Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (15.1.1931)
- Article
- Das Schwarz'sche Altersheim in Nürnberg
- Date
- 1931-01-15
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 25 keine großen Ansprüche gestellt. Es war nur ein gemeinsames Wohnzimmer vorhanden, welches zugleich für Abhaltung des Freitag- und Samstag-Gottesdienstes diente, ein mäßig großes Speisezimmer und noch neun Schlafzimmer. Die Nachfrage nach Unterkunft war in den ersten zehn Jahren nicht sehr groß; es meldeten sich weniger Leute aus Nürnberg, als aus den fränkischen Landgemeinden. Die veränderten Verhältnisse der Nachkriegszeit drängten zur Errichtung eines Heimes für die Kreise aus dem in Not geratenen Mittelstände. Die Schaffung eines eigenen Mittelstandsheimes scheiterte an der finanziellen Undurchführbarkeit. Die Nürnberger Gemeindeverwaltung errichtete deshalb im Laufe des Jahres mit einem Kostenaufwand von 200 000 RM., wofür schon seit mehreren Jahren Rücklagen reserviert worden waren, im Garten des Schwarz'schen Altersheims einen stattlichen dreistöckigen Neubau. Der Altbau wurde gleichzeitig einer gründlichen Modernisierung unterzogen. Im Neubau sind 18 Einzel- und ein Doppelschlafzimmer, sämtlich nach dem Garten gelegen, modern, ja mit einer gewissen Eleganz möbliert, mit Dampfheizung und Einrichtung für warmes und kaltes Wasser ausgestattet. Moderne, große Schiebefenster in allen Räumen wirken besonders hell und freundlich. Außer zwei schön eingerichteten Speisezimmern sind zwei Wohnzimmer hell und luftig nach der Südseite gelegen, mit Aussicht nach dem prächtigen Garten, eingerichtet. Es sind 35 Personen, 16 im Altbau und 19 im Neubau, untergebracht. Es geschieht alles, um den alten Leuten das Leben angenehm und behaglich zu machen, sowohl durch gute und abwechslungsreiche Kost, als auch durch geistige Anregung und Geselligkeit. Die Leiterin der Anstalt, die Oberin Rosa Weil, bemüht sich, ihre Gäste aufs liebevollste zu betreuen. Häufig werden musikalische Abende mit deklamatorischen Vorträgen veranstaltet, so daß für Anregung und Abwechslung gesorgt ist. Die Anstalt erfreut sich einer solchen Beliebcheit, daß alle Räume besetzt sind und daß, um den zahlreichen Wünschen um Aufnahme einigermaßen entsprechen zu können, der Ausbau des dritten Stockes erwogen wird. Es sind auch von außerhalb der Gemeinde sehr viele Meldungen vorhanden, welche jedoch bei der großen Nachfrage aus der Nürnberger Gemeinde nur geringe Aussicht auf Berücksichtigung haben. Oberkanlor Theodor Frankel, Nürnberg, gestorben Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen schweren Verlust zu beklagen durch den Tod ihres langjährigen Vorbeters und Lehrers Herrn Theodor Fränkel, welcher am 30. Dezember 1930, nach schwerem Krankenlager im Alter von 57 Jahren, weit über den Kreis der Nürnberger Gemeinde hinaus verehrt und beliebt, zu Grabe getragen wurde. Er war eine Zierde des deutschen Kantorenstandes, in dessen Berufsorganisation er jahrelang als Vorstandsmitglied an vorderster Stelle tatkräftig und erfolgreich mitarbeitete. Das Archiv des Kantorenverbandes hat er mit besonderer Liebe betreut. In Glogau als Sohn eines Kantors und Lehrers geboren, genoß er seine Ausbildung im Lehrerseminar in Hannover und an der Hochschule für Musik in Berlin. In Hannover hatte er einen vortrefflichen Gesangesmeister, Oberkantor Berggrün, dem der Verblichene Zeit seines Lebens ein dankbares Andenken bewahrt hat und dessen Kompositionen er von Zeit zu Zeit gerne zum Vortrag brachte. Im Jahre 1901 kam Theodor Fränkel von Düsseldorf nach Nürnberg und errang durch seine schöne Stimme und treffliche Schule den Vorrang unter zahlreichen Bewerbern. Der Nürnberger Gottesdienst galt weit und breit als vorbildlich. Der erste Kantor des Nürnberger Gotteshauses war Josef Singer, der später als Nachfolger Sulzers nach Wien berufen mmrde. Für einen jungen Mann von 28 Jahren war es nicht leicht, an einer Stelle mit so bedeutenden Vorgängern zu wirken. Fränkel wußte den schönen Gottesdienst nicht nur auf gleicher Höhe zu erhalten, sondern hat auch unablässig an dessen Vertiefung und Vollendung erfolgreich gearbeitet. Herrliche Stimmmittel standen im Einklang mit Sorgfalt und Würde des Vortrags. Ebenso tüchtig wie als Kantor, war Fränkel als Lehrer. 