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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-11-15 · 22 (15.11.1930) · p. Seite 316

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
22 (15.11.1930)
Article
Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg
Date
1930-11-15
Page
Seite 316 (sequence 1)
Language
German
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350 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 22 Aus dem übrigen Bayern Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg Das Kuratorium der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg hatte aus Anlaß des 25jährigen Dienstjubiläums der Herren Studiendirektor Stall und Seminaroberlehrer Anfänger Gönner und Freunde der Anstalt zu einer öffentlichen Schulfeier im Huttensaale geladen. Die äußerst starke Beteiligung seitens aller Kreise des jüdischen Publikums in Würzburg bewies, daß zwischen der Lehrerbildungsanstalt und der jüdischen Öffentlichkeit enge Beziehungen bestehen, und in den Ansprachen der Gratulanten kam der Wunsch nach einer Intensivierung dieser Beziehungen zum Ausdruck. Die Schüler des Seminars hatten es sich nicht nehmen lassen, die Feier durch musikalische und rezitatorische Darbietungen zu verschönen. Die Leitung des Orchesters lag in den Händen des Herrn Kapellmeister Schadewitz,- der Chor wurde von Herrn Oberkantor Eschwege, der sich selbst mit einem schönen Solo beteiligte, geleitet. Bemerkenswert war auch der Vortrag eines hebräischen Gedichtes durch die Schülerin Gretl Hirschheimer. In seiner Eröffnungsansprache verlas der Leiter des Abends, S. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Hanover, das Glückwunschschreiben der Regierung und begrüßte die Erschienenen. Sodann würdigte Herr Dr. Hanover die Verdienste der beiden Jubilare, die in schwerster Zeit an das Seminar berufen wurden, dessen Unterrichtsbetrieb, den Erfahrungen einer neuen Zeit entsprechend, völlig umzugestalten war. Diese Aufgabe haben beide Herren, jeder in seiner Art vorbildlich gelöst. Herr Studiendirektor Stoll hat außer seinen pädagogischen Leistungen die schwere Bürde der wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Führung des Seminars auf sich genommen; hat er diese Aufgaben stets so vorzüglich geleistet, so hat er sein Werk dadurch gekrönt, daß das Seminar in Bälde in einen würdigen größeren Neubau verlegt werden kann. Unter einer solchen zielbewußten Führung hat sich das Seminar nach innen und außen großes Ansehen als neuzeitliche Schule und jüdisches Bildungszentrum erworben. — Der Eigenart des Herrn Oberlehrer Anfänger habe es entsprochen nach innen zu wirken. Seine Aufgabe war es, durch den Unterricht in den biblischen Fächern jüdische Weltanschauung zu verbreiten und im Zusammenhang mit dem Deutschunterricht die Synthese zwischen traditionsgebundenem Judentum und moderner Kultur herzustellen. Zur Bewältigung einer solchen Aufgabe bedarf es großer Selbständigkeit im Denken und Fühlen und dies gerade war Herrn Oberlehrer Anfänger (den ein späterer Redner geradezu als „Selbstexeget" bezeichnete), im hohen Maße eigen. — Die Grüße des Lehrerkollegiums überbrachte Herr Seminarrabbiner Dr. Neubauer, der ebenfalls die sachlichen und persönlichen Qualitäten der Jubilare tiefschürfend würdigte. — Die Glückwünsche der staatlichen Lehrerbildungsanstalt überbrachte in warMer Weise Herr Oberstudiendirektor Dr. Abb. — Für die Israelitische Kultusverwaltung und die eingeladenen Würzburger jüdischen Vereine sprach Herr Justizrat Dr. Haas, der unterstrich, wie gerade durch die glückliche Wirksamkeit der Herren Stoll und Anfänger die Kultusgemeinde sich immer stärker für die Israelitische Lehrerbildungsanstalt interessiert habe. — Für die Schwesteranstalt, die Israelitische Präparanden- und Bürgerschule Höchberg, sprach Herr Direktor Steinhäuser, der hervorhob. daß Herr Studiendirektor Stoll stets nach innen und außen die Interessen der Höchberaer Prüparandenanstalt mit dem gleichen Eifer wie die des Würzburger Seminars vertreten habe. — Im Namen der Schülerschaft des Seminars sprach mit jugendlicher Frische Herr Alfred Rosenberg, dessen Ausführungen für das ersteuliche Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern am Seminar beredtes Zeugnis ablegten. — Im Namen der Fachlehrer sprach Herr Studienrat Thormarch, der einige interessante Erinnerungen aus früheren gemeinsamen Studienzeiten brachte und die Kollegialität zwischen Direktor und Lehrerschaft nachdrücklichst hervorhob. — Herr Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt). der als 