Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (15.1.1931)
- Article
- An alle Inhaber der roten Büchsen des israelitischen Frauenvereins von 1830
- Date
- 1931-01-15
- Page
- Seite 24 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2727810-2727925-2727927-2739450--07113-2739516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 An alle Inhaber der roten Büchsen des Israelitischen Frauenverekns von 1830 Die Büchsen, die der Israelitische Frauenverein im vergangenen Jahre anläßlich seines 100jährigen Jubiläums an seine Mit? glieder und andere Interessenten abgegeben hat, sollen zu Beginn des neuen Kalenderjahres geleert werden. Trotzdem sich eine Reihe von Damen der Mühe der Leerung unterziehen wollen, würde es bei der großen Anzahl der im Umlauf befindlichen Büchsen eine geraume Zeit dauern, bis diese Arbeit beendet ist. Es wäre uns deshalb eine außerordentliche Erleichterung und eine große Einsparung an Arbeitskraft und Zeit, wenn die Inhaber von Büchsen, die ihr Weg in die Stadt führt, sich der geringen Mühe unterziehen würden, uns selber die Büchsen zum Leeren zu bringen. Zu diesem Zwecke werden Damen unsres Vorstands in der Zeit vom 19. bis 3 0. Januar, jeweils Montag, Dienstag,Mittwoch,Donnerstagvon 10 bis 1 2 Uhr und Mittwoch 3 bis 5 Uhr (bitte genau die Zeilen zu beachten) Herzog-Max-Straße 5/1, Rückgebäude anwesend sein, um den Inhalt der Büchsen gegen -Quittung in Empfang zu nehmen. Die Büchsen, die während dieser Zeit nicht bei uns geleert worden sind, werden dann später nach vorheriger schriftlicher Benachrichtigung der Inhaber durch unsre Damen geleert werden. Falls Zahlung durch Postscheck erwünscht ist, erbitten wir sie unter Nr. 86 89 (Frau Heinrich Fraenkel). Jenny Baerwald, Vorsitzende Cornelie Fraenkel, Schriftführerin. Das IubNaumskonzert des Gesangvereins im Odeon Der Jüdische Gesangverein beging mit seinem diesjährigen Winterkonzert am 6. Dezember im Odeon das Jubiläum zehnjährigen Bestehens, ein Anlaß, der allein schon hätte genügen müssen, dem Verein und dessen verdienten Dirigenten durch zahl reiches Erscheinen die gebührende Dankbarkeit und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Leider blieb der Besuch gerade an diesem Ehrentage bedenklich hinter den Erwartungen zurück und man mußte sich fragen, wo waren die vielen Sangesfreunde, Förderer und Anhänger fynagogaler Musik, deren Pflege sich der Verein besonders angelegen fein läßt. Auch die numerische Beschaffenheit des Chors läßt nach wie vor sehr zu wünschen übrig: es wäre nur rühmlich, wenn die sicherlich viel größere Zahl jüdischer Sangesbegabter aus ihrer Reserve heraustreten und ihre Kraft der guten Sache zur Verfügung stellen würden. Wo bleibt der gerade in unseren Tagen so oft gepredigte Zusammenhalt, abgesehen davon, daß durch die quantitative Stärkung die Bewältigung größerer Aufgaben eine bedeutende Erleichterung erführe. Was den Verlauf des Konzertes anbelangt, so wurde bereits an dieser Stelle auf die ausgezeichnete Durchführung des Programms hingewiesen. Man hätte sich letzteres vielleicht etwas mannigfaltiger gestaltet denken können, weil die stark kantorale Profilierung im Konzertsaal leicht eine Ermüdung im Gefolge hat, aber jedenfalls wurde in den durchweg echten Kompositionen nicht nur sehr Interessantes geboten, sondern ihre Widergabe verriet gediegene Schulung des Chors und restlose Hingabe aller Beteiligten, so daß nach jeder Richtung erhebende Eindrücke entstanden. Die Soli waren Frau Sonja Ziegler und Herrn Moritz Neu anvertraut. Erstgenannte erfreute in dem „Ajech" mit obligater Violine von S. Alman und in dem „Se ruach" von D. Engel durch die Ursprünglichkeit ihres gesanglichen Könnens und warmen Empfindens. Die