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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-02-15 · 4 (15.2.1931) · p. Seite 59

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
4 (15.2.1931)
Article
Tätigkeitsbericht der hebräischen Sprachkurse München
Date
1931-02-15
Page
Seite 59 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 59 Besprechung der betreffenden Dichter oder Schriftsteller. Nach der Vereinigung der beiden Kurse nur nach dem Buche „Sefer Haadam". Gelesen wurden I. L. Perez, Schalom Alechem, Steinberg, Bialik, I. Fichmann, Übersetzungen aus dem Deutschen ins Hebräische. Freie Konversation. Die hebräische Zeitschrift „Hagescher". Kurs V. Auserwählte Abschnitte aus der neuhebräischen Literatur nach dem Buche: „Laschon Waseser" von I. Fichmann. Teil IV: Perez, Bialik, Beditschewsky, Schalom Alechem, Schalom Asch, Tschernichowsky. Übersetzungen, „Hagescher", Konversation. Kinderkurs I. Lesen, Schreiben und Konversation nach „Ales Beth" von I. Fichmann. Hebräische Volkslieder. Kinderkurs II. „Prostor" von I. Fichmann; grammatikalische Übungen, Konversation, Diktate. Kinderkurs I I I. „Laschon Wasefer", I. Teil von I. Fichmann; Grundlagen der Grammatik; Konversation, Übersetzungen aus dem Deutschen ins Hebräische. B i b e l k u r s. Anfang des 2. Buches Moses. Jesaja-Kurs. Die ersten 12 Kapitel von Jesaja mit philologischen Erklärungen und Bemerkungen aus der jüdischen Geschichte. Ein Münchener Schwurgerichksprozetz. — pressehehe gegen einen jüdischen Lehrer Der seit Jahren an der Realschule in Gunzenhausen tätige Studienprofessor Arnold K u r z m a n n soll vor einiger Zeit im englischen Unterricht gegenüber einer ungeschickten Schülerin den Ausdruck „Lamm Gottes" gebraucht und beigefügt haben, ihre Leistungen gingen immer mehr zurück, sie solle sehen, daß nicht aus dem Lamm ein Schaf werde. Aus dieser harmlosen Äußerung wollte ein, wie er zugab, „mit der Hitlerbewegung sympathisierender" Igjähriger Mitschüler eine Verspottung der christlichen Religion und der Person Christi herauslesen und seine Mitschüler zu einer Beschwerde beim Rektorat veranlassen, was diese ablehnten, weil er schon gleich nachher den Wortlaut der Äußerung nicht mehr genau angeben konrtte und weil sie nichts dahinter finden konnten. Die angebliche Äußerung wurde aber weitergetragen und gelangte an die Redaktion de-s „Stürmer", der daraus unter Anführung entstellter Talmudzitate eine haßerfüllte Herabwürdigung Christi durch den jüdischen Professor konstruierte. Die Nummer ging in der Schule und in der ganzen Stadt von Hand zu Hand und trug dem angegriffenen Lehrer mancherlei Verfolgung ein. Das Kultusministerium stellte gegen den Redakteur des „Stürmer" Strafantrag und im Anschlüsse daran wurde auch gegen den Redakteur Seidl, der in einem inzwischen wieder eingegangenen Münchener nationalsozialistischen Blättchen den Artikel nachgedruckt hatte, vor dem Münchener Schwurgericht verhandelt. Die eingehende Vernehmung von 15 Schülerinnen und Schülern führte zu der Feststellung, daß bei der Äußerung jeder Zusammenhang mit der Religion fehlte, und daß nur Voreingenommenheit und völkische Verhetzung einige Schüler dazu verführt hatte, die Sache anders darzustellen. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis, das Gericht verurteilte Seidl zur Geldstrafe von 150 Mark, wobei es seine bisherige Straflosigkeit und die hohen ihm zur Last fallenden Kosten berücksichtigte. Es verdient dankbare Anerkennung, daß sowohl der evangelische als der katholische Religionslehrer der Realschule beim ersten Austauchen der Anschuldigung ihr als einem unbewiesenen Klatsch entgegentraten: der evangelische Pfarrer erklärte bei seiner Vernehmung in der Hauptverhandlung, er kenne Prof. Kurzmann als Kollegen seit acht Jahren, habe auch Gelegenheit gehabt, sich mit ihm über religiöse Dinge zu unterhalten und habe hiebei und bei einer von ihm gehaltenen Abschiedsrede an die Abiturienten, die in der ganzen protestantischen Gemeinde mit großer Befriedigung ausgenommen worden sei, erkannt, daß Prof. Kurzmann von tiefer Achtung für jede Religion erfüllt sicher nicht der Mann sei, der vor Schülern das Christentum herabsetzen wolle. Man wird ihm darin beipflichten, wenn er ausführch, daß ein jüdischer Lehrer geradezu wahnsinnig sein müßte, wenn er vor einer antisemitisch verhetzten Klasse derartiges täte. Tiefbedauerlich bleibt aber der durch die Verhandlung eröffnete Einblick in die Zustände an manchen bayerischen Mittelschulen, wo durch gewissenlose, von der Jugend gläubig verschlungene Presseerzeugnisse das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern, zwischen Schule und Haus planmäßig untergraben wird. Neuere werke jüdischer Künstler in München