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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-12-01 · 23 (1.12.1930) · p. Seite 331

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
23 (1.12.1930)
Article
Kulturelle Arbeit und Not der Zeit
Date
1930-12-01
Page
Seite 331 (sequence 2)
Language
German
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364 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 Als im Sommer dieses Jahres, unter dem Eindruck der „Ausstellung Mischer Kultgeräte und -einrichtungen für Synagoge und Haus" in München, Männer und Frauen aus allen Kreisen der bayerischen Judenheit sich entschlossen, zur Erhaltung jüdischen Kunstguts früherer Zeiten und zu seiner Pflege einen Verein zu gründen, bewiesen sie ihr Verständnis auch dafür, daß gerade in unserer Zeit, da die öffentlichen Mittel kaum ausreichen, die notwendigsten Bedürfnisse der jüdischen Einrichtungen zu decken, Aufgaben solcher Art nur durch Heranziehung einer weiteren Öffentlichkeit wirksam gelöst werden können. So wurde der „Verein für jüdische Museen in Bayern" gegründet.' In der heuttgen Zeit, da viele alte, früher bedeutende Landgemeinden vor dem völligen Verschwinden stehen, muß alles getan werden, um das von unseren Vorfahren Überkommene zu retten. Dient die seit einigen Jahren vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden durchgeführte, schon weit fortgeschrittene Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern dazu, die Zahl, Art und Bedeutung des Erhaltenen festzustellen, so muß diesem ersten Schritt rasch ein zweiter folgen, um dem Verfall des einzelnen Denkmals Einhalt zu tun und um es wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie stark diese Anteil nimmt, beweist der starke Besuch der Ausstellung. Mit der Sammlung soll die Zerstreuung alten Kulturguts verhindert, es soll außerdem die würdige Aufbewahrung und Zugänglichmachung dazu beittagen, jüdisches Empfinden zu stärken. Der Verein fiir jüdische Museen in Bayern, der bereits an vielen Orten Mitglieder besitzt, sieht seine Aufgabe in der Sammlung und Pflege 1. von jüdischen Altertümern, die geschichtlichen, kulturellen oder künstlerischen Wert besitzen; 2. von Werken jüdischer Kunst; 3. von Abbildungen von Persönlichkeiten, Baulichkeiten und Gegenständen, die für das Judentum von wesentlichem Interesse sind; 4. von Archivalien, Handschriften und Druckwerken, welche die jüdische Geschichte und Kultur betreffen. Dabei wird auf Sammlung solcher Gegenstände, die für die Geschichte und Kultur der Juden in Bayern Bedeutung haben, besonderer Wert gelegt. Infolge der verhältnismäßig häufigen Gleichartigkeit vieler Sammlungsgegenstände wird es vermutlich möglich werden, nicht nur eine Sammlung dieser Art zu einem abgerundeten Ganzen zu gestalten, sondern darüber hinaus am Sitz mancher größeren Gemeinde des Landes in geeigneter Weife einen Überblick über das uns überkommene Kulturgut zu geben. Damit wird an diesen Orten auch der Heranwachsenden Jugend Gelegenheit geboten, in anschaulicher Weise ein Bild zu gewinnen von der Bereicherung des religiösen Lebens unserer Väter durch die Kunst. Auf diese Weise wird der neugegründete Verein sich erfolgreich anschließen können den Besttebungen, die in Deutschland und im Ausland an vielen Orten gepflegt werden, wie die Beispiele von Berlin, Breslau, Frankfurt, Mainz, Prag, Sttaßburg, Wien, Worms und anderen Orts beweisen. Er will für das bisher vernachlässigte Gebiet des Landes Bayern eine Kulturarbeit leisten, die nicht nur der jüdischen Allgemeinheit zugute kamen soll. Der Einzelne kann dem „Verein fiir jüdische Museen in Bayern" nicht allein durch seinen Beittitt fördern, er kann auch durch Hergabe von Gegenständen, die sonst ein unbeachtetes Dasein führen würden, sei es als Leihgabe, sei es als Stiftung die Durchführung der Aufgabe erleichtern. * * Es ergeht an alle Interessenten die höfliche Bitte, ihren Namen dem 1. Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Leo Baerwald, München, Haydnstraße '10. oder dem Geschäftsleiter, Herrn Theodor Harburger, München. Augustensttraße 53, angeben zu wollen. Auskünfte jeder Art werden gerne erteilt. Theodor Harburger. Aus der Semeinde Augsburg Bericht aus Augsburg (Neuer Orient und Judentum. — Das jüdische Kammerorchester München in Augsburg. — Die Berufsaussichten des jungen deutschen Juden. — Deutsches Judentum und Palästinafrage. — Sonstige Vereinstätigkeit.) Die Tätigkeit der Augsburger jüdischen Vereinigungen hat zweifellos in diesem Winterhalbjahr einen der Höhepunkte erreicht; es rechtfertigt sich daher, einen kurzen Bericht über die bisherigen Veranstaltungen zu geben. Als eine der anregendsten Veranstaltungen darf der im Rahmen der gemeindlichen Vorträge von Dr. Hans Kohn (Jerusalem) am 25. Oktober gehaltene Vortrag über „Judentum und neuer Orient" bezeichnet werden. Dr. Hans Kohn, der sich durch seine Publikationen über die Nationalisierung des Orients einen Namen gemacht hat, begann mit der Koirstatierung, daß der völlige Wandel in den Lebensformen und politischen Fragen des Orients zu den großen Weltereignissen der Nachkriegszeit zu rechnen sei. Den „ewigen Orient" (Rudyard Kippling) habe mit ungestümer Kraft der Europäisienmgsprozeß ergriffen, der in drei großen Bewegungen seinen bezeichnenden Ausdruck finde: Da sei zunächst der Säkularisierungsprozeß zu nennen, der sich besonders auf dem Gebiete des Rechtslebens, der Staatsform des Unterrichts und in dem Vorgang der von Dr. Kohn genannten „Entwunderung" des Lebens vollziehe. Der Individualisierungsprozeß wirke sich besonders in den Anschauungen von dem Wesen der Ehe, in der Stellung der Frau und im Gegensatz der Generationen aus. Am sinnfälligsten für die beherrschende Europäisierungstendenz sei das Übergreifen des Nationalismus auf den Orient, der für den Orient die bis dahin unbekannten Vorstellungen von nationaler Freiheit, Würde und Gemeinschaft schufen. Wie das Judentum habe auch der Orient an der großen europäischen Bewegung der Renaissance nicht teilgenommen, weshalb der dargestellte Eurozäisierungsprozeß des Orients große ''Ähnlichkeit mit der Emanzipation der Juden vor hundert Jahren habe, die erst den Zugang zur eropäischen Kultur den Juden erschloß. Gerade deshalb sei der Jude angesichts der heutigen Wellsituation in besonderem Maße berufen, Mittler zwischen Orient und Okzident zu sein. — Im Rahmen eines vom Jüdischen Jugendverein am 2. November veranstalteten Musikalischen Abends bestritt das Jüdische Kammerorchester München unter lebhaftem Beifall des sehr zahlreich erschienenen Publikums den musikalischen Teil des Programms. Nach dem Concerto grosso X von G. Fr. Händel sang Frl. Else Berger in ausgezeichneter Manier drei Lieder von Waldemar von Baußnern; Herr Dr. Saalheimer spielte meisterhaft den ersten Satz aus dem Violinkonzert D-Dur opus 218 von W.A.Mozart, während Herr Dr. Bettsack den Klavierpart im Klavierkonzert Es-Dur opus 449 von W. A. Mozart gewandt meisterte. Besondere Anerkennung verdient der Leiter des Kammerorchesters Herr H. L a m m. Frl. I o r i s ch vom Stadttheater trug mit Wärme Gedichte von Zuckermann und Rosenfeld vor. — Über ein für das deutsche Judentum sehr aktuelles Thema sprach am 10. November im Jüdischen Jugendverein Justizrat Dr. Eugen Straus (Augsburg): Die Berufsaussichten des jungen deutschen Inden. Der Vortrag, der sich bewußt von allen theoretischen Erwägungen fernhielt, ging von der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland aus, aus der sich das spezifisch jüdische Problem ergebe. Weder Landwirtschaft noch Handwerk bieten heute besonders gute Aussichten für den jüdischen Nachwuchs. Eine bewußte Proletarisierung sei angesichts der ungewissen wirtschaftlichen far «wf S 930/34 er ist soeben erschienen — Postkart« SCHUSTER er ist soeben erschienen — Postkarte genügt — er kommt sofort kostenlos! dev Alpenvcieini-Ausriistci dev Iipcditioni-Ausrüfter dev Skilauf-Ausriiitei Sporthaus Schuster« München 2 C I« Rosenstraf*e 6 Das große und führende Fachgeschäft für Berg- und Wintersport

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