wertvollste Gabe des Abends bedeutete „Unsane tokef" für Soli und Chor von M. Milner, ein mit starkem östlichen Einschlag wundervoll in Aufbau und Disposition gearbeitetes und erlebtes Werk. Unser geschätzter Oberkantor lieh demselben den ganzen Reichtum seines pastosen Baritons. Wenn er sich in einem gewissen Krastbewußtsein und Überschuß des Temperaments zu gelegentlichen Übertreibungen auf Kosten der Schönheit verleiten ließ, so tat dies der Gesamtleistung keinen Eintrag und die Zuhörer zeichneten den Sänger berechtigterweise mit stürmischem Beifall aus, wofür dieser wieder mit einigen Zugaben dankte. In Frau Gertrude M a s s e r lernte man eine Geigerin mit hervorragenden künstlerischen Eigenschaften kennen. Sie verfügt über einen nicht großen, aber edel geführten, seelenvollen Ton, sauber gepflegte Technik und wohltuend schlichte Vortragsweise. Sie war dem Mendelssohnschen Violinkonzert eine vollwertige Interpretin. Die Begleitung an der Orgel und am Flügel wurde von Prof, Sa ge rer und Kurt Bettsack wie immer in vorbildlicher Weise betätigt. Der Dirigent Josef Ziegler und seine Getreuen sahen sich jedenfalls in künstlerischer Hinsicht für ihre idealen Bestrebungen einigermaßen belohnt und dürfen mit voller Befriedigung auf das schöne Gelingen des Abends zurückblicken. Julius Schweitzer. Versteigerung aller jüdischer Kunstgegenstände in München bei Helbing Am 16. Dez. 1930 fand in der Kunstgalerie Hugo Helbing die angekündigte Versteigerung alter jüdischer Kunstgegenstände statt. Die Versteigerung war gut besucht, auch aus dem Auslande waren viele Interessenten erschienen. Das Gesamtergebnis der Versteigerung betrug etwa 35 000 RM. Fast alle Gegenstände wurden verkauft. Der größte Teil der Altertümer ging nach Wien, und zwar größtenteils an den jüdischen Kunstsammler Haber, der für etwa 14 000 RM. kaufte. Für einzelne Stücke wurden hohe Preise erzielt. Das höchste Versteigerungsergebnis brachte ein kleiner silberner Aron Hakodesch etwa aus dem Jahre 1800, eine überaus reizvolle Nachbildung eines reichverzierten Thoraschrankes mit Säulen, Rankenwerk, Blumen, Adlern, sonstigen Vögeln und zwei Löwen geziert. Dieser wurde für 4100 RM. eingesteigert. Die Standmenorah Nr. 74 (ein Chanuka-Leuchter in Form eines Vogels) erzielte 1000 RM., Chanuka-Leuchter Nr. 75, eine selten schöne reichverzierte Wand-Menorah 1200 RM., Nr. 27 Schach für den Sabbat 1400 RM., Nr. 1 Kleine Thorarolle mit kunstvollen Verzierungen 950 RM., Nr. 2 Rimonim 620 RM., Nr. 3 Thorakrone 450 RM, Nr. 4 Thorakrone 400 RM., Nr. 5 Thoraschild 650 RM, Nr. 6, 7, 8 Thoraschilder je 450 RM. bis 500 RM, Nr. 58 geschnittener Sederbecher aus Glas (Jahreszahl 1674) 900 RM., Nr. 60 Sederkrug aus Porzellan 600 RM., Nr. 61 Porzellankrug mit hebräischer Inschrift (1840) 775 RM. Auch für die Besomimbüchsen wurden gute Preise erzielt. Rus bayerischen Gemeinden Das Schrvarz'sche Allersheim in Nürnberg Von Kommerzienrat Joseph Aufsesser, Nürnberg Im Jahre 1900 haben die Eheleute Lazarus und Berta Schwarz in Nürnberg eine Stiftung von 400 000 RM. zur Errichtung einer Altersversorgungsanstalt gemacht und haben sich dadurch ein Denkmal großzügiger, sozial-jüdischer Gesinnung für alle Zeiten erworben. Es wurde ein Haus in schöner Lage (Johnnisstraße 17) mit einem prächtigen großen Garten erworben und zweckentsprechend umgestaltet. Der ganze Umbau mitsamt Mobiliar, Wäsche usw. kostete 140 000 RM., der übrige Betrag wurde zinstragend angelegt. Bei Anwendung der damals in den Gemeinden herrschenden übergroßen Sparsamkeit wurde aus Bau- und Einrichtungsluxus kein Wert gelegt. Es wurden auch von den Insassen Verwendet bei allen Anlässen dielelegrsnini-WlSsungs-lfornililsre des Ursel. ssrsuenoereins von isro