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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-08-01 · 15 (1.8.1930) · p. Seite 240

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
15 (1.8.1930)
Article
Aus der Geschichte der Juden in Deutschland vor 400 Jahren
Date
1930-08-01
Page
Seite 240 (sequence 4)
Language
German
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240 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 tig eine sehr anschauliche Illustration zu den beiden obigen Aufsätzen von Dr. Ernst Jacob und Dr. Fritz Mayer über die Augsburger Reformationserinnerungen, auch zu der von Dr. Gundersheimer (Würzburg) mitgeteilten Urkunde ist das eben erschienene, ausgezeichnet bearbeitete Bücherverzeichnis des Münchener Antiquariats Taeuber &. Weil „Alte Judaica". Außer dem oben mehrfach erwähnten Buch von Antonius Margaritha: „Der gantz Jüdisch glaub" (Augsburg, H. Steyner, 1530), ist hier eine ganze Reihe hochberühmter früher Druckwerke beschrieben, die Ende des fünfzehnten und in den ersten Jahrzehnten des sechzehnten Jahrhunderts den Christen in Deutschland eine nähere Kenntnis der hebräischen Sprache und der jüdischen Lehren vermittelten. Unsere Abbildung Nr. 1 zeigt ein Blatt aus dem sehr seltenen Werk des Cichstätter Dominikaners Petrus Nigri: „Chochaf hamschiah das ist gedolmetscht ein Stern des Meschiah“ (Ehlingen, Conrad Fyner 1477), das die ersten hebräischen Typen im deutschen Buchdruck enthält. Der jetzige Dillinger Professor für Altes Testament Bernhard Walde hat in seiner Münchener Habilitationsschrift „Christliche Hebraisten Deutschlands am Ausgang des Mittelalters" (Münster 1916) diesem Werk Nigris eine ausführliche und objektive Beschreibung gewidmet. Walde hat insbesondere der auch noch von Ludwig Geiger verbreiteten Legende von dem Hauptverdienst Luthers und der Reformatoren um das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland ein Ende gemacht. Nigri ist der bedeutendste christliche Hebraist des Vorhumanismus; Pellikan, Reuchlin und andere fußen auf ihm. Von 1500 an erfährt, namentlich durch Reuchlin, das profane, wissenschaftliche Studium der hebräischen Sprache an den Universitäten in Deutschland, einen besonderen Aufschwung. Bild 2 zeigt das Titelblatt der im übrigen Text ganz hebräisch gedruckten hebräischen Grammatik von Moses Kimchi (des großen jüdischen Grammatikers um 1185). Von dieser sehr weit verbreiteten Einführung in das Hebräische ist die Erstausgabe in Padua 1504 erschienen; vor 1522 sind sieben Drucke bekannt. Bis 1519 sind die Drucker und Herausgeber Juden; in diesem Jahr erschien dann die Ausgabe des Verlegers Thomas Anselm in Hagenau, dessen Druckerzeichen von Hans Baldung Grien geschnitten und in Bild 2 wiedergegeben ist. Nach dieser Grammatik lehrte Reuchlin die hebräische Sprache an den Universitäten Ingolstadt und Heidelberg. Jede der achtzig Nummern aus dem Katalog von Täuber &. Weil gäbe zu wichtigen kulturgeschichtlichen, die jüdische Geistesgeschichte beleuchtenden Anmerkungen Anlaß. Die Lehrer des Hebräischen an den Universitäten waren im sechzehnten Jahrhundert häufig getaufte Juden. Dieser Erscheinung wird man heute nicht mehr gerecht, wenn man den Namen der zahlreichen hebräischen Sprachlehrer, die Einführungen in die hebräische Sprache und jüdische Lehre von sehr verschiedener Qualität geschrieben haben, mechanisch die im neunzehnten Jahrhundert übliche Etikette „elender Täufling" anhängt und dazu einige entrüstete Bemerkungen über die schmähliche und verächtliche Gesinnung dieser Renegaten anfügt. Aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts stammt der oben abgedruckte charakteristische Brief von Paul Altdörfer, der als Typus jener hebräischen Philologen gelten kann. F. Bus der Gemeinde München Frau Cäcilie Lihinger 90 Jahre. Frau Cäcilie Kitzinger, Barerstraße 68/2, feierte am 16. Juli ihren 90. Geburtstag. Der Jubilarin und dem Hause Wilhelm und Elisabeth Kitzinger zu dem sellenen Jubeltag unsere herzlichsten Wünsche! | Jakob Hirschinger | Am 13. Juli ist Jakob Hirschinger in Tölz, wo er Kräftigung und Erholung nach schwerer Krankheit suchte, plötzlich verschieden. Sein Heimgang hinterläßt in unserer Gemeinde eine Lücke, die kaum wieder ausgefüllt werden kann. Er war Beamter unserer Gemeinde — Sozialbeamter, Armenpfleger. Er brachte für dieses