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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-09-15 · 18 (15.9.1930) · p. Seite 287

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
18 (15.9.1930)
Article
Vorwort zur Prager Selichothausgabe vom Jahre 1602 : buchstabengetreue Transkription aus der hebräischen Schrift
Date
1930-09-15
Page
Seite 287 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 289 Vorwort zur Prager SeUchothausgabe vom lahre 1602 Buchstabengekreue Transfkripkion aus der hebräischen Schrift SeNchaus in Teikschen Kumt her ir frumi Weiber. hert zu mir Druker un Schreiber. es Hot sich tun sign. das ich hob gesehn lange Zeit lign. die teitschn Selichaus verteitfcht gar hipfch und sein. das do Hot verteitfcht der Zadik rein. Sein Namen is unter den Leitn wohl bekannt. frum Rabbi Jakob bar Eliahu halevi von Teplitz war er genannt. Derhalben laßt enk das Geld nit verdriesn. sein Sechus soln mir zu Lon genisn. den sein Kewone is l'schem Schomaim giwesn. Vor Leit die nit oerstenen in iwri was zu lesen. es darfn sichs Manen und Weiber nit fchemen. un megn selche Selichaus vor sich nemen. sie wern verstehn was sie betn. wie sie ire sind bekenen das sie es nimmer teten. un die Tefiloh wert gen in Herzen. so wert enk Gott jisborach behiten vor Schmerzen. un di Tefiloh wert gehert zu hant. un wern gefirt in heiligen Land. selches tu ich betn Nacht un Tag. Chanoch Schames in der Altneischul zu Kehilloh Kedauschoh Prag, nidfas pau kehilloh kedauschoh Prag habiroh. tachas Memfcheles adaueinu hakeiiar Rudolf jorum haudau. haiaum jaum wov beis rasch chauoesch Adar Schin samach beis Nfrat kataun. Übersetzung Kommt her, ihr frommen Weiber, hört zu mir, Drucker und Schreiber! es hat sich gefügt, daß ich lange Zeit schon liegen sah, die deutschen Bußgebete verdeutscht gar hübsch und fein, die verdeutscht hat der Gerechte rein. Sein Name ist unter den Leuten wohlbekannt, Rabbi Jakob bar Eliahu halevi von Teplitz war er genannt, Laßt Euch deshalb das Geld nicht verdrießen, sein Verdienst werden wir zu Lohn genießen, denn seine Absicht ist um Gotteswillen gewesen Für Leute, die nicht hebräisch verstehen etwas zu lesen, Männer und Frauen brauchen sich nicht schämen. Sie sollen solche Selichaus vor sich nehmen, dann werden sie verstehen, was sie beten, wie sie ihre Sünden bekennen und diese nimmer täten. Das Gebet wird gehen zu Herzen so wird Euch der gelobte Gott behüten vor Schmerzen. Das Gebet wird gehört sofort. Wir werden geführt ins Heilige Land! Solches bete ich Nacht und Tag. Chanoch, Synagogendiener in der Altneuschul der heiligen Gemeinde Prag. Gedruckt hier in der heiligen Gemeinde der Hauptstadt Prag. Unter der Herrschaft unsres Herrn, des Kaisers Rudolf, sein Glanz möge erhoben werden. Freitag, 2. Neumond Tag Adar 5362, nach der gewöhnlichen Zeitrechnung (22. Februar 1602). Zwei wichtige Dokumente des orthodoxen und liberalen Judentums der neuesten Zeit Die Predigten von Salomon Breuer. — Die liberalen Rabbiner zu den Fragen des jüdischen Ehegesetzes nvivi nvvn Belehrung und Mahnung. Aus nachgelassenen Schriften von Rabbiner Dr. Salomon Breuer. Erster Teil. Genesis. Frankfurt (Kauffmann) 1930. Fragen des Jüdischen Ehegesehes. Stenographischer Bericht der Verhandlungen der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands zu Berlin am 22.. Mai 1929. Frankfurt (Kauffmann) 1930. I. Breuer Der anspruchsvolle Titel „Chochma ummussar", Weisheit und Zucht (nach Mischle I, 2) stammt von den Söhnen des verstorbenen Frankfurter orthodoxen Rabbiners Salomon Breuer. Das Wichtige, weit über den Tag hinaus Dokumentarische an diesen Predigten zu den einzelnen Wochenabschnitten des ersten Buch MoseS ist, daß hier ein berühmter repräsentativer Vertreter des gesetzestreuen Judentums strenger Observanz sich authentisch äußert. Die Worte der Bibel sind für Breuer der Nahmen für sein unbeugsames und schroffes Bekenntnis zu einer restlosen Erfüllung des Schulchan-Aruch und zu einer jüdischen Gemeindepolitik, die die Einheitsgemeinde leidenschaftlich bekämpft. Ob es die Mahnung an die jüdische Frau gilt, „mit Stolz die Hülle zu tragen, an der das Gottesgesetz jüdische Frauen erkennen will, dieses Diadem nicht zu verschmähen oder auch nur zu halbieren" (S. 46) oder ob es darum geht, die Vertreter der „Richtlinien" des liberalen Judentums als „vollendete Reschoim in religiöser Beziehung" zu brandmarken (S. 91), immer muß das Bibelwort — unter Aufwendung des gleichen Pathos — Mahnung und Verfehmung decken, gewiß keine neue „Hermeneutik", keine neue Art der Bibeldeutung, aber immerhin ein den modernen Leser fremd anmutender Ton. Man kann sich wohl bei Beurteilung dieser Zeitdokumente der unbestechlichen Kritik Isaak Heinemanns aus dem letzten Heft der „Monatsschrift" anschließen: „Die Auswahl von Predigten aus dem Nachlaß des Nachfolgers S. R. Hirschs auf der Kanzel der Frankfurter ReligionSgesellschaft trägt technisch und inhaltlich eine durchaus eigene Note. Während Hirsch im Kulturleben seiner Zeit stand und den Fragen des von ihren Nöten ergriffenen Menschen durch eine höchst eigenartige, zum Teil eigenwillige symbolische Deutung des Gesetzes Rechnung zu tragen suchte, während er im unbewußten, aber durchaus nicht zufälligen Zusammentreffen mit christlichen Romantikern die Ethymologie zum Stützpunkt seiner gesamten Religionsanschauung nahm, arbeitet sein Nachfolger durchaus mit den Methoden des Maggidut, die er gelehrt und scharfsinnig handhabt, und zwar in dem Sinne, daß ein jeder, der von den religiösen oder auch nur von den politischen Grundsätzen der separatistischen Orthodoxie abweicht, kurzerhand als Vertreter der „Unwahrheit" und des „Verrats" gebrandmarkt wird. Man mag solche problemlose Menschen bedauern oder beneiden; jedenfalls ist es verdienstlich, daß ein Zeugnis ihrer Eigenart der Nachwelt erhalten bleibt."

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