Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 4 (15.2.1931)
- Article
- Ein Grundwerk zur neueren Kulturgeschichte der Juden in Österreich [Rezension]
- Date
- 1931-02-15
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 zu der eben skizzierten für die moderne Entwicklung des Judentums weitaus wichtigsten Erscheinung, eben der Haskala, geboten wird. Indem hier drei bewährte, bibliothekwiffenschaftüch geschulte Kenner des hebräischen Schrifttums einen erschöpfenden Katalog der Beiträge und Verfasser der hebräischen Zeitschriften oorlegen, die die Träger der jüdischen Aufklärung und der neueren hebräischen Literatur sind, geben sie uns zum erstenmal die Möglichkeit, den großen Prozeß der zweiten Entschränkung des Judentums (die e^te Entschränkung war die Umbildung zum Christentum) in allen Einzelheiten zu prü- Die hebräische Publizistik in Wien beginnt im Jahre 1820 mit dem Jahrbuch Bikure lia-Jttim 2 ’ n V " 1 “n 1 n („Die ersten Früchte der Zeiten"), das den Versuch der ein Menschenalter vorher begründeten den gleichen Zielen dienenden Zeitschrift ha — Meassef („Der Sammler") wiederaufnahm. Der Versuch bestand darin, moderne Literatur teils in hebräischer Sprache, teils in hebräischer Schrift, einer bildungshungrigen Judenheit zugänglich zu machen. Der dleasssk war die hebräische Zeitschrift der Berliner Aufklärung. 1786 begründet, wurde sie schon 1811, innerhalb einer knappen Generation, überflüssig, weil die Westjuden, besonders Berlins, für die hebräische Sprache außerhalb des Kultus kein Interesse mehr aufbrachten und sich völlig emanzipiert vorkamen. Wachsteins Teil behandelt außer den Bikure Ha-Jttim die Zeitschriften und Jahrbücher Kerem Chemed, Kochbe Jizchak, Ozar Nechmad, die drei Hefte Abne Eser u. a. Der zweite Teil des Werkes, den Taglicht bearbeitet hat, ist dann den altrabbinischen Zeitschriften gewidmet, die das nachbiblische Judentum nach modernen wissenschaftlichen Methoden behandeln (Hauptvertreter: Isaak Hirsch Weiß, 1815—1905, sein berühmtes Hauptwerk: die fünfbändige grundlegende Geschichte der jüdischen Tradition Bor-ckor-^veckoregehLnv "in in dieses Werk in hebräischer Sprache hat die strenge Traditionsgebundenheit der Juden im Osten endgültig aufgelöst). Endlich führt Kristianpoller im dritten Teil Beiträge und Verfasser der Zeitschriften aus, „die auf die Ideen der Aufklärung zurückgreisen, um dann ihre Richtung in jüdisch-nationalem Sinn zu ändern". In der Tat ein vollkommenes Nachschlagewerk, das besonders durch die hundertseitige eindringliche Einleitung von Wachstein doppelte Bedeutung für die Erkenntnis der neuen geistigen Bewegung nach der Emanzipation gewinnt und von jetzt ab zu den Standard-Werken der jüdischen Geistesgeschichte gezählt werden muß. Dr. Ludwig Feuchtwanger. lagung der krbeitsgemeinfckatt der jüdischen Landesverbände Die Frage der Schaffung des Reichsoerbandes nicht auf der Tagesordnung — Schächlgefetz — Kalenderreformausschuß — Ausgestaltung und Neuordnung des Religionsunterrichkswefens — Die Maßnahmen gegen die Wirlfchafisnok — Das Marburger Heilerziehungsheim bleibt erhalten — Hilfsfonds für notleidende Landesverbände Berlin, 2. Februar. Nach einer etwa halbjährigen Pause trat die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches am 1.. Februar 1931 in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Vertreten waren fast alle angeschlossenen Verbände; den Vorsitz führte der Präsident des Preußischen Landesverbandes, Kammergerichtsrat Leo Wolff. Die Verhandlungen hatten zum Teil vertraulichen Charakter und betrafen entsprechend dem Geschäftskreis der Arbeitsgemeinschaft solche Angelegenheiten, die für alle deutschen Juden von Bedeutung sind. Wie der Vorsitzende einleitend mit dem Ausdruck des Bedauerns feststellte, konnte eine Aussprache über die Schaffung eines Reichsverbandes nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden, weil mit Rücksicht auf die im Preußischen Landesverband inzwischen erfolgten Neuwahlen es in der verflossenen Zeit nicht möglich war, die von diesem Verbände zu leistenden Vorarbeiten genügend zu fördern. Eine eingehende Besprechung, an der sich die Vertreter aller Landesverbände beteiligten, wurde dem gegenwärtigen Stand der Schächtfrage gewidmet. Mit den von dem Rate des Preußischen Landesverbandes am 11. Januar 