Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1930
- Issue
- 8 (1.10.1930)
- Article
- Die Jubiläumstagung des jüdischen Lehrervereins in Würzburg am 24. und 25. August 1930
- Date
- 1930-10-01
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- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mitteilungen Des luöifrtien Leheerveeeius für öapern Schriftleitung: Max Adler, München 1930 München, 1. Oktober Nr. 8 vie ludNäumstagung des jüdischen Lehrervereins in iVürzdurg am 24. und 2S.NugusiiS3v Um es vorweg zu sagen — alles hat vorzüglich geklappt. Der glanzvolle Verlauf der Jubiläumstagung 1930 hat sich unauslöschlich in die Herzen aller Teilnehmer eingeprägt. Unser Dank zunächst der gesamten Verwaltung für ihre unermüdliche Vorarbeit, inbesondere aber unserem Hellmann, der durch seine umsichtige Regie den Hauptanteil an dem prachtvollen Gelingen für sich in Anspruch nehmen darf. Unser Dank aber auch allen, die sich opferfreudig in den Dienst der edlen Sache stellten und zu dem vollen Erfolg unserer Veranstaltung beigetragen haben. In den Räumen des Platz'schen Gartens durch die Künsterhand Berlingers (Schweinfurt) sinnvoll bewillkommt, trafen sich am Sonntag, dem 24. Slug., über 150 Kollegen zur Jubiläumsversammlung, die durch die Anwesenheit einiger Gründungsmitglieder und des 3. Vorstandes des Reichsverbandes Jüdischer Lehrervereine, Steinhardt (Magdeburg) eine besondere Note erhielt. Der Geschäftsbericht des Vorsitzenden, eingeleitet durch ein weihevolles Gedenken der im vergangenen Jahre verstorbenen Kollegen, und der Bericht des Kassiers legten beredtes Zeugnis ab von der rastlosen Jahresarbeit der Verwaltung zum Wohle der jüdischen Lehrerschaft Bayerns, die nach wie vor vertrauensvoll zu ihren Vertretern emporblicken kann. Zahlreicher Beifall bekundete das Einverständnis der Lehrerschaft mit der Tätigkeit der Verwaltung und insbesondere bei unseren Gründungsmitgliedern — durch Beschluß der Versammlung nunmehr Ehrenmitgliedern — lösten die Berichte freudiges Erstaunen aus, zeigten sie doch, wie sich die min ’p’irmi man vor 50 Jahren zu einer machtvollen Körperschaft heranentwickelte und wie gewaltig sich der Aufgabenkreis des Lehrervereins im Verlauf von 50 Jahren erweitert hat- Freilich fehlte es auch nicht an Kritik und Auseinandersetzungen, die zuweilen recht stürmisch zu werden drohten, doch zeitigten sie nur Klarheit über besonders beunruhigende Punkte und beeinträchtigten nicht im mindesten das günstige Bild der Versammlung über die Tätigkeit der Verwaltung. Ihr wurde volle Entlastung erteilt. Der vorgerückte Zeitpunkt (angezeigt durch den Donnerruf Hellmanns, der die im Chor mitwirkenden Kollegen zur Probe einlud) erlaubte nicht, daß alle Punkte der Tagesordnung erledigt wurden. Die Beratung mußte auf den folgenden Tag nach dem offiziellen Festakt vertagt werden. Gehobener Stimmung unter den Klängen des minV nimo aus dem Hintergründe (den Hellmann mit seinem Chor allerdings nur probte), ging man auseinander, um sich nach kurzer Zeit beim geselligen Familienabend wieder zu treffen. Die festlich erleuchteten Räume des Platz'schen Gartens konnten die zahlreich erschienenen Gäste kaum fassen. Lange vor Beginn waren sie überfüllt und wer nicht zeitig einen „Agenten" mit Platzbeschaffung beauftragt hatte, konnte sehen, wo er unterkam. Man sah neben den Kollegen und ihren Angehörigen auch viel Würzburger Gäste, neben dem greisen im Dienst ergrauten Mitglieds, den erst werdenden Lehrer, neben ehrsamen jüdischen Lehrersfrauen. Bubiköpfe jüdischer Lehrerstöchter in duftigem Gewände. Sie alle wollten freudig mit uns den Ehrentag unseres Vereins, sein 50. Wiegenfest, begehen. Eindrucksvoll begrüßte Kollege Marx (Rothenburg) mit einem von Mannheimer (Dettelbach) verfaßten Prologe die erschienenen Gäste. Die ruhmvolle Entwicklungsgeschichte des Jüdischen Lehrervereins wurde uns da in Versen erzählt. Wir wurden im Geiste zurückgeführt in die Zeit seiner Gründung, wo wackere Kollegen die bittere Notwendigkeit des Zusammenschlusses erkannten, wir erlebten seine ruhmvolle Aufwärtsentwicklung, geknüpft an das Wirken bedeutender Männer, wir hörten von Kampf und Not in Krieg und Inflation und ein Gefühl der Bewunderung und des Stolzes erfaßte uns über so viel Opferfreudigkeit und selbstlose Hingabe für die Ideale einer Gemeinschaft, wie sie uns aus dem geschilderten Wirken der Früheren und auch der Gegenwärtigen entgegenleuchteten. Reicher Beifall dankte dem Verfasser und dem