Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 3 (1.2.1931)
- Article
- Die Frau im Beruf
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 2)
- Language
- German
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40 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 9tv. 3 Zunächst sprach Fräulein Lora Fränkel über den Beruf der Fürsorgerin, besonders über die Ausbildung dazu. Während früher Wirtschafts-, Jugend- und Gesundheitsfürsorgerinnen ausgebildet wurden, konzentriert sich die Ausbildung heute auf die Familienfürsorge. Fräulein Fränkel schilderte die schwere Arbeit der Fürsorgerin im Innen- und Außendienst, im Verkehr mit den jüdischen Wanderarmen, bei Hausbesuchen usw. Sie schloß damit, daß dieser Beruf trotz allen Schwierigkeiten die für die Berufsarbeit nötige Befriedigung und Freude geben könne. Henni Kehler, Mirjam Böhm, Centa Silber und Alice Goldmann sprachen über kaufmännische Berufe. Aus den vier Referaten hat man den Eindruck gewonnen, daß die kaufmännische Arbeit, die heute der größte Teil der berufstätigen Frauen ausübt, sehr vielseitig, interessant und befriedigend sein könne. Sehr sympatifch berührten d»e Ausführungen der Schwester Lucy, die einen vollkommenen Einblick in die schwere Tätigkeit des Schwesternberufes gab. Schwester Lucy trennt die Anwärterinnen auf diesen Beruf in zwei Gruppen: die eine, die den Schwesternberuf aus rein gefühlsmäßigem, fraulichem Empfinden, die andere, die ihn als Existenzmöglichreit ergreift. Schwester Lucy erzählt von aufreibender Einzelpflege bei Schwerkranken, denen die Pflegende alles ist, von anspannendstem Dienst im Operationssaal — und bei all dem Denken und Tun für den Kranken darf die Schwester ihre eigene Persönlichkeit nicht ausgeben. Zu der großen Freude über die Genesung des Patienten gesellt sich ein leiser Kummer über den Verlust dieses Menschen, mit dem die Schwester nun lange Zeit Freude und Schmerz gefühlt hat und der sie nun allein zurückläßt. Martha Beer berichtete über ihre Tätigkeit im Haushalt. Sehr früh wurde in ihr die Liebe zur häuslichen Arbeit geweckt; es war ihr zu Haufe Gelegenheit gegeben, die Pflichten einer Hausfrau gut kennen zu lernen, tzchon als junges Mädchen führte sie den elterlichen Haushalt nahezu selbständig und veroollkommnete sich darin so, daß sie die Verantwortung, einen ftemden Haushalt zu führen, später übernehmen konnte. Die zufriedenstellende Tätigkeit im fremden Hause erst gibt das Bewußtsein einer Leistung, die am besten damit ausgeglichen wird, daß die Hausangestellte ganz zur Familie gerechnet und von dieser als nützliches und liebenswertes Glied anerkannt wird. Fräulein Kagan sprach über „Beruf und Erholung". Das Referat berichtete von dem Beruf der Religionslehrerin, deren Arbeit aus Bay erischeV ereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Sicherheit und hohen Zins gewährleisten unsere Gold-Pfandbriefe Bank-Sparbücher Die nach dem 2. Januar 1931 fälligen Zinsscheine sind kapitalertragsteuerfrei Vorbereitung für den Unterricht, Unterrichtsstunden, schriftlichen Arbeiten für die Schule, eigener Weiterbildung in der Hauptsache bestehe. Fräulein Kagan gab dann ein anschauliches Bild über ihre Zeiteinteilung. Fräulein Kagan gab die Versicherung, daß kein anderer Beruf ihr schönere Arbeit und größere Befriedigung bringen In der Aussprache wurde besonders betont, daß sehr viele junge Mädchen ihren Beruf nur des Verdienstes wegen ausübten und ihre Arbeit als Provisorium betrachteten. Das junge Mädchen sei überdies durch die oft verlangte häusliche Arbeit nach dem täglichen Arbeitspensum im Büro dem jungen Manne gegenüber, der seine Freizeit meist voll ausnützen kann, benachteiligt. Es