsburg, Kaiserstrafee 431j2 Bayer. Kolli dl ••Kontor b. hl Annastraße D 217 Augsburg Fernruf 847, 867 CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Äbends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen. Mäßige Preise. Kein Eintritt. Kein Weinzwang Antonius-Wäscherei Sommerstraße 60 Fernruf 44438 Lindwurmstraße 97 ßü(berfd)au Dr. Michael Traub: Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege. Jüdischer Verlag Berlin 1930. Die Struktur, das Ausmaß und die Richtung der jüdischen Wanderungen in den beiden letzten Jahrzehnten statistisch zu erfassen und volkswirtschaftlich und bevölkerungspolitisch zu beleuchten, ist die dankenswerte Ausgabe, deren sich der als Generalsekretär der „Ort" wohlbekannte Verfasser mit viel Fleiß und Umsicht unterzogen hat. „Während der Jude im Mittelalter aus wirschaftlich hochstehenden Ländern vielfach nach Handels- und industriearmen Gegenden zog, schlug das jüdische Volk seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine.. entgegengesetzte Richtung ein. Der Jude wanderte nunmehr aus Ländern mit niedriger wirtschaftlicher Kultur nach den kapital- und industriereichsten Zentren der Erde. Es scheint, daß zahlreiche jüdische Emigranten in den kommenden Jahren den früheren Weg einschlagen werden": nämlich dorthin, wo Lücken des Wirtschaftslebens ihnen eine wirtschaftskulturelle Mission eröffnen. Das find die Grundtendenzen, die aus der Arbeit von Traub sich als Schluß ergeben. Das Buch schildert zunächst die jüdischen Wanderungen während des Krieges, die große Binnenwanderung des osteuropäischen Judentums und sodann die jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten zwischen 1915—1919, in ihren Ursachen und Folgen. Im 2. Abschnitt werden die wichtigsten Einwanderungsländer für die Zeit nach dem Kriege dargestellt: Vereinigte Staaten von Amerika, Kanada, Argentinien, Palästina. Der Verfasser behandelt eingehend und erschöpfend die Jmmigrationsbestimmungen, die Höhe der Einwanderungszahl und der Rückwanderung, den Geschlechts- und Altersaufbau, die Bildungs- und Vermögensverhältnisse und die berufliche Gliederung der jüdischen Einwanderer. Jeder jüdische Politiker, jeder, der von Amtswegen durch Rat oder Tat in kleinem oder großem Rahmen auf die Richtung jüdischer Auswanderung Einfluß nehmen kann, sollte das Buch, das mit zahlreichen und übersichtlichen statischen Tabellen ausgestattet ist, aufmerksam durcharbeiten. H. L. SeschSktsnachrlchten In meiner Anzeige vom 1. Februar erschien der Name E. Brader versehentlich. I. Flamm, Mazzenfabrik Uffenheim.