Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-12-15 · 24 (15.12.1930) · p. Seite 378

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
24 (15.12.1930)
Article
Die Berliner jüdischen Gemeindewahlen
Date
1930-12-15
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2727810-2727900-2727924-2739239--06964-2739296
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

378 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 Holländer polemisiert gegen Kurt Blumenfelds Wahlbetrachtung und meint, „die zentrale jüdische Zunkunstshoffnung, von der Blumenfeld spricht, kann und wird niemals die unsrige sein.... Wir wünschen die Erhaltung des Judentums durch Pflege seiner geistigen und sittlichen Inhalte, und wir vertreten die Auffassung, daß das Judentum niemals wieder als nationale Gemeinschaft zum Leben zu erwecken ist". Wir wünschen, fährt Holländer fort, nach Beendigung der Wahl dem deutschen Judentum innere Ruhe. Auch die Stellung zu Palästina darf nicht als ein Kriterium der Stellung des einzelnen zum Deutschtum angesehen werden. Zum Schluß wendet sich Holländer gegen die Forderung, daß die Gemeinden den Abwehrkampf übernehmen sollten, und schreibt: „Die Jüdische Gemeinde dient nach unserer Auffassung ihrer Aufgabe nur, wenn sie ihre Einrichtungen ebenso dem Wohl des deutschen Gesamtvolkes wie dem — ich scheue mich nicht, den falschverstandenen Ausdruck im Sinne des Centralvereins zu gebrauchen — jüdischen Volke widmet. Eine große Anzahl von Juden und gerade von solchen, die auf dem Boden unbedingter Gesetzestreue stehen, hat diese Auffassung von jeher, angefangen bei Samson Raphael Hirsch, bis zum heutigen Tage, vertreten. Ihre gesamte Lebensführung ist der Beweis dafür, daß Deutscher sein und Jude sein durchaus in unlösbarer Vereinigung, möglich ist, und daß die Einheit des Judentums in aller Welt in der Gleichartigkeit seiner religiösen und sittlichen Überzeugungen liegt. Das ist nicht wenig, sondern ungeheuer viel. Eine ungeheure Forderung!" traditioneller Synagogengesang Ar» läßlich des zehnjährigen Bestehens des jüdischen Gesangvereins, zum Konzert im Odeon am 6. Dezember Von Emanuel Kirschner (München) Das Jubiläumskonzert am 6. Dezember ist ausgezeichnet durchgeführt und von allen Seiten beifällig ausgenommen worden. Die Mitwirkenden: Kurt Bettsack (Klavier), Gertrude Master (Violine), Moritz Reu (Bariton), H. Sagerer (Orgel), Son'a Ziegler (Sopran), Joseph Ziegler (Dirigent) erfreuten einschließlich des vorzüglichen Chors durch gure Leistungen. Künstlerisch stand im Mittelpunkt der Darbietungen das Violinkonzert in E von F. Mendelssohn, das Frau Master vollendet vortrug. Die schon vorhandenen Sammlungen des süddeutschen traditionellen Synagogengesanges von Maier Cohn, Naumburg, Ehrlich, Katz und Waldbott, Baer, Rosenhaupt, Lachmann, erfahren eine wertvolle Bereicherung und Ergänzung durch ein Werk, das, herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main, in I. Kaussmanns Verlag kürzlich erschienen ist unter dem Titel: „Der Frankfurter Kantor, Sammlung der traditionellen Frank¬ Gegr. 1869 BayerischeV ereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Sicherheit und hohen Zins gewährleisten unsere Gold-Pfandbriefe und Bank-Sparbücher Die nach dem 2. Januar 1931 fälligen Zinsscheine sind kapitalertragsteuerfrei furter synagogalen Gesänge von Fabian Ogutsch, weil. Oberkantor der Synagoge am Börneplatz zu Frankfurt a. M. Geordnet und eingeleitet von I. B. Levy." In seinem aufschlußreichen Vorwort zeichnet Levy Wesen und Wirken, Wissen und Können seines langjährigen Freundes und Kollegen Ogutsch mit tiefempfundenen Worten, die ebenso dem Herze entströmen, wie sie zum Herzen des Lesers dringen. Aus diese'-. Vorwort erfahren wir, wie der von Hause aus „polnische Chasan" Ogutsch, nach seiner 1883 erfolgten Berufung zum Oberkantor an n Synagoge am Börneplatz, mit rastlosem Eifer bemüht war, das ] ■ zifisch Frankfurter Chasönus sich anzueignen, in seinen Geist ein dringen, um schließlich ein anerkannter Meister auf diesem Geb' zu werden. Diese Meisterschaft hatte er sich zu großem Teil dadi erworben, daß er Jahre hindurch alte, routinierte Baale Tephi aufsuchte, die ihre reichen Schätze an Frankfurter Traditionsges.. vor dem strebsamen, wißbegierigen Chasan zu Gehör brachten. L diesen lebendig fließenden Quellen schöpfend, zeichnete Ogutsch a\ und neueres Frankfurter Chasönus mit hingebungsvoller Gewiss Hastigkeit auf, unterstützt von reicher musikalischer Begabung> du» drangen von dem Ernst, von der Helligkeit der Aufgabe, die er sic selbst gestellt hatte. So entstand das zur Besprechung vorliegende Werk „Der Frankfurter Kantor", dessen Veröffentlichung der Autor nicht mehr erleben sollte. Cr starb 1922 nach 38jähriger, an Anerkennung reicher Wirksamkeit. Aber sein im Manuskript hinterlassenes Werk fand in Levy seinen opferbereiten Sachverwalter, der seinen Wert noch erhöhte durch übersichtliche Anordnung des Stoffes, durch Verbesserung der Textbehandlung, vor allem aber durch Einfügung hochinteressanter Bemerkungen über die Eigenartigkeit des Frankfurter Minhag im Hinblick auf die Verwendung der Niggunim. Die 323 Nummern umfassen die Gesangsliturgie des ganzen Iah res und erscheinen in sieben Abteilungen. Wie in den synagogal' Singweisen aller anderen Riten, gewahren wir nach den Aufzei. - nungen von Ogutsch auch im Frankfurter Chasönus mehr oder wen - ger deutliche Spuren verschiedener Entwicklungsepochen. Trotz vielhundertjähriger nur mündlicher Tradition hat sich in tr\ ältesten Teilen unserer Liturgie, wie etwa in den Vorlesungn der Bibel, in den werktäglichen und feiertäglichen Rezitationen ' - Stammgebete, in den Selichoß, wie vorzugsweise im alten El tz-,. nus der „Jomim noroim" eine jüdische Eigenart erhalten, fcnr v Bau in den alten phrygischen, mixolydischen und aeolischen Tonwurzelt, eine Eigenart, die noch heute uralte, pentatonische (.' tonlose) Tongänge erkennen läßt und insbesondere im afchke. schen Ritusgebiete, also auch in Frankfurt, von jeher gepflegt vor allzu großen Veränderungen bewahrt geblieben ist. Hie und da tauchen aber dennoch in vorliegender Samm. -- Stilwandlungen fundamentaler Art auch im ältesten Chasönus So zum Beispiel, wenn die phrygische, aus zwei Tetrachorden (V tonskalen) bestehende Tonart efgahcde als e moll aufgef wird. In letzterem Falle bedingt diese Tonart als Vorzeichnun ein Erhöhungskreuz, womit das ursprüngliche k in fis umgewandet - und dadurch der so charakteristische phrygische Charakter verwischi wird. Man vergleiche: Nr. 230: Hajom teammezenu mit Nr. 189: addire ajummoh. Die gleiche Melodie erscheint in erster Nummer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.