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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-08-15 · 16 (15.8.1930) · p. Seite 261

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
16 (15.8.1930)
Article
Propheten und Gottesmänner [Rezension]
Date
1930-08-15
Page
Seite 261 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 261 Ihr Zuhause iii Augsburgi Hotel Bayerischer Hof ■ Bestellen Sie bitte rechtzeitig. Fernruf22 wart Menschen, die sich berufen fühlen, das Ewige zukünden in einer Welt flüchtiger Vergänglichkeit. Ein Künder des Ewigen ist Markus Ehrenpreis, der in feinem vielgelefenen Buche „Das Land zwischen Orient und Okzident" auf dem von ihm bereisten Hintergründe der iberischen Halbinsel anschauliche Bilder der jüdischen Denker und Dichter mit seelischer Anteilnahme und großer Wortkraft gezeichnet hat. Diese Eigenschaften sind allerdings nicht ausreichend, wo es sich handelt um die Verlebendigung von Menschen, die Träger und Organe heiligen Geistes gewesen sind. Das kann nur einer, der dieses Geistes einen Hauch in sich fühlt. Ist das in dem neuen Buche von Ehrenpreis über „Propheten und Gottesmänner", das soeben vom „Heinebund" herausgegeben wurde, der Fall gewesen? Darauf antwortet im einleitenden Vorwort sein eigenes Bekenntnis: „Ich habe diese Gottesmänner gezeichnet so wie sie in mir lebendig geworden; sie sind meine Visionen. Aus zusammenhängenden Schriftfragmenten und dunklen Andeutungen sind sie vor meinen inneren Blick getreten. Mählich stiegen sie aus toten Vuchrollen hervor, bis sie zu lebenden, leidenden Menschen wurden, zu Menschen von Fleisch und Blut. Ich fühüe ihre körperhafte Nähe. Sie gaben mir Antwort aus meine Frage." Es handelt sich sonach in den dargeftellten Bildern der Gottesmänner um Visionen von Visionen. Ehrenpreis hat hinter der Hülle des geschriebenen Wortes mit den Augen seiner Seele den lebendigen Geist der Gottesmänner gesucht, erschaut und erfühlt. Und der aufmerksame Leser seines Buches hat den Eindruck, daß Prophetengeist im Geistesspiegel eines späten Prophetenjüngers reflektiert erscheint; er hat aber auch den Eindruck, daß der Prophentengeist in diesem Spiegel modernisiert wird. Das ist besonders bei Jeremias der Fall, den der Verfasser mit Worten eines neuzeitlichen Reformers zu seinem Jünger Baruch sprechen läßt: „Mir ist Gott mein inneres Gesetz, mein Weg, mein Ziel. Ich brauche nicht an Ihn zu glauben, ich fühle Ihn in mir und über mir. Ich brauche keine geschriebene Lehre. Meine Frömmigkeit bedarf keiner äußern Formen. Mein Gottesglaube ist lebendig und kann nicht aus toten Schriftrollen geholt werden." — Da muß man doch fragen: Ist das derselbe Jeremias, der (Kap. 17) über die Entweihung des Sabbats durch werktägliche Arbeit, durch Tragen von Lasten geklagt hat? Von Ezechiel, dem Seelsorger der Gola, wird ein sprechendes Gemälde seines Denkens und Wirkens entworfen und betont, daß er den Geist als die entscheidende Lebensmacht gelehrt hat; es wird aber auch behauptet, daß die Begriffe von Reinheit und Unreinheit im Munde dieses Priestersohns nicht bloß rituelle oder kultische Bedeutung Haben, sondern „im eigentlichen Sinne" seelische und sittliche Kategorien sind. Auch hier muß man fragen: Ist das derselbe Ezechiel, der wie kein anderer unter den biblischen Gottesmännern die priesterlich-kultischen Pflichten eingeschärst und gelehrt hat: Die Priester sollen mein Volk unterweisen über (den Unterschied) von „heilig und unheilig, von rein und unrein" (Kap. 44, SB. 23)? Warmgefühlt und stimmungsvoll geezichnet ist die gesamte Bilderreihe der Gottesmänner, hingestellt lebendig in die Situation ihrer Zeit und aus den Schauplatz ihres einstigen Wirkens; mit echt dichterischer Kraft seelisch miterlebt wird die Persönlichkeit des Deuterojesaia dargestellt, des lautesten Rufers in der Wüste der babylonischen Verbannung, in dessen hochbeschwingten Reden die idealistische Geschichtsauffassung ihren Höhepunkt erreicht und das Rätsel des leidenden Gottesknechts Israel gedeutet und enthüllt ist. Zusammenfassend darf man sagen: Diese neue Darstellung der biblischen Seher in der Form von redenden Lebensbildern ist — trotz mancher Modernisierung ihrer Ideen — durchhaucht von prophetischem Geiste, darum von ungewöhnlicher Wirkung. Sie eignet sich für den Unterricht und sollte zu Vorträgen und Besprechungen in Jugendvereinen benutzt werden. Dr. A. Eckstein (Bamberg). Merkbuch für hebräische Sprachlehre von S. Rosenfelder. Einem fühlbaren Mangel hat der Verfasser, der durch Herausgabe verschiedener Werke für den Unterricht rühmlichst bekannte Kollege Ro>enfelder, durch Zusammenstellung des Merkbuches für hebräische Sprachlehre abgeholfen. Wie man sich auch zu Regeln in der Grammatik stellen mag, vollkommen wird man namentlich in den oberen Klassen, für die das Merkchen gedacht ist, eine Systematik der hebräischen Sprachlehre nicht entbehren können. Zweckmäßig und wohltuend erscheint vor allem die Kürze der zusammengefaßten Regeln. So sind z. B. die Fürwörter, die verschiedenen Konjugationen und Formen der regel- und unregelmäßigen Zeitwörter, die wichtigsten Nachim, Chaseirim und Kefulim nach ihren Kennzeichen und ihrer Bedeutung sehr gut bearbeitet. Etwas merkwürdig erscheinen die gewählten Gedächtnishilfen, z. B. das Mittelwort hat ein Mem oder der Hifit nimmt gerne a an, veranlassende Bedeutung. Ebenso kann bei Behandlung des He in § 9 Ho oder He vor Kehlbuchstaben das „meist" wegbleiben. Auch das Ausrufe He besonders anzuführen, ist nicht nötig. Es ist darauf zu achten, daß bei Neuauflage einige die Vokalisation betreffenden Druckfehler unterbleiben. Man kann zusammenfassen: Das Merkbüchlein ist gut, kurz zusammengefaßt und Lehrern wie Schülern aufs Wärmste zu empfehlen. Berlinger. Seschaklsnachrichlen Leffing-Gedenkmünze Die sächsische Staatsmünze hat im Vorjahre eine silbenere Lessing- Eedenkmünze in zwei Ausgaben, eine kleinere zu 5 RM. und eine größere zu 7.50 RM. herausgebracht, die für München von dem Bankgeschäft Joh. Witzig & Eo., Herzog-Wilhelm-Straße 11, vertrieben wird. Die Firma hat uns die Münze zur Ansicht eingesandt. Es handelt sich um ein künstlerisch überaus gelungenes Stück, auf das wir Interessenten ausdrücklich aufmerksam machen möchten. Fl. CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Abends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen. Mäßige Preise. Kein Eintritt. Kein Weinzwang Münchner Schreinerwerkstätten FÜR KUNSTGEWERBE E. G. M. B. H. 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