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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-09-01 · 17 (1.9.1930) · p. Seite 274

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
17 (1.9.1930)
Article
Das Hohe Lied der Menschlichkeit
Date
1930-09-01
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 Emile Zola, der alles einsetzt, um die Wahrheit und die Gerechtigkeit zu verteidigen: sein Leben, seinen Namen, seinen Ruhm als Schriftsteller und Dichter. Und schöner vielleicht noch als der Dichter Zola, dessen Genie gar nichts anderes ist als heißeste Liebe und tiefste Menschlichkeit, und das sich selbst genügt, und das ihn vollkommen erfüllt, — schöner noch ist der Oberst Picard, dieser Mann, der alles zu verlieren und gar nichts zu gewinnen hat, wenn er sich an die Seite Dreyfus' stellt, wenn er gegen eine ganze Welt kämpft, gegen eine allmächtige Generalität, gegen eine öffentliche Meinung, die vergiftet und haßerfüllt ist, einzig deshalb, weil sein Herz Unrecht nicht verträgt, weil seine Seele rebelliert gegen Unwahrheit, Unmenschlichkeit und Lüge. Dieser Oberst Picard hat wahrhaftig gelebt — unglaublich in einer Zeit, die 1930 heißt — und dieser Dichter Zola hat den Geschworenen seine Brust hingehalten, um den Dolchstoß eines Urteiles zu empfangen, das Verblendung und Haß und Torheit diktiert hatten; und dieser Zola hat laut in die Welt die evangelischen Gebote hinausgerufen von dem Glauben an die Wahrheit. Gerechtigkeit, Liebe und Menschlichkeit — Worte, die uns so erschreckend fremd geworden sind und für die wir uns gar nicht mehr begeistern können, wie es scheint... Der „Fall Dreyfus" ist ein trauriger, dunkler Fleck in der Geschichte Frankreichs. Wären nicht Zola gewesen und Picard, — niemals hätte sich das französische Volk reinwaschen können von schändlicher Schmach, die aus trüben und barbarischen Instinkten aufgestiegen ist, die im Widerspruch stehen mit allen Ideen von den Menschenrechten und von dem Glauben an den Sieg jener Humanität, wie sie der Beginn der großen französischen Revolution geboren hatte, und für die sich Schiller und mit ihm die besten Geister des damaligen Deutschland enthusiasmiert hatten. Man weiß, wie tief Frankreich aufgewühlt worden ist durch den Prozeß Dreyfus; es war eine der schlimmsten und schwersten Krisen der damals noch jungen französischen Republik. Der Prozeß Dreyfus zeigt, wie tief eine Nation sinken und in welche fürchterlichen Gefahren sie sich begeben kann, wenn blindwütiger, politischer Haß über Recht und Gerechtigkeit triumphiert und wenn die elementaren Gesetze der Menschlichkeit und Liebe verletzt werden. Der Dreyfus-Film ist — das glaube i ch — in diesen Tag e n für uns ein politischer Anschauungsunterricht ersten Ranges. Wir haben heute nichts so notwendig als den Glauben an Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, an jenes hohe Lied der Menschlichkeit, wie es Zola verkündet und wie es Picard mutig demonstriert hat. 5lus den bayerischen Gemeinden Bechhofen (Mittelfranken). Ein schwerer Verlust hat unsere kleine Gemeinde betroffen. Herr Hugo Steindecker, Vs* erlag in der Nacht zum 4. August, nachdem er am Vortage, dem 9. Am, noch den ganzen Tag gefastet hatte, erst 51 Jahre alt einer Herzlähmung. Seine tiefgebeugte Witwe und drei Kinder weinen um den Gatten und Vater. In tiefste Trauer wurde auch sein Bruder versetzt, mit dem zusammen er in jahrzehntelanger Arbeit sein bedeutendes Unternehmen aufbaute und leitete. Der viel zu früh Verstorbene hat sich in hingebungsvoller Treue dem in seiner Familie traditionellen Dienst für die Gemeinde gewidmet und sich dadurch unseren unauslöschlichen Dank erworben. Die Beisetzung des Dahingeschiedenen ging unter der Anteilnahme der gesamten Bevölkerung vonstatten. Kriegerverein, Turnverein, Gesangverein und die Feuerwehr waren in stattlicher Anzahl aufmarschiert, ihr verdientes Mitglied zu ehren. Herr Rabbiner Dr. Munk (Ansbach) schilderte mit tiefempfundenen Worten den Verstorbenen als vorzüglichen Gatten und Vater, treuen Glaubensgenossen, als aufrichtigen Deutschen und Juden. Herr Religionslehrer Goldberg sprach den Dank der Gemeinde aus. Für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten dankte Herr Ullmann (Nürnberg) dem toten Kameraden, dessen Leiden eine Folgeerscheinung langjährigen Frontdienstes war, für feine Treue. Herr Bürgermeister Bieringer würdigte die großen Verdienste Hugo Steindeckers um die Gemeinde Bechhofen. Unter den üblichen rituellen Gebeten, einem ausgezeichneten Sängergruß und drei Ehrensalven für den Feldzugteilnehmer schloß die würdig verlaufene Trauerfeier. Regenmäntel Ulster und Paletots Eigene Herstellung. Nur hochwertige Qualitäten Vollkommen in Schnitt und Verarbeitung Hauptpreislage: 148.- 165.- 190.- SAKKO-ANZÜGE ab RM. 270.- In unserer bekannt exquisiten Ausführung LOTZ & LEUSMANN München Perusastraße wohllautender großer Ton für RM. 2100.— zu verkaufen. Auch gegen kleine Monatsraten. PlaBOhDUS Alfred Scttmld Nachl. (Unico Hensel) MDocliefl. ResIdeszslraOe 7 gegenüber der Hauptpost Q > Auskunft unverbindlich bei Siemer-Reisen Von unseren zahlreichen HERBST=REISEN bieten wir als besonders preiswert an: Ein Ausnahme-Angebot vom 14. Sept. bis21.Sept.— 8Tage Hin- und Rückfahrt überTauernbahn — Laibach — Postumia nach Abbazia 7 volle Tage Aufenthalt in Abbazia Preis ab München u. zurück ab M. 100.— I Vom 14. bis 21. 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