Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 19 (1.10.1930)
- Article
- Die neue Synagoge Prinzregentenstraße in Berlin
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 304 (sequence 1)
- Language
- German
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304 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 vie neue Synagoge prinzregenlenstratze in Berlin Am 16. September wurde in Berlin die Gemeindesynagoge Prinzregentenstraße feierlich eingeweiht. — Bor einer zahlreich versammelten Gemeinde, in Anwesenheit der Vertreter des Gemeindevorstandes und des Landesverbandes sowie aller liberaler Gemeinderabbiner begann die durch Orgelspiel eingelePete Weihestunde mit der Übergabe der Schlüssel durch den Erbauer des neuen Gotteshauses, Herrn Regierungsbaumeister Beer, an die Gemeinde. Durch das Anzünden des Ewigen Lichts und das feierliche Hereintragen der Thorarollen .■Eö „ -n nur i rr» ili Sr durch die Rabbiner wurde das neue Haus vollends seiner heiligen Bestimmung geweiht. Festansprachen der Rabbiner Dr. Bergmann und Dr. Baeck sowie Orgelspiel und herrlicher Gesang des Vorbeters Gollanin und des Synagogenchores gestalteten diese Einweihung zu einer wahren Feierstunde. Der Bau der Synagoge war schon lange geplant. Allein die allgemeine ungünstige Zeitlage hatte es nicht vor Sommer 1928 gestattet, an die Ausführung zu gehen. Der Entwurf stammt von Regierungsbaumeister Alexander Beer und wurde im April 1928 von der Gemeinde genehmigt. Die äußere Erscheinung der Synagoge, eines Baues aus rötlichem Klinker, wird erst dann vollkommen zu werten sein, wenn die im Straßenzuge liegende Front direkt an Nebengebäude gebunden sein wird; heute liegen noch zu beiden Seiten die Bauterrains brach. Aber auch jetzt schon empfindet man die Macht der an sich schlichten, nur durch die Aufteilung wirkenden Fassade. Der kubische Mitteltrakt, durch hohe, schlanke Bogenstellung zur Vorhalle in die Tiefe führend, erhält seinen oberen Akzent durch die vom Giebel gekrönte quadratische Mauerfläche, die eine Rose mit dem Mögen Dowid schmückt. Die dominierende Stellung dieser Frontmitte klingt rechts und links in dreigeschossigen Seitenteilen ab, in denen u. a. Trausaal und Wochentagssynagoge untergebracht sind. Für den Synagogenbau im ganzen ist in konstruktiver Hinsicht am meisten seine Grundform hervorzuheben: der Vetraum ist als kreisrunder Zentralbau geschaffen, der im Parterre und in den frei in den Raum hineinragenden Emporen zusammen 2000 Sitzplätze bietet. Eine riesige Kuppel von 30 m Durchmesser überwölbt den Kultraum, womit der größte Kuppelbau Berlins geschaffen ist. Der Architekt wurde zu einer solchen Raumdisposition dadurch bestimmt, daß Gemeindegebet, Thoravorlesung und Predigt die goliensdienstliche Handlung bilden, und eine Teilnahme am Gottesdienst allen Besuchern nur bei dieser Grundrißbildung möglich gemacht wird, bei der man von allen Plätzen aus den Almemor sehen kann. Daß auch für eine glänzende Akustik genügend Sorge getragen ist, konnte man schon bei dem Cinweihungsgottesdienst feststellen. Wie für die Außenansicht die Wirkung durch klare Massengliederung erstrebt ist, so sollte auch die Wirkung des Jnnenraums im wesentlichen in der großartigen Raumdisposition liegen, während sich die Dekoration nur in schlichten Formen ausspricht. Marmor wurde lediglich für den Almemor und den Oraun-Hakodesch verwendet, die beide in dem rötlichen Ton des Gesteins und ihren großen, ruhigen, kubischen Formen an Romanisches gemahnen. In sehr geschickter Anordnung ist der Oraun-Hakodesch mit der Sängertribüne verbunden, der der mächtige Orgelbau übergeordnet ist, so daß sich eine harmonische Zusammenwirkung dieser Glieder ergibt. Diese einheitliche Wirkung unterstützen noch die Leuchtkörper, die zu je fünf rechts und links von der Heiligen Lade kerzenförmig aufstreben und dadurch schon auf die.Form der Orgelpfeifen hinführen. — Bemerkenswert sind ferner die langgestreckten Fenster, die in ihrer gelblichen Kunstverglasung, in die ornamental Menorah, Mögen Dowid und Gesetzestafeln eingefügt find, das einfallende Licht warm dämpfen und dem ganzen Raum zu einer weihevollen Stimmung verhelfen. Auch die Kuppel- und Wandbemalung sowohl im Hauptraum wie in Vorhalle, Aufgängen und Nebenräumen tragen in ihrer modern linearen Ornamentik der Bestimmung des Baues Rechnung. Außer der Zentralanlage hat die Synagoge Prinzregentenstraße noch eine zweite besondere Neuerung für einen Synagogenbau erfahren. Durch einen eisernen, im Boden versenkbaren Vorhang ist die Apsis mit dem Oraun-Hakodesch vom Betraum zu trennen, wodurch die Möglichkeit geschaffen ist, diesen auch für profane Zwecke Vorträge oder Versammlungen zu benützen. Hiermit scheint ein alter Sinn der Synagoge wieder ausgenommen zu sein, nämlich das Bethaus gleichzeitig auch als Lehrstätte und Versammlungsraum der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Dieser neue Synagogenbau Alexander Beers als künstlerisches Ganzes genommen zeigt deutlich, daß man auch für ein Gotteshaus Formen unserer Zeit nehmen und unsere heutige Baugesinnung zum Ausdruck bringen kann, dabei aber doch dem besonderen Zweck dieses Kultbaues gerecht zu werden vermag. Dr. Lotte Pulvermacher. n o M ft CSnnilowIrlaeGO Münchener Gaststätten die aUUliKrKIaSat: Pärstenstr. 2/Tel.27313 Odeon ■■■■HIHIHI N ä c Bietet Ihnen das Beste an Küche u. Keller zu mäßigen Preisen. C|(|f|||fjirllß' Lieferung unserer SpeulUUInllllllu zialitäten und komplette Menu in jeder-Preislage frei Haus. Aparte Gesellschaftsräume f,Sitzungenu.Festlichkeit. IHcker-Bnrian, zwei Wiener Künstler, täglich abends hall) 8 Uhr. 5371