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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-09-01 · 17 (1.9.1930) · p. Seite 267

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
17 (1.9.1930)
Article
Inhalt
Date
1930-09-01
Page
Seite 267 (sequence 1)
Language
German
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Kachrichtenblatt der Israelitischen Kultusgemeinüen in München/ Augsburg/Hamberg und des Verbandes Haperischer Israelitischer Gemeinden Dagerische Israelitische Gemeinöezeitung Lrschelnt am r. unö if. jeden Monats. — Verlag: V. Heller, München, SezugSprels für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmart 4-So für das pllnganserstraße <$4/ Kernruf 75<54 und 75<5<55, Postscheck München 5-S7. Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 RelchSpfeonl, vchristleitung: Vr. Ludwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße;S Kamillenanzeigen, Stellengesuche und ähnliche Angebote 15 RelchSpfennl, VI. Jahrgang München, r. September 1930 Inhalt: Zur Geschichte der Familie o. Hirsch — Eröffnung der Talmud-Thora-Hochschule in Lublin — Weltkonferenz des liberalen Judentums — Professor Millstätter über die Juden in der modernen Welt — Martin Buber — Das Hohe Lied der Menschlichkeit — Aus den bayerischen Gemeinden — Aus den Kultusgemeinden der Pfalz — Aus dem Verbände — Vereine —* Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Bekanntmachung über Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes und den Zuschlag zur Einkommensteuer der Ledigen — Bekanntmachung über Kirchenumlagen — Bekanntmachung über Glückwunschablösung 1930 — Bekanntmachung über den Filialgottesdienst an den hohen Feiertagen und die Vermietung von Synagogenbetstühlen — Personalia Zur 6efd)id)te der Samilie v. Kirsch Von Dr. Joseph Prys in München Herr Dr. Prys setzt hier seine wichtigen Forschungen aus bisher unveröffentlichtem Archivmaterial fort. Die beiden ersten Aufsätze waren im vorigen Jahrgang in Nr. 20 (16. Oktober) und Nr. 22 (16. November) abgedruckt. Die Aussatzreihe wird fortgesetzt. Als Jacob v. Hirsch am 15. Februar 1821 die königliche Bewilligung zur Ansässigmachung in München erhielt, war er in der bayerischen Hauptstadt längst kein Fremder mehr. Auf Veranlassung der bayerischen Regierung war Hirsch, der in den Jahren 1806 bis 1808 oft in Ansbach wohnte, im August 1806 von dort nach München gekommen, um dem Staat durch Verschaffung eines Anlehenö von einer halben Million Gulden die Befriedigung der Geldforderungen des damals in Ansbach garnisonierenden französischen Marschalls Bernadotte zu ermöglichen. Seine Befähigung zur Aufbringung solch großer Geldmittel hatte Hirsch schon durch eine vorher in Franken zuftandegekommene, doppelt so hohe Anleihe bewiesen, und auch diesmal enttäuschte er^ine hohen Auftraggeber nicht. Schon am 16. August übersendet der königliche Generalkommissar Graf von Thürheim aus Ansbach eine erste Rate von zwanzigtausend Gulden. In dem interessanten Begleitschreiben Thürheims an König Mar Joseph heißt eS: „Inzwischen nehmen Ew. Königliche Majestät zu keiner Ungnade, wenn ich mit Freimütigkeit bemerke, daß ein Geschäft von dieser Art das größte Opfer ist, welches von meiner Anhänglichkeit an den Staatsdienst gefordert werden kann. Der Wert des Bestrebens, dem Staat in dringenden Verlegenheiten mit außerordentlicher Anstrengung zu Hilfe zu kommen, geht natürlich mit der gehobenen Verlegenheit vorüber. Die Resultate solcher' Geldgeschäfte kommen in die Reihe der Dienftschuldigkeiten und ich weiß aus Erfahrung, daß Neid und Verleumdung nicht nach den Akten urteilen." Auch HirschS Verdienste fanden mannigfache Anerkennung, aber sie gerieten, wie seine Lebensgeschichte beweist, später, „nach gehobener Verlegenheit", zum Teil wieder in Vergessenheit. Und doch bestätigt Graf Thürheim, der Vertrauensmann des Königs, in Beziehung auf die Anleiheverhandlungen mit dem „Handelsmann Jacob Hirsch" in einem Berichte an den König vom 14. September 1806 selbst, daß nach seiner Überzeugung „bei dem gegenwärtig zunehmenden Geldmangel ein wohlfeileres Anlehen gewiß nicht zu bewirken sein wird und daß Hirsch alles leistet, was ein Privatmann während der Anwesenheit der Franzosen leisten kann, wenn er die Gelder in der versprochenen Art aufzubringen vermag". Und der König in eigener Person fällt über Hirschs Reellität ein Dezennium spater gelegentlich einer neuen Anleihe von 100 000 Gulden dasselbe Urteil: „Zugleich", heißt es in der Genehmigungsurkunde dieser Anleihe vom 16. Juli 1817, „ist dem Anlehensgeber wegen diesen billigen Bedingnissen Unser Allerhöchstes Wohlgefallen zu erkennen zu geben." Diese Anerkennung bedeutete aber wiederum nur eine erneute Bestätigung der Worte, mit denen Max Joseph schon als Kurfürst in einem Schreiben von Würzburg, den 19. Oktober 1805, Hirschs Geschäftsgebahren gekennzeichnet hatte. Auch damals fand er „den vorgelegten, am 16. Oktober mit dem hiesigen Negozianten Jacob Hirsch zustande gekommenen Geschäftsabschluß über die Realisierung von 125 Stück bayerischer landschaftlicher Assekurationen gegen die Prästation einer Summe von 100 000 Gulden durchaus und in allen seinen Punkten wohlgemessen". Auch als Hirsch als großherzoglicher Hofbankier am 25. September 1812 in München weilte, um über die Tilgung einer Schuld der öfters erwähnten Würzburger freiherrlichen Familie von Greisfenclau, der Vorbesitzerin von Gereuth, an den bayerischen Staat zu verhandeln, wurden Hirschs Vorschläge einer „näheren und gründlichen" Würdigung wert befunden. Gleichzeitig, am 12. Oktober 1812, wird Hirsch im Namen des

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