Die bekannte Kunstgalerie Heinemann hat ihre Räume einem hcchverdienstlichen Unternehmen zur Verfügung gestellt: nicht aus Marktinteressen heraus, sondern in der Absicht einer möglichst großzügigen Wertung hat ein Kunstrichter-Gremium, dem die Herren Dr. Hausen st ein, Georg Jakob Wolff und Hermann E ß w e i n angehören, etwa hundert Münchener Künstler aufgefordert, ihre neueren Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf diese Weise ist eine Auslese zustande gekommen, die Gewähr bietet für ausgeglichenes Können und überdurchschnittliche Leistung. Unter dieser Zahl begegnen uns auch drei Juden: I. W. S ch ü - lein,LudwigSchwerin und ArnoldZadikow. Schülein steuerte zwei Ölbilder und ein Gouache bei, die in ihrer frischen, farbenfrohen Heiterkeit französischen Vorbildern nacheifern. Eigenartiger und in seiner Entwicklung selbständiger zeigt sich Schwerin mit seinen Kohle- und Rötel-Zeichnungen. Sein Name ist bisher noch nicht über einen kleinen Kreis hinausgedrungen. Bis vor kurzer Zeit befaßte sich der im vierten Jahrzehnt seines Lebens stehende Künstler vorzugsweise mit Graphik. Besonders seine Holzschnitte bezeugen eine vielseitige Auffassungsgabe. Bei der Zuwendung zur Malerei, die eine überraschend große Lebhaftigkeit bekundet, war ihm die aus der Schwarz-Weiß-Kunst stamemnde Vorliebe für schwere und trübe Töne zunächst hinderlich. Jetzt aber hat' er in seinen neuesten Landschaften und in seinen Rötel-Zeichnungen eine Stufe erreicht, die eine weiterhin erfreuliche Entwicklung Voraussagen läßt. Von seinen Zeichnungen wurde eine („Karienspieler") von der Städtischen Galerie angekauft, ein Zeichen der Wertung, die sich auch darin äußert, daß die Kupferftichsammlung eine Auswahl aus seinem Schaffen in ihren Räumen dem größeren Publikum bietet. Der seit Jahren in München wirkende Bildhauer Zadikow hat einige Plastiken „Römisches Mädchen", „Liegende", „Ringerpaar", „Statuette" und „Kopf", sowie eine Auswahl seiner Plaketten zur Ausstellung gebracht. Die technische wie künstlerische Reife des Plastikers, der eben an einem Werke schafft, das uns Münchener Juden in besonderer Weise nahegeht und über das noch gesondert berichtet werden soll, spricht aus jedem dieser Arbeiten. Besonders hervorgehoben sei die lebendige „Ringergruppe" und die „Liegende"; von seinen Plaketten, die seinen Namen zu verbreiten sehr beigetragen haben, sind einige von der Städtischen Galerie erworben worden. Auch außerhalb Münchens ist Zadikow's Bedeutung anerkannt, was sich in dem Auftrag der Berliner Jüdischen Gemeinde bekundet, die Mendelssohn-Büste von Tassaert in freier Kopie nachzubilden. — Die Ausstellung verdient vollauf die Aufmerksamkeit des Publikums, da unter kritischen Gesichtspunkten ausgewählte wertvolle Werke zu erstaunlich billigen Preisen geboten werden. Theodor Harburger. Zwei israelitische Lehrlinge werden prämiiert Wie alljährlich wurden auch in diesem Jahre aus der Freiherrlich von Rast'schen Stiftung zwei israelitische Lehrlinge bedacht: der Malerlehrling S a l o m o n Tobiasch und der Metzgerlehrling Leo Wild, beide Zöglinge des Israelitischen Lehrlingsheims in der Wagnerstraße. Bei der Überreichung der in einem Gebetbuch und einem Geldbetrag bestehenden Preise hielt Rabbiner Dr. Baerwald eine kleine Ansprache, worauf der Vertreter des Stiftungskuratoriums, Herr Buchbindermeister Schmidt, mit ermunternden Worten den beiden Lehrlingen die Preise übergab. 5lus bayerischen öemeinden Frau Rabbiner Judith Adler r/'y Mit Frau Rabbiner Judith Adler (Kitzingen), die am 6. Schewat im 95. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet hat, ist ein Stück alten bayerischen Judentums ins Grab gesunken. Wenn man in dem von Rebenhügeln und fruchtbaren Gefilden umgebenen Mainstädtchen am alten Falterturm mit seinem schiefsitzenden Turmhelm vorbei in die Rosengasse einbog, dann ahnte man nicht, daß ein kleines, nichtssagendes Häuslein ein geschlossenes heiliges Reich in sich barg. Wenn man durch ein außen abschließendes Holzgitter in das Wohnzimmer der Frau Rabbiner eintrat, war man in einem Tempel der Gottesverehrung. Die Totalität, nach der so viele Menschen in unserer zerklüfteten, zerrissenen Zeit sich sehnen, war in der kleinen, schwächlichen Frau verkörpert. Sie war eine in sich gefestigte, harmonische Persönlichkeit, und das deshalb, weil hier alles auf das Tiefreligiöse, auf das Echtjüdische bezogen war. Im Hintergründe des Zimmers, in dem sie waltete, hohe Bücherschränke mit heiligen Büchern, an den Wänden ringsum Bilder und Tafeln der Ahnenverehrung. Sie hatte in ihrer Jugend wohl nicht, wie manche modernisierte gesetzestreue Frauen zu tun pflegen, talmudische Studien getrieben.

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