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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-12-15 · 24 (15.12.1930) · p. Seite 373

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
24 (15.12.1930)
Article
Inhalt
Date
1930-12-15
Page
Seite 373 (sequence 1)
Language
German
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Israelitische Gemeinöezeitung Kachrichtenblatt üer Israelitischen KultuSgemeinöen in München/ Augsburg/ Hamberg unö öes Verbanües Hagerischer Israelitischer Gemeinden erscheint am f. unö 15. jeöen Monats. — Verla-: S. heller, München, plinganserstraße ö4, Kernruf 75 <$<$4 unö 75 ^5/ Postscheck München 5-67. Schrtstleitung: vr. Luöwig ßeuchtwanger, München, Grillparzerstraste 5S Bezugspreis für nicht eingewiesene Sezleher: Reichsmark 4.60 für öas Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 ReichSpfeonlg Kamlllenanzetgen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote if Reichspfennig VI. Jahrgang München, 75. Dezember 1930 Kr. L4 Inhalt: Entstehung, Wesen und geschichtliche Bedeutung des Makkabäerstaats — Das Chanukafest im Spiegel der rabbinischen Literatur — Die Berliner jüdischen Gemeindewahlen — Traditioneller Synagogengesang — Die Kantorenfrage, eine Frage des deutschen Judentums? — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger — Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Chanukafestgottesdienst für die Jugend — Personalia. Entstehung, Wesen und geschichtliche vedeutung des Makkabäerstaats Von Dr. Eugen Tä übler Ord. Professor der Alten Geschichte an der Universität Heidelberg Der folgende Aufsatz gibt den Inhalt eines Vortrages wieder, den Professor Tüubler im Jahre 1930 innerhalb der religiösen Sonntagsveranstaltungen der Berliner jüdischen Gemeinde gehalten hat, auf Grund einer Niederschrift, die der Verfasser auf Einladung der Schriftleitung freundlichst zur Verfügung gestellt hat. Die Vortrags- und Berichtsform ist im folgenden beseitigt. Eö ist hier nicht beabsichtigt, die Vorgänge, die zur Begründung des Makkabäerstaats geführt haben, in den Einzelheiten zu entwickeln, sondern zu zeigen, daß damals — wie in veränderten Formen auch heute — das Judentum in einer Epoche weltpolitischer Entscheidungen genötigt war, aus diesen heraus äußerlich und innerlich die Bedingungen und Formen seines Daseins neu zu gestalten. Es geht im Folgenden darum, zu zeigen, daß nicht nur die Entstehung, sondern auch die Form und das Wesen des Makkabäerstaatö nur aus diesen weltpolitischen Zusammenhängen verständlich werden, ferner anzudeuten, was Motiv, Form und Wesen dieses Staates innerlich, im Guten wie im Schlechten, für die Gesamtgeftaltung des Judentums und seines Schicksals bedeuten. Für diesen Zweck ist zunächst eine kurze geschichtliche Grundlegung nötig: 721 das Nordreich Juda für immer vernichtet, die Masse der Bevölkerung aus dem Lande verpflanzt; 586 das Südreich Juda zerstört, IO OOO Männer, der Kern und die Blüte, nach Babylon geführt; zehn Jahre später Stadt und Tempel von Jerusalem zerstört, die Masse des Volkes weggeführt. Zwischen 721 und 586 war das Wort des Propheten zu voller Entwicklung und Wirkung gekommen: die von ihm noch nicht durchdrungene Bevölkerung Israels ging zugrunde, die von Juda und Jerusalem ist durch das Prophetenwort, durch die von ihm entzündeten und gekräftigten messianischen Hoffnungen, erhalten geblieben. 536 erlaubt der Perserkönig Kyros nach Eroberung Babylons die Rückkehr, die durch die Umgestaltung der weltgeschichtlichen Struktur, weiterhin vor allem durch die Beseitigung des vorderasiatisch-ägyptischen Dualismus im persischen Weltreich bedingt war. Zurück kehrte die ärmere Bevölkerung, und es entstand eine unbedeutende persische Vogtei um den mühselig und dürftig hergerichteten Tempel; im Inneren Zerrüttung durch Parteiung und Mischehe, von außen Gefährdung durch kleine Nachbarftämme, das Volk ohne legitime Vertretung und unsicher dem verhallenden Prophetenwort nachhorchend. Esra und Nehemia greifen ein und erreichen durch Wiederherstellung von Gotteslehre und Stadtmauer die Sicherung des kleinen Gemeinwesens. Dieses ist 300 Jahre lang nicht als Volk und Staat, sondern als Kult- und Tempelgemeinde konstituiert, abgelöst vom Geschehen in der großen Welt, unberührt selbst vom Umsturz und Neubau der Welt durch Alexander, dumpf dem „Wunder" entgegenharrend. Aber die Erfüllung kam anders als man erwartet hatte. In Jerusalem, das als Außenprovinz zu Ägypten gehört, herrscht die Priefterariftokratie. Ständig wandern wertvollste Volksteile aus, besonders nach Alerandreia, dem New Pork dieser Antike, und erleben hier eine tiefgreifende Umbildung. Hier beginnt die eigenartige Kultursynthese sich zu formen, die uns Juden von heute geschaffen hat: die Umbildung des biblischen Juden in den Angehörigen einer Weltkultur. Was wir heute „Abendland" nennen, hieß in seiner ersten und für alle Zeit grundlegenden Formung „hellenistische Kultur". Diese Hellenisierung des ägyptischen Judentums hat ihren stärksten Ausdruck darin gefunden, daß die Bibel in das Griechische übersetzt wurde, nicht für literarische Zwecke und mit literarischen Mitteln, sondern unmittelbar aus den Bedürfnissen der Synagoge heraus und für die Zwecke des Gottesdienstes. Palästina blieb zunächst von dieser geistigen Bewegung unberührt. Das änderte sich, als eö 2O1 von Ägypten an Syrien fiel,

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