Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1930
- Issue
- 10 (15.11.1930)
- Article
- 50 Jahre jüdischer Lehrerverein : Auszug aus dem für die Jubiläumsfeier vorgesehenen, aus Zeitmangel unterlasssenen Festvortrag des 1. Vorsitzenden
- Date
- 1930-11-15
- Page
- Seite 20 (sequence 1)
- Language
- German
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Schriftleitung-. Max Adler, München München, 15. November 1930 Nr. 10 50 Jahre jüdischer Lekrerverein Auszug aus dem für die Jubiläumsfeier vorgesehenen, aus Zeitmangel unterlassenen Festvortrag des 1. Vorsitzenden (Fortsetzung) Wenn es Ausgabe dieser Stunde ist, die Brücke zwischen einst und jetzt zu schlagen, so dürfen wirres mit froher Genugtuung und herzlicher Freude begrüßen, daß das Band dieser Brücke gleichsam verkörpert hier vorhanden ist, verkörpert durch Aron Mandelbaum, dem einzigen früheren Vorsitzenden, der noch in unseren Reihen steht. Mandelbaum wurde als junger Lehrer im Jahre 1890 mit dem Posten eines stellvertretenden Schriftführers betraut, er hat das arbeitsreiche Amt des Schriftführers an der Sei-e Goldsteins von 1893—1913 geführt, er stand von 1913—1920 als Vorstand an der Spitze des Vereins und ist seit dieser Zeit Ehrenmitglied der Verwaltung. In zielbewußter Weise hat er in besonders schwerer Zeit das Ruder geführt, bedeutsame Aufgaben, Erhöhung der Unterstützungen, Einrichtung der Dienstalterszulagen aus Vereinsmitteln, Kriegshilfe für die Kultusbeamten, gelöst und bei der Behandlung des Schulbedarfs- und Volksschullehrergesetzes im Jahre 1919 unsere Interessen, die zugleich die der jüdischen Gemeinden sind, nachdrücklich und erfolgreich wahrgenommen. Volle vierzig Jahre steht so Mandelbaum in vorderster Reihe, wir empfinden es dankbar, daß wir uns heute noch seines Rates und seiner Mitarbeit erfreuen dürfen. Im gleichen Sinne begrüße ich das weitere Ehrenmitglied der Verwaltung, den getreuen Eckart unseres Vereins, Abraham Strauß, der insgesamt siebenundzwanzig Jahre in der Verwaltung tätig ist und dem an dieser Stelle unser herzlichster Dank ebenfalls ausgesprochen werden soll. Mit aufrichtiger und herzlicher Freude wenden wir uns den Männern zu, die wir als die lebendigen Zeugen der Vereinsgeschichte hier nennen und begrüßen dürfen. Wir betrachten es als ein hohes und seltenes Glück, neun Mitglieder in unseren Reihen zu wissen, die unserem Vereine seit seiner Gründung angehören. Es sind dies die Kollegen: Leopold Adler (Marktbreit), Heinrich Ehrmann (Friedberg): Ascher Eschwege. Thüngen ^Frankfurt a. M.). Jakob Gessner (Hammelburg, Rostock), drei Brüder: Josef Kissinger (Frankenwinheim). Simon Kissinger (Urspringen), David Kissinger (Ermershausen, Würzburg), Sigmund Pollack (®flff' breit) und Abraham Wechsler (Aschbach). Ich habe die Ehre, hier Mitteilen zu dürfen, daß unsere Mitgliederversammlung durch einstimmigen Beschluß diese Kollegen zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt hat. Haben wir bisher, dem Zuge des Herzens folgend, wie dem Charakter unseres Vereins entsprechend, der mit den großen und allgemeinen Zielen, die er verfolgt, auch die persönlichen Beziehungen zwischen seinen Mitgliedern pflegen, fördern und erhalten will, haben wir die persönlichen Momente in den Vordergrund gerückt, so mag, um die heutige Feier in ihrer vollen Bedeutung wirksam zu machen, den Ideen, von welchen der Verein getragen wird, wie seinen Aufgaben eine kurze Betrachtung gewidmet werden. (?* müßte den Rahmen dieses Vortrages sprengen, wenn hier die ganze Entwicklung, die weitverzweigte Tätigkeit, die geschichtlichen Zusammenhänge aufgezeigt werden sollten. Hier kann es sich nur darum handeln, einigen der leitenden Ideen, die das tragende Moment bilden, unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich nenne als solche: die Unterstützungskasse, die jüdische Volksschule, die Stellung des jüdischen Lehrers. Zunächst fei ein Wort über den äußeren Rahmen der Vereinstätigkeit gestattet. Der Verein hat in den fünfzig Jahren seines Bestehens 49 Mitgliederversammlungen, 46 ordentliche und 3 außerordentliche, abgehalten. 