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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-02-01 · 3 (1.2.1931) · p. Seite 34

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
3 (1.2.1931)
Article
Bedrohter Lebensaufbau
Date
1931-02-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 2. Wertung der jüdischen Devölkerungs- und Verufsverhältnisse- Mit dem schon früher hier angekündigten Akademie-Werk ist die lang erwartete, groß angelegte Veröffentlichung über die Juden in Deutschland in ihrem ersten Teil (Preußen) erschienen. Der nächste Band über die nichtpreußischen Länder und das Reich im ganzen soll im Laufe des Jahres 1931 folgen. Das Tabellenmaterial, soweit die Volks- und Berufszählung 1925 in Frage kommt, wurde auf Antrag der Akademie für die Wissenschaft des Judentums im Preußischen Statistischen Landesamt angefertigt, die Bearbeitung lag in den Händen eines bewährten Fachmanns, des früheren Direktors des Statistischen Amts der Stadt Berlin, Mitglied des Internationalen Statistischen Instituts: Professor H. Silbergleit. Das Werk besitzt angesichts der schwierigen bevölkerungspolitischen Situation der Juden wie auch für die Erkenntnis der Gesamtstruktur des deutschen Volkes große Bedeutung. Das gebotene Material ist neu, da die hier benutzte Kombination von Konfessionsdaten mit denen der Alters- und Berufsgliederung im allgemeinen Zählungsprogramm nicht vorgesehen war. Dargestellt werden: Die geschichtliche Entwicklung mit Berücksichtigung der staatsrechtlichen Stellung der Juden, ihre räumliche Verteilung, die Gliederung nach Geschlecht, Alter, Familienstand, Beruf. Die Alters- und Familienstandsstatistik wird auch für die einzelnen Provinzen und Großstädte, die Berufsstatistik für die Städte: Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Köln erstellt. Aus dem Inhalt sei hervorgehoben, daß sich die Zahl der Juden in Preußen von 1910 bis 1925 von 415 926 auf 403 969 gesenkt hat. Der Rückgang erklärt sich teils aus den Abtretungsverlusten, die aber reichlich durch Zuwanderung ausgeglichen wurden, teils aus dem Geburtenunterschuß, was auch für Bayern in ähnlicher Weise in Frage kommt. Verfasser bezeichnet diese Erscheinung als vollständigen Zusammenbruch der jüdischen Bevölkerungsentwicklung von innen heraus und erwartet eine weitere fortgesetzte Schrumpfung des jüdischen Volksteils. Eingehend behandelt wird die damit zusammenhängende starke Verstädterung der Juden. Es entfielen 1925 auf die Großstädte 294230 (darunter Berlin 172 672), auf die sonstigen Stadtkreise 32541, auf die Landkreise 77198. Die schon erwähnte Zuwanderung in der Kriegs- und Nachkriegszeit äußert sich u. a. in einer hohen Ausländerquote; 76 387 — 18% der Juden in Preußen sind Ausländer. Davon leben in Berlin 43 838, so daß sich die Berliner Juden zu 25,4% aus Ausländern zusammensetzen. Der starke Ausländereinschlag hat bei der jüdischen Bevölkerung einen verhältnismäßig geringen Frauenüberschuß zur Folge, der aber nicht voll zur Auswirkung kommt, da unter den jüdischen Männern das Ledigbleiben übermäßig stark verbreitet ist. Im Erwerbsleben standen 190 789 Juden — 47,2%. Diese Erwerbsziffer ist niedriger als die der preußischen Gesamtbevölkerung (49,7%), aber höher als die der bayerischen Juden: 43,2%. Das hängt nach beiden Richtungen mit der relativ geringen Erwerbsbetätigung der jüdischen Frau zusammen, namentlich der verhei- Juden 56,8, demgegenüber bei der preußischen und bayerischen Gesamtbevölkerung nur 47,7 bzw. 38,2. Die von Juden bevorzugten Wirtschaftszweige sind die des Heinrich Silbergleit, Die Bevö lkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich. I. Freistaat Preußen. Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Sektion für Statistik und Wirtschaftskunde. Erster Band. Berlin 1930. Akademie-Verlag. Text X + 122 S., Tabellen 348 S. Preis geh. 28 RM., geb. 30 RM. Handels und Verkehrs. Darauf entfallen 58,8% aller jüdischen Erwerbstätigen, in Bayern sogar 66,8%. Wie in Bayern nimmt auch in Preußen das selbständige Element mit 48,3% der Erwerbstätigen (Bayern 60,3%) den breitesten Raum ein. Es folgen Angestellte mit 33,8%, Arbeiter mit 8,4%, mithelfende Familienangehörige mit 7,5%, Hausangestellte mit 2%. Die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen betrug 49560, davon rateten Frau. Bet den preußischen Juden treffen aus 100 männliche Erwerbstätige (außer mithelfenden Familienangehörigen und Hausangestellten) 52,0 Ehefrauen ohne Hauptberuf, bei den bayerischen, waren 36,9% Angestellte, 24,4% Selbständige, 22,5% mithelfende Familienangehörige, 8,7% Arbeiterinnen und 7,5% Hausangestellte. Auf eine nähere Analyse des reichen Materials kann hier leider wegen Raummangels nicht eingegangen werden. 