Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 16 (15.8.1930)
- Article
- Ansbach
- Date
- 1930-08-15
- Page
- Seite 260 (sequence 2)
- Language
- German
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260 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Die Tätigkeit des Jubilars im Dienste der Allgemeinheit beschränkt sich aber nicht nur auf das Wirken für die jüdische Gemeinschaft. Lange Jahre hindurch gehörte er an maßgebender Stelle dem Stadtrat Ansbach an, der bei der Feier mit einem ebenfalls sehr herzlich gehaltenen Glückwunschschreiben vertreten war. Und auch heute noch ist Kommerzienrat Dietenhöfer als Mitglied in den verschiedensten Körperschaften des öffentlichen Lebens tätig. Er erfreut sich weithin der größten Achtung und Wertschätzung und trägt so in sehr wesentlichem Maße zur Hebung des Ansehens unserer Gemeinde und des ganzen Judentums bei. So ist der Jubilar dank seiner Vielseitigkeit und seiner ganzen Persönlichkeit zugleich der beste Sachwalter und würdigste Repräsentant der Ansbacher Gemeinde und darüber hinaus ein Vertreter unserer Gemeinschaft, auf den wir mit Stolz blicken können. Wir wünschen dem Jubilar von Herzen, daß ihm ein gütiges Geschick noch viele Jahre frohen Schaffens im, Kreise seiner Familie bescheren und ihm die Kraft verleihen möge, in der gleichen erfolgreichen Weise wie bisher im öffentlichen Leben zu wirken zum Wohle seiner Mitbürger und zum Segen der Kultusgemeind-e Ansbach und der ganzen bayerischen Judenheit. Der Landesverband jüdischer Mehgermeisier in Bayern e. B. hält Sonntag, den 17. August, mittags 1 Uhr, in der Gaststätte Domhof, München, Kaufingerstraße 15, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Wichtigster Punkt der Tagesordnung ist die Regelung der Versorgung mit Koscherfleisch nach dem 1. Oktober d. I. Mitteilungen des jüdischen Lehrervereins 1. Zimmerbestellungen zur Jubiläumstagung unter Vorbehalt können nicht berücksichtigt werden. 2. Festchor der Jubiläumsversammlung. Die bei den Chorgesängen mitwirkenden Kollegen mache ich darauf aufmerksam, daß die Hauptprobe Sonntag, den 24. August, abends 6 Uhr, im Platzschen Garten statsinde^. 3. Einzahlungen im Juli 1930: Von: Eisemann (Würzburg) 15.—, Ottensoser (Würzburg) 10.—, Dr. Hammelburger (Würzburg) 15.—, Wolf (Lendershausen) 5.—, Dr. Hammelburger (Würzburg) 16.—, Wolf (Leudershausen) 5.—, Strauß (Nördlingen) 20.—, Katz (Nürnberg) 15.—, Lion (Grünstadt) 20.—, Wurzmann (Schlüchtern) 12.—, Wiedmann (Landau) 10.—, Wähler (Hörstein) 10.—, Sulzbacher.(Großbiberau) 15.—, Wechsler (Alzenau) 10.—>, Steinberger (Bad Kissingen) 20, Rosenblatt (Memmingen) 20.—, Uhlfelder (Nürnberg) 10.—, Strauß (Nürnberg) 25.—, Kirschner (München) 30.—, Eisfeld (München) 20.—, Adler (München) 20.—, Rosenwald- (Frankfurt) 50.—, Langstädpr (Frankfurt) 20.—, Hirsch (Coburg) 30.—, I. und M. Kissinger (Frankenwinkeim) 20.—, Gönninger (Zirndorf) 15.—, Leoite (Gunzenhausen) 20.—, Nußbaum (Neumarkt) 20.—, Kohn (Fürth) 40.—, Rosenberger (Hammelburg) 20.—, Braomann (Königshofen) 4.—, Bierschild (Prichsenstadt) 10.—, Oppenheimer (Laudenbach) 55.—., Baracker (Mosbach) 10.—, Mandelbaum (Würzburg) 20.—, Blatt (Würzburg) 15.—, Anfänger (Würzburg) 7.50, Kahn (Hirfchaid) 15.—, Godlewfky (Amberg) 60.—, D. Sonn (Würzburg) 40.—, Blum (Nürnberg) 25.—, Bernstein (Zweibrücken) 20.—, Strauß (Windsheim) 15.—, Fuchs (Cronheim) 20.—, Lehmann (Eschau) 15.—, Fulder (Treuchtlingen) 25.—, Ellinger (Fürth) 10.—, Strauß (Eichstätt) 25.—, Neumann (Feuchtwangen) 10.—, Bamberger (Würzburg) 15.—, Wetzler (Ludwigshafen) 20.—, Sulzbacher (Hanau) 35.—, Sonn (Fulda) 15.—, Schloß (Mellrichstadt) 10.—, Berlinger (SchweinfurH 15.—, Sonn (Großlangheim) 15.—, I. Sonn (Würzburg) 12.—, Mannheimer (Dettelbach) 35.—, Roberg (Höchberg) 35.—, Schloß (Mellrichstadt) 10.—, Berlinger (Schweinfurt) 15.—, Wähler (Neustadt) 35.—, Weinstock (Theilheim) 15.—, Marx (Rothenburg) 10.—, Berlinger (München) 10.—, S. Glaser (München) 10.—, Dr. Klugmann (München) 15.—, Lachmann (München) 10.—, Zeilberger (Floß) 15.—. Durch: Hellmann (Würzburg) 700.—, Marx (Rothenburg) 20.—, Neumann (Feuchtwangen) 9.—. Strauß (Nördlingen) 80.—, Nosenfeld (München) 50.—, Adler (München) 40.—. Die Kollegen werden dringend ersucht, die gezeichneten Beiträge zur Jubiläumsstiftung umgehend auf unser Scheckkonto 6478 beim Scheckamt Nürnberg einzuzahlen. Würzburg, 31. Juli 1930. M. H e l l m a n n. Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Fortbildungskonferenz für Schulamtsbewerber. Sonntag, 7. September, vormittags 11 Uhr, im Seminar: Besprechung methodischer Fragen für den Religionsunterricht der Oberstufe. (Vertrautheit mit den im Vorjahre behandelten Lehrplanfragen wird vorausgesetzt.) Memmingen. Nach kurzem Krankenlager starb hier der Lehrer a. D. Rosenblatt. vückerschau Höxter Julius, Dr., Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur, V.Teil. Neueste Zeit, 1789 bis zur Gegenwart. Der Leitgedanke der ersten drei Bände, durch Heranführung an die „Quellen" auch im jüdischen Geschichtsunterricht modernen didaktischen Grundsätzen gerecht werden zu können, ist auch in diesen! neuen Bande restlos erfüllt. Es ist ferner wiederum nicht bloß für Schüler und die sonstige erfreulicherweise neuerdings wieder gerne zu solcher Nahrung greifende Jugend vieles Interessante enthalten, sondern es wird auch dem Lehrer vieles Neue geboten; ja selbst der gelehrte jüdische wie nichtjüdische Forscher wird dankbar diese Quellenbücher als vorzügliche Fundgrube anerkennen. Die hohe, grundlegende Bedeutung des Werkes in methodischer Hinsicht wurde seinerzeit schon bei Besprechung des dritten Bandes heroorgehoben. Wer seitdem das Höxtersche Buch im Sinne des Verfassers verwendet hat, wird bestätigen, daß er sich heute nicht mehr wie ftüher mit den meist unvollkommenen Geschichtsbüchern zu quälen, sondern zu deren Ergänzung mit bestem Erfolg zu Höxter gegriffen hat, dessen klug durchdachtes Werk für Lehrer und Schüler eine Wohltat geworden ist. Es ist kaum verständlich, daß es noch nicht allgemein eingeführt ist; denn — ob Freund oder Gegner der Arbeitsschule — jeder wird Geschichte „veranschaulichen" müssen und Literatur „erleben" lassen wollen, um fruchtbringend nicht nur zu „unterrichten", sondern vor allem auch zu bewußter Anteilnahme am jüdischen Leben der Gegenwart zu „erziehen". Dazu aber vermittelt den „Anschauungsstoff" für den nach der alten Vortragsmethode Unterrichtenden und den „Baustoff" dem der arbeitsfchulmätzigen Lehrart Ergebenen Höxters Quellenbuch in ganz vorzüglicher Weise. Inhaltlich ist zu sagen, daß die Stoffauswahl wiederum sehr klug erfolgt ist. Es sind alle Quellenstücke im Unterricht durchführbar. Der fünfte Band enthält im ersten Teil hauptsächlich die „Emanzipation der Juden" in den einzelnen Staaten, und bietet, ohne aus die Einzelheiten hier einzugehen, in vierundvierzig Kapiteln neuen Stoff zur Lektüre und deren Verwertung. In dem zweiten Teil, dem „inneren Leben der Juden", wird durch das „Familien- und Gemeindeleben" in sechs Kapiteln, „Wissenschaft und Dichtung" in siebzehn, die „religiöse Bewegung" in besonders angenehmer, weil objektiver Weise, in vier, die „Kulturbestrebungen und Vereinigungen in sechs, die politischen Strömungen bis zur „Jewish Agency" in neunzehn Kapiteln die Möglichkeit gegeben, aus der Vergangenheit „Wissen, Willen, Liebe und Kraft zu gewinnen für das Judentum der Gegenwart". Dr. E. Fränkl (Augsburg). Propheten und Gottesmänner. Es gibt in der Bibelsprüche eine nicht geringe Anzahl von Ausdrücken und Aussprüchen zur Bezeichnung göttlicher Eigenschaften und Wirkungen, die schon nach rabbinischer Auffassung aus dem Unvermögen der Sprache, das eigentlich Unsagbare in Wortform fassen zu können, als Vermenschlichungen (Anthropomorphismen) erklärt werden, die nur andeutungsweise und nicht nach ihrem Wortsinn verstanden werden dürfen. Eine solche Versinnlichung göttlicher Offenbarung ist auch der fast nur bei Ezechiel vorkommende Ausdruck: „Es war auf mir die Hand des.Ewigen." Der aramäische Übersetzer umschreibt diese Hand mit den Worten: „Geist der Weissagung", entsprechend dem einmal von Ezechiel gebrauchten Ausdruck: „Es überfiel mich der Geist des Ewigen" (Kap. 11, V. 5). Die „Gotteshand" ist sonach immaterielle Kraft, die eine von Gott gerufene Seele mit zwingender Gewalt überkommt, so daß sie trotz allem Sichsträubens sich in den Dienst der sie beherrschenden Ideen stellen und der ihr aufgetragenen Botschaft sich zur Verfügung hingeben muß. Die Seher der altbiblischen Zeit kennen solche Seelenverfassung, in der sie unter der „Gotteshand", die sie ergriffen, zwischen Wollen und Nich^wollen erschauernd sich winden, bis das befreiende Wort die Spannung löst. Die Kraft solchen übermenschlichen Geistes wirkt nach durch die Zeilenferne und ein Funken davon entzündet noch in unserer nüchternen Gegen-