Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 17 (1.9.1930)
- Article
- Zur Tagung des jüdischen Frauenbundes (Sommerschule) vom 7. - 9. September 1930 in Bad Dürkheim
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 276 (sequence 1)
- Language
- German
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276 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 Zur Tagung des Jüdischen Frauenbundes (Sommerschule) vom 7.-9. September 1930 in Bad Dürkheim Im Kurhaus zu Vad Dürkheim wird vom 7.—9. September d. I. die Sommerschule des Jüdischen Frauenbundes ihre Tagung abhalten und das Thema behandeln: Lebe nsgestaltung der Frau in Beruf und Ehe. Das einleitende Referat „Die Lebensgestaltung der Frau in der Anschauung des jüdischen Gesetzes" wird voraussichtlich Herr Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach) übernehmen. Referate folgen dann von Frau Dr. Dora Edinger (Frankfurt a. M.) über „die geschichtlichen und sozialen Vorbedingungen", von Frau Margarete S u s m a n (Frankfurt a. M.) über „die gegenwärtigen Verufsprobleme", von Frau Rechtsanwalt Dr. Margarete Bereut (Berlin) über „die gesetzlichen Grundlagen". An die Referate werden sich Aussprachen anschließen. Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß jetzt jüdische Frauen auch aus den Großgemeinden des Reiches in die Pfalz kommen werden. Sie werden dazu berufen sein, als die Gebenden sich zu erweisen und den Geist religiöser Erneuerung in unsere Pfalzgemeinden zu tragen. Möge der Tagung des jüdischen Frauenbundes ein harmonischer Verlauf und ein glückliches Ergebnis beschicken sein. Bezirk-srabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim. Jüdischer Gesangverein e. TS., München. Die Proben für unser neues Vereinsjahr beginnen am Dienstag, dem 2. September 1930, abends J49 Uhr im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Strahe 1. Wir bit-. ten unsere aktiven Mitglieder, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. A. H. lZücderschau Die Schrift. Bd. X. Das Buch Jeschajahu. Deutsch von Marlin Buber und Franz Rosenzweig. Berlin, I. Lambert Schneider. 278 S. Wenn man diesen zehnten Band der endgültigen Bibel aufschlägt, ist die erste Erschütterung, daß hier zum letztenmal ^ranz Rosenzweigs Name auf dem Titelblatt steht. Alle seine Bücher kamen aus edelster Gesinnung, aus hoher Geistigkeit, aus einem beseelten, nie mechanisiert gewesenen Gehirn. In seiner Bibel-Eindeutschung hat er sein Dichtertum bezeugt. Dieser große, lautere, immer schon irdisch erlöst gewesene Geist ist im Dezember 1929 völlig in das andere Reich eingegangen. Die herrlichen Gesänge dieses Bandes klingen wie ein Nachhall seiner Existenz. Deutlicher denn je wird es in diesem zehnten Band, daß diese Bibel gesungen werden kann, sie ist für das tönende Wort geschaffen. Textkritik zu üben kommt den Gelehrten zu, aber auch sie werden wohl statt zu kritisieren hier nichts als bewundern können. Kurt Münzer. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Schriftleitung Dr. Jacob Segall und I. Koralnik. Herausgegeben vom Büro für Statistik der Juden. 5. Jahrgang (Neue Folge) Nr. 1 und 2, Juli, August 1930. Es hat sich gezeigt, daß in weiten Kreisen des deutschen und ausländischen Judentums das Bedürfnis nach einem Organ, in welchem die statistischen und demologischen Verhältnisse der Juden in objektiver Weise zur Darstellung gelangen, sehr rege ist. Gerade die Nachkriegszeit hat die Aktualität zahlreicher Probleme auf dem Gebiete der Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Kulturstatistik deutlich geniacht. Das Büro für Statistik gibt daher ungeachtet aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Zeitschrift, die nahezu fünfundzwanzig Jahre bestand, seit Juli 1930 wieder heraus und hofft auf verständnisvolle Mitarbeit und Unterstützung aller interessierten Kreise, insbesondere der Gemeinden und Organisationen. Die Inhaltsübersicht der beiden ersten Hefte gibt einen Eindruck von dem Reichtum des Materials in der neuerstandenen Zeitschrift. Ein Urteil über die Lage der Juden in der Gegenwart und Pläne jeder Art über die Zukunft sind nur auf Grund der hier vorbereiteten sachlichen Unterlagen möglich. Die Hauptaufsätze der ersten beiden Hefte enthalten: Die Statistik der Juden 