3. Die Quellen des Münchener Wirlschaflslebens Eine Wirtschastsmonographie Münchens war bei dem so vielseitigen Charakter dieser Stadt schon lange ein dringendes Bedürfnis. Der als Statistiker weitbekannte Direktor des Statistischen Amts München, Professor Dr. Morgenroth, ging deshalb bereits kurz nach dem Kriege an die Sammlung entsprechender Materialien. Den Anlaß zu deren buchmäßiger Zusammenfassung in vorliegendem umfangreichen Werk gaben dann die Erhebungen des Reichsenquette- Ausfchusses, welcher von den einzelnen Großstädten Berichte zur Frage der aktiven und passiven Verbundenheit der deutschen Großstädte mit der gesamten Volkswirtschaft einforderte. Aus dem reichen Inhalt sei als eines der Hauptergebnisse festgestellt, daß München — bei dem geringen Vorhandensein eigener reichtumspendender Bodengrundlagen (im Gegensatz z. B. zu Essen) — zu etwa 97% aus auswärtigen Quellen die Arbeits-, Erwerbs¬ und Lebensmöglichkeiten für seine Bevölkerung erhält. Hierbei kommen in Frage: die aus staatlichen Mitteln fließenden Gehälter und Löhne (etwa 20%), Vermögen, Renten und Pensionen (jetzt auf etwa 5% vermindert), Einkommen aus freien Berufen und den Unterhaltsbeiträgen Studierender (5%), Fremdenverkehr, der wesentlich an der Erhaltung Münchens als Kulturstadt und neuzeitlicher Großstadt mitwirkt (10%), im übrigen die aus Industrie-, Handwerk, Handel, Verkehr stammenden Einkommensquellen. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten erscheint München somit nicht als eigentliche Industrie-, Gewerbe- und Handelsstadt, sie trägt vielmehr noch deutliche Züge der Kultur-, Rentner- und Fremdenstadt. Anderseits ist eine fortschreitende Entwicklung zur Industrie- und Handelsstadt nicht zu verkennen, die aber wiederum durch die große Vielseitigkeit der gewerblichen Entfaltung, ihren Qualitäts- und Verfeinerungscharakter eine besondere, die Tradition der „Kunststadt" wahrende Note erhält. Im übrigen finden die Fragen des Stadt- und Wirtschaftsgebietes von München, die Versorgung der Stadt mit Arbeitskräften sowie die einzelnen in München vertretenen Wirtschaftszweige — unter sorgfältiger Auswertung der einschlägigen Berufs-, Betriebs-, Produktions- und Verkehrsstatistik — eingehende Darstellung. Dr. Ph. Schwartz. Die Quellen des Münchener Wirtschaftslebens. Untersuchungen über die Wirtschaftsverhältnisse der Stadt München und ihre Beziehungen zur allgemeinen Volkswirtschaft. Im Aufträge des Stadtrats München herausgegeben vom Statistischen Amt der Stadt München. München 1930. I. Lindauersche Universitätsbuchhandlung. 492 S. „vsr ewige Juöe“ und „Judith" in der Statt- und Motivgefckickte der deutschen Literatur Seit 1929 erscheint im Verlag Walter de Gruyter die „Stoffgesehen. Die Sammlung ist eine willkommene Ergänzung zu den und Motiogeschichte der deutschen Literatur", herausgegeben von bereits vorliegenden (im gleichen Verlag erschienenen), vorwiegend Paul Merker und Gerhard Lüdtke. Es handelt sich um ein großgaüungs- und stilgeschichtlich orientierten „Reallexikon der deutschen angelegtes Sammelwerk, das in Einzelbänden je einen in der litera- Literaturgeschichte". Die symptomatische Bedeutung beider Werke rischen Entwicklung Deutschlands öfter behandelten Stoff- oder Moliegt in ihrem Ausgangspunkt von der Sache, der Dichtung selbst, livkomplex aus seinem Weg durch die deutsche Literaturgeschichte nicht von der Persönlichkeit des Dichters. verfolgen will. Stoffe aus Geschichte, Legende, Sage, Märchen aller Schon einmal wurde Stoffgeschichte in größerem Umfange be- Zeiten und Völker, aus der Bibel, aus dem menschlichen Privattrieben: die unter dem Einfluß des Materialismus stehende Literaleben sind — um nur einiges aus den 14 Stvffgruppen zu nennen, turforschung des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Schererschule) dein die das riesige Material eingeteilt wurde — zur Behandlung vorgann sich für die „Materie" der Dichtung zu interessieren. Doch war

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