Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 16 (15.8.1930)
- Article
- Das Schulwesen in Bayern [Rezension]
- Date
- 1930-08-15
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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258 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Sehr bemerkenswerte Ausführungen finden sich in der textlichen Darstellung über die Gründe des Andranges zu den höheren Schulen und Hochschulen sowie über die Gefahren, die aus diesem Zustand erwachsen. Wichtig ist in der Statistik natürlich auch die Ausgliederung nach Konfessionen. Auch diese findet sich in der Arbeit, sowohl für die einzelnen Schulgattungen wie für Schüler und Lehrer. Nur mit einer Ausnahme. Sind die Mittelschullehrer natürlich noch ausgegliedert, so ist das bei den Hochschullehrern nicht mehr der Fall, wohl aber bei den Studierenden. Eine konfessionelle Ausgliederung der Hochschullehrer wäre interessant und muß durchgeführt werden. G^enüber 1922/1923 waren die Volkshauptschulen von 7449 auf 7609 im Jahre 1926/27 gestiegen, wobei unter den Konfessionen keine Verschiebung festzustellen ist. Katholische Schulen waren es 70,5 Prozent gegenüber 70,3 Prozent des früheren Zeitpunktes, protestantische 26,2 gegenüber 26,1, israelitische 0,3 gegenüber 0,8, die Simultanschulen endlich stiegen trotz aller Propaganda nur von 2,8 aus 3,0 Prozent. Die Zahl der Kinder ist natürlich bedeutend im Zurückgehen. Von insgesamt 765 900 Schülern (1052 659) waren 554 972 (756 690) katholisch, 204 628 (288 390) protestantisch, 1299 (1147) sonstige Christen, 1862 (3181) israelitisch, 2192 (2217) sonstige Bekenntnisse, 2192 (2217) bekenntnisfrei. Die prozentuale Abnahme beträgt somit seit 1921/22 — die Ziffern dieses Jahres sind in Klammern mitoermerkt — für die katholischen. Schüler 26,7 Prozent (insgesamt 201718), bei den protestantischen 29,0 Prozent (83 762), bei den jüdischen vollends 41,5 Prozent (1319), wodurch auch der starke Rückgang der israelitischen Bekenntnisschulen zu erklären ist. Katholische Konfessionsschulen wurden dabei von 62,9 v. H. der Schüler, protestantische von 20,8 v. H., israelitische von 0,1 und konfessionell gemischte Schulen von 9,9 Prozent der Schüler besucht. Interessant ist auch die Feststellung, daß nach den Erhebungen des letzten Jahres 99,8 Prozent der Gesamtschüler einen Religionsunterricht bzw. einen den Religionsunterricht ersetzenden Moralunterricht besuchten. Besonders interessant sind die Zahlen wieder bei den Höheren Lehranstalten. Von der Gesamtschülerzahl 92 123 sind 56 822 katholisch, 32 311 protestantisch, 192 sonstige Christen, 2398 israelitisch, 111 sonstigen Bekenntnisses, 289 bekenntnisfrei. In dieser Zahl sind die Mädchen miteingerechnet. An den Höheren Lehranstalten Bayerns für die männliche Jugend beträgt die Zahl der Schüler im heurigen Schuljahr, welche Zahl natürlich in dem Werke noch nicht enthalten ist, 54 586 (+ 1267). Davon nun find 61,44 Prozent Katholiken gegenüber 61,81 Prozent im Vorjahre, 36,22 Prozent Protestanten (35,82 Prozent), 1,73 (1,78) Prozent Israeliten. Wir werden nach diesem kurzen Jnhaltsüberblick die wertvolle Veröffentlichung auf ihre Schlußfolgerungen für die bayerischen Juden hin in einer späteren Nummer der Gemeindezeitung würdigen. F. An die ehemaligen Würzburger! Kollegen! Wenn wir in diesen Tagen die goldene Jubelfeier des Israelitischen Lehreroereins in Bayern festlich begehen, eines Vereins, der so manches treubewährte Mitglied auch jenseits der weißblauen Grenzpfähle zu den Seinen zählt, dann gedenken wir, in die Vergangenheit zurückschauend, einer geplant gewesenen ähnlichen Festtagung, die vor sechzehn