Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1931
- Issue
- 1 (1.1.1931)
- Article
- 50 Jahre jüdischer Lehrerverein
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Wir sind vorwärts gekommen! Durch eine Besoldungs- und Beamtenordnungdie für alle Gemeinden gilt, sind die Dienst- und Anstellungsverhältnisse im wesentlichen geregell, Alters- und Hinterbliebenenversorgung gesichert. Der jüdische Religionslehrer ist heute öffentlicher Beamter und so eine vom Staate geschützte und dem Staate verpflichtete Persönlichkeit. Ernst und Würde dieser Feier verpflichten uns, all den Faktoren, die an der Hebung und Besserstellung des jüdischen Lehrerstandes mitgewirkt haben, unseren herzlichsten Dank zum Ausdruck, zu bringen. Wir danken der hohen Staatsregierung, die unseren Bestrebungen stets Förderung, unserem Stande warme Fürsorge hat angedeihen -lassen. Wir danken der Kreisregierung von Unterfranken, in deren Schutz unser brüderliches Hilfswerk gestellt war. Herzlichen Dank zollen wir dem Verbarche Bayerischer Israelitischer Gemeinden und seinen Vertretern in Rat und Tagung. Es gereicht mir zur hohen Ehre, hier Mitteilen zu dürfen, daß unsere Mitgliederversammlung auf Antrag der Verwaltung den Präsidenten des Verbandes, Herrn Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, dem es in jahrelangem Benrühen gelungen ist, die Kräfte der bayerischen Judenheit in dem Verbände zusammenzufassen und der in weiser Umsicht und tatkräftiger Führung seit der Gründung des Verbandes an dessen Spitze steht, die Ehrenmitgliedschaft unseres Vereins zu übertragen. Wir danken der Bayerischen Rabbinerkonferenz und es wird uns unvergeßlich bleiben, daß deren Vertreter, vor allem der verewigte Rabbiner Dr. Werner s. A., durch ihre Unterschrift unter die „Denkschrift" unseres jäh Heimgegangenen Führers Dingfelder den Forderungen der Lehrerschaft Beweise und Nachdruck verliehen haben. Unser Dank gebührt dem großen Bruderverein, dem Bayerischen Lehrerverein; in liebevoller Verehrung gedenken wir eines Vaters Heiß, eines Max Koppenstädter, eines Johann Bapttst Schubert, wie wir dem jetzigen Führer des Vereins, Herrn Oberlehrer Winkle, die herzlichsten Grüße entbieten. Wir danken den Männern, die unsere Angelegenheiten in der Presse warm und nachdrücklich vertreten haben, unserem tapferen, unentwegten Steinhardt und nicht minder unserem lieben Freunde Rosenwald, der unter größten persönlichen und materiellen Opfern jahrelang eine Nr. 1 Freie Lehrerzeitung herausgegeben und in diesem Blatte unsere Interessen freimütig und unerschrocken vertreten hat. Ohne den Vorwurf der Überhebung befürchten zu müssen, dürfen wir auch uns selbst, dem Vereine und seiner Tätigkeit die Anerkennung aussprechen, daß er durch sein tatkräftiges Auftreten, durch fein unablässiges Fordern und Kämpfen zu den erzielten Fortschritten beigetragen hat. Wir wollen nicht vergessen, was wir unserer Treue, der Treue gegen uns selbst, zu verdanken haben. Und dem Vertrauen zu sich selbst, dem Bewußtsein der eigenen Kraft, auf dem diese Treue beruht, hier ein Wort zu widmen, scheint mir Pflicht des Augenblicks. Erinnern bedeutet Kraft schöpfen für die Zukunft. Daß wir mehr als je erneute, frische Kraft brauchen, wer möchte das bezweifeln? Düster liegt die Zukunft vor uns, tiefe Schatten verdunkeln ihr Bild. Schwer wütet die Not des Vaterlandes. Ein tief- und weitgreifender Pessimismus lähmt den Willen, während überhebliche Willkür die Ordnung des Staates und der Gesellschaft zu sprengen droht. Und trotzdem, trotz der schier übermenschlich drückenden Last rufen wir unser: Und dennoch! Wir wollen und dürfen nicht erlahmen und ermüden. Wir wollen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht in uns begraben. Vertrauen wir dem Schöpferwort, das uns zuruft: "ipn vp'i my '.