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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-12-15 · 24 (15.12.1930) · p. Seite 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
24 (15.12.1930)
Article
Kurt Sternberg, Heinrich Heines geistige Gestalt und Welt [Rezension]
Date
1930-12-15
Page
Seite 384 (sequence 2)
Language
German
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384 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. „aufgehoben" werde, sondern antithetisch stehen bleibe. Im übrigen teilt Sternberg recht philiströse Zensuren aus. So kann man heute nicht mehr Biographien oder Kulturanalysen schreiben. Angepappte Kategorien und Urteile tun es nicht, sondern eine Gesamtanalyse muß mit all ihren Brechungen und Widersprücyen und mit Hilfe eines sehr vielseitigen Begriffsapparates durchgeführt werden, wenn unsere Erkenntnis über das rein Stoffliche hinaus gefördert werden soll. Die einzigen Ansätze, die sich hierfür bei Sternberg finden, sind auf Heines Judentum bezogen, aber sie greifen nicht entfernt tief und weit genug. Es ist richtig, Heines Taufe nicht als bloße Formsache, sondern recht ernst zu nehmen, aber nicht, wie Sternberg, vom Protestantismus aus, dem er sich zuwendet, sondern vom Judentum aus, das er verläßt. Christentum war für Heine, nach feinem Selbstzeugnis, Inbegriff der Kultur; die Taufe das „Entreebillei" dazu, aber erst, nachdem er vergeblich versucht hatte, jene Kultureinheit in den Reformbestreüungen des zeitgenössischen Judentums zu finden. Und da er nun Christentum nicht als Religion, sondern als Kultur, also unter einer Maske und zu wesensfremdem Zweck rezipiert hatte, wendet sich sein Liebeshaß vorwärts gegen diese Religion, rückwärts gegen die alte, verkoppelt sie beide, höchst ungeschichtlich, zum Nazarenertum, dem er das hellenische Ideal in den verschiedensten Gestalten entgegenstellt. Aber er kann feinem Erbe nicht entfliehen: sein ganzes Werk ist nicht, wie das Goethes, Bruchstück einer großen Konfession, die in andere Gestalten eingeht, sondern ein ununterbrochener Monolog, dem der Partner mehr Anlaß und Vorwand als lebendiges Gegenüber ist. Daher die Unfähigkeit zum Drama, in die auch noch altjüdische Feindschaft gegen alle Plastik sich mischt, daher die Haßliebe zu eben jener Plastik — sein erstes Mädchen: das rote Sefchen, mit dem verfemten Juden als Tochter des verfemten Scharfrichters auch klassenmäßig verbunden, erscheint ihm als Marmorbild — daher die ambivalente Stellung zu Goethe, dem Hellenen, und zu Börne, dem Juden, zwischen denen er steht und schwankt, daher der fragmentarische Charakter so vieler seiner Werke, die sich ebensowenig wie ihr Schöpfer zur vollen Gestalt runden können, daher der Witz, das Fremdwort, die Desillusionierung, das Feuilleton: alles Mittel, um einen Gemeinschaftslosen, aber Gemeinschaftssehnsüchtigen in eine gewisse, doch niemals vollendete Beziehung zu feinem Publikum zu setzen, das er ebenso braucht wie ablehnt. Daher letzten Endes auch seine Haltung im Sexuellen: zweimal liebt er Kusinen, und erst nach deren Ablehnung flieht er von einer Frau zur anderen, bis er in Mathilde, der vegetativen, einer Art von Ergänzung für seinen ruhelosen Geist findet, wie Faust bei Helena. Ein Don Juan, der ein verhinderter Familienvater ist; ein Revolutionär, der ein verhinderter Messianist ist, groß, aber flackernd in die Zukunft blitzend — das ist Heine. Von diesem seinem Geist hat Sternbergs braves und materialreiches Buch keinen Hauch verspürt. Ernst Simon, Haifa. Dr. Erich Brandenburg, Weimar: Die Denkmäler derFelsarchitektur und ihre Bedeutung für die vorderasiatische Kulturgeschichte. 31 Seiten mit 6 Abbildungen. 8°. 1930. — Der Alte Orient. Gemeinverständliche Darstellungen, herausgegeben von der Vorderasiatisch-Ägyptischen Gesellschaft. Band 29, Heft 3. Zur Felsarchitektur gehört alles, was direkt aus dem lebenden .Stein gearbeitet ist, michin mit diesem im engsten Zusammenhang steht und so sehr viel dauerhafter ist. als „frei" angefertigte Gegenstände. Der Verbreitungsbezirk der FA. ist fast der ganze Vordere Orient, aber auch Griechenland. Etrurien ufw. Die FA. hat nicht nur „Nützliches" geschaffen, wie z. B. Wohn- und Fluchtgrotten, ja ganze Felsburgen, aus denen allen sich das Leben und die sozialen Verhältnisse der damaligen Bewohner jener Gegenden rekonstruieren lassen, sondern vor allem auch Kultobjekte, wie Kultgrotten, Felsaltäre. Felsstatuen, Kultnischen usw., d. h. Zeugen einer Vergangenheit, von der wir ohne die FA. nichts mehr wissen würden, weil nur die fast unzerstörbaren Gegenstände der FA. den Fanatismus späterer Religionen überdauerten, während alle anderen ihm zum Opfer fielen. — Doch auch aus einem anderen Grund ist die FA. wichtig; wenn wir in geographisch weit auseinanderliegenden Ländern die gleichen sakralen und kompliziert gestalteten Zeugnisse der FA. vorfinden, so dürfen wir daraus auf Einflüsse, Beziehungen, Kulturströmungen schließen. Der Verfasser hat an Hand einiger Beispiele nachgewiesen, wie in solchen Fällen die FA. geradezu die vage Legende bestätigt, ja zur Geschichte nmcht! Das letzte Ergebnis ist auch hier wieder, daß die ganze alte Kultur des Orients durchaus zusammenhängend und einheitlich war. Wilhelm Steigenberger G.m.b.H KOHLEN - GROSSHHNDLUNG München-Bogenhausen Montgelasstraße 21 Telephon 4 80 6 71 - 73, 4 80 2 85 Kohlen, Koks, Briketts, Holz Ein Hauch köstlich zarten Parfüms schasst öfterst die Atmosphäre des oölligen Wohlbehagens. Jede elegante Dame sollte darum nle auf ein individuelles, dezent. Parfüm verzichten. Nau's Parfümerie und Drogerie "Maxkmkliansstraße 42, gegenüber dem Tlationaltheater,^ hat stets alle Parfüms, wie auch Puder, Kölnisches Wasser usw. vorrätig, und wird Sie beim Einkauf so beraten und bedienen, daß Sie — wirklich zufrieden sind. oPerzmodei Sie kennen unsere Leistungsfähigkeit. Wir beweisen sie aufs neue in einer großen Preissenkung bei gleichbleibenden Qualitäten und Ausführung. Überzeugen Sie sich bitte durch einen unverbindlichen Besuch. Xdrij ans/Ui ßr-Sohn fleiiricLiLseT’stv. 29

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