Jahren auch in der schönen Frankenmetropole abgehalten werden sollte, durch ungeahnte Zeitenstürze aber verhindert wurde: die Jubelfeier fünfzigjährigen Bestehens der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Alle Vorbereitungen waren getroffen; in Heller Begeisterung hatten die Hunderte der ehemaligen Schüler des Würzburger Seminars den Gedanken gemeinsamer Feier als lebendige Bekundung des Gefühles der Zusammengehörigkeit erfaßt; da brach der fürchterlichste der Kriege 1914 aus, wenige Tage vor dem vorgesehenen Jubiläumstage, und die wilde Kriegsflut begrub auch Fest und Feier in ihrem tosenden Wirbel. So mancher wackere Kollege und ehemalige Miffchüler mußte sein Leben dem Vaterlande zum Opfer bringen, mancher andere mußte seitdem dem irdischen Leben natürlichen Tribut zollen, neue Lehrergenerationen sind seitdem herangewachsen, aber die alte Bildungsstätte besteht noch und — wir hoffen und erwarten es — in unseren Reihen der Geist von 1914, der Geist der treuen Anhänglichkeit zur alten alma mater. Sie hat die Jahre von Sturm und Ebbe im öffentlichen Leben überdauert, hat ungeheure Schwierigkeiten und Fährnisse überwunden und erscheint gleichsam neu verjüngt, ein aus lodernder Flamme sich stets neu belebender Phönix vor unseren Augen. Immer neue Zweige hat sie getrieben, neuen Aufftieg genommen statt drohenden Niederganges, ein Bild zähester Lebenskraft und — Lebensnotwendigkeit. Ein neues Anstaltsgebäude ersteht z. Zt., das, allen modernen Anforderungen in pädagogischer, hygienischer und ästhetischer Beziehung Rechnung tragend, auch in kluger Voraussicht der Zukunft und ihren möglichen Forderungen gerecht zu werden versucht. Wir freuen uns unserer alten alma mat«r, wir sind stolz auf sie, wir möchten dem Gefühl, das uns alle Zeit mit ihr verbindet, auch fichtbarlich Ausdruck verliehen wissen. Es war 1914 eine „Vereinigung ehemaliger Würzburger" beabsichtigt; der hier an erster Stelle Mitunterzeichnete führte in den konstituierenden Beratungen den provisorischen Vorsitz. Sollte nicht das Vereinsjubiläum der Lehrerschaft die passendste Gelegenheit bieten, da so viele ehemalige Schüler aus Ost und West, aus Nord und Süd in Würzburg sich festlich gestimmt zusammenfinden, den nur aufgeschobenen, nie aufgegebenen Gedanken der „Vereinigung ehemaliger Würzburger" zur lebendigen Wahrheit werden zu lassen? Es wird, es muß sich gelegentlich der Jubiläumsfesttage Zeit finden lassen, eine feste Organisation zu begründen, der Zusammenschluß muß sich vollziehen. Zustimmungserklärungen und sachdienliche Anregungen werden von den Unterzeichneten dringend erbeten, ohne daß mit der Zeichnung dieser Namen etwa eine Festlegung für die endgültige Gestaltung von Organisation und Leitung vorweggenommen werden will. Die Zeit von 8—10 Uhr vormittags am Montag, 25. August, ist anderweitig nicht belegt. Wir halten deshalb diese Vormittagsstunden für geeignet zu einer konstituierenden Versammlung einer „Vereinigung ehemaliger Würzburger" und laden hierzu alle früheren Schüler der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg herzlichst ein. Frisch auf zur frohen Tat! Mit kollegialem Vrudergruß: A. Mannheimer (Dettelbach), Max Adler (München), Wolf Berlinger (Freudenstadt), Dr. Ernst Fränkl (Augsburg), Leopold Kahn (Alsfeld), Isidor Marx (Frankfurt), D. Rosenwald (Frankfurt), Dr. I. Bamberger (Nürnberg), Karl Eisemann (Berlin), Emanuel Heimann (Plauen), A. Kaufmann (Tauberbischofsheim), David Mannheim (Osterode), Nußbaum (Bocholt), Arnold Stein (Berlin). indtolz JUpenkurhof Park-Hotel: Modern / Behaglich / Bequem / Kallee / Restaurant / Bierklause /!5-Uhr-Tee / Tanzabende Fernruf_99 und 109