1931 gefaßten Beschlüssen erklärte sich die Reichsarbeitsgemeinschaft einverstanden. In dem zusammen mit dem Büro für Schächtangelegenheiten und dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu bildenden Komitee wird sich der Preußische Landesverband zugleich als Geschäftsführer der Reichsarbeitsgemeinschaft an den Beratungen und Entschließungen über die zu treffenden Maßnahmen beteiligen. Der Preußische Landesverband hat beschlossen, die von mehreren Stellen eingeleiteten Schritte, um den durch die geplante Reform des Kalenders für die Erhaltung des Sabbat drohenden Gefahren zu begegnen, zu unterstützen. Dieser Beschluß wurde gutgeheißen und zugleich ein besonderer Ausschuß eingesetzt, der sich mit den einschlägigen Fragen beschäftigen soll. Sehr eingehend wurde die Ausgestaltung und Neuordnung des Religionsunterrichtswesens und die Schaffung von geeigneten Lehrbüchern behandelt. Es wurde allseitig anerkannt, daß auf diesem Gebiete grundlegende Änderungen nötig sind. Der früher von der Arbeitsgemeinschaft eingesetzte Ausschuß wurde beauftragt, seine Arbeit unter Zuziehung von Fachgelehrten fortzusetzen und vor allem auch die allgemeinen Bedingungen und Richtlinien fiir die Ausarbeitung der Lehrbücher festzulegen. Anschließend an frühere Beratungen wurden die bisherigen Ergebnisse der von dem Preußischen Landesverbände zur Linderung der jüdischen Wirtschaftsnot getroffenen Maßnahmen besprochen. Die Erhaltung des in Marburg bestehenden Heilerziehungsheims, welches aus Mangel an Mitteln gefährdet ist, soll dadurch gewährleistet werden, daß die mit der Reichsarbeitsgemeinschaft vereinigten Landesverbände sich gemäß den vor einiger Zeit an Ort und Stelle getroffenen Vereinbarungen mit angemessenen Beiträgen beteiligen. Abgesehen von der Behandlung einiger besonderer Angelegenheiten wurde endlich noch über die schwierigen Verhältnisse in den kleinen Landesverbänden, insbesondere in Oldenburg, beraten. Der Preußische Landesverband wurde mit den Vorarbeiten für die Errichtung eines Hilfsfonds für notleidende Landesverbände beauftragt und ersucht, die erforderlichen Schritte sofort einzuleiten. Die Versammlung, welcher ein außerordentlich reiches Material zur Beschlußfassung unterbreitet war, wurde nach zehnstündiger Dauer erst in den Abendstunden geschlossen. Wie nichtamtlich, aus Kreisen der Teilnehmer an der Beratung, verlautet, wurde aus der Tagung ein Antrag des Provinzialverbandes Schleswig-Holstein erörtert, der die Übernahme der Abwehrarbeit durch die Gemeinden und Gemeindeverbände betraf. Die Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände hatte zu dieser Frage in einem Schreiben Stellung genommen, dessen wesentlichster Gesichtspunkt der war, daß, wenn auch nicht allgemein, so doch in besonderen Fällen, einzelne Landesverbände oder die Reichsarbeitsgemeinschaft (in deren Aufträge der Preußische Landesverband handelt) Abwehrarbeit in dem Sinne leisten, daß sie jüdische Interessen gegenüber Behörden und Amtsstellen vertreten. Nachdem die Reichsarbeitsgemeinschaft in diesem Sinne beschlossen hatte, wurde der von dem Vertreter Lübecks begründete Antrag des Provinzialverbandes Schleswig-Holstein zurückgezogen. Messias-Spuren Zu Josef Kasteins „Sabbatai Zewi„ (Berlin, Rowohlt, 1930) Cheble Maschiach — so nannten unere Väter, deren leidgesättigtes Wendung der Geister zu den Schattenbildern mefsianischen Reiches Geschlecht einst das Blutbad des Kasimir Chmelnicky zitternd.und in jüdischer Vergangenheit. Schon die Verschiedenheit, mit welcher löwenmutig zugleich miterlitten hatte, die Peinigungen, die ihre etwa Graetz und Dubnow die sabbatianische Bewegung darstellen, ist Zeit, wie sie fest vertrauten, aufnahmefähig und bereit machten, bezeichnend. Brod spürt in gleichem Streben dem Wege, und der um den Sohn Davids zu empfangen: Geburtswehen der Welt, die zeitgeschichtlichen Bedeutung des Fürsten der Juden David Reubeni den Messias erzeugen sollte... Es scheint, als ob die Leiden, mit nach; Edmond Fleg wählt Salomo Molcho zum Helden eines Dradenen unsere Tage so Juden wie Christen überfluten, ähnliche Bereitmas. Vor allen andern aber weckt der rätselhafte Komet unserer schaft und Richtung erwecken. Kaum anders erklärt sich sonst die Hin- Geschichte in der Diaspora, Sabbatai Zewi, die Teilname der For-