24 dieser Versammlungen haben in Würzburg stattgefunden. Die übrigen führten uns in die verschiedenste» Gemeinden des Landes, wodurch Gelegenheit geboten wurde, die Gemeinden und ihre Persönlichkeiten mit unseren Bestrebungen vertraut zu machen, wie dadurch auch anderseits das Band, das die Gesamtlehrerschaft mit den Gemeinden verbindet, enger geknüpft werden konnte. Vielende Dutzende von Referaten und Vorträgen wurden in den Versammlungen erstattet, neben Standes- und Vereinsangelegenheiten Fragen des Religionsunterrichts und seiner Methodik erörtert. Seit einer Reihe von Jahren haben wir zum Teil im Zusammenwirken mit den Bezirksrabbinern (in letzter Zeit auch mit Unterstützung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden) Vezirkskonferenzen eingerichtet, die der Fortbildung, vor allem auf religionswissenschaftlichem Gebiete, sowie der Pädagogik und Methodik des Religionsunterrichts wesentlichen Vorschub leisteten. Der Verein besitzt eine Unterstützungskommission, eine Bildungskommission, eine VolkssHulkornmission, eine Kantorenkommission. Der Aufgabenkreis dieser Kommissionen ist durch ihre Namen deutlich umschrieben. Unser Verein war in dem viele Jahre so segensreich wirkenden Landesverein für die israelitischen Gemeinden Bayerns vertreten; er enfendet feit Bestehen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zwei Vertreter in den Rat des Verbandes. Vor drei Jahren hat sich unser Verein dem Reichsverbande jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche angeschlossen; Gerne arbeiten wir mit unseren Brüdern in den andern deutschen Ländern zusammen, wir glauben auch hier Wegweiser und Wegbereiter zu sein, da wir der Hoffnung leben, daß auch die jüdischen Verbände der Länder, so wie wir Lehrer uns zusammengesunden haben, recht bald den Weg zu einem Reichsverbande finden werden. Daß wir unserem großen Vrudervereine, dem Bayerischen Lehrerverein, allezeit treue Anhänger waren und bleiben werden, bedarf wohl kaum einer besonderen Hervorhebung. Ich wende mich nun den drei vorhin erwähnten Punkten zu. Bereits die der eigentlichen konstituierenden Versammlung vorangegangene Zusammenkunft hatte den Grundsatz angenommen, daß der Verein als Mittelpunkt haben solle: Unterftützungsverein für hilfsbedürftige Standesgenossen und deren Hinterbliebene zu sein. Die Zustände, die diesem Beschluß zugrundeliegen, sind oft aer"'» geschildert worden; wir wissen, daß sie kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Judentums bilden, wir wollen in dieser Feierstunde darüber hinweggehen. Den Vätern unseres Vereins, die durch Gründung der 'Unterstützungskasse dem Entschluß bald die mtO: Tat folgen ließen, aber wollen wir danken dafür, daß sie so die Herzen geöffnet, und den Verein als Bruderbund gedacht und in diesem Sinne ausgebaut haben. Reichen Segen hat diese Stiftung verbreitet. Witwen und Waisen in schwerer Lage Trost und Aufrichtung geboten. So hat unser Verein durch dieses soziale Werk, durch tätige Nächstenliebe, an seinem Teile mitgearbeitet an der höchsten, der Menschheit gestellten Aufgabe. (Fortsetzung folgt.) | Julius Rosenfelder | Aidhausen (Ufr.). Am 10. Oktober wurde Kollege Julius Rosenfe lde r unter Beteiligung der gesamten Ortsbevölkerung und vieler auswärtiger Freunde im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen. In kleinem Kreise hat der Entschlafene Großes gewirkt und durch seine Persönlichkeit und sein vielseitiges Wissen sich hohe Achtung erworben. Im Mai war es ihm noch vergönnt, die Goldene Hochzeit zu feiern und am 1. August wurde er in den Ruhestand versetzt. Mit dem Abschluß seiner Lebensarbeit betrachtete dev sonst lebensfrohe Mann seine Lebenszeit für beendet. Er sehnte sich heimwärts und entschlief wohlvorbereitet und sanft zur ewigen Ruhe. Ehre seinem Andenken! Beleuchtungskörper hans endres Radio-Anlagen hochmodern und antik Augsburg, Annastraße neuester Konstruktion