wurde darüber Klage geführt, daß die Gehälter der Frauen zu niedrig seien. Das wurde auch nicht widerlegt durch die interessante Schilderung des glücklichen Werdegangs einer Frau vom Lehrling bis zur Abteilungsleiterin. Eine der Rednerinnen sprach davon,, daß das junge Mädchen sich nicht beklagen solle, wenn von ihm außerhalb der Berufsarbeit auch Hausarbeit verlangt werde. Als Hausfrau und Lebensgefährtin könne man jede Arbeit, die man beherrscht, nützlich verwerten. Frau Dr. Rahel Straus gab abschließend dem Wunsch Ausdruck, der Jüdische Frauenbund möchte die weitesten Kreise, besonders der weiblichen Jugend Münchens, zu vorwärtsbringender Arbeit zusammenschließen. ' M. Müller. Vorkrag von Dr. Holländer über die jüdische Presse in Deutschland Wer an diesem Vortrag innerhalb der streng unparteiischen Veranstaltungen der zeitungswisfenschastlichen Vereinigung am Mittwoch, den 14. Januar, an der Universität München teilgenommen hatte, konnte die Beobachtung machen, wie sich die judenfeindliche Strömung, die durch fortwährende ungehinderte Verhetzung groß werden konnte und sich >eder sachlichen Erörterung immer zu entziehen wußte, auch an der Universität ein tiefes Bett gegraben hat. Die Zwischenrufe waren dort genau so unsachlich und fern von allen geistigen Mitteln wie in den nicht-akademischen Versammlungen. Mit besonderer Genugtuung konnte man hier aber auch beobachten, mit welcher Überlegenheit und Geistesgegenwart es der Vortragende verstanden hat, die Leitung des Vortrages und der Versammlung fest in der Hand zu behalten, den leider von Geist verlassenen und nur radaulustigen Zwischenrufern ruhig und kräftig zu begegnen und so trotz aller Gefährdung zu einem guten abgerundeten Schluß zu kommen. Über den Inhalt des sehr aufschlußreichen und mit neuem Material reich belegten Vortrages war in der Münchener Presse ausführlich berichtet. Eine eingehende Inhaltsangabe ist in den Central-Vereins-Blättern erschienen. Wir kommen demnächst anläßlich einer Erörterung des besonderen Wesens und der Aufgaben jüdischer Publizistik aus den Vortrag von Dr. Holländer zurück. Dr. Holländer im Cenkral-Verein Am 15. Januar fand in den Räumen des „Bayerischen Hofs" eine Mitgliederversammlung der Ortsgruppe München des Eentral-Vereins statt, die eine außergewöhnlich zahlreiche Beteiligung aufwies. Es waren rund 500 Personen erschienen, darunter erfreulicherweise sehr viele Jugendliche. Nach Eröffnung durch den 2. Vorsitzenden der Ortsgruppe München, Herrn Kommerzienrat Sigmund Weil, hielt der Syndikus des Landesverbandes Bayern im Central-Verein, Herr Dr. Werner Cahnmann, eine Einführungsrede, die einen vorzüglichen Eindruck machte. Er gab vor allem dem Gedanken der heimatlichen Verbundenheit der deutschen Juden mit den allgemeinen deutschen Geschicken Ausdruck und betonte die Verantwortung jedes einzelnen Juden für das Ergehen der Gesamtheit. Die Verbindung des Deutschen und des Jüdischen in der Arbeit des Eentral-Vereins könne niemals ein Verlassen jüdischer traditioneller Werte bedeuten; im Gegenteil, nur auf die Erkenntnis eines eigenen jüdischen Charakters gründe sich die Achtung des Juden im Bereich der deutschen Bildung. Der Hauptreferent des Abends, Herr Direktor Dr. Ludwig Holländer, Berlin, entwickelte in mehr als einftündigem Vortrag die Gedanken, die sich an das Thema „Die innere Wahrheit in der Arbeit des Eentral-Vereins" anknüpfen. Er erwähnte, indem er seine Ausführungen durch viele Einzelbeobachtungen aus der Fülle seiner vielseitigen Erfahrungen verdeutlichte, die tiefgreifenden Umwälzungen, die sich überall im geistigen, sozialen und ökonomischen Leben der Gegenwart ankündigen und die eine Umstellung des deutschen Ju-