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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-11-01 · 21 (1.11.1930) · p. Seite 301

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
21 (1.11.1930)
Article
Die Juden im bayerischen Unterrichtswesen
Date
1930-11-01
Page
Seite 301 (sequence 2)
Language
German
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Nt. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeirung 333 Ein wesentlich anderes Bild ergibt sich auf dem Gebiet des höheren Schulwesens, wo die jüdischen Quoten den Bevölkerungsanteil durchwegs übersteigen: Juden absolut v. 100 der Gesamtzahl in Bayern Lehrkräfte, hauptamtlich 53 0,9 Lehrkräfte, nebenamtlich 137 9,2 Studienassessoren u. Seminaristen 4 0.7 Schüler 2398 2.6 Die hauptamtlich beschäftigten Lehrkräfte sind vorzugsweise an Realschulen, Oberrealschulen, Mädchenlyzeen und Lehrerbildungsanstalten tätig; in geringerem Umfange — wobei im Vergleich zur gesamten bayerischen Lehrerschaft der höheren Schulen der jüdische Beoölkerungsanteil unterschritten wird — kommen noch humanistische Gymnasien und Realgymnasien in Frage: Art der Schulen Realgymnasien Oberrealschulen Mädchenlyzeen Lehrerbildungsanstalten Humanistische Gymnasien Realgymnasien Jüdische hauptamtliche Lehrkräfte an den höheren Schulen absolut v. 100 der Gesamtzahl in Bayern 17 2,1 14 1,8 9 1,0 8- 3,2 4 0,4 1 0,5 Im Schulbesuch werden Mädchenlyzeen, Realschulen, Oberrealschulen, humanistische Gymnasien Realgymnasien und höhere Mädchenschulen bevorzugt. Im Vergleich zur Gesamtzahl der Schüler höherer Lehranstalten in Bayern steht die jüdische Quote — abgesehen von den Ordens- und Missionsschulen — durchwegs über dem jüdischen Bevölkerungsanteil: Jüdische Schüler an höheren Schulen Art der Schulen Mädchenlyzeen Realschulen Oberrealschulen Humanistische Gymnasien Realgymnasien Höhere Mädchenschulen Lehrerbildungsanstalten Progymnasien Mädchenmittelschulen Lateinschulen Ordens- und Missionsschulen Sonstige absolut o. 100 der Gesamtzahl in Bayern 757 5.4 436 2,5 309 1,8 303 1,6 241 7,6 192 1,6 60 3.9 52 2,3 15 0.7 10 2.3 1 0,2 22 3,3 Auch unter den Hochschul st udierenden finden sich mehr Juden als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht, doch ist hier der jüdische Einschlag — absolut wie anteilsmäßig — fortgesetzt im Rückgang begriffen': 4 Ob das gleiche auch hinsichtlich der höheren Schulen zuttifft, entzieht sich mangels entsprechender zeitlicher Vergleichsdaten der Kenntnis. Jüdische Hochschulstudierende Semester absolut v. 100 der Gesamtzahl in Bayern Winter 1913/14 1018 7,1 Sommer 1914 960 6,8 Winter 1927/28 394 2,2 Sommer 1928 487 2,6 Winter 1928/29 436 2,3 Sommer 1929 441 2,3 Vergleicht man die Sommersemester 1914 und 1929, so ergibt sich eine Abnahme der jüdischen Studierenden um 519 oder 54,1 Prozent. Hierbei war der Rückgang relativ am ausgiebigsten bei den technischen Hochschulen und bei der Akademie der bildenden Künste, während die — von Juden nach wie vor freilich wenig besuchte — Akademie der Tonkunst sowie die — inzwischen mit der Technischen Hochschule München vereinigte — Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan eine Zunahme der Frequenz aufweisen: Jüdische Studierende Zuod. Abnahme (—) Art der Hochschulen Sommer- Sommer- 1914—1929 semester 1929 semester1914 absolut ~ Universitäten Technische Hochschule Hochschule für Brauerei und Landwirtschaft Handelshochschule Nürnberg Akademie d. bildenden Künste Akademie der Tonkunst 395 29 788 151 -122 — 49,9 — 420,7 5 2 3 150,0 3 — — — 1 14 —13 — 92,9 8 4 4 100,0 Als Studienfächer der Universitäten werden von den Juden allgemeine Medizin sowie Zahnheilkunde und Rechts- und Staatswissenschaft bevorzugt, ferner noch Kunstgeschichte, Volkswirtschaftslehre und neuere Sprachen. Dort ergab sich im Sommersemester 1929 folgende Freguenz: Jüdische Universitätsstudierende Studienfach absolut v. 100 der Gesamtzahl Allgemeine Medizin 146 Rechtsu. Staatswissenschaft 108 Zahnheilkunde 41 Kunstgeschichte 17 Volkswirtschaftslehre 16 Neue Sprachen 13 in Bayern 4,8 3.5 4.4 13,3 3,0 3,3 Der Rückgang des jüdischen Hochschulstudiums macht sich jedoch nur beim männlichen Geschlecht geltend, während das jüdische Frauenstudium zugenommen hat: Weibliche jüdische Universitätsstudierende Semester absolut o. 100 der Gesamtzahl in Bayern Winter 1913/14 90 17,6 Sommer 1914 60. 11,1 Winter 1927/28 72 5.4 Sommer 1928 89 5,7 Winter 1928/29 82 5,1 Sommer 1929 97 5,4 Dementsprechend hat sich der Anteil des weiblichen Elements innerhalb der jüdischen Unioersitätsstudierenden von rund einem Zehntel in der Vorkriegszeit auf rund ein Viertel erhöht, während im ganzen die Quote des Frauenstudiums nur 13—14 Prozent beträgt. Dr. Ph. Schwartz. 5lus der Semeinde München Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde, Winter 1930 I. Rabbiner Dr. Ehrenlreu: Entstehung und Entwicklung der hebräischen Schriftlichen (mit Lichtbildern). Dienstag, 2 5. November, 2. Dezember, 9. Dezember 1930, 20.30—21.30 Uhr. Es ist beabsichtigt, unter Hinweis auf die althebräischen und altaramäischen Schriftdenkmäler (u. a. auf die neu entdeckten und von Grimme gedeuteten Sinai-Inschriften) und vor allem auf Grund der in der biblischen und talmudischen Literatur enthaltenen Angaben die verschiedenen Schriftarten der Konsonantenzeichen aufzuzeigen und die Fragen ihrer Beziehungen zu einander zu beleuchten. Ferner soll unter Hinweis auf Bibelhandschriften die vermutliche Entstehung und Entwicklung der hebräischen Vokalisationssysteme erörtert werden. II. Dr. Raphael Straus: Der Rationalismus der Völker und die Juden. Mittwoch, 5., 12. und 19. November 1930, 21.15 bis 22 Uhr. Die neue Form des Nationalismus äußert sich im 19. Jahrhundert in seiner Selbstbewußtwerdung und in seinem Angriffsbedürfnis

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