Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 1 (1.1.1931)
- Article
- Ein Grundwerk über die Statistik der deutschen Juden
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 2)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 3 schaffen werden, da die amtlichen Zählungen die Sonderprobleme der konfessionellen Gruppen nicht berücksichtigen, die für die jüdische besonders dringende sind. In der Tat zeigen die hier vorliegenden Resultate mit erschöpfender, ja bestürmender Deutlichkeit den Gang der Entwicklung, der bisher nur vorgeahnt oder aus Einzelsymptomen notdürftig erschlossen war. Alle jüdische Bevölkerungspolitik und soziale Arbeit in Deutschland wird auf die jetzt geschaffene Grundlage zurückgreifen müssen. Keine jüdische Behörde oder soziale Organisation kann das Werk entbehren. Mit dem klaren bevölkerungs- und berufspolitischen Bild der Vergangenheit und Gegenwart ist aber auch zugleich das Verständnis der künftigen Entwicklung erschlossen. Die Grundlage von 1925 wird für die Ergebnisse aller kommenden Zählungen die Vergleichsbasis abgeben. as fundamentale Werk wird von der Akademie weiter fortgeführt. Nach einem Jahre wird Band II, Die nichtpreußischen Länder, erscheinen. Neueste Sunde aus der altorientalischen Umwelt des alten Israel 1. Das Tell-Halaf-Mufeum (TNax-Freiherr-von-Oppenheim-Stiflung) In aller Stille wurde vor kurzem dieses Museum in Berlin- Charlottenburg (Franklinstraße 6, acht Minuten von der Untergrundstation Knie) der Öffentlichkeit übergeben. Cs birgt die Funde aus den Ausgrabungen des Baron Oppenheim aus den Jahren 1911—13, 1927 und 1928 aus dem Ruinenhügel Tell Halaf halbwegs zwischen Aleppo und Mossul in Syrien. In einem ehemaligen Fabrikgebäude sind die großen Plastiken im Original und in einer zweiten Abteilung in einer sehr guten Gesamtrekonstruktion (Tempelfassade) untergebracht. Die Hauptstücke sind zwei riesige Basaltstelen, Gottheiten auf Tieren darstellend, Tierkolosse, eine große und eine kleinere tronende Göttin und zahlreiche Orthostaten (kleinere Steinreliefs). Die frühesten Stricke, die beiden Basaltstelen, werden noch in das vierte vorchristliche Jahrtausend zurückdatiert, die große tronende Göttin mit einem merkwürdigen archaischen Lächeln wird von Herzfeld (Archaeol. Mitteil, aus Iran, Heft 3, 1930) auf 2850, die Orchostate etwas jünger datiert. Die Tempelfassade selbst ist viel jünger aus den alten Stücken aufgebaut. Soviel zur Datierung, die noch sehr ungesichert ist. Die ungeheuer eindrucksvollen Funde sind hettitisches Kulturgut. Die Hettiter (Eroberer des Chatti-Landes in Kleinasien), indogermanische Einwanderer und durch bisherige Quellen frühestens um die Mitte des 2. Jahrtausend v. Ehr. belegt, gewinnen durch diese Funde an historischem Boden. Die Barbareneinfälle in die Welt des Orients, die die Historiker dieser Generation so sehr beschäftigen (vgl. dazu Amelia Hertz, Die Kultur um den persischen Golf und ihre Ausbreitung, Leipzig 1930 — eine wohl spekulative, aber nicht uninteressante Arbeit), scheinen in den Tell-Halaf-Funden einen augenfälligen Ausdruck zu finden. Manches der merkwürdigen Tierreliefs erscheint ohne historische Bindung beispiellos noch vor und rückwärts zu stehen. Ums Ganze weht ein merkwürdig vorsintflutlicher Wind. Wer Zeit zu einem Museumsbesuch findet, sollte eher das Tell-Halaf-Mufeum besichtigen, als die riesigen neuen Rekonstruktionen auf der Museumsinsel (Pergamon-Museum), denn dort ist etwas wahrhaft Monumentales zu sehen. Ernst Weil. 2. Französische Ausgrabungen in Vorderasien Im Pariser Orangerie-Museum auf der Tuilerienterrasse waren bis Ende November die letzten Funde der französischen Missionen in Susa, Tello (dem altbabylonischen Lagasch), dem assyrischen Tell Ahmar (Til-Barsib), Byblos und Ras-Shamra (dem antiken Zapuna, nördlich von Laodicea) ausgestellt, bevor sie im Louvre unter die einzelnen Säle verteilt werden. Aus Susa stammen zwei Reihen Flachreliefs aus glasierten Ziegelsteinen, die je zehn Bogenträger der königlichen Garde darstellen, ferner fünf große, geschickt restaurirte Fabeltiere der gleichen Epoche, zwei Flachreliefs mit je Lhanuka als Vorstufe Die viel umstrittene Frage über den Zusammenhang des Weihnachtsfestes mit Chanuka ist bisher nicht gelöst. Wenn man die üblichen jüdischen