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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1930-10-15 · 9 (15.10.1930) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1930
Issue
9 (15.10.1930)
Article
50 Jahre jüdischer Lehrerverein : Auszug aus dem für die Jubiläumsfeier vorgesehenen, aus Zeitmangel unterlassenen Festvortrag des 1. Vorsitzenden
Date
1930-10-15
Page
Seite 18 (sequence 1)
Language
German
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WteilimM öes JüDifrtien Lehren« ereins für Wem S ch r i f t l e i t u n g: Max Adler, München 1930 München, 15. Oktober Nr. 9 50 7ahre jüdischer Lehrerverein Auszug aus dem für die Jubiläumsfeier vorgesehenen, aus Zeitmangel unterlassenen Festvortrag des 1. Vorsitzenden 12 nnnttoi 'n nwy □ vn m Diesen Tag hat uns der Herr gegeben; laßt uns frohlocken und fröhlich an ihm sein! Mit diesem Worte des königlichen Sängers begann am 17. Juli 1905 anläßlich unseres 25jährigen Vereinsjubiläums der uns leider vor Jahresfrist entrissene, langjährige Führer und spätere Ehrenvorsitzende des Vereins Hirsch Gold st ein seine Festrede im Alhambrasaale, hier. Wenn ich dasselbe Psalmwort zum Ausgangspunkte nehme, so liegt dem ein doppeltes zugrunde. Wie damals so erhebt sich auch heute, und heute erst recht, unser Herz zum Throne des Schöpfers und in demütiger Erkenntnis der Hinfälligkeit und Unzulänglichkeit alles Menschlichen, in dem Gedanken, daß alles Menschenwerk ohne den Segen des Himmels sich nicht entwickeln und gedeihen kann, schwingt sich die Seele empor zu Himmelshöhen, um dankerfüllten Herzens zu bekennen: ■pon umy xVl “pom unty run 2y Vis hierher hat uns Gottes Erbarmen geführt und seine Gnade hat uns nicht verlassen. Mit dem Hinweis auf das Jubeljahr vor 25 Jahren soll aber auch zugleich die Brücke geschlagen werden zur Vergangenheit. Denn was anders ist der Sinn unseres heutigen Festes, als daß die Tage von ehedem wieder lebendig in uns werden, als daß wir mit dem Zauberstabe der Erinnerung all das wachrufen, was in unserer Vereinigung an Kräften sich regte, was hier Wurzel schlug und zur Reife zu drängen suchte. Möchten wir nicht glauben, daß der Zeiger der Zeit nun stille steht, der Sand im Stundenglas zu rinnen aufhört, daß das Treiben und Hasten des Tages verstummt, um den Erinnerungsbildern, die diese festliche Stunde hereinträgt, offenen Eingang in unsere Seelen zu gewähren. Wir befinden uns auf jüdischem Mutterboden, wenn wir so ein Fest der Erinnerung, des Gedenkens begehen. Mit gebieterischer Kraft treten Lehre und Schrift in vielfachen Wendungen und Beziehungen mit dem Worte „Gedenke" an uns heran und kaum weniger oft stellt sich warnend und drohend das Mahnwort riDtrn uh „Vergiß nicht" dem „Gedenke" zur Seite. So dürfen und wollen wir in dieser Weihestunde versuchen, die Bedeutung der Erinnerung, wenn auch nicht erschöpfend, so doch in drei charakteristischen Zügen uns klar zu machen. Erinnern heißt: sich vergegenwärtigen; erinnern heißt: vergleichen; erinnern bedeutet: Kraft sammeln für die Zukunft. Es ist nicht möglich, hier die ganze Geschichte des Vereins zu vergegenwärtigen. Ich verweise auf die Festnummer der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung, in der ich in gedrängter Form diese Geschichte dargestellt habe; ich verweise ferner auf die Festschrift, die die Vereinstätigkeit in den letzten fünfundzwanzig Jahren schildert. Es bleibt einer besseren Zukunft Vorbehalten, die frühere Geschichte durch Neudruck der zum silbernen Vereinsjubiläum herausgegebenen Festschrift den jüngeren Vereinsmitgliedern zugänglich zu machen. Bewegten Herzens gedenken wir in dieser Stunde zunächst derer, die den Grund gelegt haben zu unserem Verein, wie jener Männer, die in führender Stelle Stein um Steiy gefügt haben zu dem Bau, in dem wir uns heute so traulich fühlen. So gedenken wir eines Nathan E s ch w e g e, des geistigen Vaters des Vereins, wir gedenken eines Ludwig Sterg, Isaak Schlenker, Hirsch Goldstein und Simon Dingfelder. Tief eingegraben sind diese Namen in der Tafel