Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 23 (1.12.1930)
- Article
- Die Himmelsleiter
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 329 (sequence 2)
- Language
- German
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362 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 dich hätte es nie ein Hinunter gegeben. Aber Jakob hatte keinen -Glauben in sich gettagen, darum war er nicht emporgestiegen. Und Gott sprach: weil du nicht Glauben und Vertrauen in dir trugst, werden deine Kinder in dieser Welt vier Reichen untertan sein, werden ihnen Kopfsteuern und andere drückende Abgaben zahlen müssen. Sprach Jakob: wird das in alle Ewigkeit so sein? Sprach Gott zu chm: „Du, fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, und verzage nicht, Israel, denn siehe, ich helfe dir, und seist du auch in noch so weite Ferne verschlagen", weit — damit ist Babel gemeint —, „und deine Nachkommen führe ich heim aus dem Lande ihrer Gefangenschaft", damtt sind Gallien und Spanien und all die anderen Länder gemeint, „Jakob wird heimkehren und in Ruhe und Sicherheit wohnen, niemand wird es mehr schrecken, denn ich machen ein Ende mit all den Völkern, unter die ich dich verstteue, aber mit dir mache ich nie ein Ende" (Jerem. 30 B. 11). Mit den Völkern, die ihre Felder bis zum Ende abernten, mache ich ein Ende, aber mit Israel, das seine Felder nicht bis zum Ende aberntet, sondern die Ecke für die Armen läßt, mache ich nie ein Ende, ich züchtige es mtt Züchtigung in dieser Welt, damit es in der zukünftigen Welt frei ist von jeglicher Sünde." So die Deutung des Verses. Die Auslegung des Jeremia-Verfes ruht auf dem sprachlichen Gleichklang des Wortes „eesseh kolo" mit der biblischen Verordnung über das Stehenlassen der Feldecke „lo lechalleh peas ffodcho" (Lev. 19, 9. 23, 22). In der wundervollen Naivität der Deutung sind wesentliche Elemente der jüdischen Predigt vereinigt. In ihr ist Tröstung mit der Versicherung, daß dem Aufstieg der ausbeuterischen Mächte ein Ende gesetzt ist und mit der Verheißung der Dauer Israels. Die wunderwirkende Kraft eines festen und alle Zweifel besiegenden Gottoertrauens wird mit dem Hinweis auf die Möglichkeiten geschildert, die Jakob hatte und nicht nützte. Zugleich wird hier für Israel im ganzen, dessen Verkörperung der Erzvater ist, das Bewußtsein der Verantwortlichkeit für das eigene Schicksal entzündet und jedem Hörer für sich selbst vermittelt. Und damit der Hörer nicht in bloßem Gefühl und in schwärmendem Vertrauen sich ergehe und Gottes Bürgschaft für Israels Bestand als sein gutes Recht in Anspruch nehme, mündet die Deutung mit dem Hinweis auf das Gebot der Feldecke aus in die Forderung praktischer Frömmigkeit und der Verbundenheit mit dem Gesetz. Frömmigkeit des Gefühls, Gehorsam gegen das Gesetz, Tat und Verwirklichung, in diesem Dreiklang wird hier die alte biblische Erzählung von der Himmelsleiter, die in ihrer biblischen Form jedes Kind kennt, mit neuem für jedermann wichtigen Inhalt erfüllt. Bus der Semeinde Müncken Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde Winter 1930 1. Rabbiner Dr. Ehrentreu: Entstehung und Entwicklung der hebräischen Schriftzeichen (mit Lichtbildern). Dienstag, 2. und 9. Dezember, 20.30 bis 21.30 Uhr. 2. Rabbiner Dr. Baerrvatd: Die Psalmen. Mittwoch, 3. und 10. Dezember, 20 bis 21 Uhr. Im Anschluß an diese Vortragsreihe unter 2: Arbeitsgemeinschaft über die Psalmen. Mittwoch, 3. und 10. Dezember, 21 bis 22 Uhr. Alle Kurse finden im Vibliokheksaal. Herzog-Wax-Straße 7, statt. Eintritt für Jugendliche frei. Das Israelitische Pensionat an der Kaulbachstraße 25 Iahre alt Das Israelitische Pensionat an der Kaulbachstraße kann in diesen Tagen die fünfundzwanzigste Wiederkehr seines Gründungstages feiern. Der Gedanke, ein Mittelstandsheim in München zu errichten, ging von Albert Landauer aus, der sich um die Gemeinde nach vielen Richtungen unvergeßliche Verdienste erworben hat. Das Bedürfnis nach einem solchen Heim hatte sich in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts als immer vordringlicher herausgestellt; eine Reihe sozial denkender Persönlichkeiten aus dem Kreise der Münchener Gemeinde war um den Plan lange Jahre bemüht. Ein bedeutsamer Schritt erfolgte, als im Jahre 1899 die Baronin Klara von Hirfch-Gereuch in Paris sich auf Anregung des Kommerzienrats Adolf Steinharter bereit erklärte, einen Zuschuß von RM. 100 000.