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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-12-15 · 24 (15.12.1930) · p. Seite 382

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
24 (15.12.1930)
Article
Palästinensische Kleinkunst [Rezension]
Date
1930-12-15
Page
Seite 382 (sequence 1)
Language
German
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382 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Radio kauft man bei Nr. Dr.Sohn (Funkstube!) Augsburg, Am Moritzplatz Bequeme Raten, Telefonru palästinensische Kleinkunst. Von A. Reifenberg. Richard Carl Schmidt & Co., Berlin W. 62. 1927. (Band 31. Bibl. f. Kunst- und Antiquitätensammler.) 135 S.' mit 157 Abbildungen. Geb. RM. 8.—. Es handelt sich in diesem Fall nicht um eine Neuerscheinung. Heute aber, da die wichtigen Ausgrabungen im vorderen Orient ein neues Licht auf die Frühzeit unseres Volkes zu werfen beginnen, greift man gerne zu diesem kleinen, sehr übersichtlich gestalteten und in einem angenehmen Tone geschriebenen Führer über die palästinensischen Kleinfunde. Die Frage, warum es in Palästina, dem Lande, das von den großen Frühkulturen rings umgeben ist, zu keinen wirklich großen Kunstschöpfungen gekommen ist, beschäftigt den Autor natürlich auch. Da dieses Buch aber ganz den Tatsachen geweiht ist, streift er diese Frage mehr, als daß er sie beantwortet. Vor der jüdischen Besiedelung nie zur Ruhe gekommen, ein Durchzugsland für alle möglichen Eroberer, findet das Volk Israel im Lande Kanaan wohl eine materiell höhere Kultur, aber nur Spuren fremder Kunstgüter. Es scheint bezeichnend, daß durch alle Funde, die aus irgendwelchen Gründen als sicher israelitisch anzusprechen sind, kein Stil durchgeht. Immer ist die jeweilige Strömung, sei sie philistäisch, hellenistisch oder römisch ausgenommen. Nur einmal ist eine Form Tradition geworden, eine Libationsfchale (kelchförmige Schale für das Weinopfer), die mehr als 500 Jahre später noch in der Makkabäerzeit lebendig ist. Gerade diese Frage ist von Reifenberg gut behandelt. Die besten Kapitel sind die über die frühe Keramik und der jüdische Anteil an dieser, über die Ossuarien (hellenistische jüdische Gräberkisten) und die jüdischen Münzen. Auch der Niederschlag, den der Astarte-Kult in der Plastik fand, ist sehr gut und interessant belegt. Das reich illustrierte Buch endet mit einer Aufzählung der Museen und Sammlungen palästinensischer Altertümer, einer Zeittafel und einer guten Literaturzusammenstellung. Ernst Weil. „Der angeklagte Staatsanwalt", Geschichte der Verurteilung eines Unschuldigen (Fall Frieders). Von Dr. I. Jastrow, Professor der Staatswissenschasten an der Universität Berlin. Berlin-Grunewald, Dr. Walther Rothschild, 1930. Wer dieses Buch mit dem nicht ganz glücklich gewählten Haupttitel „Der angeklagte Staatsanwalt" in der Auslage des Bücherladens ausgestellt oder auf dem Büchermarkt der Presse angezeigt sieht, der glaubt im ersten Augenblick einen auf die Sensationsinstinkte der großen Maste abgestellten Hintertreppen- oder Kinoroman vor sich zu haben. Aber schon wenn man auf dem Umschlag weiterliest und auch vielleicht den „Fall Frieders", nicht bereits aus den Tageszeitungen oder kleineren Broschüren, wohl aber den Namen des nicht allein um die Staatswissenschaften hochverdienten Verfassers und des für Recht und Gerechtigkeit stets in erster Reihe kämpfenden Verlags kennt, so weiß man sofort, daß es sich um ein ernsthaftes Werk handeln muß. Und wenn man dann im Vertrauen auf den guten Klang der Namen derer, die das Buch herausgebracht haben, dieses selbst zur Hand nimmt, so wird man zum Schluß nicht bereuen, sich unter der Führung eines meisterhaften Lehrers und Darstellers in diesen bisweilen spröden Stoff eingearbeitet und die 232 nicht immer leicht zu lesenden Seiten bewältigt zu haben. Was hier über die Geschichte des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders, der von April 1924 bis November 1925 Amtsvorstand der Staatsanwaltschaft Weimar war und im Oktober 1926 vom dortigen Schwurgericht wegen fahrlässigen Falscheids zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ausgeführt wird, gehört zu dem Bedeutsamsten, was unsere ja an „Fällen" nicht arme Zeitgeschichte zu berichten weiß. Wie der Verfasser in die Hintergründe dieses „politischen" Prozesses hineinleuchtet und die tatsächliche und rechtliche Anfechtbarkeit dieses „Milieu"-Urteils nachwsist) ist aber nicht nur als Zeitdokument aktuell, sondern besitzt darüber hinaus dauernden Wert. Welches die Hintergründe dieses in die Fr eines Strafverfahrens gekleideten Trauerspiels sind, ist nicht fchr: zu erraten, wenn man weiß: daß Frieders von einer Linksre, rung aus preußischen Diensten im besetzten Gebiet nach Thürin berufen wurde; daß zu der Zeit, wo er das ihm von dieser Lir regierung verliehene Amt als Chef der Staatsanwaltschaft in Landeshauptstadt antrat, bereits eine Rechtsregierung am Ru war; daß politische Prozesse in Staaten mit wechselnder parlam tarischer Regierung immer ein beliebtes Mittel zur Beseitigt unbequemer Personen waren; daß Meinungsverschiedenheiten standen zwischen Frieders und einem ihm unterstellten Staats, walt; daß dies besonders hervortrat bei der Bearbeitung der Str. fache gegen den thüringischen Staatsbankpräsidenten Loeb; daß Zusammenhang mit diesem Strafverfahren Frieders seine Eid Pflicht verletzt haben soll; und endlich, daß nicht nur Loeb, sondc auch Frieders jüdischer Abkunft ist (als „Jude Friedländer, jetzü Herr Frieders" wird er in der völkischen Presse bezeichnet"). ' bedarf also keiner Rechtfertigung, wenn dieses Buch in einer j. nächst für jüdische Leser berechneten Zeitung besprochen und we es besonders warm, gerade jüdischen Menschen, zur Lektüre en sohlen wird. Nicht nur für den zünftigen Juristen, sondern auch für den Lai ist es ein — wenn auch zumal beim jüdischen Leser mit gemischt Gefühlen verbundener — Genuß, wie der mit dem ganzen Rü zeuge moderner Geschichts- und Wahrheitsforschung ausgestatst Verfasser die dunkeln Zusammenhänge zwischen Politik und Reä sprechung, die bedauerlichen Mängel und Unzulänglichkeiten d heutigen Strafprozesses überhaupt (Revision, Wiederaufnahmeve fahren, Schwurgericht in der neuen Form) und des Verfahren wegen Eidesverletzungen insbesondere aufzeigt und beachtenswer Vorschläge zur Behebung der Vertrauenskrise in der Justiz, zi Eindämmung der vielerörterten „Eidesseuche" und zur Fesfftellui des wahren Sachverhalts in Meineidsprozessen macht. Wir könm nur hoffen und wünschen, daß diesen Bestrebungen, die Recht pflege zu verbessern, nicht weniger Erfolg beschieden sein möge a seinem mannhaften und warmherzigen Eintreten für einen Man von dem er einleuchtend nachgewiesen Haben dürfte, daß er ohi seine Schuld vom Ankläger zum Angeklagten und als solcher de Opfer eines Justizirrtums geworden ist. Meraneneth von Iehuda Burla, Verlag Vlizpeh, Tel-Awiw. In der letzten Zeit beginnen auch spaniolische und arabische Ir den sich auf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaft und der hebrä scheu Literatur zu betätigen. Vor allem ist auf dem Gebiet d Wissenschaft Almaliach, der die zukunftversprechende wissenschaf liche Zeitschrift „Misrach umaaraw" redigiert und ein Buch über d Geschichte der arabischen Literatur verfaßt hat, auf dem Gebiet d< Literatur Jehuda Burla, der mehrere Romane und Novelle geschrieben hat, hervorzuheben. Als Sephardi ist Burla durch feine Ursprünglichkeit und natürlick Erzählerkunst imstande, das Leben der orientalischen Juden z schildern. Seine Romane führen uns in die Welt der arabischen un syrischen Juden und zeigen interessante charakteristische Typen. Die Handlung im Roman „M e r a n e n« t h", d. h. „die Säl gerin", spielt in Damaskus kurz vor und während des Weltkriege im Kreise der Hauptheldin, der Sängerin. Äußerlich und sprachst, ist der Jude arabisiert, hält aber an feinem Glauben und sein, Tradition fest und ist auf seine Vergangenheit stolz. Trotz der schw ren Arbeit lebt die jüdische wie die arabische Masse in Armut. Ar dem Meere des Elends erheben sich die mächtigen Paläste der arab schsn Effendis, welche europäische Zivilisation mit orientalische Luxus vereinen. Das Zentrum in diesen Palästen, die an Taufen, undeinenacht erinnern, ist der Harem, der Frauen verschiedener Nc tionen in sich vereint. In einem dieser geheimnisvollen Salons i I» ff die Sonderklasse Münchener Gaststätten Fürstenstr. 2 /Tel.27313 Nächst Odeon Bietet Ihnen das Beste an Küche u. Keller zu mäßigen Preisen. CfülIflrfirllD* Lieferung unserer Sp ulOUlAULUv» zialitäten und komplet Menu in jeder Preislage frei Hau Aparte Gesellschaftsräume f. Sitzungen u.Festlichke JMcfeer-Burian, zwei Wiener Künstler, tägli abends hall) 8 Uh:

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