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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-02-01 · 3 (1.2.1931) · p. Seite 36

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
3 (1.2.1931)
Article
Manfred Sturmann
Date
1931-02-01
Page
Seite 36 (sequence 2)
Language
German
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36 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 'Jii. 3 keines Dichters Sprache hat jemals die Wucht dieser Küste mit solcher Kraft geredet wie im Wort Manfred Sturmanns. München, das nun seine zweite Heimat geworden, gab ihm vielleicht die Leichtigkeit des Lebens, den Charme der Gebärde, den auch seine Gestalten haben. München gab seiner Dichtung das, was licht in ihr ist. Aber Ostpreußen und die Küste seines Meeres gaben den Hintergrund. Die erste Empfindung von Landschaft kommt daher. Und jene Strenge, die er selber gegenüber seinem Werk walten läßt, jener Ernst vor der Arbeit, der ihn auszeichnet: Er ist zu Hause im Ernst und in der Strenge jenes Landes. Wir stark aber muh das Jüdische in einem Dichter sein, wenn trotz so brennender Liebe zur Heimat die große Sehnsucht nach der anderen Heimat der Juden immer wieder in ihm ausbricht. Wie wenige Juden ist Manfred Sturmann ein Kind der Heimat, die ihm das Leben gab. Und dennoch sind die Lieder von der Heimatlosigkeit, die er geschrieben, vielleicht seine schönsten; dennoch bricht die Gewalt des Blutes immer wieder sich in seinen Werken Bahn. Die Erzählung „Abschied von Europa", Geschichte eines Chaluz, und die Nachdichtungen althebräischer Lyrik, mit denen er vor einigen Jahren zum erstenmal hervortrat, sind die Dokumente für die tiefe Verbundenheit Manfred Sturmanns mit jener Gemeinschaft, „aus deren Blute er geboren, und von deren Geffte er begnadet ist". Der Gesang des jungen David im Gedichtband „Die Erben", die jubelnde Anrede Gottes, das Bekenntnis zu Israel als zu der „Falte in der Stirne Gottes" sind den Gesängen aller derer ebenbürtig, die in der Geschichte der jüdischen Dichtung als Erben Jehuda Halevjs ihren würdigen und großen Platz gefunden haben. Wer wie Manfred Sturmann von sich selber sagen kann, daß er in noch so jungen Jahren niemals der Strömung einer literarischen Mode, niemals der Unechtheit irgendeines Stils verfallen sei, der nicht der seine war, an den wird man glauben dürfen. Von dem wird man hoffen dürfen, daß der Weg der Klarheit, den sein Werk beschreitet, immer weiter zur Erfüllung führen wird. Aus dem Verbände Die jüdischen Gemeinden der früheren preußischen Provinzen Posen, Pommern und Schlesien beabsichtigen einen eigenen Verband zu gründen. Die Gemeinden haben sich die Satzungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden als Muster für ihre eigenen Satzungen erbeten. Die ersten Gründungsverhandlungen haben am 25. Januar d. I. in Graudenz unter Leitung des Herrn Rabbiner Abraham Jsak Bromberg stattgefunden. Ehemalige Angehörige der beteiligten Gemeinden machen wir auf diese beabsichtigte Neugründung ausdrücklich aufmerksam. 5lus der Semeinde Müncben In der Reihe der religiösen Vorträge wird am Sonntag, dem 1. Februar 1931, nachmittags 6 Ahr, in der Hauptsynagoge Herr Rabbiner Dr. Vaerwald einen Vortrag über „Religion als kullurbchahung" Hallen. Der Vortrag wird durch Violin- und Orgeloorträge, ausgeführt von Herrn Organist Schönnamsgruber und Referendar Dr. Saalheimer, umrahmt. Am 1. Januar 1931 wurde Herr Ministerialdirektor Dr. Hezner des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, der langjährige hochverdiente Referent für den jüdischen Kultus, zum Senatspräsidenten bei dem Verwaltungsgerichtshof befördert. Die Akademie für internationales Recht im Haag hat den Vertreter des internationalen Rechts an der Universität München, Geheimrat Professor Dr. Karl Tleumeyer, zu Gastvorlesungen eingeladen. Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde, München Programm Februar und März 1931 Dr. A. Percikowitfch (München): „Die jüdischen Sprichwörter in Bibel, Talmud und im spateren Schrifttum." Mittwoch, 4. Februar (Schlußvortrag) 20.15. Bibliotheksaal Herzog-Max-Straße 7/1. Rabbiner Dr. H. Levy (Regensburg): «Judentum und philosophische Weltanschauung. Drei moderne Versuche ihrer Auseinandersetzung: S. R. Hirsch. Hermann Lohen, Franz Rosenzweig". Mittwoch, 11. Februar, 18. Februar, 25. Februar. 20.15 Uhr. Bibliotheksaal Herzog-Max-Straße 7/1. Eintritt 1 RM. Der Redner wird an der Gedankenwelt der drei bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten drei typische Verhaltungsweisen des jüdischen Denkers zur Philosopie erläutern: Ablehnung der Philosophie (Hirsch), Gleichsetzung von Philosophie und Judentum (Cohen), Überwindung der Philosophie (Rosenzweig). Oberregierungsrat Dr. Lichtensiädter (München): ,,Naturschutz und Judentum." Mittwoch, den 4. März, 20.15 Uhr, Bibliotheksaal, Herzog-Max-Straße 7. Der Redner hat sich jahrelang den besonderen Fragen des Naturschutzes gewidmet. Sein Vortrag in der Anthropologischen Gesellschaft ist noch in bester Erinnerung. Das Judentum ist im Naturschutz den Kulturstaaten vorangegangen, so daß der Vortrag zum Verständnis dieser bisher wenig hervorgehobenen Seite der jüdischen Kultur beitragen wird. — Eintritt 50 Pf. Studienrat A. Schaalmann, «Kalender und Kalenderreform". 11. März, 18. März, 25. März. 20.15 Uhr im Bibliotheksaal, Herzog-Max-Straße 7/1. Eintritt 1 RM. Die Frage der Reform des bürgerlichen Kalenders ist in ein akutes Stadium getteten. Der Redner wird die Reformvorschläge ausführlich darstellen, außerdem zeigen, wie im Laus der Zeit der heutige bürgerliche Kalender mit seinen Vor- und Nachteilen zustandegekommen ist. Entstehung und System des jüdischen Kalenders werden eingehend behandelt. Rabbiner Dr. L. Baerwald setzt die Arbeitsgemeinschaft über die Psalmen fort; auch Neueintretende können daran teilnehmen. Vorausgesetzt werden einige Kenntnisse im Hebräischen. Mittwoch, 11. Februar, 18. Februar, 25. Februar, 4. März, 11. März, 25. März. 21.15—22.00 Uhr. Bibliotheksaal. Vorlesung von Manfred Sturmann und musikalischer Abend in der Iesaia-Loge am Dienstag, den 3. Februar Am Dienstag, den 3. Februar, wird Manfred Sturmann, unser Mitarbeiter seit Bestehen dieser Zeitung, im Rahmen der Veranstaltungen der Iesaia-Loge (Offene Loge) aus unveröffentlichten eigenen Werken vorlesen. Herr Sturmann wird lesen: Neue Gedichte. — Ein Kapitel aus einem neuen Buch „Die Kindheit". — Unveröffentlichte Novelle: „Ein Knecht sitzt aus dem Baum." — An die Vorlesung schließt sich das Violinkonzert von Mozart 6-vur, vorgetragen von Frau Gertruds Masfer an. Beginn pünktlich 8% Uhr abends in den Räumen der Concordia (Prannerstraße 4/0). Angehörige und Freunde der Logen-Mitglieder haben zu diesem Abend freien Zutritt. Die Frau im Beruf Der Einladung des Jüdischen Frauenbundes München zu dem Abend „Die Frau im Beruf" am 15. Januar 1931 waren viele Frauen und Mädchen gefolgt. Es waren 8 Kurzreferate von Berufstätigen vorgesehen, die ein Bild über die Berufsarbeit der jüdischen Frau geben sollten. Fortsetzung Seite 40

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