29 Jch)re hat er seines Amtes als Kantor und Lehrer mit vorbildlicher Pflichttreue gewaltet. Die Verehrung für den Verblichenen zeigte sich am Grabe; neben Vorstand und Gemeindevertretung waren zahlreiche Professoren, der Direktor, sowie sämtliche jüdische Schüler des Realgymnasiums zur Stelle. Ferner eine Abordnung des Kriegerbundes des Landsturmbataillons Nürnberg mit umflorter Fahne und fast sämtliche Mitglieder des jüdischen Frontbundes. Tief ergriffen hielt Herr Rabbiner Dr. Freudenthal dem trefflichen Beamten, mit dem er fast ein Viertel Jahrhundert zusammen in der Gemeinde gewirkt hatte, einen bedeutsamen Nachruf. Noch zahreiche Redner brachten die Verehrung und Dankbarkeit mit ergreifenden Worten zum Ausdruck. Es waren dies Kommerzienrat Jos. Aufseeser für Vorstand und Vertretung der Nünberger Kultusgemeinde. Rabbiner Dr. Heilbronn für die Gemeindebeamten, Oberstudienrat Weißmann für das Lehrerkollegium des Realgymnasiums, Dr. Bamberger für den bayerischen Lehrerverband und den deutschen Kantorenverband, Dr. Löb für die Maimonides-Loge, Julius Graf für den Bund jüdischer Frontsoldaten, dessen Begründer und Vorstandsmitglied der Verlebte war. Zum Schluffe senkte sich die Fahne des Kriegerbundes über den Sarg; es ertönten drei Salutschüsse zum Zeichen, daß der Verlebte während der vier Jahre des Weltkrieges als Kämpfer an der Front gestanden. K. R. Joseph Aufseeser. Jubiläum und Ehrung von Skadtrat Bretzfelder in Bad kissingen Bad Kissingen, Januar 1931. Ein seltene Feier konnte Herr Stadtrat N. Bretzfelder hier am Neujahrstage begehen. Es jährt sich zum 25. Male der Tag, seitdem Herr Bretzfelder ununterbrochen ehrenamtlich der Stadtverwaltung Bad Kissingen angehört. Vom Jahre 1905 bis Mitte 1919 war er Mitglied des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten, von da ab Stadtratsmitglied. Zu Ehren des Jubilars und seines verdienstvollen Wirkens beschloß der Stadtrat in der Sitzung vom 23. Dezember v. I., ihm eine künstlerisch gefertigte Anerkennungsurkunde zu verleihen; ebenso wurde der Vorschlag des Vorsitzenden gebilligt, an den Jubilar Einladung zur Einzeichnung in das Goldene Buch der Stadt ergehen zu lassen. Oberbürgermeister Dr. Pollwein begab sich am Neujahrstage in das Haus Bretzfelder, um dem Jubilar in dessen Familienkreise die Anerkennungsurkunde persönlich zu überreichen und ihn gleichzeitig in das Goldene Buch einzeichnen zu lassen. Unter gleichzeitiger Überreichung eines Blumenkorbes hieü das Stadtoberhaupt eine längere ehrende Ansprache, in der es u. a. zum Ausdruck brachte, daß der Ehrentag ein berechtigter Anlaß zu dreifacher Freude fein könne, für den Jubilar selbst, für die Familienangehörigen, aber auch für die Stadtverwaltung; für letztere sei das Jubiläum aber auch Gelegenheit zur Bekundung aufrichtigen Dankes für das uneigennützige, verdienstvolle Wirken im Dienste des Gemeindewohles im Laufe von zweieinhalb Jahrzehnten. Herr Stadtrat Bretzfelder dankte in bewegten Worten dem Vertreter der Stadt für die ehrenvolle Auszeichnung und stellte eine Spende für wohltätige gemeinnützige Zwecke zur Verfügung. Ingolstadt. Die Ortsgruppe des R.J.F. hielt am 20. Dezember 1930 eine Chanukafeier ab, die sich nicht nur auf den kleinen Kreis unserer Frontkämpfer beschränkte, sondern zu der auch die jüdische Gemeinde und die anderen jüdischen Vereine eingeladen waren. Wohl selten noch hatte sich eine jüdische Veranstaltung in unserer Stadt eines solchen zahlreichen Besuches zu erfreuen. Der Abend verlief dank einer Reihe ausgezeichneter Darbietungen angeregt und würdig. Chanukafeier in Jchenhausen. Auf Anregung der Kultusverwaltung fand am Samstag, dem 20. Dezember, eine würdige und selten gemüt- D haus der qualij Aisstoffe i ' N. STARK & CiL « D > tick MÜNCHEN KARLS PLATZ 5 NÜRNBERG! LUITPOLDSTRASSE 11 'I J