unserer Herzen, unvergeßlich bleibt das Wirken dieser Männer für alle Zeiten in unserer Mitte. Wir gedenken ferner eines Dr. Moses Braunschweig e r, der dreißig Jahre lang in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und unermüdlichem Fleiße die Kassengeschäfte des Vereins geführt hat. wie wir mit gleicher Herzlichkeit seinem nicht minder treuen und gewissenhaften Nachfolger in diesem verantwortungsvollen Amte, Abraham Frank, ein Blatt der Erinnerung weihen. Mit tiefer Wehmut gedenken wir unserer im Felde gefallenen jungen Freunde. Wir haben den zwanzig Kollegen, die ihr blühendes Leben für das Vaterland geopfert haben, im Vorraum der hiesigen Seminarsynagoge vor zwei Jahren ein Ehrendenkmal, geschaffen von der Künstlerhand Arnold Zadikows, errichtet. In dieser Stunde gedenken wir auch, um in den Worten des Gebetes zu sprechen, Q’p’Tirn DHty'm D'O'önn hl aller, die still und schlicht, unbeachtet von der großen Öffentlichkeit, ihre oft so schwere Pflicht erfüllt haben; sie alle, alle bleiben unserem Herzen ewig nahe. Fortsetzung folgt. Salomon Eisemann h1', Würzburg | Unbarmherzig hält der Tod reiche Ernte in den Reihen der bayerischen jüdischen Lehrer. Nach Marx, Gutmann, Wolf, Nußbaum, Rosenblatt aufs neue ein schwerer, schmerzlicher Verlust. Am 1. Elul, dem Tage, an welchem Bayerns jüdische Lehrer zur Fünszigjahresfeier des „Jüdischen Lehrervereins" versammelt waren, hauchte nach schwerem Krankenlager, in fast vollendetem 70. Lebensjahr Solomon Eisemann h1' seine fromme Seele aus. Die unerwartete Kunde von dem Tode dieses Edelmenschen löste in allen Herzen des großen Freundes- und Bekanntenkreises und besonders bei den zum Feste versammelten Amtsgenossen, die um eben diese Stunde sich zur Rückfahrt in die Heimat rüsteten, tiefe Trauer und Wehmut aus. Mit Salomon Eisemann hat ein seltenes Leben geendet, hat eine starke, charaktervolle Persönlichkeit ihre Vollendung gesunden. Kluger Sinn, reiche Menschenliebe, Güte, Vornehmheit und Milde zeichneten diesen schlichten, allzu bescheidenen Mann aus. Tiefe Frömmigkeit, die innerster Überzeugung entquoll, beseelte ihn und stellte all sein Tun und Lassen in den Dienst des Höchsten. Sein Haus war ein Tempel, in dem alle diese Tugenden ihren Segen ausstrahlten, so daß reinstes Familienglück blühte, das in der 42 Jahre währenden Ehegemeinschaft niemals auch nur durch die leiseste Dissonanz getrübt wurde und in dem die Kinder zu wahren Juden und Menschen heranwuchsen. Salomon Eisemann gehörte zu jenen adeligen Naturen, die nicht nur mit dem zahlen, was sie leisten, sondern auch mit dem, was sie sind. Sein bescheidenes, zurückhaltendes Wesen, das allem Äußern und Scheinenwollen abhold war, ließ nur wenig Außenstehende ahnen, welch edles Herz und welch hoher Geist in diesem Manne, der, wie es von Mose heißt: 2X2 l’jy r’X war wohnten. Sein allzu früher Heimgang bedeutet denn auch einen schweren Verlust nicht nur für die trauernd Hinterbliebenen, für Verwandte und Freunde, sondern auch für die Kultusgemeinde Würzburg, derer seine vielfachen Kenntnisse in mannigfachen Dienstleistungn zur Verfügung stellte, sowie fiir den „Jüdischen Lehrerverein Bayerns" und die Bezirkskonferenz seines Wohnortes. Salomon Eisemann h1 * wurde am 29. November 18-60 zu Stembach (Unterst.) geboren. Seine Wiege stand in einem alt-jüdischen Lehrerhause. Die Eindrücke des Elternhauses und der Unterricht des gelehrten Vaters bildeten eine gute und geeignete Vorbildung für den zukünftigen Beruf. In der Präparandenschule Höchberg und im Würzburger Seminar gehörte er zu den befähigsten Schülern. Sein Lehrerexamen und die Anstellungsprüfung für den Staatsdienst hatte er mit „sehr gutem Erfolge" bestanden, so daß er wohlvorbereitet die Religionslehrerstelle Haßfurt übernehmen konnte. Schon nach siebenjähriger Tätigkeit als Religionslehrer wurde der Verblichene durch die Regierung von Unterstanken an die Volksschullehrerstelle Westheim bei Hammelburg berufen. Die Berufung an eine staatliche Volks-

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