Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-02-01 · 3 (1.2.1931) · p. Seite 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
3 (1.2.1931)
Article
Inhalt
Date
1931-02-01
Page
Seite 33 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2727810-2727925-2727928--07158-2739640
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Kachrichtenblatt öer Israelitischen KultuSgemeinöen in München/Augsburg/Hamberg unü des Llerbanües Vagerischer Israelitischer Gemeinden Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am r. unü if. jeden Monats. — Verlag: H. heller/ München/ Bezugspreis für nicht eingewiesene Vezieher: Reichsmark 4.80 für üaS plinganserstraße 64/ Zernruf 75664 unü 7)665/ Postscheck München 5587/ Jahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene Millimeter-Feile 40 Reichspfennig vchristleitung: Or. Luüwig Zeuchtwanger/ München/ Grillparzerstraße 58 Zamilienanzeigen/ Stellengesuche unü ähnliche Angebote if Reichspfennig VII. Jahrgang München, f. Februar Ar. 5 Inhalt: Bedrohter Lebensausbau — „Der ewige Jude" und „Judith" — Geschäftsnachrichten — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen in der Stoff- und Motivgeschichte der deutschen Literatur — Manfred des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekannt- Sturmann —> Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — machung über Ersatzwahl — Bekanntmachungen der Israelitischen Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Aus der Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Kürzung der Be- Gemeinde Augsburg — Aus der Gemeinde Bamberg — Bücherschau amten- und Angestelltenbezüge — Personalia vedrohter Cebenscmfbau Vergreisung der jüdischen Bevölkerung — Der internationale Geburtenstreik — Die Quellen des Münchener Wirtschaftslebens In diesen Blättern ist während des ganzen vorigen Jahrganges den Fragen des Bevölkerungsausbaues, der Berufsgliederung und der Wirtschaftsumschichtung der Juden, besonders der deutschen und bayerischen, die größte Beachtung geschenkt worden. Hier sollen diese Beobachtungen an Hand von drei neuesten wichtigen Werken fortgesetzt werden. Das Thema hat die Schriftleitung gestellt, ebenso die Auswahl der hier zunächst zu erörternden statistischen Werke getroffen. Es handelt sich bei allen Beiträgen um Originalarb eiten, die hier zum erstenmal veröffentlicht werden, von einem statistisch und volkswirtschaftlich modern geschulten Sachverständigen, unserem Mitarbeiter Dr. Philipp Schwartz aus dem bayerischen statistischen Landesamt. — Die moralisch-religiöse Seite, ferner die biologisch-sozialwirtschaftliche Bewertung sollen späteren Beiträgen Vorbehalten werden. 1. Der inlernalionale Geburlenstreik und die Vergreisung der jüdischen Bevölkerung^ Der aus seinen bevölkerungspolitischen Schriften in der „Frankfurter Zeitung" und in der „Wirtschastskurve" bekannte Verfasser sucht in seinem neuesten Werk den „Geburtenstreik" nach Umfang, Ursachen und Wirkungen zu veranschaulichen. Bei Darstellung des Umfangs des Geburtenrückganges wird die gegenwärtige bevölkerungspolitische Lage des Judentums als „Sonderfall" behandelt. Kahn weist mit Recht darauf hin, daß sinkende Geburtenziffern durch gleichfalls sinkende Sterbeziffern auf die Dauer nicht ausgeglichen werden können. Bei Len deutschen Juden haben sie bereits zu Sterbefallüberschüssen geführt, womit sich eine ähnliche Tendenz auch für die Gesamtbevölkerung ankündigt. Abgesehen davon wird die jüdische Bevölkerungsbilanz noch durch die zahlreichen Mischehen, namentlich seitens jüdischer Männer, gedrückt, da der ohnehin geringe Nachwuchs aus solchen Familien nur zu etwa einem Viertel beim Judentum verbleibt. Anderseits wird die Bilanz rechnerisch dadurch verbessert, daß die Sterbefälle der aus der jüdischen Religionsgemeinschaft Ausgeschiedenen nicht mit verbucht werden. 1 E. Kahn, Der internationale Geburten st reik. Sozietäts-Verlag, Frankfurt a. M. 1930. Preis drosch. 4.80 RM., geb. 6 RM. 218 Seiten. Aus der von Silbergleit „Die Bevölkerungs- und Berussverhältnisfe der Juden im Deutschen Reich" übernommenen Altersstatistik (1923) bzw. der daraus ersichtlichen relativ geringen Besetzung des heiratsfähigen Alters schließt Verfasser auf zukünftigen Rückgang der Heiratsziffer bei den Juden und damit weiteren Geburtenrückgang. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren macht er den Versuch, die zukünftige Bevölkerungsentwicklung der Juden zu schätzen. Er kommt, ausgehend von den Volkszählungsergebnissen von 1925 (564 000), zu folgenden zukünftigen Bestandzahlen der Juden in Deutschland: 1940: 492 000, 1950: 420 000, 1960: 341000, 1970: 264000. Dabei rechnet Verfasser mit einer immer weiter fortschreitenden Vergreisung der jüdischen Bevölkerung: 1970 soll der Prozentsatz der über 65jährigen 39 betragen gegen 14 bei der Mischen und 10 bei der Gesamtbevölkerung im jetzigen Zeitpunkt. Was die allgemeinen Wirkungen des Geburtenrückganges, deren Darstellung den breitesten Raum einnimmt, betrifft, so werden diese für die verschiedensten Gebiete untersucht: Arbeitsmarkt, Kapitalmarkt, Produktion, Verbrauch, Grundstücksmarkt, Sozialversicherung, Staatsfinanzen, Kultur, Politik. Verfasser erwartet hierbei auf dem Arbeitsmarkt eine Erleichterung und baldige Aufsaugung der gegenwärtig noch Arbeitslosen; etwaiger späterer Mangel an Arbeitskräften wird seiner Ansicht nach mit Hilfe arbeitssparender technischer Einrichtungen sowie durch Ausdehnung des Erwerbsalters (über 65 Jahre hinaus) und vermehrte Frauenarbeit ausgeglichen werden. Für den Kapitalmarkt wird ebenfalls eine Entlastung erwartet, da bei der voraussichtlichen Gestaltung des Altersaufbaues die erhöhten Alterslasten durch die verminderten Aufzuchtskosten überwogen werden, somit im ganzen eine geringere Gesamtbelastung der erwerbstätigen Bevölkerung eintritt. Während 1930 auf 100 Erwerbsfähige (15 bis 65 Jahre) 42 Kinder (unter 15 Jahre) und Greise (über 65 Jahre) treffen, werden es 1970 voraussichtlich nur 39 sein. Entsprechende Vorausberechnungen des Statistischen Reichsamtes kommen allerdings zu einem gegenteiligen Ergebnis: demnach würde sich die „Belastung" auf 51 erhöhen. Hinsichtlich der Produktion rechnet Verfasser mit einer Einschrumpfung der Landwirtschaft und damit sinkenden Grundstückspreisen, anderseits mit einer Steigerung der gewerblichen Produktion in der Richtung weiterer Verfeinerung bei Einschränkung des Baumarkts. Im Endergebnis hält Verfasser die Vorteile des „Geburtenstreiks" gegenwärtig für größer als feine Nachteile und verwirft deshalb auch die verschiedenen Vorschläge zu seiner Bekämpfung. Sonntag, l {Februar, iö Uhr, Vortrag in der lhauplspnagoge. {däheres Sette 36

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.