Amt, das er nahezu drei Jahrzehnte bekleidete, keinerlei Vorbildung mit und doch, in welch vorbildlicher Weise hat er die Aufgabe erfüllt! Sein Wirken erschöpfte sich nicht darin, die ihm zur Verfügung stehenden Beträge in der bestmöglichen Weise zu verteilen, er war seinen Schützlingen Berater und Helfer in allen Lebenslagen. Für ihn gab es keine Dienststunden, zu jeder Tages- und Nachtzeit kamen sie, denen er wie ein Vater zur Seite stand, schütteten ihm ihr Herz aus und fanden Verstehen und Hilfe. Wie beglückt war er, wenn er jedes Jahr recht viele erholungsbedürftige Kinder in die Ferienkolonie Krumbach bringen konnte und wie strahlte er, wenn er sie, ein jedes um etliche Pfund schwerer, wieder nach München holen und den dankbaren Eltern übergeben durfte. Und welch hohe Befriedigung gewährte es ihm, in ganz diskreter Weise auch da helfen und stützen zu können, wo außer ihm niemand wissen durfte,, daß Hilfe nötig war. So hat er den Begriff des nvn in edelster Weise in die Tat umgesetzt und das Wohlfahrtswesen unserer Gemeinde zu einem vorbildlichen entwickeln helfen. Die Persönlichkeit des Heimgegangenen wäre aber nicht ganz gezeichnet, wollten wir nicht auch seiner Bedeutung als Gelehrter Erwähnung tun. Daß er, der orthodoxe Jude von seltener Konsequenz, die freie Zeit, die ihm sein Beruf ließ, dem Studium der min widmete, war bei diesem Manne selbstverständlich. Seine ganz besondere Größe aber lag auf bibliographischem Gebiete. Schon in seinen jungen Jahren wurde er von dem bekannten Gelehrten Rabbinowitsch zur Mitarbeit herangezogen und bis in die jüngste Zeit haben Bibliothekare großer Sammlungen sich bei ihm, dem großen Kenner, Rat erbeten. An der Bahre widmete Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu dem Heimgegangenen warme, tief empfundene Worte des Schmerzes und der Trauer; tiefbewegt beklagte Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer den großen Verlust, den die Gemeinde durch sein Hinscheiden erlitten. Herr Justizrat Dr. Oppenheimer ries ihm den Dank der Wohlsahrtsvereine nach, die so Unersetzliches an ihm verloren. Möge das Andenken an diesen Mann, dessen Leben und Wirken zum Segen wurde, in unserer Gemeinschaft nicht verblassen, n:mS p'-s ist R. Bus der Gemeinde Bugsburg - Am 14. Juli d. I. vollendete eine nicht nur unter den Fachgelehrten, sondern auch in den Kreisen der Industrie, des Handels und der Schiffahrt weitbekannte Persönlichkeit, der Chemiker Professor Dr. phil. David Aufhäuser sein 52. Lebensjahr. Bei seinen engen Beziehungen zu Augsburg, wo er seine Schul- und Jugendjahre verbrachte und wo seine betagten Eltern (Hermann und Julie Aufhäuser) heute noch wohnen, erscheint es uns wohl angebracht, in einer kurzen Biographie dieses ausgezeichneten Mannes und seines Werkes zu gedenken. Geboren am 14. Juli 1878 in Üttingen, besuchte er die Real- und Industrieschule in Augsburg und studierte darauf in München, Heidelberg, Karlsruhe, Leipzig und Zürich Chemie. Erst 27jährig, gründete er in Hamburg eine „Thermo-chemische Prüfungs- und Bersuchsanstalt", als deren Leiter er ein Vierteljahrhundert hindurch eine außerordentlich erfolgreiche Tätigkeit entfaltete. Sein besonderes Arbeitsgebiet ist die heute so aktuelle Wärmewirtschast, deren große praktische Bedeutung er frühzeitig erkannte. Seine epochemachenden Arbeiten auf diesem Gebiete, speziell seine neue Theorie der Verbrennung, seine thermo-chemischen Untersuchungen der Brennstoffe und sein 1927 erschienenes Werk „Brennstoff und Verbrennung" haben bahnbrechend gewirkt. Lange Jahre bekleidete er auch das Amt eines beeidigten Handelschemikers. 1927 folgte er einem Rufe der Technischen Hochschule Berlin, wo er in der Fakultät für Maschinenwesen Vorlesungen über Brennstosschemie und Brennstoffwirtschaft hält. Indessen blieb er seinem Hamburger Wirkungskreise treu, wo er als Obmann und Berater von technischen Vereinen und Ausschüssen, sowie zahlreicher Wersten, Münchner Schreinerwerkstätten FÜR KUNSTGEWERBE E. G. M. B. H. Gediegenste Einzelmöbel, Ausstattung kompletter Wohnungen u. Villen MÜNCHEN, LUDWIGSTRASSE 26 JOD-BAD TÖLZ Kurpension Hellmann: Streng rituell unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu, München, bietet Ihnen bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Fernruf 316

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