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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-01-01 · 1 (1.1.1931) · p. Seite 12

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
1 (1.1.1931)
Article
Graf Carlo Sforza, Gestalten und Gestalter des heutigen Europa [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 12 (sequence 1)
Language
German
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12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 (.FLÜGGEN Kohlenhansa G. m. b. H. MÜNCHEN Kohlen Anthrazit Koks Briketts Aufträge nimmt entgegen: Thekla Gerstle Schwanthalerstraße 35 Fernsprecher 57687 Holz vücderschau Graf Carlo Sforza, Gestalten und Gestalter des heutigen Europa. S. Fischer, Berlin 1930. Steht man noch unter dem peinlichen Eindruck der Lektüre der beiden ersten Bände von Bülows Memoiren und wendet man sich davon unmittelbar zu dieser Porträtsammlung des italienischen Grafen, so schämt man sich als Deutscher einigermaßen des vierten deutschen Kanzlers. Bülows Charakter, seine Schönfärberei und staatsmännische Unfähigkeit stechen in schmerzlicher Weise ab von der festen, ernsten und vornehmen Art des Italieners. Deutschland wurde unter hermetischem Abschluß jedes jüdischen Einflusses von 1890—1918 von einer Reihe unheilvoller, sorglos dilettierender und wenig taktvoller und feinfühlender Männer in den Abgrund und in die entsetzliche Niederlage hineinmanöveriert. Und hinterher wagt man den Juden daran die Hauptschuld zu geben, den Juden, die von den Ereignissen doppelt und dreifach schwer betroffen wurden. Die 38 glänzend und spannend geschriebenen Bilder des Grafen Sforza gehören in der Flut von Memoiren über die Ereignisse und Gestalten in und um den Weltkrieg herum zu den aufschulßreichsten und überlegensten Rechenschaftsberichten über das, was wirklich geschehen ist. Graf Sforza, Sproß des berühmten norditalienischen Adelsgeschlechts, erlebte als junger Attache an der Botschaft in Paris mit angehaltenem Atem die Dreyfuß-Affäre. Bei Kriegsausbruch war er italienischer Gesandter in China. Während des Kriegs verwendete ihn Italien als diplomatischen Vertreter bei der geflüchteten serbischen Regierung, die ihren provisorischen Sitz auf Korfu hatte. Die Zeichnung von Paschitsch, der „Seele Serbiens", die Schilderung seiner unerschütterlichen Beharrlichkeit, feines Wirklichkeitssinns, feiner leidenschaftlichen Liebe zum serbischen Boden, der bedächtigen Wortkargheit des Bauern, gehören zu dem Ergreifendsten und Lehrreichsten in dem Buch des Italieners. Später wurde Sforza Außenminister in dem Kabinett Giolitti und wurde 1922 Botschafter in Paris. Dort lebt er noch heute in Verbannung, freiwillig; denn Mussolinis Alleinherrschaft wollte er nicht mitmachen. Graf Sforza ist ein altmodischer Liberaler und Demokrat wie Cavour und der italienische Adelige überhaupt. Er ist Aristokrat vom Scheitel bis zur Zehe. Ein glänzender Stilist! Seine Erfahrungen haben.ihn die Weisheit des Satzes von Thukydides gelehrt: „Die Stärke einer Stadt sind nicht Schiffe noch Mauern, sondern Männer." Sforza ist kein Judenfreund, nach dem Abschnitt „Sonnino oder die Ursprünge des Faschismus" kann man daran nicht mehr zweifeln (bei einem Italiener übrigens eine sehr seltene Erscheinung); er ist gewiß auch kein Freund der Deutschen. Aber seine Urteile sind wie des Botschafters Paleologue und Clemenceaus erfreulich klar und immer ursprünglich; er kann stets das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden. Von Fürst Bülow sagt er: „Er war der wahre Totengräber des deutschen Kaiserreichs." Von. Rathenau heißt es: „Mir sind zwar einige Gespräche mit Rathenau noch sehr lebhaft in Erinnerung, aber er erschien mir gequält von einer geistigen Unruhe zwar edler, aber oft so widerspruchsvoller Art, daß mir nichts anderes davon geblieben ist als das Gefühl einer unbefriedigten psychologischen Neugierde!" Selten ist ein fesselnderes, wirklichkeitsnäheres Buch über die letzten 20 Jahre geschrieben worden als dieses. L. F. Warnm spricht man nur Gutes von der Wäscherei „Mfinchner ~ .“ Weil dieser moderne Betrieb allen Wünschen der Hausfrau am Besten entspricht. Die Wascherei Jiioclmer HoDsiraiienhilie“ inö.Gßorg HöcKßF, LamIwßlirslr.57/59. Tel.596858 Abholung und Zustellung frei! Filialen u. Annahmestellen: Baaderstr. 13, Telefon 25702; Gabelsbergerstr. 103, Telefon 596491; Herrnstr. 48: Oberländerstr. 6; Donnersbergerstr. 12; Boschetsiiederstr. 79; Kiosk (Ecke Camerloher-und Fürstenriederstraße) Wilhelmstr. 13; Häberlstr. 1. INVERmiKAllSVEKKAIIF beginnt am 2. Januar mW MWW 'WM .7 MM «üvuarj Uiebfranen- JPassage - Lichtspiele Kaulingerstraße 14 Tel. 9o£5£ 2 Erstaufführungen bis einschließlich 5. Januar 1931: Tom Tyler in : Die Schuld des Tom Carrigan Oskar Marion in: Falschmünzer " * “ die Sonderklasse Nächst Odeon II Bietet Ihnen das Beste an Küche u. Keller zu mäßigen Preisen. WariflrfirtlD* Lieferung unserer SpeüIQUIIIULIIl, zialitäten und komplette Menu in jeder Preislage frei Haus. Aparte Gesellschaftsräume f.Sitzungen u.Festlichkeit. lHcker-Ttmäan, zwei Wiener Künstler, täglich abends halb 8 Ulli*. 342994^4 5371

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