— zur Errichtung eines Heimes fiir nicht ganz unbemittelte alte Leute beizusteuern, unter der Auflage, daß das übrige Kapital von anderer Seite aufgebracht werde. Es wurden alsbald auch dank den Bemühungen von Justizrat Ofner, Rabbiner Dr. Werner, der Herren Lißmann, Nußbaum, Landauer und Bühler weitere namhafte Zuwendungen aufgebracht. Namentlich war der Vermittlung von Kommerzienrat Höchstädter s. A. eine Stiftung von M. 50 000.— von Josef Kronheimer in Melbourne und ferner der Vermittlung von Kommerzienrat Bühler eine beträchtliche Schenkung des Kommerzienrats Berolzheimer, Nürnberg, für die Zwecke der Anstalt zu verdanken. Im Jahre 1904 standen die nötigen Mittel endgMig zur Verfügung. Höhere Beträge wurden vor allem durch Albert Landauer, Kommerzienrat Bernheimer, Hermann Müller, Leopold' Neumeyer, Moritz Schulmann, Hermann und Oskarl Tietz zur Verfügung gestellt. Der Ausschuß konnte daran gehen, ein Anwesen in dem Haufe Kaulbachstraße 65 zu erwerben. Im Oktober 1905 konnte das neue Heim bezogen werden. Es wies fünfzehn Zimmer auf und genügte den ersten Ansprüchen. Als Verwalterin des Heims wurde Frau Karoline Wimpfheimer bestellt, die in diesem Jahre mit dem fünfundzwanzigjährigen Bestehen des Pensionats ihr fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum feiern kann. Das Heim erwies sich rasch als zu klein. Im Jahre 1910 konnte man dank den Bemühungen von Albert Landauer, Kommerzienrat Bühler und Michael Nußbaum an eine Erweiterung gehen. Es wurde vor allem in dem vorhandenen großen Garten der Anstalt ein Flügelbau errichtet mit siebzehn neuen gleichgroßen Zimmern, mit einem Saal von 11 Meter Länge und mit vergrößerten Wirtschaftsräumen. Der Kostenaufwand betrug für diese neuzeitliche Erweiterung M. 75 000.—. Das Altersheim konnte jetzt zweiunddreißig Insassen beherbergen. Zu dem Erweiterungbau hatten größere Spenden Josef und Rofa Adler, Oskar Tietz. Karl Franklin, Frau Luise Gutmann, Amalie Heimann, Franz Hesselberger, Ad. und Julie Steinharter, David und Therese Heinemann beigesteuerr. Nach dem Ableben von Albert Landauer, der von Anfang an das Heim unermüdlich betreut hatte, übernahm Herr Louis Selinger den Vorsitz im Verwaltungsrat der Anstalt. Seit 1929 ist Frau Lucie Reinemann die Vorsitzende der gemeindlichen Beaufttagten für das Heim. In der Nachkriegszeit übernahm die Gemeinde München nach der Entwertung der Stiftungsmittel das Defizit der Anstalt, das sich jährlich zwischen RM. 6000.— und 10 000.— bewegte. Man mußte freilich eine Erhöhung des Pensionspreises um das Doppelte (von RM. 50.— auf 100.—) für neu hinzukommende Pensionäre in Kauf nehmen. Durch die jährlichen Zuschüsse der Gemeinde ist der Bestand des Altersheims auch künftig gesichert, denn die Erttägniste des zusammengeschmolzenen Stiftungsvermögens reichen zur Weiterführung der Anstalt nicht aus. Das Heim wird zusehends mehr beansprucht; es sind-regelmäßig 40 bis 50 Bewerber vorhanden, die auf die Zukunft vertröstet werden müssen. Ein weiterer Ausbau der Anstalt kann infolge Mangel an Mitteln für die nächste Zeit leider nicht in Frage kommen. 91 Münchener Gaststätten II Cfalltl/jirllO* Lieferung unserer Spe- “ie Fürstenstr. 2 /Tel.27313 || tJlUUlAULllu* zialitäten und komplette Nächst Odeon ll Menu in jeder Preislage frei Haus. Bietet Ihnen das Beste an Küche U. Keller ZU mäßigen Preisen. || Aparte Gesellschaftsräume f.Sitzungenu.Festlichkeit. " Dicker-Burian, zwei Wiener Künstler, täglich WWWWWWWWW abends halb 8 Uhr. 1371