1905—1930. Von Dr. Jacob Segall. — Die Bilanz der jüdischen Bevölkerung Preußens 1922 bis 1928. Von Dr. Erich Simon. — Zum jüdischen Studentenproblem in Ost- und Mitteleuropa. Von I. Koralnik. — Grundsätzliche Betrachtungen zur Statistik der ungemischten und gemischten Ehen. Von Dr. Segall. — Der Verlust des Judentums durch Taufe und Austritt. Von Dr. Arthur Ruppin. — Zur Statistik des Freitodes bei den Juden in Preußen 1920—28. — Ein sorgfältiges „Statistisches Archiv" über die Verhältnisse der Juden im In- und Ausland beschließt jedes Heft. F. Philipp Halsmann, Briefe aus der Haft an eine Freundin. Herausgegeben von Karl Blanck. Stuttgart 1930, I. Engelhorns Nachf. Man mag sich zu dem Kriminalfall des Studenten Philipp Halsmann stellen, wie man will, — wobei bemerkt werden darf, daß ein wirkliches Recht zur Stellungnahme nur hat, wer den gesamten Akteninhalt kennt und den verschiedenen Gerichtsverhandlungen lükkenlos beigewohnt hat, und nicht schon jeder, der seine Wissenschaft aus den verschiedenen, jeweils nach der Parteirichtung und anderen nichts weniger als sachlichen Gesichtspunkten gefärbten Presseberichten bezogen hat — das eine steht jedenfalls fest: das Charakterbild dieses Halsmann schwankt vorerst noch in der Geschichte. Das ist auch der Eindruck, den feine während der langen Untersuchungshaft an eine oder besser gesagt seine Freundin gerichteten Briefe bei dem nichvoreingenommenen Leser hinterlassen. Inwieweit in ihnen der wahre Charakter des Verfassers zum Ausdruck kommt oder sie nicht vielmehr in der Hauptsache einem durch die ungewohnte Abschließung gesteigerten Innenleben, also anormalen Veobachtungs- und Eefühlsvermögen entspringen, läßt sich mit Sicherheit ebensowenig entscheiden wie die Frage, ob ihr Inhalt, wenn er den „Fall" selbst berührt und wenn er also nicht nur mittelbare, sondern unmittelbare Rückschlüsse auf die Schuldfrage zuläßt, nicht mehr oder weniger absichtlich durch die Rücksichtnahme auf diejenigen Personen diktiert ist, denen die Haftkontrolle und damit die Brieszensur oblag und die nicht ohne Einfluß aus das Schicksal des Halsmann waren. Aber wie dem auch sei und wie auch diese nicht gerade zahlreichen Stellen in den Briefen zu beurteilen sind, d i e Tatsache bleibt bestehen und erhebt diese Briese aus der Haft über den Wert einer aktuellen Lektüre, daß der jugendliche Halsmnn in weltanschaulichen, literarischen und künstlerischen Grundsatz- und Tagesfragen nicht selten eine Schärfe, Klarheit und Eigenwilligkeit des Urteils verrät, die erstaunen machen und die zu der Hoffnung berechtigen, daß man dem Namen Halsmann auch noch in anderem Zusammenhang als mit der Frage nach der Ursache des Todes des Zahnarztes Halsmann aus Riga in Zukunft begegnen wird. Diese Eigenschaften, gepaart mit einem starken Sarkasmus und einem zunächst noch undurchsichtigen Wechsel in der Art seiner Verteidigung machen es anderseits aber auch erklärlich, daß dieser feinfühlende, geistig hoch eingestellte, zuweilen verschrobene und dickköpfige Jude aus einer anderen Welt als Tirol in dem wesensfremden, urwüchsigen und ganz mit der Natur verwachsenen Innsbruck so wenig Sympathie und so harte Richter fand. Nicht unerwähnt soll zum Schlüsse bleiben, daß für den Kriminalpsychologen diese Briefe auch als ein Beitrag zur Sexualnot der Gefangenen nicht ohne Interesse sind. D. Dr. 2l. Felsarl, Das „A B L" des Angeklagten. 2. Auflage. Max Hesses Verlag, Berlin. Das Büchlein gibt in übersichtlicher und gemeinverständlicher Form eine knappe Darstellung des Strafverfahrens in seinen Hauptabschnitten und insbesondere eine Reihe von Ratschlägen für zweckmäßiges Verhalten des in ein solches Verfahren verwickelten Staatsbürgers. Kein Zweifel, daß es in der Hand eines denkenden Beschuldigten für diesen manchen Segen stiften und mittelbar auch der Strafrechtspflege dienen, kein Zweifel aber auch, daß es manches Unheil anrichten kann. Es besteht die Gefahr, daß der Leser, der normalerweise das Buch erst dann zur Hand nehmen wird, wenn ihm eine Anklage droht, und der so unter den seelischen Einwirkun- JOD-BAD TÖLZ Kurpension Hellmann: Streng rituell unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu, München, bietet Ihnen bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Fernruf 516