3. Jubilar des Abends bezeichnet wurde, da er über 25 Jahre zu den treuesten und freudigsten Mitarbeitern im Kuratorium gehört, dankte für die ihm hierfür erwiesene Ehrung und betonte die innige Freundschaft, die sich in der Zeit seiner Mitarbeit im Kuratorium gegenseitig zwischen ihm und den Jubilaren entwickelt hat. — Herr Lazarus überbrachte die Glückwünsche des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der mit Stolz auf das Seminar als einer von ihm subventionierten Anstalt blicke und um den sich besonders Herr Studiendirektor Stoll bleibende Verdienste erworben habe. — Herr Lehrer Brückheimer (Marktbreit) sprach für den jüdischen Lehrerverein für Bayern und dankte zugleich im Namen der vielen Schüler, die das Seminar bereits verlassen haben und stets in dankbarer Erinnerung zu den beiden Jubilaren aufblicken. — Herr Rabbiner Dr. Wohlgemuth (Kitzingen) faßte das Ganze durch eine herzliche, von edlem Humor getragene Schlußansprache zusammen, die reichen Beifall fand. — Hierauf erhielten die beiden Jubilare das Wort, die in tiefbewegten Worten ihren Dank aussprachen. Herr Direktor Stoll dankte der Vorgesetzten Behörde für das große Wohlwollen, das stets der Lehrerbildungsanstalt entgegengebracht worden fei; niemals sei während seiner Amtszeit ein Ersuchen des Seminars von Regierung oder Ministerium abschlägig beschieden worden. Ferner dankte er dem Kuratorium, den Verbänden und Einzelspendern, seinen Kollegen und Schülern für ihre hingebungsvolle Mitarbeit im Dienste des Judentums. Herr Seminaroberlehrer Anfänger ergänzte die Worte des Direktors durch zahlreiche Einzelheiten aus dem inneren Leben und Streben der Anstalt. Die harmonisch verlaufene, schlichte Feier wird gewiß allen Teilnehmern in schönster Erinnerung bleiben, insbesondere den Jubilaren, denen allseits gewünscht wurde, daß ihre segensreiche Wirksamkeit am Seminar sich noch auf recht lange Zeit erstrecken möge. Bgr. Verband der Israelitischen kullusgemeinden der Pfalz Die 13. ordentliche Mitgliederversammlung am Sonntag, den 2. November, im Brauhauskeller zu Landau, war sehr gut besucht. Mehr als 80 Gemeindevertreter und Gäste konnte der Vorsitzende Kommerzienrat Joseph (Landau) willkommen heißen. Die "Verhandlungen wurden eingeleitet durch einen Vortrag des Verbands- Schatzmeisters Stadtrat Strauß (Bad Dürkheim) über: „Die religiösen Pflichten der Synagogenräte." Der Redner, der am 30. Oktober seinen 75. Geburtstag feiern konnte, zeichnete mit wahrhaft jugendlichem Feuer uub mitreißendem Schwünge das Bild -es idealen Synagogenvorstehers, der ein Vorbild sein müsse als Mensch und Jude, ein Führer seiner Gemeinde in allen Bezirken bürgerlicher und religiöser Betätigung, um des Namens und Amtes eines Synagogenrates würdig zu sein. Der Vortrag fand reichen ungeteilten Beifall. Die vom Vorsitzenden Kommerzienrat Joseph erstattete Jahresrechnung 1929 weist eine Gesamteinnahme von RM. 91 276.74 auf, der eine Gesamtausgabe von RM. 85 521.74 gegenübersteht, so daß ein Überschuß von RM. 5755.— erzielt werden konnte. Weniger erfreulich gestaltet sich die finanzielle Lage für 1930. Die wirtschaftliche Mißlage hat sich in der Pfalz, zumal in deren westlichen Grenzgememden besonders scharf bemerkbar gemacht. Der Ausfall an Umlagen ist teilweise bedeutend, so daß trotz größter Sparsamkeit ein ungedeckter Betrag von RM. 5460.67 verbleibt. Die Angaben des 1. Vorsitzenden wurden ergänzt durch den 2. Vorsitzenden, Amtsgerichtsrat Dr. Rosenberg, der auf die vielsagende Tatsache Hinweis, daß die Pfälzer Judenheit, die zahlenmäßig etwa ein Sechstel der gesamtbayerischen betrage, nur ein Zwölftel des gesamtbayerischen Steuersolls aufbringe. Es war bemerkenswert zu vernehmen, daß die Umlagen, die 1929 noch RM. 55 000.— eingebracht haben, für 1930 nur auf RM. 45 000.— geschätzt werden und daß man das kommende Jahr noch ungünstiger ansieht. Auffallend sind die Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit der einzelnen Gemeinden. Während z. B. die Verbandsumlage im Finanzbezirk Landau RM. 15.19 auf den Kopf der Bevölkerung einbringt, beträgt sie in Ludwigshasen nur RM. 9.10 und in Zweibrücken gar nur RM. 2.96. ckie Sonderklasse Münchener Gaststätten Fürstenstr. 2/Tel. 27313 Nächst Odeon Bietet Ihnen das Beste an Küche u. Keller zu mäßigen Preisen. , Lieferung unserer Spe- * zialitäten und komplette Menu in jeder Preislage frei Haus. Aparte Gesellschaftsräume f.Sitzungenu.Festlichkeit. IHcker-Bnriaii, zwei Wiener Künstler, täglich abends halb 8 Uhr. 641217 5391

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