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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-09-15 · 18 (15.9.1930) · p. Seite 290

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
18 (15.9.1930)
Article
Reichstagswahl am 14. September
Date
1930-09-15
Page
Seite 290 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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292 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 Re ich s tag s W a hI am 14. September Zu den bevorstehenden Wahlen sind der Schriftleitung zahlreiche Zuschriften, namentlich aus den Kreisen des Central-Vereins, zugegangen. Alle Stimmen laufen auf eine dringende Forderung hinaus: Jeder gehe zur Wahl! Mehr ist eigentlich hier nicht zu sagen. Denn es muß jedem einzelnen überlasten bleiben, nach seiner politischen Überzeugung die sozialdemokatische Partei, die deutsche Staatspartei, das Zentrum (bei uns die bayerische Volkspartei), die deutsche Volkspartei oder eine andere Partei zu wählen, außer den beiden programmatisch antisemitischen Parteien, der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei oder der Deutschnationalen Volkspartei. Wir geben hier die Hauptsätze wieder, die sich dem Sinne nach in allen Zuschriften an uns wiederholen: „Der jüdische Mann und die jüdische Frau, die am 14. September von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen, verabsäumen nicht nur ihre Pflicht gegenüber dem Vaterland, dessen Geschick durch die Gesinnung des Volkes, die sich im Wahlzettel manifestiert, entschieden wird. Sie verabsäumen nicht nur ihre Pflicht gegenüber der deutschen Iudenheit, die am 14. September als wirtschaftliche, soziale und religiöse Gruppe einen Kampf auf Leben und Tod mit ihren unerbittlichen Gegnern führt. Sie verabsäumen und verletzen auch das einfache Gebot der Vernunft, von dem elementarsten und wichtigsten Recht, das jeder Staatsbürger in Deutschland besitzt, d. h. vom aktiven Wahlrecht, s o Gebrauch zu machen, daß auf Grund ihrer Stimmabgabe eine gegnerische Stimme, die die jüdischen Existenzgrundlagen vernichten will, aufgehoben und unwirksam gemacht wird. Das ist die billigste Forderung im wohlverstandenen und eigensten persönlichen Interesse, im Interesse der Selbfterhaltung, eine Forderung, die man an alle jüdischen Bürger des deutschen Staates richten kann und richten muß: Wählt, damit durch eure Stimme wenigstens eine Stimme des Feindes paralysiert wird! Und wählt, damit der größtmögliche Erfolg derjenigen Parteien gesichert wird, die eure Rechte nicht schmähen und die die Gleichberechtigung aller Bürger verteidigen!" Gedenke der Wahlpflicht am 14. September! Deine Stimmenthaltung stärkt den Feind! Stärkt den Wahlfonds desC.-V. Wahlkampfausschuß 1930 des Central «Vereins in Verbindung mit anderen Organisationen Karl Adler Sanitätsrat Dr. Baron J.-R. Dr. Heilbronner Fritz Kaufmann Dr. Siegfried Kessler R.-A. Levinger Justin Lichtenauer Bernhard Lustig Sigmund Weil R.-A. Dr. Alfred Werner Max Wilmersdörfer

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