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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1930-07-15 · 7 (15.7.1930) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1930
Issue
7 (15.7.1930)
Article
Adolf Mayer, Niederhochstadt
Date
1930-07-15
Page
Seite 15 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 15 | Adolf Mayer» Niederhochstadl | Am 4. Juni machte ein Herzschlag seinem arbeitsfreudigen Leben ein Ende. Die Munterkeit und Frische, die wir 8 Tage zuvor aus der Jahresversamnrlung in Landau an dem seit längerer Zeit leidenden Kollegen feststellen durften, war nur das Aufblühen gewesen vor dem Verwelken. Adolf Mayer hat zuerst in Kochendorf (Wttbg.) und Rockenhausen einige Jahre gewirkt, aber fast die ganze Kraft — 34 Jahre — seines Lebens gehörte der Gemeinde Niederhochstadt. Die Trauerrede des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Einstein, die Abschiedsworte des Gemeindevorstandes Herrn M. Dreifuß, des Pfälzer Verbandsvorsitzenden Herrn Kommerzienrat Joseph, eines christlichen Ortskollegen und des Schreibers dieser Zeilen zeichneten noch einmal voll Dankbarkeit und Verehrung das Bild dieses Lehrerlebens, in seiner Lauterkeit, Berufshingebung, in seiner Treue und Gewissenhaftigkeit im Kleinen wie im Großen, — das Bild einer Persönlichkeit, die alle Kraft des Herzens und Geistes in den Dienst ihres heiligen Amtes gestellt. Die Gemeinde Niederhochstadt verliert — o Schicksal der Landgemeinden! — ihren geistigen Mittelpunkt, wir aber verlieren einen braven Freund und Kollegen. Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Schottland. §reie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz Die Jahresversammlung am 29. Mai 1930 in Landau stand unter einem guten Stern. Fast sämtliche Mitglieder waren erschienen; dazu eine stattliche Anzahl von Gästen. Wie im Vorjahre in Kaiserslautern, so ging auch diesmal der Tagung eine erhebende Synagogenfeier voraus. Unser Kollege. Steinem — bald 40 Jahre Kantor und Lehrer der Gemeinde Landau —, ließ den Abendgottesdienst für Schwuos nach Lewandowfky, eine grohangelegte Kedufcha von Jahn u. a. vor uns erklingen, mit einer Stimme von kaum verbrauchter Kraft und ungemindertem Wohlklang, er selbst das Urbild des schlichten und doch begnadeten Vorbeters, begleitet von seinem vorzüglichen Synagogenchor. Die Tagung fand (um 11 Uhr) im Tempel der Elias-Grünebaum- Loge stall, der uns liebenswürdigerweise für unsere Besprechungen zur Verfügung gestellt worden war. In seinen Begrüßungsworten wies der Unterzeichnete auf den „Dolchstoß" der „Freiheitsgebete" hin, dem wir unseren gesteigerten Willen entgegensetzen müßten, die uns anvertraute Jugend auch weiterhin im Glauben an das Gute im Menschen zu erziehen und an die Befriedung der Menschheit. Herzliche Worte der Begrüßung sprachen Herr Michael Brunner namens des Synagogenrats der Gemeinde Landau und Herr Kommerzienrat Joseph für den Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz. Aus allen Worten leuchtete der starke Wille unverdrossen und allen äußeren und inneren Schwierigkeiten zum Trotz weiterzuarbeiten an den Aufgaben des Verbandes zum Heile des Judentums. Vom gleichen Geiste beseelt waren die beiden Referate. In seinen „Gedanken zum heutigen Religionsunterricht" verbreitete sich Herr Bezirksrabbiner Dr. Einstein, Landau, in seiner gemüt- und humorvollen Weise über Methode, Stoffumfang und -Anordnung des Religionsunterrichts, während der zweite Redner, Kollege Bär, Edenkoben, das Thema behandelte: Wie steigern wir den Erfolg unseres Unterrichts in den Filialgemeinden? Die Aussprache, an der sich auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher und Herr Stadtrat Strauß, Bad Dürkheim, beteiligten, war recht lebhaft und brachte manche wertvolle Winke und Anregungen. Sie zeigte vor allem die . erfreuliche Tatsache, daß es für die allgemeinen Bemühungen der jüdischen Lehrerschaft, den Religionsunterricht methodisch und inhaltlich auszugestalten, an energischen Mitarbeitern auch in der Pfalz nicht fehlt. Nach harmonisch verlaufener Versammlung, die natürlich auch - das übliche Vereinsmäßige zu absolvieren hatte, fanden sich die Kollegen beim gemeinsamen Mittagsmahl wieder vollzählig zusammen, das die Gemeinde Landau in gastfreundlicher Weise bereitet hatte. Die Jahresversammlung 1931 wird auf freundschaftliche Einladung des Herrn Stadtrat Strauß in Bad Dürkheim