-'i Es ward Abend, es ward Morgen. Auchder finstersten Nacht muh ein lichter Morgen folgen. So wollen wir denn weiter arbeiten, schaffen und wirken! Wir wollen der uns anvertrauten Jugend Mut einflößen und den Glauben an die Zukunft in ihr wecken und erhalten. In Treue wollen wir nach wie vor unsere Pflicht erfüllen, unseren Gemeinden wie dem Gesamtjuüentum unsere Kräfte widmen. Getreulich wollen wir mithelfen an dem Wiederaufbau unseres niedergedrückten Vaterlandes, in dessen Dienst wir uns stellen. Wir wollen fördern helfen das Wohl unserer Gemeinden, das Wiederaufblühen unserer lieben bayerischen Heimat und unseres großen deutschen Vaterlandes, den Fortschritt der menschlichen Gesellschaft. Dazu gebe uns Gott der Herr seinen Segen: ^n‘1 mn;' hx urrox Dy rrn itswD ijöv 'n \-p Bezirkskonferenz kihingen. Die nächste Zusammenkunft findet nich 1 am 14., sondern erst am 21. Januar 1931 statt. Brückheimer. Vereinsmitteilungen. Wieder hat der Tod eine schwere Lücke in unsere Reihen gerissen. Am 20. November verschied im 66. Lebensjahre Hauptlehrer Isidor Kahn in Krumbach. Was der Heimgegangene uns bedeutete, ist an anderer Stelle der „Mitteilungen" zum Ausdruck gebracht. Sein Andenken sei uns zum Segen. An frohen Ereignissen seien hier registriert: Am 29. November feierte Kollege Moritz Wurzmann und am 2. Dezember Abraham Wechsler (Aschbach) ihren 70. und am 21. November Rose (Altenstadt) seinen 60. Geburtstag. Hauptlehrer Eschwege (Frankfurt a. M.) wurde zu seinem 80. Geburtstag mit dem an Lehrer so überaus selten verliehenen Morenu-Titel ausgezeichnet. Den Jubilaren auch an dieser Stelle herzlich Vereinsbeitrag: Wir möchten heute schon auf § 12 unserer Satzungen Hinweisen: „Der Mitgliedsbeitrag ist am 1. Januar eines jeden Jahres fällig; er kann jedoch auch in zwei Raten und zwar bis 15. Januar bzw. 15. Juli an den Vereinskassier gezahlt wer- Telephonnummern: Rosenfeld, Buttermelcherftraße 4/III, 2 97 197; Adler, Bürkleinstraße 7/0, 2 97 2 86. Die für 29. bis 31. Dezember anberaumte Tagung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine ist bis auf weiteres vertagt worden. Mit kollegialer Begrüßung! M. Rosenfeld M. Adler Einzahlungen im November 1930. Von Rosenbaum, Ingolstadt 18 RM.; Friedmann, Mainstockheim 15; Gutmann, Fürth 15; Adler, Schweinfurt 15; Mahlermann, Ermershausen 15; Müller, München 15; Dr. Keßler, München 15; Lachmann, München 10; Sulzbacher, Nürnberg 10; Nußbaum, Neumarkt 30; Nußbaum, Dahn 20; Seliger, Lichtenfels 12; Wiedmann, Landau 15; Rülf, Nürnberg 15; Wormser, Nürnberg 25; Stein, Haßfurt 10; Steinberger, Kissingen 30; Fraenkel, Nürnberg 30; Oppenheimer, Bamberg 15; Adler, Fürth 20; Rosenstiel, Mutterstadt 35; Stein, Berolzheim 10; Wurzmann, Schlüchtern 5; Kissinger I., Frankenwinheim 15; Kissinger M., Frankenwinheim 15; Kissinger S., Ursprüngen 7.50; Schloß, Mellrichstadt 15; Oppenheimer, Fürth 15; Roberg, Höchberg 15; Eschwege, Würzburg 20; Hellmann, Würzburg 5. Scheckkonto: Nürnberg 64 79. Würzburg, 1. Dezember 1930. M. Hellmann. Markus Ehrenpreis: Propheten und Gottesmänner. Berlin W 57. Der Heine-Bund. Das entscheidende Wort über dieses Buch spricht der Verfasser selbst in seinem Vorwort aus: Ich habe diese Gottesmänner gezeichnet so wie sie in mir lebendig geworden; sie sind meine Visionen. Damit ist der Subjektivismus des Werkes deutlich gemacht. Und gerade darin liegt sein besonderer, künstlerischer und bildender Wert. Indem sich in dem Ehrenpreisischen Buche inneres Erleben vor uns ausbreitet, wird die Eigenfähigkeit zum Erleben und zu persönlichem Erfassen gesteigert und erhöht. Das vorliegende Buch kann darum dem Lehrer, der seinen Schülern die gezeichneten Gestalten von Mose, dem Gründer Israels, bis Esra dem Gründer des Judentums, verlebendigen will, wertvolle Dienste leisten, es wird vor allem der suchenden und ringenden Jugend Führer und Berater sein, ihr Kraft und Selbstvertrauen schenken und den Glauben an wahres Führertum in ihr stärken. Das mit 8 Bildtafeln ausgestattete Buch verdient weiteste Verbreitung. R. Eingegangene Bücher. ’DjN ’PDy Illustrierte Hebräische Fibel von M. Stengel (Wien). (Verl.: Joseph Velf, Wien.) Juden in der deutschen Wirtschaft von Kurt Zielenziger. (Wellverlag Berlin.) Denkwürdigkeiten des Ahron Jsak (1730—1817). (Herausgegeben von Z. Holm, Weltverlag, Berlin.) Sigmund Fraenkel: Aufsätze und Reden. (Verlag: B. Heller.) Besprechungen folgen in der nächsten Nummer. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München.