Vortragenden für ihre wohlgelungene Leistung. Herzlich gehalten war die Begrüßungsansprache von Studiendirektor Stall. In gewohnt meisterhafter Weise legte er die innige Verbundenheit des Jüdischen Lehrervereins mit der Lehrerbildungsanstalt Würzburg dar, die begründet ist 1. in dem gemeinsamen Streben nach allseitiger Förderung der einzelnen Lehrerpersönlichkeit und Hebung des Lehrerstandes, 2. in der Tatsache, daß die Initiative zur Gründung des Lehrervereins ausging von Männern, die zum Teil in der Lehrerbildung tätig waren (Eschwege, Schlenker, Unna); 3. darin, daß viele seiner Mitglieder ihre Ausbildung an genannter Stätte erhielten. Die begeisterte und begeisternde Ansprache wurde mit großem Beifall ausgenommen. Nun folgte eine Reihe musikalischer Darbietungen, die sämtlich auf beachtenswerter künstlerischer Höhe standen. Die Künstler ernteten großen Beifall, als Anerkennung wurde ihnen von Kollegen Hellmann. dem verdienstvollen Regisseur des Abends, eine Blumenspende überreicht. In den eingelegten Pausen gab es reichlich Gelegenheit zur geselligen Unterhaltung. Freundschaften wurden aufgefrischt, da und dort ein Wiedersehen nach langer Zeit freudig begossen, Studien- und Berufserlebnisse ausgetauscht — eine festlich gehobene Stimmung herrschte im Saale, eine reine ungetrübte nno^, die auch im Bilde festgehalten wurde. Lange noch klang die Festesstimmung in den Gemütern der Teilnehmer nach, froh gestimmten Gruppen (jüngeren Datums;) konnte man noch um 2 Uhr (nachts) in den Straßen Würzburgs begegnen. Den Höhepunkt der Jubiläumstagung bildete der offizielle Festakt am Montag, dem 25. August. Voraus ging die Gründungsversammlung der „ehemaligen Würzburger", einer Vereinigung mit dem edlen Ziel die Erinnerung an die Alma mater zu pflegen und zu ihrer Festigung und ihrem Ausbau nach Kräften oeizutragen. Eingeleitet durch das machtvolle 7! des Jubiläumschors nahm der Festakt einen überaus glanzvollen Verlauf. Vertreter der Regierung, des Verbandes, der Stadt- und Kultusgemeinde Würzburg, der Rabbinerkonferenz, der Lehrerbildungsanstalten, des Bayerischen Volksschullehrer-Vereins, des Reichsverbandes Jüdischer Lehrervereine und vieler Brudervereine nahmen das Wort zu Sympathiekundgebungen, aus denen aufrichtige Freude über die ruhmvolle Entwicklung des Jüdischen Lehrervereins klang. Sie entbehrten manchmal nicht der Rückschau auf vergangene Zeiten, die die Festesfreude etwas zu trüben geeignet war, aber auch nicht humorvoller Ausblicke auf die Zukunft. die den freudigen Ernst der Feierstunde etwas lockerten. Die vorgeschrittene Zeit erforderte abermals eine Kürzung des Programms. Der 1. Vorsitzende, Rosenfeld, verzichtete auf seinen Vortrag und auch der Festredner mußte sich in seiner groß angelegten Rede auf das Wesentliche beschränken. Mit dem klangvollen Vortrag des Psalm 150 durch den Jubiläumschor fand die erhebende Feier ihren Abschluß. — ein weihevolles Erlebnis für alle, die an ihr teilgenommen haben. Es schloß sich in Ergänzung der vortägigen Mitgliederversammlung ein kurzes Referat über den letzten Punkt der Tagesordnung an, der aber mangels Verhandlungsstimmung zu keinem Resultate kam und die nächstjährige Mitgliederversammlung nochmals beschäftigen mutz. Des weiteren fand statt eine Besichtigung der neuen im Bau begriffenen Lehrerbildungsanstalt unter erläuternder Führung von Studiendirektor Stoll. Aus der Mitte der Teilnehmer wurde dabei der Wunsch laut, nochmals Seminarist fein zu können — das sagt genug.... Nun sollte endlich auch der Magen, der bereits zu revoltieren begann, zu seinem Rechte kommen. Ein schmackhaftes Festmahl vereinigte nochmals viele Tagungsteilnehmer zu reiner Festesfreude. Gewürzt durch ein sinnvolles Tischlied und launige Reden, in denen unter anderem auch den Frauen für chre Anteilnahme an der Entwicklung des Lehrervereins das wohlverdiente Lob ausgesprochen wurde löste es bei allen eine fröhliche Stimmung aus, die auch das Abschiednehmen leicht machte. Allseits der Wunsch: „Auf gesundes Wiedersehen im nächsten Jahre." Wo?.... S. Leopold Gutmann, Moses Nutzbaum, Salomon Eisemann. Ahron Rosenblatt. Baruch Wolf, In den letzten Wochen hat der Tod schwere Lücken in unsere Reihen gerissen. Wir beklagen den Heimgang von fünf lieben Kollegen, die unserem Verein seit vielen Jahren angehört haben. Leider verbietet uns der Raum das Leben und Wirken dieser Treuen eingehend zu würdigen. Wir lassen daher nur die uns von Freundeshänden überreichten Abschiedsworte folgen.