stattfinden. H. Schottland Vorsitzender. §ortbildungskurs Mannheim An dem Ende April in Mannheim durch den badischen Oberrat abgehaltenen Fortbildungskurs für Lehrer hatten sich auch einige bayerische Kollegen beteiligt. Der etwas unbequeme Beginn des Kurses mag manchen weiter entfernt Wohnenden abgehalten haben. Und das war hinsichtlich des dort Gebotenen zu bedauern. Das Programm, welches das Schowouth-Fest in den Mittelpunkt der Erörterungen stellte, war reichhaltig genug um auch dem Anspruchsvollen etwas zu bieten. Ich darf es als jedem-bekannt voraussetzen und möchte daher nur die für uns als Lehrer besonders interessanten Vorträge und Unterrichtsfkizzen des uns von Höchberg her bekannten Kollegen Kälbermann und des Hauptlehrers D u r l a ch e r, Heidelberg, herausheben. Beide behandelten den ersten hebräischen Leseunterricht, der vom lebendigen Sprechen ausgeht. Viele Teilnehmer betrachteten als Höhepunkt des Kurses jene .Stunde, in der Kälbermann seine Klasse vorführte, die hingegeben an den Inhalt und verständnisvoll, hebräische Lieder vortrug. . „Im Gegensatz zum bayerischen Kursus" (wie der Kursleiter sagte), war es dem Hörer gestattet, zwischen die Vorlesung hinein seine Fragen oder seine abweichende Meinung vorzubringen Es nmß zugegeben werden, daß damit zwischen Zuhörer und Vortragendem ein guter Kontakt hergestellt, manches Fremde und augenblicklich schwerer Verständliche sofort geklärt und damit dem Nachfolgenden eine bessere Aufnahme bereitet wurde. Allerdings muhte diese Freiheit bald eingeschränkt werden, weil die Einheit des Vortrags darunter zu leiden begann. Immerhin mag es aber sestgehalten werden, daß es nützlich ist, eine Vorlesung insbesonders, wenn sie sich über eine längere Zeit spannt, in Teile zu gliedern, um -zwischenhinein dem Hörer durch Fragen zu gestatten, sich am Stoff besser orientieren zu können. Die Mannheimer Gemeinde lud die Kursteilnehmer zu einem von musikalischen Darbietungen umrahmten Abendessen ein, wobei nach verschiedenen Ansprachen Brückheimer, Marktbreit, namens der bayerischen Lehrer und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden dem Oberrat und der Gemeinde den Dank abstattete. Er kam dann auf eine Eingabe des jüdischen Lehrervereins für Bayern zu sprechen, die wünscht, daß solche Fortbildungskurse fortan von mehreren Verbänden gemeinschaftlich getragen werden möchten, damit in der Auswahl der Dozenten und Themen und hinsichtlich der Dauer solcher Veranstaltungen ihr Kostenpunkt weniger ausschlaggebend mitbestimme. Dem Verbände, der den bayerischen Teilnehmern einen Zuschuß gewährte, sei auch an dieser Stelle hiefür der Dank ausgesprochen. S. Brückheimer. Vereinsmitteilungen Vor kurzem beging unser Kollege Rosenfelder, Aidhausen, das Fest der goldenen Hochzeit. Welch großer Beliebtheit sich das Jubelpaar erfreute, das beweisen die Menge der Gratulanten, die sich zur Feier einfanden. Besonders erfreulich war die rege Teilnahme der nichtjüdischen Bevölkerung an diesem Ehrentag. Auch Reichspräsident v. Hindenburg, Ministerpräsident Held und der Regierungspräsident von Unterfranken sandten Glückwunschschreiben. In einem Dankschreiben an uns schließt der greise Jubilar mit den Worten: „Möge G' in den Herzen der Obrigkeit aller Länder gleiche Gefühle erwecken, auf daß wir einer besseren Zukunft entgegensehen mögen." Auf unseren Antrag wurde vom Amtsgericht Würzburg, Registergericht, unterm 20. Juni 1930, unser Verein in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Würzburg eingetragen. Der Verein führt nun den Namen: „Jüdischer Lehrerverein für Bayern e. V." Die Kollegen werden dringend ersucht unter allen Umständen, die ihnen zugegangenen Bogen, betr. Teilnahme an der Jubiläumsoerfammlung, ausgefüllt an Hellmann zurückzusenden, auch wenn Fehlanzeige erstattet werden müßte. Kurz vor Redaktionsschluß erreichte uns noch die traurige Mitteilung, daß Moses Nußbaum, Bad Kissingen, am 29. Juni plötzlich verschieden ist. Wir werden dem lieben Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren. Eben (8. Juli) erhielten wir noch die Schreckensnachricht, daß gestern unser lieber Kollege, das Ehrenmitglied unserer Verwaltung, Leopold Gutmann, Oettingen, entschlafen ist. Wir werden auf das segensreiche Wirken dieses seltenen Mannes noch zurückkommen. München, 1. Juli 1930. M. Rosenfeld M. Adler

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