Werke, auch der allerletzten Zeit, darüber nachschlägt, so wird man enttäuscht. Die einfache Behauptung oder Vermutung einer Ableitung des jüngeren Festes von dem älteren wegen der verlockenden numerischen Gleichheit der Kalendertage (25. Kisleo — 25. Dezember) ist ungenügend. Der Hinweis auf die Wintersonnenwende als auf die gemeinsame Abstammung ist ebenfalls irrig. Anläßlich des Studiums der Kalenderreform, die für den Nichtmathematiker nicht ganz einfach liegt, fand ich folgendes schlüssige Ergebnis. Ich berichte darüber an Hand einer etwas verwickelten zwei, einander zugekehrten Sphinxen, deren Gestalten die geflügelte ägyptische Sonnenscheibe überdacht, aus der elamitischen Epoche einige weitere Flachreliefs religiöser Bedeutung. Die interessantesten Funde, große, die Wände eines ganzen Saales bedeckende Fresken, sind der Entdeckung durch Thureau-Dangin, eines assyrischen Provinzpalastes in Tell Ahmar, zu verdanken (Herbst 1929). Der Palast ist durch Tiglatpilesar III. (745—727 v. Ehr.) konstruiert worden; in Augenhöhe lief der Fries durch die verschiedenen Säle und setzte sich darüber in reichen Tier- und stilisierten Blumendekorationen fort. Die Malereien waren nicht vom Stein abzulösen und begannen, vom Sande befreit, vor den Augen der Forscher zu verwittern; so konnte nur zu exakten Kopien Zuflucht genommen werden, die von einem Mitarbeiter Thureaus, Cavro, ausgeführt worden sind. Die Malereien stellen Szenen vom Hofe des Herrschers dar, den man zu verschiedenen Malen auf dem Thron oder dem Wagen sieht, immer begleitet von seinen Eunuchen und'Großwürdenk trägern, ferner Volksszenen, Pferdegruppen. Massakrierungen von Eingeborenen durch Soldaten, Deportationen usw. Die Anordnung der Figuren und ihr ganzer Habitus entspricht dem, was man von den assyrischen Flachreliefs her kennt. Zum Teil haben die Farben stark gelitten, doch sind viele Partien sehr schön erhalten; blau und rot werden am meisten angewandt, die Figuren sind schwarz Umrissen, schwarze Striche trennen ebenfalls verschiedene Farben, unter denen man auch Violett und Gelb wahrnimmt. Kulturgeschichtlich von größter Bedeutung sind die Schrifttafeln, die im phönizischen Ras-Shamra entdeckt und von Virolleaud publiziert worden sind. Es handelt sich dabei zwar um eine Keilschrift, jedoch alphabetischer Natur, mit nur 26 oder 27 verschiedenen Zeichen. Professor Bauer von der Universität Halle hat herausgefunden, daß es sich in den Texten (aus dem 13. bis 12. Jahrh. v. Ehr.) um einen besonderen phönizischen Dialekt handelt, den man als „Syrisch-Phönizisch" bezeichnen könnte. Die Keilschrift ist, wie man annimmt, dem schon in Gebrauch befindlichen phönizischen Alphabet angeglichen; sie bot den Vorteil, daß man Backsteine, ein billigeres und widerstandsfähigeres Material als der Papyrus, dazu benutzen konnte. Auch in Byblos sind wichtigeepigraphische Funde zutage gefördert worden. Abgesehen von verschiedenen hieroglyphischen Texten wurde ein pseudohieroglyphischer Text gefunden, der bisher nicht entziffert werden konnte. Interessant sind die vom. Flugzeug aufgenommenen Photographien der einzelnen Ausgrabungsstätten. Besonders im obern Mesopotamien ist die im Kriege in Aufschwung gekommene Methode der Terrainerforschung von Pater Poidebard in den Dienst der Archäologie gestellt worden und hat in der Wüste vielfach erst erlaubt. alte Siedelungen zu entdecken. Eine ganze Reihe von allen befestigten Plätzen, die man auf dem Erdboden umsonst suchte, sind auf diese Weise gesichtet worden. M. K. des Weibnad>tsfeftes? meist altphilologischen Literatur, die ich unten zur Kontrolle aufzähle, unter Weglassung des gelehrten Apparates. Wellhausen und Eduard Meyer haben in ihren später anzuführenden berühmten Werken angenommen, Chanuka sei das von den Juden adoptierte Dionyfosfest; das Fest wäre ursprünglich das der Wintersonnenwende gewesen und im Jahre 165 judaisiert worden. Eduard Meyer betont dabei ausdrücklich, daß daraus nicht folge, daß der Bericht über das Tempelweihfest am 25. Kisleo des Jahres 165 unhistorisch ist; man habe vielmehr diese Tage mit Absicht gewählt und das heilige Feuer eben an dem Tage wieder entzündet, an dem die großen Wende im Jahrlaufe eintritt. Die Ansetzung der Geburt Christi auf die Wintersonnenwende sei analog: aber da